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Wie authentische Repräsentation Vorurteilen den Wind aus den Segeln nimmt

Zugehörigkeit ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das wir alle gemeinsam haben – ganz gleich der sexuellen Orientierung, des Geschlechts, der Religion oder Herkunft. Eine realistische Repräsentation und Teilhabe in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Medien spielen eine große Rolle, wenn es um das Gefühl wahrer Zugehörigkeit geht. Zum Pride Month 2021 blicken wir auf die Repräsentation und Inklusion der LGBTQIA-Community bei thyssenkrupp.

Im Gespräch mit Jan Rohde, Junior Expert Employer Branding thyssenkrupp AG und Alexander Trumm, Digital Implementation Manager thyssenkrupp Plastics, sprachen wir über Repräsentation der LGBTQIA-Community innerhalb der thyssenkrupp Unternehmensgruppe und den Bedarf an mehr authentischer Repräsentation in der Gesamtgesellschaft.

Die Bedeutung authentischer Repräsentation

Repräsentation - Warum ist das für die LGBTQIA-Community wichtig?

„Man wird in einer Welt groß, in der „schwul“ nach wie vor eine Beleidigung ist und nur durch Sichtbarkeit, also Repräsentation, kann man kommende Generationen dahingehend erziehen, Vorurteile abzubauen.“, sagt Jan Rohde, Junior Expert Employer Branding thyssenkrupp AG.  

Viele Menschen in der LGBTQIA Community haben auch heute noch das Gefühl, ihre Identität nicht offen und frei leben zu können. Als Resultat wird oft viel Energie darauf verwendet, die sexuelle Orientierung nicht zu zeigen – aus Angst vor den möglichen Konsequenzen, wie zum Beispiel den Verlust des Arbeitsplatzes.

Eine Situation, die große psychische Belastungen mit sich bringt. Deshalb gilt unter den Kollegen in der LGBTQIA-Community von thyssenkrupp: Solange in einer Gesellschaft nicht jeder und jede das Gefühl hat, er/sie selbst sein zu können, muss die Debatte um eine verstärkte Repräsentation geführt werden.

„Du bist schwul?!“

„Es wäre schön, wenn es irgendwann zur Normalität gehört, dass es Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung in unserer Gesellschaft gibt und das Ganze kein Thema oder Diskussionsgegenstand mehr ist.“, so Rohde. „Aber solange immer noch Menschen diskriminiert werden, besteht Bedarf, sich für LGBTQIA-Communities und deren Repräsentation einzusetzen.“

Auch Alexander Trumm, Digital Implementation Manager thyssenkrupp Plastics, sieht Bedarf an weiterer Aufklärung: „Ich finde ein guter Indikator dafür, dass noch keine volle Akzeptanz in unserer Gesellschaft herrscht, ist der Moment des kurzen Innehaltens oder die peinlich berührte Pause, wenn man von seinem Partner spricht und das Gegenüber merkt, dass man doch kein heterosexueller Mann ist, wie vielleicht angenommen. Dass diese Information auch heute noch viele Menschen für einen Moment aus dem Konzept wirft, zeigt den Bedarf an weiterer Aufklärung.“

Das thyssenkrupp LGBTQIA-Netzwerk

Genau dafür setzen sich zahlreiche Kolleg:innen bei thyssenkrupp ein, um in verschiedenen Formaten eine authentische Repräsentation und Inklusion der LGBTQIA Community zu schaffen. Allen voran das thyssenkrupp LGBTQIA-Netzwerk, welches aus dem Engagement einer Hand voll Kolleg:innen entstanden ist.

Alles begann mit dem Wunsch nach einem informellen Mittagessen, um sich innerhalb der LGBTQIA-Community auszutauschen. Dann wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Die Initiatoren zogen los und luden Kolleg:innen ein, die Interesse haben oder Teil der Community sein könnten. Am Anfang bestand das Netzwerk aus nur sechs bis sieben Leuten, die sich ohne offizielle Agenda regelmäßig zum Mittagessen trafen und über gemeinsame Erfahrungen austauschten. Aber schon bald kamen mehr dazu.

Stammtische und offene Dialoge

Personalvorstand Oliver Burkhard zeigte Interesse am LGTBQIA-Stammtisch. Ein gemeinsames Treffen gab der, bis dato, informellen Gruppe eine formellere Struktur. Die Mitglieder des Netzwerkes und der Personalvorstand sprachen über die Wünsche und Ziele der Community und wie Events, wie der Christopher Street Day, Sichtbarkeit auf übergeordneter Ebene schaffen könnten. Zum Beispiel, um auch mit Nicht-Mitgliedern der LGBTQIA-Community zusammenzukommen, gemeinsam zu feiern und Vorurteile abzubauen.

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„Come as you are“ war das Motto des letzten thyssenkrupp Christopher Street Day vor Ausbruch der COVID-19 Pandemie. Diese Einladung gilt für alle LGBTQIA-ler:innen und Heterosexuelle zugleich!

„Zu wissen, dass der Vorstand hinter uns steht, ist ein schönes Gefühl und positiver Treiber in der gesamten Unternehmenskultur.“, erklärt Jan Rohde. „Alle Mitarbeiter:innen fühlten sich dadurch offiziell abgeholt und sind Teil eines gemeinsamen Selbstverständnisses: Das sind unsere Werte und dafür stehen wir.“, ergänzt Alexander Trumm.“Die Bestätigung aus der obersten Führungsebene lässt dadurch weniger Raum für Grauzonen, wenn es um Diskriminierung oder Ähnliches geht.“

Das Netzwerk wächst

Durch die Unterstützung des Personalvorstandes gewann das Netzwerk an Sichtbarkeit – auch in den verschiedenen Segmenten der Unternehmensgruppe.

„Der E-Mail-Verteiler mit News zu Events und den Lunchtreffen ist stark gewachsen“, erzählt Jan Rohde. „Wenn es am Anfang sechs regelmäßige Teilnehmer:innen waren, sind es heute an die 100.“ Vor allem wurden so auch Mitarbeiter außerhalb des Hauptquartiers erreicht, berichtet Alexander Trumm:„Durch den Austausch mit Oliver Burkhard erfuhren auch Mitarbeiter:innen außerhalb des Hauptquartiers, wie ich selbst, von dem Netzwerk und konnten mitmachen."

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Gemeinsam ein Arbeitsumfeld gestalten, in dem sich niemand mehr verstellen oder Angst haben muss. Das ist das Ziel einer inklusiven Unternehmenskultur.

Repräsentation am Arbeitsplatz schützt Mitarbeiter:innen

Die Kollegen sind sich einig: Eine adäquate Repräsentation am Arbeitsplatz ist wichtig, weil sie Mitarbeiter:innen schützt. „Damit wird intoleranten Menschen klargemacht, dass sie ihre Ressentiments nicht am Arbeitsplatz durch Mobbing etc. ausleben können.“, so Rohde.

Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn sexuelle Orientierung nicht im beruflichen Kontext thematisiert werden würde“, so Alexander Trumm. „Wird sie bei Heterosexuellen ja auch nicht. Den gleichen Respekt vor unserer Intimsphäre wünschen wir uns auch.“

Gesamtgesellschaftlich, liegt bis dahin aber wohl noch ein weiter Weg vor uns. Mit einer inklusiven und offenen Kultur am Arbeitsplatz möchte thyssenkrupp einen Beitrag dazu zu leisten, dass LGBTQIA nicht nur in der Unternehmensgruppe, sondern auch in der Gesellschaft zur Normalität wird. Dabei ist Einsatz von allen Seiten gefragt: Auch heterosexuelle Mitarbeiter:innen können sich als sogenannte Straight Allies positionieren und für ein inklusives und tolerantes Miteinander einsetzen. 

Vorurteil: Paradiesvogel

Das Ziel: Vorurteile abzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der nicht derjenige Probleme bekommt, der sich outet, sondern derjenige, der sich intolerant verhält. „Ich bekomme oft zu hören: „Von dir hätte ich nicht gedacht, dass du schwul bist.““, erzählt Alexander Trumm. „Da merke ich, dass nach wie vor ein ganz bestimmtes Bild von schwulen Männern existiert.“

Auch Jan Rohde kennt solche Vorurteile: „Das rührt unter anderem von einer einseitigen Repräsentation in den Medien. Dort werden Personen mit LGBTQIA-Hintergrund fast ausschließlich als auffällige Paradiesvögel porträtiert. Bei mir war es auf der Arbeit allerdings nie ein Thema und ich denke, das liegt vor allem an der Dialogkultur bei thyssenkrupp.“

Aufmerksamkeit schafft Achtsamkeit

Der Intoleranz keinen Raum gegeben: In Workshops wie der thyssenkrupp JFA Konferenz für Azubis sind die Mitglieder des LGBTQIA-Netzwerkes und zahlreiche Straight Allies kulturschaffend aktiv. Es wird unter anderem Homophobie in der Alltags- und Jugendsprache thematisiert. Von Schimpfwörtern bis hin zu salopp dahingesagten Sprüchen, wie „Ach, das ist doch schwul.“, gibt es viel bewusste und unbewusste Homophobie in unserer Sprache. Allein darüber nachzudenken und sich bewusst zu machen, hilft. Nur durch Verständnis und Empathie können Vorurteile abgebaut werden.

Diese Empathie darf auch vor der Chefetage keinen Halt machen. Daher herrschen bei thyssenkrupp auch für Führungskräfte klare Leadership Competence Frameworks, die die Werte und das Selbstverständnis für das Miteinander in der gesamten Unternehmensgruppe vermitteln.

Diese Repräsentation bedeutet aber nicht, dass LGBTQIA eine abgeschottete Community beschreibt. Es bedarf alle Mitarbeitenden, um eine Kultur zu schaffen, in der sich jeder wohl und adäquat repräsentiert fühlt. Wer gerne Teil des Netzwerkes sein möchte, ob als Mitglied der LGBTQIA-Community oder Straight Ally kann sich als thyssenkrupp Mitarbeiter:in in den Netzwerk-Verteiler aufnehmen lassen. Alle nötigen Informationen dazu finden Sie hier.

 

DISCLAIMER: Alle Präsenzveranstaltungen, auf die sich in diesem Beitrag bezogen wird, haben vor dem Ausbruch der COVID-19 stattgefunden.