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Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

(13. August 1907 - 30. Juli 1967)

Alfried von Bohlen und Halbach, ältester Sohn von Gustav (1870 - 1950) und Bertha (1886 - 1957) Krupp von Bohlen und Halbach, absolviert nach dem Besuch des Gymnasiums Praktika in verschiedenen Werkstätten der Fried. Krupp AG. Sein Studium der Eisenhüttenkunde an den Technischen Hochschulen in München, Berlin und Aachen schließt er 1934 als Diplomingenieur mit einer Arbeit über das Erschmelzen von Stählen im Vakuum ab. Nach einem Volontariat bei der Dresdner Bank in Berlin tritt er im Oktober 1936 in das Familienunternehmen ein.

Am 1. Oktober 1938 folgt seine Berufung in das Direktorium (den Vorstand) der Fried. Krupp AG. Als designierter Nachfolger seines Vaters wird er schon bald zur Mitarbeit in Aufsichtsräten fremder Unternehmen und in Wirtschaftsorganisationen herangezogen. So wirkt er im Frühjahr 1941 mit bei der Gründung der Reichsvereinigung Kohle und ist stellvertretender Vorsitzender der 1942 gegründeten Reichsvereinigung Eisen. Im März 1943 wird Alfried von Bohlen und Halbach zum Vorsitzenden des Direktoriums ernannt. Mit der Umwandlung der Fried. Krupp AG in ein Einzelunternehmen Ende 1943 wird er Alleininhaber des Unternehmens und erhält zugleich das Recht, sich Krupp von Bohlen und Halbach zu nennen.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach übernimmt das Unternehmen zu einem Zeitpunkt, als es - vor allem in der Rüstungsindustrie - kaum mehr Raum für selbstständige unternehmerische Entscheidungen gibt. Rüstungsbehörden und immer zahlreicher werdende halbstaatliche Lenkungsgremien greifen vielfältig in die Produktionsplanung ein. Aus Pflichtbewusstsein und Loyalität bemüht er sich, trotz der zum Kriegsende immer schwieriger werdenden Gesamtsituation, die Anforderungen zu erfüllen.

Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen wird Alfried Krupp von Bohlen und Halbach am 11. April 1945 unter "automatischen Arrest" gestellt. Sein Eigentum wird beschlagnahmt und er bleibt inhaftiert, bis er 1947 mit elf seiner leitenden Mitarbeiter vor einem US-amerikanischen Militärgericht in einem der drei Nürnberger Industrieprozesse angeklagt wird. Die Anklage greift die bereits gegen den Vater Gustav Krupp von Bohlen und Halbach vorgebrachten Beschuldigungen der aktiven Vorbereitung eines Angriffskrieges und der damit verbundenen gemeinsamen Verschwörung auf. In diesen Punkten werden alle Angeklagten freigesprochen. In den beiden übrigen Anklagepunkten "Plünderung" von Wirtschaftsgütern im besetzten Ausland und "Sklavenarbeit" (Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Beschäftigung ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener) wird Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zu 12 Jahren Haft und der Einziehung seines gesamten Vermögens verurteilt. Zehn seiner Mitangeklagten erhalten Haftstrafen bis zu 12 Jahren. Im Rahmen einer allgemeinen Begnadigungsaktion werden die Verurteilten durch Entscheidung des damaligen Hohen Kommissars für Deutschland, John J. McCloy, im Januar 1951 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, 1960
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, 1960

1953 übernimmt Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wieder die Leitung der zunächst unter alliierte Kontrolle gestellten Werke. Zuvor hatte das im Rahmen der alliierten Entflechtungsmaßnahmen abgeschlossene so genannte "Mehlemer Abkommen" die Abtrennung der Bergbau- und Hüttenbetriebe verfügt und sie unter Verkaufsauflage gestellt. Damit fehlt dem Konzern die Rohstoff- und vor allem die so wichtige Stahlbasis. Aus den verbliebenen Verarbeitungsbetrieben, u. a. den Lokomotiv- und Kraftwagenfabriken, der WIDIA-Hartmetallfabrik und dem Stahlbau Rheinhausen, gilt es, einen neu strukturierten Konzern zu gestalten. Zusätzlich werden neue Absatzgebiete für die Planung und den Bau von Industrieanlagen erschlossen. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach selbst trägt mit Berthold Beitz (1913 - 2013), den er Ende 1953 zu seinem persönlichen Generalbevollmächtigten ernennt, durch zahlreiche Auslandsreisen dazu bei. 1958 umfasst das Unternehmen, einschließlich des noch unter Verkaufsauflage stehenden Montanbereichs, 105.200 Mitarbeiter. Krupp ist das umsatzstärkste deutsche Unternehmen.

Da die Verkaufsauflage wegen fehlender Kaufangebote nur zu einem sehr geringen Teil erfüllt werden kann, fasst Krupp 1960 die verbliebenen Montanbetriebe zusammen und verbreitert diese Basis 1965 durch die Fusion mit der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG. 1961 eröffnete Krupp in Brasilien die Produktion von Gesenkschmiedeteilen für Motoren und Fahrzeuge. Durch zusätzliche Erwerbungen weitet das Unternehmen seinen Verarbeitungsbereich aus.

Privat hat Alfried Krupp von Bohlen und Halbach kein sehr glückliches Leben geführt. 1937 heiratet er Anneliese Lampert, geb. Bahr (1909 - 1998), im Folgejahr wird der Sohn Arndt von Bohlen und Halbach (1938 - 1986) geboren. Die Ehe wird 1941 geschieden. 1952 geht er eine zweite Ehe ein, mit Vera Knauer, geb. Hossenfeld (1909 - 1967). Diese Ehe wird 1957 geschieden. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ist begeisterter Segler. Bei der Olympiade 1936 erringt er in der 8-m-R-Klasse die Bronze-Medaille. In seinen späteren Lebensjahren widmet er sich der Landschaftsfotografie und der vergleichenden Musikforschung. 1966 schenkt er der Bochumer Universität einen Teil der Bibliothek der Villa Hügel. Seine umfangreiche Schallplattensammlung wird nach seinem Tod der Folkwang-Hochschule für Musik gestiftet.

Im Frühjahr 1967 kündigt Alfried Krupp von Bohlen und Halbach die bevorstehende, durch den Erbverzicht des Sohnes Arndt ermöglichte Umwandlung des Unternehmens in eine GmbH an, deren Geschäftsanteile bei einer gemeinnützigen Stiftung liegen sollen. Er stirbt im Juli 1967. In Ausführung seines Testaments überführt die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als Erbin das Unternehmen in die Fried. Krupp GmbH, die am 2. Januar 1968 in das Handelsregister eingetragen wird.

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