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Risikobericht

Chancen

Gesamtaussage des Vorstands: thyssenkrupp mit Chancen als diversifizierter Industriekonzern

Für den diversifizierten Industriekonzern thyssenkrupp ergeben sich erhebliche Chancen aus der zunehmenden Ausrichtung auf ertragsstarke Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte mit im Vergleich zu unseren Werkstoffgeschäften geringerer Volatilität und Kapitalintensität sowie auf die weltweiten Wachstumsregionen und -branchen. Darüber hinaus ergeben sich signifikante Chancen aus der Umsetzung der "impact"- Maßnahmen und profitablem Wachstum in den Business Areas. Zugleich ergeben sich für uns große Chancen durch gezielte übergreifende Initiativen und der konsequenten und systematischen Nutzung der Verbundkraft des Konzerns.

Definitionen

Unter Chancen verstehen wir bei thyssenkrupp Ereignisse oder Entwicklungen mit wesentlicher positiver Wirkung auf die Möglichkeiten, die Unternehmensziele zu übertreffen. Chancenmanagement umfasst entsprechend die Gesamtheit aller Maßnahmen, die den systematischen und transparenten Umgang mit Chancen fördern. Durch die integrale Verknüpfung der Planungs- und Reportingprozesse im Controlling mit den Strategieprozessen ist das Chancenmanagement ein wichtiger Bestandteil der strategischen und wertorientierten Unternehmensführung.

Chancenmanagement-Prozess

Im strukturierten und konzernweit standardisierten Prozess des sogenannten "Strategischen Dialogs" bei thyssenkrupp werden jährlich in allen Business Areas die Strategien, inklusive der Chancen und Risiken aus relevanten Markt- und Techniktrends, systematisch und ganzheitlich diskutiert. Die enge Verzahnung mit dem "Strategischen Dialog" führt dazu, dass auch die Chancen im Wesentlichen strategischen Charakter haben, mittel- bis langfristig orientiert sind und ihre Relevanz somit über den Prognosezeitraum teilweise weit hinausreicht.

Im Anschluss an den "Strategischen Dialog" erfassen alle Business Areas in der operativen Planung und in der monatlichen Berichterstattung Chancen und Risiken, um die aktuelle Ergebnis- und Liquiditätssituation der einzelnen Geschäfte noch besser in Bandbreiten einschätzen zu können. Wie diese Berichtselemente in das Standardreporting eingebettet sind, können Sie der Grafik "Chancen- und Risikoreporting bei thyssenkrupp" im Risikobericht entnehmen.

Darüber hinaus analysieren wir systematisch, in welchen Regionen für thyssenkrupp die größten Chancen für die Zukunft bestehen. Dort forcieren und bündeln wir unsere geschäftsübergreifenden regionalen Aktivitäten.

In das Management unserer Chancen sind alle Entscheidungsträger des Konzerns eingebunden – vom Vorstand der thyssenkrupp AG über die Vorstände der Business Areas und Geschäftsführungen der Konzernunternehmen bis hin zu den regional Verantwortlichen und den Projektleitern mit Marktverantwortung. Die Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb der thyssenkrupp Netzwerkorganisation sind klar definiert und voneinander abgegrenzt. Diese strukturierte Einbindung einer Vielzahl von Experten in die Entscheidungsfindung im Konzern gewährleistet, dass Chancen zuverlässig erkannt und systematisch genutzt werden.

Strategische Chancen für den Konzern

Neben internen Verbesserungen sind die Faktoren, die aktuell und künftig das weltweite Wachstum vorantreiben, die Basis für die Strategische Weiterentwicklung des Konzerns. In einem volatilen Umfeld entwickeln wir unser Unternehmen kontinuierlich weiter, um den globalen Herausforderungen auch künftig mit wettbewerbsfähigen Lösungen begegnen zu können. Wir richten uns bei unseren Entscheidungen danach, wo der Konzern von den globalen Trends Demografie, Urbanisierung, Globalisierung und Digitalisierung profitieren kann und berücksichtigen dabei auch Restriktionen wie die Endlichkeit natürlicher Ressourcen.

Neben der Optimierung der Leistungsfähigkeit jeder unserer sechs Business Areas sehen wir als Konzern Chancen insbesondere in Verbundeffekten, die im Zusammenspiel zwischen den Business Areas, unseren Regionen und den Konzernfunktionen entstehen. Das gilt nicht nur für die gemeinsame Erschließung von Regionen oder Kundenbranchen, für Effizienzthemen wie den Einkauf, die Harmonisierung von Geschäftsprozessen oder die Vereinheitlichung unserer IT-Infrastruktur, sondern auch für die integrierte Steuerung der Forschung und Entwicklung. Das oberste Ziel und die größte Chance gleichermaßen besteht darin, neue Produkte auf der Basis eines genauen Verständnisses der Kundenbedürfnisse zu entwickeln und so einen echten Mehrwert mit einem attraktiven Kosten-Nutzen-Verhältnis für uns und unsere Partner zu schaffen.

Durch die fortschreitende Digitalisierung werden bislang getrennte Wertschöpfungsketten immer stärker miteinander verzahnt. Es entstehen neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die sich am besten in einem Verbund aus verschiedenen Kompetenzen entwickeln lassen. thyssenkrupp mit seiner Vielfalt an Technologien hat hier einen strukturellen Vorteil. Aktuelle Verbundinnovationen wie "MULTI", das neue Standards in der Aufzugstechnik setzt, oder das branchenübergreifende Projekt "Carbon2Chem" sind in dieser Form nur dank der unterschiedlichen bei thyssenkrupp gebündelten Kompetenzen möglich. Über diese und andere Innovationen berichten wir ausführlich im Kapitel "Technologie und Innovationen"(ab Seite 86).ab

Unser Konzernprogramm "impact" schafft auch weiterhin den Rahmen für unsere "Strategische Weiterentwicklung" und trägt wesentlich und nachhaltig – zusammen mit geschäfts- und themenspezifischen Programmen – dazu bei, über alle Business Areas und Konzernfunktionen hinweg die Effizienz des Konzerns zu steigern und die Kosten zu senken.

Über unsere Unternehmensstrategie einschließlich "impact" informieren wir Sie umfassend im Kapitel "Grundlagen des Konzerns" (ab Seite 35), Abschnitt "Strategische Weiterentwicklung" (ab Seite 38).

Bei unseren Entwicklungsprojekten berücksichtigen wir immer auch die finanziellen Handlungsmöglichkeiten des Konzerns. Ungünstige konjunkturelle Rahmenbedingungen könnten dazu führen, dass wir bestehende Chancen nur verzögert oder nicht in vollem Umfang nutzen können. Ausführliche Informationen dazu und zu anderen Risiken finden Sie im Risikobericht.

Operative Chancen der Business Areas

Components Technology – Der weltweit steigende Bedarf im Hinblick auf individuelle Mobilität und Gütertransport ist der bestimmende Faktor für die zukünftige Geschäftsentwicklung der Business Area. Für uns als großer Entwicklungspartner sowie Komponenten- und Modullieferant der Automobilindustrie ergeben sich daraus weltweit Wachstumschancen. Das gilt insbesondere für die aufstrebenden Märkte in Asien und Amerika. Mit neuen Produktionsstätten haben wir uns in diesen Märkten gut aufgestellt. Den globalen Trend einer möglichst effizienten und umweltfreundlichen Mobilität können wir mit unseren Produkten nachhaltig begleiten. Die weltweit anspruchsvollen politischen Vorgaben zur CO2-Reduktion im Automobilsektor verstärken diese Entwicklung zusätzlich. Bei den dafür relevanten Themen wie Leichtbau oder Optimierung der Verbrennungsmotoren bieten wir unseren Kunden im Automobil- und Nutzfahrzeugbau Lösungen auf dem neuesten Stand der Technik und arbeiten daran, unseren Vorsprung stetig auszubauen.

Die Windindustrie hat ein enormes Wachstumspotenzial sowohl im Onshore- als auch im Offshore-Bereich: Die Windkraft gehört weltweit zu den am schnellsten und nachhaltigsten wachsenden erneuerbaren Energien. In Europa wird dieser Trend durch die verpflichtenden Ziele der EU-Mitgliedstaaten zum Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt. Die technologische Entwicklung hin zu immer größeren und effizienteren Windkraftanlagen verstärkt den Bedarf nach leistungsfähigen Komponenten, den wir mit unserem weltumspannenden Produktionsnetz bedienen.

Sollten sich das relevante Markt- und Branchenumfeld – insbesondere die Automobilmärkte –, die Effizienzsteigerungs- oder Wachstumsprogramme oder der Hochlauf unserer neuen Werke besser als erwartet entwickeln, besteht die Chance, unsere Prognose für die Kernsteuerungsgrößen moderat zu übertreffen.

Elevator Technology – Die Business Area Elevator Technology zählt zu den weltweit führenden Anbietern für Personenbeförderungsanlagen. Die Märkte für Aufzüge, Fahrtreppen, Fahrsteige, Fluggastbrücken sowie Treppen- und Plattformlifte bieten in Zeiten zunehmender Globalisierung und Urbanisierung attraktive Wachstums- und Gewinnchancen. Durch die breitgefächerte Produktpalette, die sowohl Standardanlagen und individuelle Kundenlösungen als auch umfassende Service- und Modernisierungspakete umfasst, und die lokale Präsenz durch ca. 50.000 Mitarbeiter an über 900 Standorten kann die Business Area weltweit neue Markt- und Kundenpotenziale erschließen.

Durch innovative Produkte erfüllen wir höchste technische und ökologische Kundenansprüche. Die Umsetzung der im Rahmen von "impact" definierten Maßnahmen führt zudem zu einer kontinuierlichen Effizienzverbesserung sowie einer weiteren Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Elevator Technology. Sollten sich die Weltwirtschaft – insbesondere die Bauindustrie –, die Effizienzsteigerungs- oder Wachstumsprogramme besser als erwartet entwickeln, besteht die Chance, unsere Prognose für die Kernsteuerungsgrößen moderat zu übertreffen.

Industrial Solutions – Für die Business Area Industrial Solutions sehen wir – trotz eines durch den aktuell gesunkenen Ölpreis eingetrübten Investitionsklimas, einer Zunahme der Wettbewerbsintensität und bestehender politischer Unsicherheiten auf den relevanten Märkten – weltweite Wachstumschancen im schlüsselfertigen Anlagenbau und bei Serviceleistungen, wenn wir unsere innovativen Technologien weiter fördern. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die globalen Wachstumschancen auf unseren Märkten konsequenter zu nutzen, treiben wir die Regionalisierung unseres Geschäfts weiter voran. Wir standardisieren und optimieren unsere Methoden in der Auftragsabwicklung kontinuierlich. Im Marinebereich sorgen insbesondere Exportprojekte für eine anhaltend gute Marktperspektive bei U-Booten. Dabei gibt uns der hohe Auftragsbestand weiterhin die Möglichkeit, unsere Kernprodukte bei guter Auslastung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Sollten sich das relevante Markt- und Branchenumfeld, die Effizienzsteigerungs- oder Wachstumsprogramme, die Investitionsneigung unserer Kunden oder die Auftragsabwicklung besser als erwartet entwickeln, besteht die Chance, unsere Prognose für die Kernsteuerungsgrößen moderat zu übertreffen.

Materials Services – Für die Geschäftsaktivitäten von Materials Services gewinnen Dienstleistungen weiter an Bedeutung, weil Produzenten und Verarbeiter sich stärker auf ihre originären Aufgaben konzentrieren. Höhere Dienstleistungsanteile bieten Materials Services in der Regel auch eine höhere Rentabilität in einem volatilen Roh- und Werkstoffmarkt. Chancen für die Business Area ergeben sich daher durch gelebte Kundenorientierung, spezielles Markt- und Branchenwissen, weltweite Verbindungen sowie ein breites Knowhow im Projektmanagement.

Im Rahmen von "impact" hat Materials Services umfassende Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Kostensituation definiert. Operative Chancen ergeben sich durch die konsequente Umsetzung der entsprechenden Vertriebs- und Serviceinitiativen sowie die systematische Digitalisierung der Geschäftsabwicklung bis hin zum Aufbau und Betrieb von Onlineshops für unterschiedliche Zielgruppen. Darüber hinaus wird die weitere Umsetzung der Restrukturierungs- und Optimierungsprogramme für AST in Bezug auf Produktion, Einkauf, Unternehmensstruktur, Personal und Vertrieb von wesentlicher Bedeutung für die Business Area sein. Im Berichtsjahr waren bereits deutliche Erfolge sichtbar. Zusätzliche Chancen ergeben sich aus mehreren neuen Initiativen zur besseren Ausschöpfung der Marktpotenziale.

Sollten sich das relevante Werkstoffumfeld, die Effizienzsteigerungs- und Restrukturierungsprogramme oder Vertriebsinitiativen besser als erwartet entwickeln, besteht die Chance, unsere Prognose für die Kernsteuerungsgrößen moderat zu übertreffen.

Steel Europe – Die Business Area Steel Europe ist auf das Marktsegment des hochwertigen Qualitätsflachstahls fokussiert, dessen Entwicklung wesentlich von der konjunkturellen Entwicklung in Europa abhängt.

Die bereits seit mehreren Jahren erfolgreich umgesetzten Effizienzmaßnahmen und Differenzierungsinitiativen zur Absicherung und Verbesserung der Ertragskraft werden nachdrücklich weitergeführt.

Darüber hinaus werden die technischen Fähigkeiten der Business Area durch gezielte Investitionen weiter gestärkt und so eine Optimierung des Produkt- und Kundenportfolios ermöglicht.

Insgesamt ist die Business Area damit auch in einem schwierigen Marktumfeld gut aufgestellt, um an den wesentlichen weltweiten Trends der Urbanisierung, der steigenden Mobilität und dem effizienteren Einsatz knapper Ressourcen – die den Einsatz intelligenter Stahlprodukte erfordern – nachhaltig teilzuhaben.

Sollten sich die Effizienzmaßnahmen oder Differenzierungsinitiativen oder das relevante Stahlmarktumfeld besser als erwartet entwickeln und sich insbesondere der Importdruck abschwächen, besteht die Chance, unsere Prognose für die Kernsteuerungsgrößen moderat zu übertreffen.

Steel Americas – Wir sind zuversichtlich, dass der Trend zur Stabilisierung der operativen Prozesse in der Business Area auch im kommenden Jahr anhalten wird und hierdurch operative Risiken weiter reduziert werden können. Die weitere Optimierung der Vertriebsaktivitäten dürfte zu einer tieferen Durchdringung des brasilianischen und internationalen Brammenmarktes und somit zu weiteren Absatzchancen und einer schrittweisen Erhöhung der Produktion auf dem Weg zur Nennkapazität führen.

Das Konzern-Performanceprogramm "impact" mit seinen vielen Effizienzmaßnahmen und das Konzerneinkaufsprogramm "synergize+" werden bei CSA in Brasilien nachdrücklich vorangetrieben, sodass sich der Trend zur weiteren Verbesserung der operativen Leistung auch im kommenden Jahr fortsetzen sollte. Darüber hinaus werden positive Effekte aus einer nochmals verstärkten technischen Zusammenarbeit mit der Business Area Steel Europe erwartet.

Sollten sich das relevante Stahlmarktumfeld – insbesondere die Warmbandpreise in den USA und die globalen und brasilianischen Brammenpreise – die operative Leistungssteigerung oder die Wechselkurse besser als erwartet entwickeln, besteht die Chance, unsere Prognose für die Kernsteuerungsgrößen moderat zu übertreffen.

Risiken

Gesamtaussage des Vorstands: Risiken bei thyssenkrupp weiter reduziert, Bestand des Konzerns gesichert

Im Berichtsjahr hat sich das Risikoprofil des Konzerns weiter verbessert; dazu hat die Einstellung des Kartellermittlungsverfahrens im Bereich "Autostahl" erheblich beigetragen. Unser transparentes und systematisches Risikomanagement hat mit seinen strukturierten Prozessen für eine effiziente Steuerung der Gesamtrisiken im Konzern gesorgt.

Aus heutiger Sicht sind die Konzernrisiken begrenzt und es liegen keine den Bestand gefährdenden Risiken vor.

Definitionen

Unter Risiken verstehen wir bei thyssenkrupp drohende Ereignisse oder Entwicklungen mit wesentlicher negativer Wirkung auf die Möglichkeiten, die Unternehmensziele zu erreichen. Risikomanagement umfasst damit die Gesamtheit aller Maßnahmen zu einem systematischen und transparenten Umgang mit Risiken. Durch seine integrale Verknüpfung mit den Planungs- und Reportingprozessen im Controlling ist Risikomanagement ein bedeutender Bestandteil der wertorientierten Unternehmensführung und geht weit über die gesetzlich geforderte Risikofrüherkennung hinaus. Ein effizientes, vorausschauendes Risikomanagement dient somit zusätzlich den Interessen der Kapitalgeber und anderer Anspruchsgruppen.

Wir entwickeln das Risikomanagementsystem des Konzerns kontinuierlich weiter, indem wir uns am international anerkannten COSO-Modell orientieren und es mit dem internen Kontrollsystem verzahnen. Dabei setzen wir zeitnah Vorgaben und Anregungen des Vorstands und des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrats um.

Die standardisierten Risikomanagement-Prozesse stellen sicher, dass Vorstand und Aufsichtsrat zeitnah und strukturiert über die aktuelle Risikosituation des Konzerns informiert werden. Trotz umfassender Analyse von Risiken kann deren Eintreten aber nicht systematisch ausgeschlossen werden.

Risikostrategie und Risikopolitik

In der im Juni 2015 vom Vorstand verabschiedeten "Governance, Risk and Compliance (GRC) Policy" hat thyssenkrupp die Grundlagen für die Unternehmensführung und Risikosteuerung festgelegt. Hier sind auch die allgemeingültigen und übergreifenden risikopolitischen Grundsätze des Konzerns als Rahmenbedingungen zur Erfüllung der Anforderungen an ein ordnungsgemäßes, konzernweit einheitliches sowie proaktives Risikomanagement beschrieben. Die Grundsätze orientieren sich am Leitbild des thyssenkrupp Konzerns und an den strategischen Zielen für die einzelnen Geschäftsmodelle; sie dienen als Leitlinien für einen sachgerechten und verantwortungsvollen Umgang mit Risiken.

Unsere Risikostrategie ist darauf ausgerichtet, den Bestand des Unternehmens zu sichern und darüber hinaus den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern. Unternehmerischer Erfolg setzt voraus, dass Chancen wahrgenommen und damit verbundene Risiken erkannt und bewertet werden. Chancen sollen optimal genutzt und unternehmerische Risiken bewusst und eigenverantwortlich getragen sowie proaktiv gesteuert werden, sofern damit eine angemessene Wertsteigerung erzielt werden kann. Bestandsgefährdende Risiken sind zu vermeiden.

Ziel des Risikomanagements bei thyssenkrupp ist, auf allen Unternehmensebenen das Risikobewusstsein zu erhöhen und eine wertorientierte Risikokultur zu etablieren. Risiken und Chancen werden im Konzern transparent aufbereitet und systematisch in unternehmerische Entscheidungen einbezogen.

Risikomanagement-Prozess

thyssenkrupp hat folgende konzernweit einheitliche Teilprozesse des Risikomanagements definiert: Risiken frühzeitig erkennen und berichten, Risiken einheitlich bewerten, Risiken steuern und Maßnahmen entwickeln sowie Risiken überwachen und die Umsetzung der Maßnahmen verfolgen. Die effiziente Ausgestaltung unserer verschiedenen Risikomanagement-Instrumente sorgt dafür, dass die Teilprozesse in einen kontinuierlichen Risikomanagement-Kreislauf integriert sind und alle Risikoverantwortlichen angemessen in den Risikomanagement-Prozess eingebunden werden. Unsere Methoden und Werkzeuge für die Identifizierung, Bewertung, Steuerung und Berichterstattung von Risiken verbessern wir fortlaufend.

Die organisatorische Verankerung des Konzern-Risikomanagements im operativ und strategisch ausgerichteten Controlling ermöglicht eine in die Planungs- und Reportingprozesse integrierte, aktive und ganzheitliche Ausgestaltung des Risikomanagementsystems. Das Hauptaugenmerk bei unseren Risikomanagement- Instrumenten liegt daher auch auf Abweichungen in den Kernsteuerungsgrößen "Bereinigtes EBIT" und "Free Cashflow vor Desinvest" (ab dem Geschäftsjahr 2015/2016 auf dem "Free Cashflow vor M&A"). Die folgende Grafik skizziert unsere verschiedenen Ansätze:

Chancen- und Risikoreporting bei thyssenkrupp AG

Chancen- und Risikoreporting bei thyssenkrupp AG

Die nicht in der monatlich aktualisierten Hochrechnung bzw. im Budget berücksichtigten Chancen und Risiken sind Teil der Standardberichterstattung der Business Areas und leisten einen wesentlichen Beitrag zur integrierten unterjährigen Geschäftssteuerung und zur Unternehmensplanung. Bei Letzteren betrachten wir Bandbreiten bei den Kernsteuerungsgrößen bezogen auf das aktuelle und das folgende Geschäftsjahr.

Im Planungsprozess und bei besonderen Anlässen betrachten wir darüber hinaus gesamtwirtschaftliche Klumpenrisiken; die Grundlage hierfür sind konzernweite Risikoszenarien unter Berücksichtigung zentral vorgegebener Wirkungszusammenhänge und Risikoprämissen. Diese Risikoszenarien befassen sich vor allem mit Wachstumseinbrüchen in wesentlichen Volkswirtschaften sowie mit anderen exogenen Schocks und ihren Auswirkungen auf thyssenkrupp.

Eine weltweit in allen Konzernunternehmen eingeführte IT-Risikomanagement-Anwendung zur Durchführung einer integrierten Risikoinventur stellt sicher, dass Ergebnis- und Cash-Risiken dezentral durch die operativen Risikoverantwortlichen erfasst und im Rahmen von Freigabe- und Aggregationsprozessen über die Vorstände der Business Areas bis zur Konzernspitze gemeldet werden. Alle konsolidierten Konzerneinheiten sind verpflichtet, im Zuge der Risikoinventur Maßnahmen zur Steuerung der einzelnen identifizierten und im dreijährigen Planungszeitraum bewerteten Risiken zu formulieren und anschließend deren Umsetzung systematisch nachzuverfolgen. Der Betrachtungszeitraum im Rahmen der Risikoinventur geht somit über den Betrachtungszeitraum der Prognose hinaus und gewährleistet eine umfassende Transparenz über die dezentralen Risikoeinschätzungen. Durch die regelmäßige Bottom-up-Erhebung und Aktualisierung der Risiken stellen wir darüber hinaus sicher, dass das Risikobewusstsein im Konzern flächendeckend auf einem hohen Niveau bleibt.

Auch die bereits über Rückstellungen bilanziell berücksichtigten Risiken sind Bestandteil standardisierter Analysen und der Berichterstattung im Konzern-Risikomanagement. Damit stellen wir auch für diese Risiken eine systematische Risikosteuerung sicher.

Über auftretende Risiken aus besonderem Anlass werden die Risikomanagement-Verantwortlichen unverzüglich informiert. Diese Risiken werden zusätzlich über die etablierten Berichtswege dokumentiert.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Risikomanagement bei thyssenkrupp ist ein kombinierter Top-down-/Bottom-up-Prozess. Die verbindlichen Systemvorgaben werden vom Konzern top-down formuliert und gelten für alle operativen Einheiten. Die originäre Risikoverantwortung, -erfassung und -steuerung entlang der Wertschöpfungskette liegt bottom-up bei den fachlich Verantwortlichen in den operativen Einheiten.

Risikoverantwortung bei thyssenkrupp AG

Risikoverantwortung bei thyssenkrupp AG

Die materiellen Konzernrisiken, die sich aus der Risikoinventur ableiten lassen, sowie die Analyseergebnisse aus Risikoszenarien und zu Risikorückstellungen präsentieren und plausibilisieren wir einmal pro Quartal im interdisziplinär besetzten "Risk and Internal Control Committee" (RICC) unter Leitung des Finanzvorstands. Dies ist zugleich die Vorbereitung für die anschließende Risiko-Berichterstattung an Vorstand und Prüfungsausschuss. An den Sitzungen des RICC nehmen alle Governance- bzw. Risiko- und Compliance- Konzernverantwortlichen teil. Durch diese Disziplinenverzahnung auf Gremienebene leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Corporate-Governance-Prozesse im Konzern.

Das Konzern-Risikomanagement hat die Aufgabe, das Risikomanagementsystem kontinuierlich in Richtung Best Practice weiterzuentwickeln und bei Bedarf neuen Erkenntnissen und Anforderungen anzupassen. In der Konzernrichtlinie Risikomanagement haben wir alle verbindlichen Vorgaben für den Risikomanagement- Prozess formuliert und die einzelnen Risikomanagement-Instrumente konzernweit einheitlich definiert.

Grundsätzlich sind alle operativen Einheiten verpflichtet, im Rahmen der vom Konzern definierten verbindlichen Vorgaben zum Risikomanagementsystem ein angemessenes Risikomanagement im jeweiligen Verantwortungsbereich zu etablieren und eine angemessene Risikosteuerung sicherzustellen. Alle operativen Einheiten benennen Risikomanagementverantwortliche und -beauftragte. Darüber hinaus ist jeder Mitarbeiter zu einem bewussten und selbstverantwortlichen Umgang mit Risiken und Chancen im Rahmen seiner Kompetenzen aufgefordert. Die Verhaltensgrundsätze und Konzernrichtlinien sind Bestandteil der Risikopolitik und müssen von jedem Mitarbeiter eingehalten werden.

Angelehnt an die in der Netzwerkorganisation des Konzerns definierten Aufgaben übernehmen die Konzernfunktionen und Regionen im Risikomanagementprozess eine unterstützende und koordinierende Rolle. Die Konzernfunktionen fungieren darüber hinaus als Risikokategorie-Verantwortliche und sind in dieser Rolle für Governance-Vorgaben in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich zuständig.

Die mit dem Risikomanagement betrauten Mitarbeiter werden regelmäßig zu den einzelnen Instrumenten geschult; wir nutzen u.a. unsere konzernweite internetbasierte Risikomanagement-Anwendung, um ihnen gezielt und breit Informationen und Schulungsmaterial zur Verfügung zu stellen.

Die Ergebnisse der Risikoinventur werden von Internal Auditing als Baustein für die risikoorientierte Prüfungsplanung verwendet. Die darauf aufbauenden Revisionsprüfungen tragen zur effizienten Überwachung des Risikomanagementsystems bei und liefern Erkenntnisse, mit denen wir die Qualität der Informationsinhalte erhöhen und den Umgang mit Risiken im Konzern weiter verbessern können.

Risikobewertung

Erkannte Risiken werden nach Vorgaben des Konzern-Risikomanagements wie folgt einheitlich bewertet: Auf Basis von Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadenshöhen im Planungszeitraum leiten wir gemäß der folgenden Grafik Risikoklassen ab. Die wesentlichen Einzelrisiken in definierten Risikokategorien, auf die wir in den folgenden Abschnitten eingehen, ordnen wir gemäß dieser Systematik in die Kategorien hoch, mittel oder gering ein:

Risikoklassen bei thyssenkrupp AG

Risikoklassen bei thyssenkrupp

Risikosteuerung

Die Risikosteuerung als wesentlicher Teilprozess im Risikomanagement ist eine wichtige Aufgabe der operativen Risikoverantwortlichen. Der Einsatz verschiedener Risikosteuerungsmaßnahmen ist ein zentraler Bestandteil des verantwortungsbewussten Risikomanagements vor Ort. Bilanzielle Risikovorsorgen stellen dabei sicher, dass die im Konzern eingegangenen Risiken in erforderlichem Maße abgedeckt sind und nachgehalten werden.

Die Risikodarstellung bei thyssenkrupp folgt der Nettomethode, d.h. unter Berücksichtigung bestehender Maßnahmen zur Risikosteuerung, die das Bruttorisiko reduzieren. Dies wird in der folgenden Grafik veranschaulicht:

Risikosteuerungsmaßnahmen bei thyssenkrupp AG

Risikosteuerungsmaßnahmen bei thyssenkrupp AG

Wir verhindern Risiken, indem wir unsere risikopolitischen Grundsätze anwenden und keine Geschäfte tätigen, wenn sie gegen thyssenkrupp Verhaltensgrundsätze und Konzernrichtlinien verstoßen. Dazu gehören in erster Linie das Null-Toleranz-Prinzip bei Compliance-Sachverhalten sowie das Spekulationsverbot gemäß unserer Konzernrichtlinie Corporate Finance.

Wir übertragen Risiken, wenn durch zentrale Maßnahmen wie den Abschluss von Versicherungen das finanzielle Risiko minimiert werden kann. Näheres können Sie dem nachfolgenden Abschnitt zum Risikotransfer entnehmen.

Wir reduzieren Risiken, indem wir geeignete Maßnahmen zielgerichtet umsetzen. Näheres zu den einzelnen Initiativen entnehmen Sie dem Abschnitt "Operative Risiken der Business Areas".

Risikotransfer durch zentralen Dienstleister

hyssenkrupp Risk and Insurance Services hat auch im Berichtsjahr als zentraler Dienstleister konzernweit Risiken auf Versicherer transferiert. Umfang und Gestaltung des Versicherungsschutzes leiten sich aus strukturierten Risikobewertungen ab, durch die in den Konzernunternehmen versicherbare Risiken identifiziert, bewertet und durch spezifische Schutzkonzepte reduziert bzw. beseitigt werden. Abgestimmt auf die Risikotragfähigkeit des Konzerns, vereinbaren wir für die einzelnen Versicherungssparten angemessene Selbstbehalte.

Für alle Konzernunternehmen bestehen verbindliche Standards, um die Risikoprävention auf einem nachhaltigen und angemessen hohen Niveau zu halten. Diese Standards wurden von Experten aus allen Teilen des Konzerns unter Leitung von thyssenkrupp Risk and Insurance Services entwickelt; sie werden laufend ergänzt. Interne und externe Auditoren prüfen regelmäßig ihre Einhaltung.

Das Risiko eines insolvenzbedingten Ausfalls von Versicherern verringern wir, indem wir es streuen und mit mehreren Anbietern zusammenarbeiten; dabei berücksichtigen wir die Ratings anerkannter Agenturen für diese Versicherer.

Internes Kontrollsystem im Konzernrechnungslegungsprozess

Das interne Kontrollsystem ist die Gesamtheit aller systematisch definierten Kontrollen und Überwachungsaktivitäten, die das Ziel haben, die Sicherheit und Effizienz der Geschäftsabwicklung, die Zuverlässigkeit der Finanzberichterstattung und die Übereinstimmung aller Aktivitäten mit Gesetzen und Richtlinien zu gewährleisten. Die Schaffung eines effektiven und effizienten internen Kontrollsystems ist eine wichtige Maßnahme für die Steuerung von prozessualen Risiken.

Im Zuge der Harmonisierung der Geschäftsprozesse bei thyssenkrupp entwickeln wir konzernweit auch die Anforderungen an das interne Kontrollsystem kontinuierlich weiter und nutzen dafür eine standardisierte Risiko-Kontroll-Matrix und einen strukturierten Selbstbewertungsprozess. Zur Stärkung des internen Kontrollsystems haben wir im Berichtszeitraum ein Projekt umgesetzt, um ein systematisches Management prozessualer Risiken sicherzustellen und – überall, wo dies möglich ist – automatisierte interne Kontrollen in den Geschäftsprozessen zu implementieren.

Im Rechnungslegungsprozess tragen verschiedene Überwachungsmaßnahmen dazu bei, dass implementierte Kontrollen trotz möglicher Risiken einen regelungskonformen Konzernabschluss ermöglichen.

Eine einheitliche, regelmäßig aktualisierte Bilanzierungsrichtlinie für den Konzernabschluss steht allen eingebundenen Mitarbeitern auf einer konzerninternen Internetplattform zur Verfügung. Für die Konsolidierung nutzen wir ein Konzernsystem, das auf Standardsoftware basiert. So sichern wir eine einheitliche Vorgehensweise und minimieren das Risiko von Falschaussagen in der Konzernrechnungslegung und der externen Berichterstattung.

thyssenkrupp hat die Teilprozesse der Finanzberichterstattung eindeutig definiert und mit klaren Verantwortlichkeiten belegt. Eine angemessene Funktionstrennung und die Anwendung des Vier-Augen-Prinzips reduzieren das Risiko von dolosen Handlungen.

Die Konzernfunktion Controlling, Accounting & Risk ist fachlich für die Erstellung des Konzernabschlusses verantwortlich und formuliert verbindliche inhaltliche und terminliche Vorgaben für die dezentralen Einheiten. Dadurch gewährleisten wir konzerneinheitliche Rechnungslegungspraktiken mit möglichst geringen Ermessensspielräumen bei Ansatz, Bewertung und Ausweis von Bilanzpositionen. Konzerneigene Shared- Service-Center unterstützen die dezentralen Einheiten bei der Erstellung von lokalen Abschlüssen. Für alle in den Rechnungslegungsprozess eingebundenen Mitarbeiter finden regelmäßige Schulungen statt.

Wir führen bei unseren relevanten IT-Systemen im Konsolidierungsprozess auf zentraler Ebene regelmäßig Systemsicherungen durch, um Datenverluste und Systemausfälle möglichst zu vermeiden. Zum Sicherungskonzept gehören darüber hinaus systemtechnische Kontrollen, manuelle Stichprobenprüfungen durch erfahrene Mitarbeiter sowie maßgeschneiderte Berechtigungen und Zugangsbeschränkungen.

Internal Auditing prüft regelmäßig die Wirksamkeit des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems und ist somit in den Gesamtprozess eingebunden.

Durch diese aufeinander abgestimmten Prozesse, Systeme und Kontrollen stellen wir hinreichend sicher, dass der Konzernrechnungslegungsprozess im Einklang mit den IFRS, dem HGB sowie anderen rechnungslegungsrelevanten Regelungen und Gesetzen abläuft und zuverlässig ist.

Risiken der künftigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Unsere aktuelle Konjunktureinschätzung ist ausführlich im Abschnitt "Makro- und Branchenumfeld" dargestellt.

Wenn positive Impulse aus der Weltwirtschaft und den für thyssenkrupp relevanten Märkten ausbleiben, bestehen für den Konzern konjunkturelle Risiken. Geringere Wachstumsraten in China, eine Rezession in Brasilien, ungelöste Schuldenkrisen im Euro-Raum oder exogene Schocks wie weitere Gewalteskalationen in Krisenregionen können einen großen Einfluss auf die Weltkonjunktur haben; ihnen könnte sich auch thyssenkrupp nicht entziehen. Die entsprechenden länderspezifischen Rahmenbedingungen verfolgen wir kontinuierlich. Wir simulieren in konzernweiten Risikoszenarien die Effekte für unsere Geschäftsmodelle, um bei Bedarf frühzeitig Maßnahmen zur Risikominimierung einleiten zu können.

Bei einer starken Ausprägung eines möglichen exogenen Schocks sind die einzelnen Konjunkturrisiken als mittel einzuschätzen.

Finanzwirtschaftliche Risiken

Zu den zentralen Aufgaben der thyssenkrupp AG als Konzernführungsgesellschaft zählt es, den Finanzbedarf innerhalb des Konzerns zu koordinieren, zu lenken und die finanzielle Unabhängigkeit des Gesamtunternehmens sicherzustellen. Dazu optimieren wir die Konzernfinanzierung und begrenzen die finanzwirtschaftlichen Risiken. Die in dieser Risikokategorie identifizierten Einzelrisiken sind gering ausgeprägt.

Ausfallrisiko – Wir schließen Finanzinstrumente im Finanzierungsbereich grundsätzlich nur mit solchen Kontrahenten ab, die über eine sehr gute Bonität verfügen bzw. einem Einlagensicherungsfonds angeschlossen sind. Dabei werden Geschäfte nur im Rahmen vorgegebener Kontrahentenlimite getätigt. Im Liefer- und Leistungsgeschäft werden Außenstände und Ausfallrisiken von den Konzernunternehmen fortlaufend überwacht; teilweise sind sie zusätzlich über Warenkreditversicherungen abgesichert. Besonders intensiv beobachten wir die Bonität von Großkunden.

Liquiditätsrisiko – Um jederzeit die Zahlungsfähigkeit sowie die finanzielle Flexibilität des Konzerns sicherstellen zu können, halten wir auf Basis einer mehrjährigen Finanzplanung sowie einer monatlich rollierenden Liquiditätsplanung langfristige Kreditlinien und liquide Mittel vor. Das Cash-Pooling sowie externe Finanzierungen konzentrieren sich vorwiegend auf die thyssenkrupp AG sowie spezielle Finanzierungsgesellschaften. Im Rahmen des Cash-Poolings werden die Mittel bedarfsgerecht intern an Konzerngesellschaften weitergeleitet.

Die thyssenkrupp AG hat Vereinbarungen mit Banken abgeschlossen, die vorsehen, dass das Verhältnis der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Verschuldungsgrad oder "Gearing") im Konzernabschluss 150 % zum jeweiligen Bilanzstichtag (30. September) nicht überschreitet. Zum 30. September 2015 lag das Gearing bei 103,2 % und konnte damit gegenüber dem 30. September 2014 um 11,7 Prozentpunkte weiter reduziert werden. Ursache für die Verbesserung des Gearings gegenüber dem Wert vom 30. September 2014 war die Reduzierung der Netto-Finanzschulden durch den positiven Free Cashflow sowie der Anstieg des Eigenkapitals durch den positiven Jahresüberschuss.

Per 30. September 2015 belief sich die freie Liquidität des Konzerns auf 8,3 Mrd €, bestehend aus 4,5 Mrd € flüssigen Mitteln und 3,8 Mrd € freien, zugesagten Kreditlinien. Die freie Liquidität bietet ausreichend Spielraum, um die anstehenden Fälligkeiten in den Brutto-Finanzschulden zu decken. Die Fälligkeiten in den Brutto-Finanzschulden im Geschäftsjahr 2015/2016 belaufen sich auf 1,6 Mrd €.

Marktrisiko – Eine Reihe von Kontrollmaßnahmen begrenzen die Schwankungen der Zeitwerte oder künftiger Zahlungsströme aus Finanzinstrumenten wegen Marktänderungen oder schalten diese ganz aus. Hierzu gehören im Wesentlichen außerhalb der Börse gehandelte Devisentermingeschäfte, Zinsswaps, Zins- /Währungsswaps und Warentermingeschäfte mit Banken und Handelspartnern. Die Warenpreise werden darüber hinaus auch durch börsengehandelte Futures abgesichert. Außerdem überwachen wir umfassend den Einsatz derivativer Finanzinstrumente. Die Kontrollen basieren auf verschiedenen Richtlinien und finden im Rahmen der regelmäßigen Berichterstattung statt.

Währungsrisiko – Um die Risiken aus der Vielzahl unserer Zahlungsströme in unterschiedlichen Währungen – vor allem in US-Dollar – zu begrenzen, haben wir konzerneinheitliche Richtlinien für das Devisenmanagement entwickelt. Grundsätzlich müssen alle Gesellschaften des Konzerns Fremdwährungspositionen im Zeitpunkt ihrer Entstehung sichern, Unternehmen mit Sitz im Euro-Raum nutzen dazu unsere zentrale Clearingstelle. Translationsrisiken, also Bewertungsrisiken für Bilanzbestände aus der Umrechnung von Fremdwährungspositionen, werden grundsätzlich nicht abgesichert.

Zinsrisiko – Um unseren Kapitalbedarf zu decken, haben wir Liquidität an den internationalen Geld- und Kapitalmärkten in verschiedenen Währungen und mit unterschiedlichen Laufzeiten aufgenommen. Teilweise sind die hieraus resultierenden Finanzschulden sowie unsere Geldanlagen dem Risiko ausgesetzt, dass sich die Zinsen ändern. Für die Steuerung erstellen wir deshalb regelmäßig Zinsanalysen, deren Ergebnisse in unser Risikomanagementsystem einfließen.

Risiken aus Verkäufen, Erwerben und Restrukturierungen

Aktives Portfoliomanagement ist einer der Eckpfeiler unserer "Strategischen Weiterentwicklung". Unternehmensverkäufe und -käufe sowie Restrukturierungen innerhalb unserer bestehenden Geschäftsaktivitäten sind mit Abwicklungsrisiken verbunden. Die in dieser Kategorie identifizierten Risiken, die wir jeweils als gering bewerten, überwachen wir kontinuierlich und bilden bei Bedarf bilanzielle Vorsorge.

Mit der Veräußerung der VDM-Gruppe im Berichtsjahr haben wir den Anteil der volatilen Werkstoffgeschäfte reduziert und damit die Positionierung von thyssenkrupp als diversifizierter Industriekonzern unterstützt. Ebenso haben wir mit der Transaktion einen positiven Effekt in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionen- Euro-Betrags bei den Netto-Finanzschulden und Pensionsverpflichtungen erzielt.

Beschaffungsrisiken

Um unsere qualitativ hochwertigen Produkte herstellen zu können, beschaffen wir Rohstoffe und andere Vormaterialien aber auch Energie sowie Frachtkapazitäten. Die Einkaufspreise können dabei je nach Marktsituation erheblich schwanken und unsere Kostenstrukturen belasten. Ebenso können Lieferanten ausfallen, was wiederum unsere Produktion und die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden gefährden kann. Die in dieser Kategorie identifizierten Einzelrisiken sind gering ausgeprägt. Zur Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit wirken wir den Risiken möglichst durch Maßnahmen zur Margensicherung und alternative Beschaffungsquellen entgegen.

Zur Absicherung von Risiken aus schwankenden Rohstoffpreisen setzen wir auch derivative Finanzinstrumente ein, im Wesentlichen Warentermingeschäfte. Für den Abschluss solcher Finanzinstrumente gelten strenge Richtlinien. Details zu diesen Risikofeldern finden Sie unter Anhang-Nr. 22.

Dem Risiko steigender Energiepreise begegnen wir durch eine strukturierte Energiebeschaffung. Wir wirtschaften nachhaltig und arbeiten konzernweit daran, Energie einzusparen und Reststoffe zu verwerten.

Weitere Einzelheiten zu den Beschaffungsrisiken können Sie auch dem Abschnitt "Operative Risiken der Business Areas" entnehmen.

Produktionsrisiken

In unseren Werken kann es bei ungünstigen Konstellationen und Entwicklungen zu Betriebsunterbrechungen und Sachschäden kommen. Neben den Kosten für die Schadensbeseitigung besteht vor allem das Risiko, dass eine Betriebsunterbrechung zu Produktionsausfällen führt und in der Konsequenz die Einhaltung unserer vertraglichen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden gefährdet. Wir begegnen diesen Risiken mit laufender vorbeugender Instandhaltung sowie mit Modernisierungen und Investitionen in unsere Maschinen und Produktionsanlagen. In enger Abstimmung mit unserem zentralen Dienstleister thyssenkrupp Risk and Insurance Services schließen wir in angemessenem Umfang Versicherungen ab und transferieren so Risiken auf externe Dienstleister. Die verbleibenden finanziellen Risiken aus dieser Risikokategorie schätzen wir als mittel ein.

In unseren produzierenden Werken entsteht teilweise verfahrensbedingt das Risiko, dass Luft und Wasser verunreinigt werden. Darüber hinaus können auf konzerneigenen, heute nicht mehr genutzten Grundstücken durch frühere Geschäftsaktivitäten Risiken aus Altlasten und Bergschäden auftreten. thyssenkrupp investiert kontinuierlich und nachhaltig in Umweltschutz sowie planmäßige Sanierungsarbeiten und steht in engem Dialog mit Behörden, Nachbarschaft und Politik, um Risiken in diesem Zusammenhang zu minimieren. Für Altlasten bilden wir im bilanziell erforderlichen Ausmaß Rückstellungen.

Weitere Einzelheiten zu Produktionsrisiken können Sie ebenfalls dem Abschnitt "Operative Risiken der Business Areas" entnehmen.

Absatzrisiken

Die im Abschnitt "Risiken der künftigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" beschriebenen konjunkturellen Risiken können unsere Marktperspektiven einschränken und somit zu Absatzrisiken führen. Bei nachhaltigen Entwicklungen ist als Risikosteuerungsmaßnahme auch eine marktorientierte Anpassung oder Verlagerung von Kapazitäten denkbar.

Absatzrisiken aus der Abhängigkeit von einzelnen Märkten und Branchen wirken wir durch eine konsequente Ausrichtung auf die Märkte der Zukunft entgegen. Als diversifizierter Industriekonzern mit führender Ingenieurkompetenz ist thyssenkrupp weltweit vertreten, pflegt gute und langjährige Kundenbeziehungen und forciert eine aktive strategische Markt- und Kundenentwicklung. Unser hoher Diversifikationsgrad mit vielschichtigen Produkt- und Kundenstrukturen trägt dazu bei, dass thyssenkrupp weitgehend unabhängig von regionalen Krisen auf Absatzmärkten ist.

Aus der VW-Abgaskrise erwarten wir derzeit keine deutlich negativen Auswirkungen auf den Absatz unserer Automobilkomponenten oder Werkstoffe; der Preisdruck dürfte infolge der bereits öffentlich angekündigten Kostensenkungsprogramme hingegen zunehmen und führt dazu, dass wir die einzelnen Absatzrisiken als mittel einschätzen.

Weitere Einzelheiten zu Absatzrisiken sowie zu unserem professionellen Debitorenmanagement zur Begrenzung von Forderungsausfällen können Sie auch dem Abschnitt "Operative Risiken der Business Areas" entnehmen.

Auftragsrisiken

Die Abwicklung von hochkomplexen Großaufträgen mit langer Projektlaufzeit ist eine Kernherausforderung in der Business Area Industrial Solutions. Kosten- und/oder Terminüberschreitungen in einzelnen Auftragsphasen sind dabei nicht auszuschließen. Einzelne identifizierte Auftragsrisiken sind aktuell mittel ausgeprägt. Um diese Risiken zu minimieren, entwickeln wir unsere Steuerungsinstrumente kontinuierlich weiter, sind so jederzeit über den aktuellen Auftragsstand informiert und können bei Bedarf zeitnah notwendige Maßnahmen ergreifen.

Vor Vertragsabschluss überprüfen wir die Bonität unserer Kunden sorgfältig und setzen für die anschließende Auftragsabwicklung erfahrene Projektmanager ein. Durch die transparente Aufbereitung des jeweils aktuellen Auftragsstandes stellen wir zudem sicher, dass Zahlungen gemäß dem Auftragsfortschritt getaktet sind und Zahlungsausfälle minimiert werden.

Risiken aus Handelsbeschränkungen

Wegen der weltweiten Ausrichtung der Geschäftstätigkeit ist thyssenkrupp Risiken ausgesetzt, die sich aus Handelsbeschränkungen wie Zöllen, Exportbeschränkungen, besonderen Zollbestimmungen, Embargomaßnahmen, weitreichenden Wirtschaftssanktionen gegen bestimmte Länder, Personen, Unternehmen und Organisationen sowie anderen protektionistisch oder politisch motivierten Hemmnissen ergeben können. Diese Beschränkungen können nicht nur unsere Geschäftsaktivitäten in einzelnen nationalen Märkten beeinträchtigen, sondern bei Verstößen zu teilweise erheblichen Strafen, Sanktionen sowie Reputationsschäden und Schadensersatzansprüchen führen. Wir achten deshalb konsequent darauf, die zoll- und exportkontrollrechtlichen Bestimmungen wie auch die sonstigen Handelsbeschränkungen einzuhalten. Beispielsweise hatte der Vorstand parallel zu den im Jahr 2010 gegen den Iran erlassenen Sanktionen der EU, Deutschlands und der USA die Einstellung aller Geschäftsbeziehungen zum Iran beschlossen. Seither sind bewusst keine neuen Geschäfte mehr mit iranischen Kunden und Lieferanten oder dem Bestimmungsland Iran abgeschlossen worden. Die laufenden Verhandlungen über Lockerungen der Iransanktionen werden von uns intensiv verfolgt und unsere Position gegebenenfalls entsprechend angepasst.

Prozessrisiken

Risiken können sich aus passiven anhängigen oder bevorstehenden Rechtsstreitigkeiten oder aus passiven behördlichen oder verwaltungsgerichtlichen Verfahren gegen thyssenkrupp ergeben (Prozessrisiken). Im thyssenkrupp Konzern werden Prozessrisiken systematisch vierteljährlich mittels eines Softwaretools erfasst, kategorisiert, ausgewertet und im Rahmen des internen Risikomanagements an den Vorstand und den Prüfungsausschuss berichtet. Bei Ansprüchen, die Dritte geltend machen, prüfen wir sorgfältig, ob sie begründet sind. Gerichtliche und außergerichtliche Rechtsstreitigkeiten werden von eigenen Juristen begleitet; bei Bedarf werden externe Anwälte mandatiert.

Nach den geltenden Risikomaßstäben bestehen nach derzeitiger Einschätzung keine Prozessrisiken, die im Einzelfall oder kumuliert als hohes Risiko einzustufen sind. Unter den kumulierten Prozessrisiken sind Risiken aus Rechtsstreitigkeiten von mehreren Anspruchstellern/Klägern und aus behördlichen Verfahren gegen thyssenkrupp zusammengefasst, die auf dem gleichen Sachverhalt beruhen und als einheitliches Prozessrisiko klassifiziert werden können. Über weitere Prozessrisiken, für die wir eine Rückstellung gebildet haben oder die als Eventualverbindlichkeit zu klassifizieren sind, berichten wir im Anhang (Anhang-Nr. 16 und 21).

Compliance-Risiken

Durch unser striktes Compliance-Programm begegnen wir insbesondere dem Risiko von Kartell- und Korruptionsverstößen. Dieser Fokus ist durch das enorme Schadenspotenzial – sowohl in Bezug auf finanzielle Schäden als auch auf Reputationsschäden – bei diesen Delikten begründet. Compliance-Risiken stufen wir daher allgemein als hoch ein.

Das Bundeskartellamt hat am 11. Dezember 2014 das laufende Kartellermittlungsverfahren im Bereich "Autostahl" mangels Tatverdacht eingestellt. Das Verfahren war Ende Februar 2013 mit einer Durchsuchung bei drei Unternehmen der Stahlbranche eingeleitet worden, darunter auch thyssenkrupp. Die Behörde war dem Verdacht auf Preisabsprachen bei der Lieferung bestimmter Stahlprodukte an die deutsche Automobilindustrie im Zeitraum bis zurück ins Jahr 1998 nachgegangen. Das Bundeskartellamt hatte in seiner Pressemitteilung zur Einstellung des Verfahrens die Kooperation von thyssenkrupp im Verfahren unterstrichen.

Die Staatsanwaltschaft Bremen ermittelt seit 2013 u.a. gegen (ehemalige) Verantwortliche der Atlas Elektronik GmbH (Atlas) wegen des Verdachts der Bestechung ausländischer Amtsträger und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Provisionszahlungen an einen Vertriebsmittler bei Marineprojekten in Griechenland. Atlas ist ein Gemeinschaftsunternehmen von thyssenkrupp und Airbus. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile in diesem Zusammenhang gegen Atlas als juristische Person ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, das als Basis für eine Unternehmensgeldbuße dienen soll. Auch die griechische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Atlas und beteiligte natürliche Personen aufgenommen. Im Rahmen dieses Strafverfahrens hat der griechische Staat im Februar 2015 zivilrechtliche Schadensersatzansprüche in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags gegen Atlas als Unternehmen gerichtlich geltend gemacht bzw. angekündigt. Atlas kooperiert vollumfänglich mit den Behörden und wirkt in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Bremen durch eine eigene interne Untersuchung an der weiteren Aufarbeitung des Sachverhalts mit. Das laufende behördliche Verfahren und die interne Untersuchung werden von den Eigentümern eng begleitet

Regulatorische Risiken

Neue Gesetze und andere veränderte rechtliche Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene können Risiken für unsere Geschäftsaktivitäten bedeuten, wenn sie im Vergleich zu unseren Wettbewerbern mit höheren Kosten oder sonstigen Nachteilen für thyssenkrupp direkt oder im Hinblick auf unsere Wertschöpfungskette verbunden sind. Als energieintensiver Industrie- und Dienstleistungskonzern sehen wir Risiken für die Ertragslage, wenn wir im internationalen Wettbewerb die zusätzlichen Kosten nicht oder nicht in vollem Umfang an unsere Kunden weitergeben können.

thyssenkrupp unterstützt zielführende Klimaschutzbemühungen und eine nachhaltige Energiewende, in der Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gleichberechtigte Ziele sind. Wir begleiten die relevanten Diskussionsprozesse zu Regulierungsbestrebungen durch enge Arbeitskontakte zu den relevanten Institutionen und arbeiten auch über die lokalen Wirtschaftsverbände daran, mögliche Risiken, wie weiter steigende Energiekosten, zu reduzieren.

Solche Risiken könnten sich beispielsweise in Deutschland aus der für 2017 angekündigten Evaluierung der Behandlung von Eigenstrom ergeben. Für den EU-Emissionshandel besteht langfristig weiterhin ein erhebliches Risiko bezüglich höherer Kosten für Emissionsberechtigungen, falls die CO2-Zertifikatskosten für thyssenkrupp, wie politisch teilweise gewollt, in der vierten Handelsperiode (ab 2021) tatsächlich deutlich steigen sollten. Der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission lässt erhebliche Belastungssteigerungen vermuten, allerdings ist die endgültige Ausgestaltung der Regelung momentan nicht abzuschätzen.

Auf globaler Ebene können sich aus der internationalen Klimapolitik und dem Prozess zur nationalen Umsetzung der erwarteten Ergebnisse der Internationalen Klimakonferenz im Dezember 2015 Risiken für unsere Geschäfte in den betroffenen Regionen ergeben. Zur Risikominimierung werden entsprechende Aktivitäten auf Konzernebene koordiniert und durch weltweite Netzwerke und enge Einbeziehung der regionalen Zentralen von thyssenkrupp gestärkt.

Weitere regulatorische Risiken können sich aus steuerlichen Rahmenbedingungen ergeben, die sich im Zeitablauf verändern. Beispielsweise werden derzeit in Brasilien auf Ebene der Bundesstaaten gewährte steuerliche Vergünstigungen, von denen auch thyssenkrupp CSA profitiert, verfassungsrechtlich überprüft. Sollte es aufgrund der gerichtlichen Verfahren zu einer Aufhebung und/oder Einschränkung der Vergünstigungen kommen, sind hohe Risiken in Form erheblicher Steuernachzahlungen plus etwaiger Nebenleistungen in Brasilien nicht auszuschließen.

Risiken der Informationssicherheit

Unsere IT-gestützten Geschäftsprozesse sind verschiedenen Risiken der Informationssicherheit ausgesetzt, die wir als mittel bewerten. Aus menschlichen Fehlern, organisatorischen oder technischen Verfahren und/oder Sicherheitslücken bei der Informationsverarbeitung können Risiken entstehen, die die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität von Informationen gefährden. Wir überprüfen daher kontinuierlich unsere Prozesse und Technologien. Die Systeme werden bei Bedarf unmittelbar aktualisiert und Prozesse angepasst. Die IT-gestützte Integration unserer Geschäftsprozesse setzt zwingend voraus, dass die mit ihr verbundenen Risiken für unsere Konzernunternehmen und Geschäftspartner kontinuierlich minimiert werden.

Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir Maßnahmen getroffen, um unser Informationssicherheitsmanagement und die eingesetzten Sicherheitstechnologien weiterzuentwickeln. Bei der frühzeitigen Erkennung aktueller Risiken wirkt eine für den Konzern kontinuierlich weiter ausgebaute Gruppe von EDV-Sicherheitsfachleuten unterstützend.

Um die Nachhaltigkeit der umgesetzten und geplanten Maßnahmen sicherzustellen, sind die Konzernunternehmen verpflichtet, regelmäßig den Reifegrad ihres etablierten Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) nachzuweisen. Die Sensibilisierung unserer Mitarbeiter im Umgang mit allen geschäftsrelevanten Informationen ist für uns ein sehr wichtiges Thema. In diesem Zusammenhang werden Kommunikationskampagnen durchgeführt und die technische Unterstützung sichergestellt. Regelmäßig findet ein internationaler Austausch von Informationen und Erfahrungen hinsichtlich proaktiver Maßnahmen zur Informationssicherheit und Risikobehandlung statt.

Darüber hinaus haben Geschäftsprozesse und Rechenzentren in ausgewählten Konzernunternehmen Sicherheitszertifikate erhalten, die den erreichten Stand vor allem unseren Kunden gegenüber dokumentieren. Zusätzlich wird in Begleitung des Teams "IT Sicherheit" regelmäßig mit externer Unterstützung die Sicherheit der Infrastruktur durch Schwachstellenanalysen verifiziert und gegebenenfalls nachgebessert. Gemeinsam mit dem Datenschutzbeauftragten des Konzerns stellen unsere Experten sicher, dass in der Informationsverarbeitung personenbezogene Daten nur gemäß den Regelungen des Bundesdatenschutzgesetzes verarbeitet werden. Alle diese Maßnahmen werden es weiterhin ermöglichen, die Geschäftsinformationen des Konzerns sowie die Privatsphäre unserer Geschäftspartner und Mitarbeiter zu schützen und angemessen auf mögliche neue Risiken zu reagieren.

Personalrisiken

thyssenkrupp als diversifizierter Industriekonzern mit führender Ingenieurkompetenz strebt an, nachhaltig erfolgreich zu sein. Dazu benötigen wir engagierte und hochqualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte in allen Geschäftseinheiten. Es besteht dabei das Risiko, solche Leistungsträger für offene Stellen nicht im ausreichenden Maße zu finden oder kompetente Stelleninhaber zu verlieren, wobei wir die Ausprägung der einzelnen Personalrisiken als mittel einstufen.

thyssenkrupp positioniert sich als attraktiver Arbeitgeber und fördert eine langfristige Bindung der Mitarbeiter an den Konzern. Dazu gehören eine konsequente Managemententwicklung, Karriereperspektiven und attraktive Anreizsysteme. Wir beraten unsere Mitarbeiter zielgruppenorientiert, informieren interessierte Jugendliche frühzeitig über die Berufschancen bei thyssenkrupp und begleiten Auszubildende bei ihren ersten Schritten im Arbeitsleben. Durch Zusammenarbeit mit Schwerpunktuniversitäten nehmen wir frühzeitig Kontakt mit qualifizierten Studenten auf, um für unsere Belegschaft den notwendigen Nachwuchs zu gewinnen.

Risiken aus Pensionsverpflichtungen

Das zur Deckung von Pensionsverbindlichkeiten bestimmte Fondsvermögen ist Kapitalmarktrisiken ausgesetzt. Um diese Risiken möglichst gering zu halten, werden die einzelnen Anlageformen auf Basis von Studien unabhängiger Experten ausgewählt und gewichtet. Die Kapitalanlagen werden so ausgerichtet, dass sich die zugehörigen Pensionsverpflichtungen im Hinblick auf die gegenwärtigen und zukünftigen Erträge der Anlagen dauerhaft erfüllen lassen.

Bei Pensionsverpflichtungen bestehen Risiken aufgrund der höheren Lebenserwartung von Versorgungsberechtigten sowie aufgrund von Verpflichtungen, die Rentenhöhe regelmäßig anzupassen. Außerdem könnten in einigen Ländern künftig die Zahlungen an Pensionsfonds aufgrund verschärfter gesetzlicher Anforderungen beachtlich steigen. In Einzelfällen kann bei vorzeitiger Auflösung eines Pensionsplans eine zusätzliche Zuführung erforderlich werden. Insgesamt siedeln wir die Risiken aus den Pensionsverpflichtungen im mittleren Bereich an.

Operative Risiken der Business Areas

Components Technology – Die Business Area Components Technology ist als Zulieferer im Bereich der Automobil- und Industriekomponenten weltweit vertreten und ist daher sowohl von der internationalen Konjunkturentwicklung abhängig als auch in den unterschiedlichen Geschäftsfeldern verschiedenen allgemeinen Risiken ausgesetzt.

Für die Kernmärkte von Components Technology erwarten wir weiterhin ein Wachstum in allen Produktsegmenten. Allerdings ist dieses mit einer hohen Prognoseunsicherheit belastet. Geringe Wachstumsraten in den Schwellenländern, eine nachlassende Dynamik der Märkte in China und Brasilien sowie anhaltend hohe Haushaltsdefizite in Westeuropa und den USA können unsere Marktperspektiven gefährden.

Mit einer Ausweitung der Kundenbasis sowie einer weiteren Verstärkung der internationalen Präsenz wirkt die Business Area der Abhängigkeit von Teilmärkten entgegen. Darüber hinaus hat die Business Area umfangreiche Frühwarnindikatoren installiert, um einer möglichen Konjunkturabschwächung entgegenwirken zu können.

Neben den konjunkturellen Risiken stellen sowohl der Konzentrationsprozess in der Automobilzulieferindustrie als auch der weiter zunehmende Preisdruck, verstärkt durch die Sparprogramme der Automobilhersteller, Risiken dar. Hinzu kommen Preis- und Strukturrisiken in China.

Aus der VW-Abgaskrise erwarten wir derzeit keine deutlich negativen Auswirkungen auf den Absatz unserer Automobilkomponenten; der Preisdruck dürfte infolge der bereits öffentlich angekündigten Kostensenkungsprogramme hingegen zunehmen. Risiken bestehen in Verschiebungen in der Antriebstechnik zu Lasten der Dieseltechnologie, was die Nachfrage nach einem insgesamt überschaubaren Teil Dieselspezifischer Komponenten in unserem Bereich Powertrain bei Components Technology belasten könnte.

Generelle Risiken im Windenergiesektor liegen grundsätzlich in der Abhängigkeit von nationalen Fördersystemen. In Deutschland bestehen weiterhin Unsicherheiten bezüglich der Netzanbindung und Finanzierung von weiteren Offshore-Projekten. Diesem Risiko begegnen wir mit neuen Technologien und Innovationen zur Erschließung neuer Anwendungsgebiete. Gleichzeitig drückt die hohe Wettbewerbsintensität hier weiterhin auf die Absatzpreise. Diesem Preisdruck begegnen wir mit Optimierungen und Effizienzsteigerungen im Rahmen des Konzernprogramms "impact".

Auf der Beschaffungsseite ergeben sich Risiken aus steigenden Vormaterialpreisen, die nicht in vollem Umfang oder nur zeitverzögert an die Kunden weitergegeben werden können. Durch eine entsprechende Gestaltung der Kundenverträge wirken wir diesem Risiko entgegen.

Weitere allgemeine Risiken der Business Area betreffen die Auswirkungen von veränderten Wechselkursrelationen auf Umsatz und Ergebnis, sowohl bezogen auf Translations- als auch Transaktionseffekte.

Darüber hinaus sind im Hinblick auf laufende technologische Neu- und Weiterentwicklungen Risiken durch ungeplante Ergebnisbelastungen nicht auszuschließen. Hinzu kommen Risiken aufgrund unerwarteter Ausbringungs- und Qualitätsprobleme sowie der sich hieraus ergebenden Gewährleistungsverpflichtungen. Die Business Area ergreift umfangreiche Maßnahmen im Rahmen von Produktions- und Qualitätssicherungssystemen, um derartige Risiken weitgehend zu vermeiden oder zu begrenzen.

Elevator Technology – Die Risikostruktur von Elevator Technology wird im Wesentlichen durch zwei Parameter bestimmt: durch die unterschiedlichen Geschäftsfelder und durch die Internationalität der Geschäftsaktivitäten.

Sowohl das Service- als auch das Modernisierungsgeschäft sind vergleichsweise unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Um möglichen Verlusten von Wartungseinheiten entgegenzuwirken, greifen entsprechende Kundenbindungsstrategien. Zudem werden kontinuierlich Effizienzprogramme umgesetzt, um steigende Personal- und Beschaffungskosten zu kompensieren.

Demgegenüber kann das Neuanlagengeschäft aufgrund seiner Verzahnung mit dem Bausektor durchaus größeren Schwankungen unterliegen. Durch längere Projektlaufzeiten in diesem Geschäftsfeld sind derartige Rückgänge jedoch weitgehend antizipierbar; deshalb können wir hier frühzeitig Gegenstrategien entwerfen und Kapazitätsanpassungen vornehmen. Vor allem bei der Abwicklung komplexer Großprojekte bestehen inhärente Risiken, denen wir mit Projektsteuerungsmaßnahmen begegnen. Risiken aus möglichen Materialpreissteigerungen werden durch Effizienzsteigerungen im Produktionsprozess und optimierte Beschaffungsstrategien kompensiert.

Bei der Installation, Wartung und Nutzung der Produkte können Unfallrisiken nicht vollständig ausgeschlossen werden. Eine sicherheitsorientierte Unternehmenskultur, die Auswahl von Mitarbeitern und entsprechende Personalschulungsprogramme zum sicheren Verhalten vor Ort unter der Maxime "Safety First" minimieren die Unfallrisiken unserer Mitarbeiter. Wir wählen unsere Installations- und Servicemitarbeiter sorgfältig aus und schulen sie so, dass eine größtmögliche Sicherheit und Qualität der von uns installierten bzw. gewarteten Anlagen gegeben ist und Nutzer bestmöglich geschützt werden. Elevator Technology verfolgt das Ziel, derartige Unfälle weitestgehend auszuschließen, auch um die Reputation nicht zu beeinträchtigen.

Potenzielle Risiken aus den zunehmenden Geschäftsaktivitäten auf den stärker vom Neuanlagengeschäft und damit von der Baukonjunktur abhängigen asiatischen Märkten können wir durch erfolgreiche Präsenz auch auf den etablierten Märkten in Europa und Amerika weitgehend ausgleichen. Den möglichen konjunkturellen Risiken in den Schwellenländern begegnen wir durch den Ausbau des Modernisierungs- und Servicegeschäfts sowie konsequente Effizienzverbesserungen. Resultierende Wechselkursrisiken aus der Internationalität des Geschäfts reduzieren wir weitestgehend durch lokale Wertschöpfung und sichern die Risiken mit finanzwirtschaftlichen Instrumenten ab.

Die weiterhin unsichere Lage der Weltwirtschaft birgt weitere Risikopotenziale, die sich bei Elevator Technology vor allem in Forderungsausfällen und Projektverzögerungen niederschlagen können. Als sekundärer Effekt könnte die Wettbewerbsintensität auf allen Märkten zunehmen und zu verschärftem Preisdruck führen. Die Business Area wirkt diesen Tendenzen durch professionelles Projektmanagement in Verbindung mit umfassenden Bonitätsprüfungen der Kunden entgegen. Schutz vor starkem Preisdruck bieten zudem Kundenbindungsstrategien, eine hohe Servicequalität, Effizienzprogramme und nicht zuletzt innovative und nachhaltige Produktlösungen.

Industrial Solutions – Ein wesentlicher Risikofaktor für die Business Area ist die Unsicherheit darüber, wie sich die weltweite Konjunktur entwickelt, wie stabil das Wachstum in den USA ist und wie sich andere große Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien entwickeln werden. Weitere Risiken bestehen u.a. aufgrund gesunkener Öl- und Rohstoffpreise in der geringeren Nachfrage nach Investitionsgütern von Kunden aus der Öl- und Gasindustrie sowie aus dem Bergbau. Neben der rückläufigen Entwicklung der Rohstoffpreise und des Ölpreises können insbesondere auch politische Entwicklungen in wichtigen Absatzregionen (beispielsweise in der Region Naher Osten & Afrika und im Bereich Russland/Ukraine) die Projektlage in der Business Area Industrial Solutions negativ beeinflussen und zu Projektverschiebungen oder -stornierungen führen.

Besondere technologische Risiken bestehen bei "First of its kind"-Aufträgen. Den speziellen Risiken in der Abwicklung von langfristigen Großaufträgen und technisch komplexen Aufträgen begegnen wir durch professionelles und ergebnisorientiertes Projekt- und Claims-Management, intensives Projektcontrolling sowie durch den verstärkten Einsatz von Projektsteuerungsmaßnahmen.

Im Anlagenbau kann sich zudem der zunehmende Preis- und Konditionenwettbewerb, etwa durch asiatische Anbieter, negativ auf die Margenqualität auswirken.

Materials Services – Das weltweite Werkstoff-, Rohstoff- und Dienstleistungsgeschäft von Materials Services unterliegt – teilweise stärker als andere Geschäftszweige – konjunkturell bedingten Nachfrage- und Preisschwankungen auf der Beschaffungs- wie auch auf der Absatzseite. Dies beeinflusst in erheblichem Maße unser Netto-Umlaufvermögen. Schnellstmögliche Lieferfähigkeit bei möglichst geringem Kapitaleinsatz ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor unseres Geschäftsmodells. Deshalb arbeiten wir permanent an der Optimierung unserer Logistik und der gesamten Wertschöpfungskette, u.a. indem wir als eine der marktführenden Unternehmensgruppen in Europa unsere Einkaufsaktivitäten weiter bündeln und zentral koordinieren.

Kostensenkungsmaßnahmen, die im Rahmen von "impact" entwickelt wurden, steigern die Effizienz und erhöhen die Wirtschaftlichkeit. Mit unserem systematisch weiterentwickelten Management des Netto- Umlaufvermögens optimieren wir die Bestände und minimieren die Risiken eines Forderungsausfalls effektiv. Gleichzeitig intensivieren wir unsere Dienstleistungsaktivitäten rund um die Werkstoffe.

Zusätzlich reduzieren wir konjunkturell bedingte Risiken durch unsere Präsenz auf allen Kontinenten, unsere breite Kundenbasis und den hohen Diversifizierungsgrad. Daraus ergibt sich eine signifikante Risikostreuung.

In den Produktionsstandorten unserer Einheit AST kann es zu Betriebsunterbrechungen und Produktionsausfällen kommen. Wir begegnen diesen Risiken im Wesentlichen mit vorbeugender Instandhaltung sowie Modernisierungen und Investitionen.

Steel Europe – Zu den Risiken der künftigen Entwicklung der Business Area Steel Europe zählen insbesondere Marktunsicherheiten auf der Absatz- und Beschaffungsseite, Ergebnis- und Margenrisiken durch einen hohen Importdruck und weltweite Überkapazitäten, Risiken aus Wechselkursschwankungen sowie Risiken aus dem Emissionshandel und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Im Falle einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage steigt das Risiko aus Kundeninsolvenzen.

Dem Risiko einer konjunkturell bedingt schwankenden Nachfrage begegnet die Business Area mit Kostenoptimierungen in allen Bereichen, rechtzeitigen Produktionsanpassungen und der Konzentration auf anspruchsvolle Marktsegmente mit geringerer Zyklizität. Das Risiko aus Kundeninsolvenzen reduziert die Business Area durch ein intensiveres Monitoring, das Ausschöpfen der Möglichkeiten zur Absicherung über Warenkreditversicherungen und andere geeignete Instrumente sowie durch angepasste Zahlungsbedingungen. Qualitäts- und Lieferterminrisiken werden über die stetige Optimierung der Wertschöpfungsketten minimiert.

Aus der VW-Abgaskrise erwarten wir derzeit keine deutlich negativen Auswirkungen auf den Absatz unserer Werkstoffe; der Preisdruck dürfte infolge der bereits öffentlich angekündigten Kostensenkungsprogramme hingegen zunehmen.

Der Wettbewerbsintensität auf dem Markt für Qualitätsflachstahlerzeugnisse begegnet Steel Europe weiterhin durch systematische Stärken in der Technologiekompetenz und einer noch intensiveren Kundenorientierung, die es der Business Area ermöglicht, sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Hierzu zählen konsequente Investitionen in Forschungs- und-Entwicklungsprojekte mit dem Ziel, innovative Produkte und Kundenlösungen zu entwickeln und diese zeitnah auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus stellt die Neugestaltung des Qualitätsmanagements die Produktqualität noch stärker in den Fokus.

Die Business Area hat ein sachversicherungsbezogenes wirtschaftliches und technisches Risikocontrolling als festen Bestandteil in den eigenen Risikomanagement-Prozess integriert. Zur weiteren Optimierung des vorbeugenden Brandschutzes werden zusätzliche Investitions- und Instandhaltungsbudgets bereitgestellt. Die Risiken für sonstige Betriebsunterbrechungen werden durch die laufende vorbeugende Instandhaltung sowie Modernisierungen und Investitionen reduziert. Für den Fall einer Betriebsunterbrechung existieren Notfall- und Krisenpläne, in denen Maßnahmen für die Schadensbeseitigung festgelegt sind.

Zudem stellt die Energiewende in Deutschland hin zu einem regenerativ dominierten Energiesystem die energieintensive Industrie im Allgemeinen und die Stahlindustrie im Besonderen vor große Herausforderungen. Mögliche Einschnitte des Bestandsschutzes für Eigenstromversorger in der kommenden Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes stellen eine erhebliche Bedrohung für das Unternehmen dar. Hinzu kommen weitere kostentreibende Entwicklungen durch die Integration erneuerbarer Energien, wie der erforderliche Ausbau der Stromnetze sowie die Vorhaltung von Reservekapazitäten zur Sicherstellung der Versorgungsicherheit. Regulatorische Anforderungen an die Strom- und Gasnetze unserer großen Produktionsstandorte sowie an unsere Kraftwerke können zu weiteren Kostenbelastungen führen. Das Risiko steigender Großhandelspreise für Strom wird durch eine weitreichende Versorgung mit Strom aus eigener Erzeugung beschränkt. Hinsichtlich der Risiken aus der Preisentwicklung von Erdgas verfolgt der Konzern eine zentral festgelegte Preisabsicherungsstrategie.

Aus dem EU-Emissionshandel in der dritten Handelsperiode, die sich von 2013 bis 2020 erstreckt, können uns weitere Kosten für Emissionsrechte erwachsen. Risikomindernd wirken sich jedoch im Bestand gehaltene Emissionsrechte und Sicherungsgeschäfte aus. Erhebliche Risiken ergeben sich aus den zurzeit auf europäischer Ebene diskutierten Modellen zur Fortführung des Emissionshandels nach 2020.

Ein möglicherweise deutlich höherer Zukaufbedarf an Emissionszertifikaten könnte auf erheblich steigende Zertifikatpreise treffen, wodurch die europäische Stahlindustrie im internationalen Wettbewerb stark belastet würde.

Dem Risiko steigender Rohstoffpreise begegnen wir durch Nutzung alternativer Beschaffungsquellen, risikomindernde Beschaffungsstrategien und ein aktives Risikomanagement und/oder durch Maßnahmen zur Margensicherung.

Steel Americas – Den produktionstechnischen Risiken im Hüttenwerk in Brasilien, die noch im ersten Halbjahr des abgelaufenen Geschäftsjahres vor allem in der Roheisenerzeugung und im Stahlwerk zu Betriebsunterbrechungen führten, konnten wir durch eine Neuorganisation und -ausrichtung der Instandhaltungsaktivitäten sowie weitere Prozessoptimierungen effektiv entgegenwirken, was sich auch in einer deutlich besseren operativen Performance im zweiten Halbjahr niederschlug.

Zu den branchentypischen Risiken zählt die zukünftige Entwicklung der Marktpreise für Roh- und Einsatzstoffe (insbesondere Eisenerz und Kokskohle) auf der Einkaufsseite und für Stahl (insbesondere in Brasilien und den USA) auf der Absatzseite. Einer günstigen Entwicklung der Rohstoffpreise stand im abgelaufenen Geschäftsjahr ein deutlicher Rückgang der Stahlpreise und damit verbunden auch der Marge gegenüber. Diese hat sich nun, wenn auch auf niedrigem Niveau, stabilisiert. Der Aufbau eines eigenen Vertriebs in Brasilien schreitet gut voran. Wir konnten bereits langfristig vielversprechende Kundenbeziehungen auf dem internationalen Markt aufbauen. Auf dem lokalen Markt blieb die Nachfrage jedoch aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage Brasiliens unter den Erwartungen; eine nachhaltige Erholung ist hier noch nicht abzusehen.

Die starke Abwertung des brasilianischen Reals zog zudem auch eine Abwertung der in Real geführten, aber in Dollar bilanzierten Vorsteuerguthaben nach sich, bewirkte jedoch auch wechselkursbedingte Kostenvorteile im laufenden operativen Geschäft. Kurz- und mittelfristig werden Risiken aus Wechselkurschwankungen des brasilianischen Reals gegenüber dem Dollar durch Kurssicherungsderivate im Rahmen der Regelungen der thyssenkrupp Konzernrichtlinie Corporate Finance minimiert.

Das Risiko der Strompreisentwicklung in Brasilien hat sich zuletzt aufgrund sinkender Preise und eines von den Behörden eingeführten Caps auf den Strompreis deutlich reduziert. Im Kraftwerk konnte zudem Dampf- und Gaserzeugung optimiert werden, was letztendlich zu einer deutlich stabileren und höheren Eigenstromproduktion des Hüttenwerks führte und die Kosten des Energiezukaufs und die Abhängigkeit vom Strommarkt deutlich reduziert hat.

Weitere landestypische Risiken ergeben sich aus der sich rasch ändernden Rechtsprechung in Brasilien. Insbesondere auf neue Vorschriften in der Steuergesetzgebung müssen wir stets schnell und sorgfältig reagieren. Um solchen Fiskalrisiken frühzeitig zu begegnen, stimmen sich das Hüttenwerk und die Steuerabteilung der regionalen Zentrale in Südamerika eng ab.

Quelle: Geschäftsbericht 2014/2015, S. 98-115

Weitere Informationen zum Thema Risikomanagement finden Sie unter Corporate Governance Bericht.

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