Strategie

Strategische Neuausrichtung

Im Mai 2019 hat thyssenkrupp eine Neuausrichtung des Unternehmens beschlossen und im Mai 2020 weiter konkretisiert. Kern der neuen Strategie ist der Umbau von thyssenkrupp hin zu einer leistungsstarken „Group of Companies“ mit einem schlanken Führungsmodell und einem klar strukturierten Portfolio.

Zum einen wird es Unternehmensbereiche geben, deren Potenzial thyssenkrupp allein oder gemeinsam mit Partnern entwickeln wird, und zum anderen Geschäfte, für die vorrangig Entwicklungspfade außerhalb der Gruppe verfolgt werden.

Bei dem Veränderungsprozess orientieren wir uns nach wie vor an den drei Schwerpunktthemen: Performance, Portfolio und Organisation.
Es sollen die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich die Geschäfte bestmöglich entwickeln und nachhaltige sowie führende Marktpositionen einnehmen können.

  • Performance

Übergeordnetes Ziel ist die Steigerung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit all unserer Geschäfte. Der grundsätzliche Anspruch an alle Geschäfte ist es, dass sie zu den jeweils Besten in ihrer Branche gehören. Für jede Einheit gilt ein individueller und aus dem Wettbewerb abgeleiteter Profitabilitätsanspruch. Alle Geschäfte müssen zudem mindestens ihre Kapitalkosten verdienen. Alle Ziele müssen konkret und belastbar mit Maßnahmen hinterlegt sein. Die Maßnahmen werden im regelmäßigen Dialog zwischen der Führungsgesellschaft und dezentraler Einheit hinterfragt, gegebenenfalls angepasst und nachgehalten. Die Führungsmannschaft der Geschäfte trägt dabei die volle Ergebnisverantwortung. Die Kapitalallokation innerhalb der Gruppe erfolgt auf Basis des erwarteten Wertbeitrags.

Zu Performance gehört auch, dass wir gruppenweit mehr Fokus auf unsere „Performance-Kultur“ legen und mit deutlich mehr Konsequenz dafür sorgen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich verbessern. Dazu gehört auch die Überprüfung unserer Steuerungskennzahlen und -logik sowie der damit zusammenhängenden Vergütungssysteme.

  • Portfolio

Wir haben das individuelle Entwicklungspotenzial der Geschäfte von thyssenkrupp daraufhin überprüft, in welcher Konstellation die Einheiten die besten Zukunftsperspektiven haben. Kriterien waren dabei die Marktattraktivität und das zukünftige Wertsteigerungspotenzial, das wir heben können. Innerhalb des angestrebten Zielportfolios („Focus“) wollen wir die Profitabilität der Geschäfte steigern („Improve“) und auf dieser neuen Effizienzbasis langfristig wieder profitabel wachsen („Scale“).
Folgende Portfolioentscheidungen wurden getroffen:

Bei Materials Services und Industrial Components sieht thyssenkrupp aufgrund der eigenen Marktposition und Wettbewerbsstärke unverändert gutes Entwicklungspotenzial. Diese Geschäfte wird thyssenkrupp auch künftig im Unternehmen aus eigener Kraft weiterentwickeln. Auch Automotive Technology werden wir innerhalb der Gruppe weiterführen. Dem Branchentrend zu übergreifender Zusammenarbeit folgend sind selektiv auch Allianzen oder Entwicklungspartnerschaften vorstellbar.

Aufgrund der spezifischen Markt- und Branchensituation bei Steel Europe sowie bei Marine Systems wird thyssenkrupp neben Maßnahmen zur Steigerung der Performance für eine Stand-alone-Entwicklung im Unternehmen parallel auch mögliche Partnerschaften und Konsolidierungsoptionen verfolgen. Um insbesondere der spezifischen Marktsituation beim Stahl gerecht zu werden und den Auswirkungen von Corona zu begegnen, arbeiten wir derzeit an Anpassungen in der Umsetzung der Stahlstrategie 20-30. Dazu gehören auch weitergehende Anstrengungen zur Senkung unserer Kosten.

Separat geführt werden diejenigen Geschäfte, für die sich das Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen künftig nicht allein als der beste Eigentümer sieht. Diese Einheiten wurden zum 1. Oktober 2020 inzwischen zu einem eigenständigen Segment Multi Tracks zusammengefasst und werden im Sinne eines aktiven Beteiligungsmanagements geführt.
Im Einzelnen handelt es sich um: den Anlagenbau (Plant Technology), das Edelstahlwerk im italienischen Terni (AST) inklusive der dazugehörigen Vertriebsorganisation, die Antriebs- und Batteriemontage (Powertrain & Battery Solutions), Springs & Stabilizers, Infrastructure sowie Grobblech.

In einigen der unter Multi Track geführten Bereiche – u.a. bei der Antriebs- und Batteriemontage und Springs & Stabilizers – wurden zudem Restrukturierungen eingeleitet bzw. werden umgesetzt. Auch die bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019/2020 unter Special Units berücksichtigte Elevator Rückbeteiligung und das bisher unter Special Services angesiedelte Tech Center thyssenkrupp Carbon Components wird seit dem 1. Oktober 2020 diesem Segment zugeordnet.

Beginnend mit dem Bericht zum 1. Quartal des neuen Geschäftsjahrs 2020/2021 werden wir in der neuen Struktur berichten.

thyssenkrupp AG: Zielbild - "Group of Companies"
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  • Organisation

Unser Ziel ist es, den Geschäften den Spielraum zu geben, sich bestmöglich auf ihre Kunden und ihre Märkte zu spezialisieren und damit für ihre Produkte und Dienstleistungen ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Wir wollen ein unternehmerisches Klima stärken, das Entscheidungen beschleunigt, Effizienzen steigert und den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet mehr unternehmerische Freiheit in den Geschäften, aber auch mehr Eigenverantwortung.

Neben der Steuerung der Performance wird sich die Zentrale zukünftig und im Laufe der Umsetzung des Transformationsprozesses der Gruppe zunehmend insbesondere auf die Governance, Portfolioentscheidungen und die Allokation von Investitionsmitteln konzentrieren. Die organisatorische Aufstellung der Gruppe soll agiler und schlanker werden und dadurch auch Kosten reduzieren. Insgesamt soll die effizientere Aufstellung der Organisation die Kostenbasis um bis zu 100 Mio € senken. Auch für die Zentrale und die Service-Einheiten sowie die regionalen Plattformen bedeutet dies, dass diese weiter vereinfacht werden und fortlaufend an die Struktur und Größe der Unternehmensgruppe angepasst werden. Die Zentralfunktionen wurden inzwischen von 15 auf 10 Funktionen verschlankt und die Stellen in der Zentrale bereits deutlich reduziert. Zum 1. Oktober 2020 ist die neue Aufstellung der Service-Einheiten an den Start gegangen.