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Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, Unternehmensmeldungen, 21.11.2018, 07:00

thyssenkrupp schließt Geschäftsjahr 2017/2018 solide ab und setzt während des Teilungsprozesses konsequent auf Performance-Steigerung

  • Solide Entwicklung bei Auftragseingang und Umsatz im Geschäftsjahr 2017/2018
  • Bereinigtes EBIT mit 1,6 Mrd € unter Vorjahresniveau (1,7 Mrd €)
  • Einsparungen mit knapp 890 Mio € deutlich über Ziel: Verwaltungskosten um knapp 30 Prozent reduziert
  • Fahrplan für die Teilung vorgelegt
  • Vorbereitungen für Stahl-Joint-Venture im Plan
  • Prognose 2018/2019: Steigerung des Bereinigten EBIT der fortgeführten Aktivitäten

Der Industrie- und Technologiekonzern thyssenkrupp hat bei Auftragseingang und Umsatz trotz negativer Währungseffekte im Geschäftsjahr 2017/2018 eine solide Entwicklung verzeichnet: Der Auftragseingang[1] erreichte mit 42,8 Mrd € das hohe Vorjahresniveau, der Umsatz ist leicht gewachsen. Das Bereinigte EBIT betrug 1,6 Mrd € (Vorjahr: 1,7 Mrd €) und lag damit unter der Ende Juli angepassten Prognose. Auch das Nettoergebnis fiel mit 60 Mio € hinter den Wert des Vorjahres (271 Mio €) zurück. Der Free Cashflow (FCF) vor M&A verbesserte sich deutlich gegenüber dem Vorjahr, blieb im Gesamtjahr aber wie erwartet negativ (-134 Mio €).

Guido Kerkhoff, Vorsitzender des Vorstands der thyssenkrupp AG: „Das abgelaufene Geschäftsjahr war ein aufregendes und herausforderndes für thyssenkrupp. Wir haben einen der größten Konzernumbauten in der Geschichte des Unternehmens eingeleitet. Zugleich haben wir in allen Geschäftsbereichen Potenzial für weitere Verbesserungen identifiziert, die wir nun konsequent angehen. Wir bekennen uns klar zu unseren bestehenden Performance-Zielen. Mit den Geschäftsbereichen sind Maßnahmen vereinbart, um diese zu erreichen. So werden wir die Leistungsfähigkeit von thyssenkrupp insgesamt steigern.“

Fahrplan für die Teilung des Konzerns vorgelegt

Für die angekündigte Teilung des Konzerns hat der Vorstand heute den Fahrplan vorgelegt. Im September 2018 hatte thyssenkrupp beschlossen, den Konzern in zwei deutlich fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen aufzuteilen: Als thyssenkrupp Materials AG und thyssenkrupp Industrials AG sollen die Werkstoff- und die Industriegütergeschäfte als eigenständige, börsennotierte Gesellschaften mit direktem Kapitalmarktzugang geführt werden. Die Teilung reduziert die Komplexität und erlaubt es beiden Unternehmen, unabhängiger, schneller und zielgerichteter auf Kunden und Märkte zu reagieren und Investoren mit unterschiedlicher Ausrichtung anzusprechen.

thyssenkrupp strebt an, die Teilung von der ordentlichen Hauptversammlung imJanuar 2020 beschließen zu lassen. Der dafür benötigte Spaltungsbericht soll im Rahmen der Bilanzpressekonferenz im vierten Quartal 2019 vorgestellt werden. Damit dies gelingt, müssen die beiden Unternehmen zum 1.10.2019 weitgehend operativ selbstständig aufgestellt sein. Über die Besetzung der beiden Vorstandsteams soll im Frühjahr 2019 entschieden werden.

Guido Kerkhoff: „Wir sind überzeugt davon, dass sich die Geschäfte in dieser Neuaufstellung besser weiterentwickeln und auf ihre Stärken konzentrieren können. Der Fahrplan steht, jetzt werden wir die Aufteilung des Konzerns mit Nachdruck vorantreiben: In einem Jahr werden unsere beiden thyssenkrupps bereit sein für eine Zukunft, in der sie stärker, fokussierter und schneller sind.“

Die Teilung des Konzerns wird im Rahmen der Herstellung der Transaktionsstrukturen den Jahresüberschuss und den Free Cashflow im Geschäftsjahr 2018/2019 erheblich belasten. Auf Basis der derzeitigen, noch vorläufigen Kalkulationen rechnet der Konzern mit einer Belastung im höheren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Mit Vollzug der Teilung wird die Hebung stiller Reserven jedoch positiven Einfluss auf Eigenkapital und Bilanz haben.

Joint Venture mit Tata im Plan

Mit der Unterzeichnung des Joint-Venture-Vertrags zum Zusammenschluss der europäischen Stahlaktivitäten mit Tata Steel hat thyssenkrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die Vorbereitungen zum Start des 50/50-Gemeinschaftsunternehmens kommen weiterhin planmäßig voran. Parallel dazu laufen die Fusionskontrollverfahren der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Zudem arbeitet thyssenkrupp weiter an der eigenständigen Aufstellung des Stahlbereichs, um auch strukturell den Weg für das Joint Venture zu bereiten.

Durch die Einbringung der europäischen Stahlaktivitäten in das Joint Venture werden sich die Bilanzkennzahlen von thyssenkrupp deutlich verbessern. Nach Abschluss (Closing) der Transaktion ist ein positiver Effekt auf das Eigenkapital und damit auch auf den Jahresüberschuss des Konzerns zu erwarten. Gleichzeitig werden die Pensionslasten des Konzerns um etwa 50 Prozent sinken.

Bis zum Closing des Stahl-Joint-Ventures erwartet der Konzern von Steel Europe (nicht fortgeführte Aktivität) einen deutlich positiven Beitrag zum Bereinigten EBIT des Konzerns. Gleichzeitig ist aufgrund des saisonal typischen Aufbaus des Netto-Umlaufvermögens eine Belastung des FCF im mittleren bis hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich zu erwarten.

Solide Geschäftsentwicklung 2017/2018

Trotz negativer Währungseffekte konnte der Konzern den Auftragseingang im Geschäftsjahr 2017/2018 auf dem hohen Vorjahresniveau halten (42,8 Mrd €); bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte ergibt sich ein Zuwachs von 2 Prozent. Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 42,7 Mrd € (Vorjahr 41,4 Mrd €). Auf vergleichbarer Basis ergab sich ein Plus von 5 Prozent. Bei den Industriegütergeschäften entwickelte sich Components Technology unter anderem bei Pkw-Komponenten und Komponenten für schwere Nutzfahrzeuge in Westeuropa und China positiv. Der Auftragseingang erreichte einen neuen Höchststand. Auch Elevator Technology setzte vor allem in Nordamerika die positive Entwicklung fort und knüpfte an den hohen Vorjahreswert an. Der vom Projektgeschäft geprägte Anlagenbau verzeichnete infolge einer zurückhaltenden Vergabe von Großprojekten einen geringeren Auftragseingang. Bei den Werkstoffgeschäften profitierten sowohl Materials Services als auch Steel Europe von anhaltend stabilen und hohen Preisen auf den Roh- und Werkstoffmärkten.

Das Bereinigte EBIT des Konzerns blieb mit 1.551 Mio € hinter dem Vorjahresniveau (1.722 Mio €) zurück. Auf der Industriegüterseite belasteten insbesondere die unzureichende Auftragslage sowie Projektaufwendungen bei Industrial Solutions im 3. Quartal das Ergebnis (Verschlechterung um 366 Mio € auf -255 Mio €). Bei Components Technology führten Rückstellungen für Qualitätsthemen, negative Währungseffekte und im Laufe des Jahres gestiegene Materialkosten zu Ergebniseinbußen (-48 Prozent auf 197 Mio €). Letztere führten auch bei Elevator Technology zu Ergebnissen unterhalb der Erwartungen (-6 Prozent auf 866 Mio €). Die Werkstoffgeschäfte verzeichneten deutlich positive Ergebniseffekte. Grund hierfür war das anhaltend stabile und hohe Preisgefüge auf den Roh- und Werkstoffmärkten. Materials Services konnte das hohe Ergebnisniveau des Vorjahres leicht steigern (+2 Prozent auf 317 Mio €). Steel Europe verzeichnete einen starken Ergebnisanstieg, obwohl Produktionseinschränkungen durch das Niedrigwasser des Rheins sowie der rückläufige Versand aufgrund neuer Abgasnormen in der Automobilindustrie das Ergebnis im Schlussquartal belasteten (+26 Prozent auf 687 Mio €). Die Kosten der Verwaltung verbesserten sich auf deutlich unter 400 Mio € (-29 Prozent, Bereinigtes EBIT -377 Mio €). Die Maßnahmen zur Senkung der Verwaltungskosten auf Konzernebene wurden erheblich schneller als geplant umgesetzt. Das Effizienzprogramm „impact“ leistete so auch im abgelaufenen Geschäftsjahr einen signifikanten Beitrag zur Ergebnisentwicklung: Mit EBIT-Effekten von 890 Mio € lagen die Einsparungen erneut deutlich über dem selbstgesteckten Ziel von 750 Mio €.

Das Nettoergebnis lag mit 60 Mio € unter dem Wert des Vorjahres (271 Mio €). Neben der operativen Entwicklung schlug hier eine Rückstellung für kartellrechtliche Risiken zu Buche. Zusätzliche Belastungen resultierten aus der im Juni verbuchten einmaligen Steuerbelastung im Zusammenhang mit dem Joint Venture, während sich das Zinsergebnis verbesserte.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 1. Februar 2019 vor, für das Geschäftsjahr 2017/2018 eine Dividende von 0,15 € je Stückaktie auszuschütten.

Der FCF vor M&A verbesserte sich deutlich gegenüber dem Vorjahr (-855 Mio €), blieb allerdings im Gesamtjahr negativ (-134 Mio €). Ursache dafür waren vor allem der geringere Auftragseingang und hohe Auszahlungen aus dem Auftragsbestand bei Industrial Solutions. Das starke Schlussquartal mit positiven Mittelzuflüssen aller Geschäftsbereiche konnte diese Entwicklung nicht mehr kompensieren.

Die Netto-Finanzschulden des Konzerns lagen dementsprechend mit 2,4 Mrd € über dem Vorjahreswert (2,0 Mrd €). Unter Berücksichtigung der freien Liquidität von 6,6 Mrd € sowie der ausgewogenen Fälligkeitsstruktur ist thyssenkrupp weiterhin solide finanziert.

Das Eigenkapital hat sich gegenüber dem Vorjahresstichtag von 3,4 Mrd € auf 3,3 Mrd € verringert. Positiv wirkte sich insbesondere der erzielte Jahresüberschuss aus. Negative Effekte hatten die Verluste aus der Währungsumrechnung und das gesunkene Zinsniveau, das eine Neubewertung der Pensionsverpflichtungen erforderte.

Prognose 2018/2019

thyssenkrupp blickt insgesamt vorsichtig optimistisch in das laufende Geschäftsjahr 2018/2019. Für das Bereinigte EBIT der fortgeführten Aktivitäten[2] strebt der Konzern einen Wert über 1 Mrd € an (2017/2018: 706 Mio €). Unterstützend wirken die angestoßenen Programme zur Performancesteigerung in allen Geschäftsbereichen. Der FCF vor M&A der fortgeführten Aktivitäten sollte sich infolge der Ergebnisverbesserung deutlich gegenüber dem Vorjahr verbessern, insgesamt jedoch noch negativ bleiben (2017/2018: -678 Mio €). Die Entwicklung wird dabei insbesondere vom Auftragseingang und Zahlungsprofil einzelner Großprojekte bei Marine Systems abhängen.

Der Jahresüberschuss des Gesamtkonzerns soll gegenüber dem Vorjahr deutlich steigen (2017/2018: 60 Mio €). Es wird erwartet, dass die Aufwendungen aus der Vorbereitung zur Teilung des Konzerns durch die Ergebnissteigerungen der fortgeführten Aktivitäten sowie durch die positiven Effekte zum Closing des Stahl-Joint-Ventures deutlich überkompensiert werden.

Hier finden Sie aktuelles Footagematerial.

[1] Die Kennzahlen beziehen sich auf den Konzern in seiner aktuellen Struktur (ohne Steel Americas, einschließlich Steel Europe).

[2] Gesamtkonzern ohne die nicht fortgeführten Stahlaktivitäten (Business Area Steel Europe, thyssenkrupp MillServices &Systems GmbH aus der Business Area Materials Services und einzelne Gesellschaften aus Corporate)

www.thyssenkrupp.com

Twitter: @thyssenkrupp

Company blog: https://engineered.com

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