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Thyssen - Vom Stahl- zum Technologiekonzern

Feierstunde auf der Thyssen-Hütte am 7. Mai 1951
Feierstunde auf der Thyssen-Hütte am 7. Mai 1951 bei der Wiederinbetriebnahme des ersten Hochofens nach dem Krieg. Im Vordergrund der älteste Hochofenmann der damaligen Belegschaft.

In den 1950er- und 1960er-Jahren findet der Ausbau der August Thyssen-Hütte AG zu einem Stahlkonzern statt. 1954/55 konzentriert sich die August Thyssen-Hütte AG zunächst auf Erwerbungen aus den vertikal vorgelagerten Bereichen Bergbau sowie Steine und Erden, um ihre Rohstoffbasis zurückzuerlangen. Der anschließende horizontale Ausbau der August Thyssen-Hütte AG durch Übernahme der Aktienmehrheit an der Niederrheinischen Hütte AG (1956), der Deutsche Edelstahlwerke AG (1957), der Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke (1964) und der Hüttenwerk Oberhausen AG (1968) dient der Diversifizierung. Ihre Produktpalette umfasst Profil- und Flacherzeugnisse in allen Qualitäten bis zum hochlegierten Edelstahl; durch gegenseitige Abstimmung der Produktionsprogramme werden Rationalisierungsgewinne möglich. Parallel dazu findet eine rasche Vergrößerung der als optimal erachteten Hüttenwerkseinheiten statt. Mitte der 1960er-Jahre ist die August Thyssen-Hütte AG der größte europäische Rohstahlerzeuger und steht mit seiner Stahlproduktion weltweit an fünfter Stelle. Ergänzend zur horizontalen Diversifizierung findet seit 1960 die Angliederung einer Handelsorganisation, der Handelsunion AG, seit 1969 Thyssen Handelsunion AG, statt. In den folgenden Jahrzehnten wandelt sich die Thyssen Handelsunion AG vom ausschließlichen Stahlhandelsunternehmen zu einem vielseitigen Dienstleister, der sich Mitte der 1990er-Jahre auf die Kerngeschäftsfelder Werkstoffe, Industrie- und Gebäudeservice sowie Projektmanagement konzentriert. In der Endphase der horizontalen Diversifizierung kommt es bei der August Thyssen-Hütte AG zur Spezialisierung durch Kooperation. 1969 vereinbaren Mannesmann AG und August Thyssen-Hütte AG eine Arbeitsteilung, die sich mit der Kurzformel "Röhren zu Mannesmann, Walzstahl zu Thyssen" umreißen lässt.

Magnetschwebebahn Transrapid 05 auf der Internationalen Verkehrsausstellung in Hamburg, Juni 1979.
Magnetschwebebahn Transrapid 05 auf der Internationalen Verkehrsausstellung in Hamburg, Juni 1979.

Ende der 1960er-Jahre ist die August Thyssen-Hütte AG ein monostrukturierter Stahlkonzern. Die Neuorientierung setzt 1973 mit dem Erwerb der Rheinstahl AG ein, deren Produktionsschwerpunkt in der Weiterverarbeitung liegt. Durch diese Angliederung reduziert die August Thyssen-Hütte AG ihre Dominanz im Stahlsektor und wird ein Mischkonzern. Die weit gespannten Aktivitäten der Rheinstahl AG werden mit den entsprechenden Thyssen-Geschäftsfeldern in den vier neu formierten Unternehmensbereichen Investitionsgüter und Verarbeitung, Handel und Dienstleistungen, Edelstahl sowie Stahl zusammengefasst. Folgerichtig ändert die August Thyssen-Hütte AG 1977 ihren Namen in Thyssen Aktiengesellschaft vorm. August Thyssen-Hütte. Um auch nach außen zu dokumentieren, dass die Rheinstahl AG den Weiterverarbeitungsbereich des Thyssen-Konzerns repräsentiert, wird diese 1976 in Thyssen Industrie AG umfirmiert. Der Stahlbereich wird zum 1. April 1983 in die Thyssen Stahl AG ausgegliedert; seitdem konzentriert sich die Thyssen Aktiengesellschaft vorm. August Thyssen-Hütte ausschließlich auf Aufgaben der Konzernführung. In den folgenden Jahren passt die Thyssen-Gruppe ihre Stahlproduktion dem Markt an und nimmt Strukturbereinigungen vor. Zur Konzentration ihrer Aktivitäten definiert die Thyssen-Gruppe 1996 Kerngeschäftsfelder und führt eine Portfolio-Bereinigung durch. Die Fokussierung auf ausgewählte Geschäftsfelder mit gutem Markt- und Ergebnispotenzial dient gleichzeitig der weiteren Internationalisierung des Konzerns.

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