Feb 12, 2026 6:00 AM
thyssenkrupp im 1. Quartal 2025/2026: Trotz marktbedingter Umsatzrückgänge Bereinigtes EBIT über Vorjahr – Konzernprognose für alle Kernsteuerungsgrößen bestätigt
Auftragseingang im 1. Quartal 2025/2026 bei 7,7 Mrd. € (Vorjahr: 12,5 Mrd. €); erwartungsgemäßer Rückgang bedingt durch Großaufträge bei Marine Systems (TKMS) im Vorjahresquartal
Umsatz mit 7,2 Mrd. € preis- und nachfragebedingt um 8 Prozent rückläufig (Vorjahr: 7,8 Mrd. €)
Bereinigtes EBIT um 10 Prozent auf 211 Mio. € gesteigert; Performance-Programm APEX mit positiven Ergebniseffekten
Konzernprognose für das laufende Geschäftsjahr für alle Kernsteuerungsgrößen bestätigt
Transformation schreitet voran: TKMS erfolgreich an der Börse etabliert, Sanierungstarifvertrag bei Steel Europe abgeschlossen sowie Eckpunkte mit Salzgitter zur Zukunft von HKM vereinbart, Verkauf von Automation Engineering an Agile Robots vereinbart
CEO Miguel López: „Auch im 1. Quartal 2025/2026 zeigt sich: Wir stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit Schritt für Schritt und treiben gleichzeitig die Transformation des Konzerns entschlossen voran.“
In einem unverändert herausfordernden Marktumfeld ist thyssenkrupp robust in das Geschäftsjahr 2025/2026 gestartet. Zugleich hat der Konzern seine Transformation im Rahmen des Strategieprogramms ACES 2030 weiter fortgesetzt. Der Auftragseingang im 1. Quartal (Oktober bis Dezember) betrug 7,7 Mrd. €. Dies waren 4,8 Mrd. € weniger als im Vorjahreszeitraum, in dem zwei größere Neubauaufträge bei Marine Systems verbucht wurden. Der Umsatz verringerte sich infolge von Nachfrageschwankungen und Preiseffekten um 8 Prozent auf 7,2 Mrd. €. Unter anderem durch positive Beiträge aus dem Performanceprogramm APEX hat thyssenkrupp das Bereinigte EBIT um 10 Prozent auf 211 Mio. € gesteigert. Auf dieser Basis hat der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt und erwartet weiterhin ein Bereinigtes EBIT im Bereich zwischen 500 und 900 Mio. €.
Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG: „Auch im 1. Quartal 2025/2026 zeigt sich: Wir stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit Schritt für Schritt und treiben gleichzeitig die Transformation des Konzerns entschlossen voran. Trotz marktbedingter Umsatzrückgänge haben wir das Bereinigte EBIT gesteigert – ein klares Zeichen für die Fortschritte bei Effizienz, Kosten und Struktur. Der Fokus liegt weiter auf unserem Zukunftsmodell ACES 2030. Nach dem erfolgreichen Börsengang von TKMS haben wir mit dem Abschluss des Sanierungstarifvertrags und den Verhandlungsergebnissen mit Salzgitter zur Zukunft der HKM jetzt eine belastbare Grundlage, um die strukturellen Herausforderungen im Stahlbereich beherzt anzugehen und das industrielle Zukunftskonzept des Stahlvorstandes erfolgreich umzusetzen. Gleichzeitig investieren wir in die Leistungsfähigkeit der anderen Segmente, um diese kapitalmarktfähig aufzustellen und weitere Verselbständigungsschritte auf den Weg zu bringen.“
Kennzahlen thyssenkrupp Konzern im 1. Quartal 2025/2026
Der Auftragseingang betrug 7,7 Mrd. € (Vorjahr: 12,5 Mrd. €). Der Rückgang ist im Wesentlichen auf umfassende Großaufträge bei Marine Systems im Vorjahr zurückzuführen – vier U-Boote des deutsch-norwegischen „212CD"-Programms sowie der Zuschlag für den Forschungseisbrecher „Polarstern II". Automotive Technology, Materials Services und Steel Europe verzeichneten leicht rückläufige Auftragseingänge. Ursächlich für den niedrigeren Auftragseingang bei Decarbon Technologies waren die insgesamt wenig dynamische Marktentwicklung und kundenseitige Projektverschiebungen.
Der Konzernumsatz lag mit 7,2 Mrd. € unter Vorjahr (7,8 Mrd. €); hier spiegelt sich das anhaltend schwache Marktumfeld wider. Bei Automotive Technology lag der Umsatz aufgrund von Rückgängen im automobilen Anlagenbau und negativen Kurseffekten leicht unter dem Vorjahr. Bei Materials Services und Steel Europe führte eine geringere Nachfrage und bei Steel Europe auch ein niedrigeres Preisniveau zu Umsatzrückgängen. Bei Decarbon Technologies sank der Umsatz im Wesentlichen durch Rückgänge in den Bereichen Wasserelektrolyse der thyssenkrupp nucera und im Neubau-Geschäft des Chemieanlagenbaus. Bei Marine Systems entwickelte sich der Umsatz entsprechend der erreichten Projektfortschritte in den laufenden Programmen und lag erwartungsgemäß leicht unter dem Vorjahresniveau. Positive Effekte erzielte das Neubaugeschäft Überwasser und der Bereich Marineelektronik.
Das Bereinigte EBIT verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 20 Mio. € auf 211 Mio. € gestützt durch Maßnahmen des Performancesteigerungsprogramms APEX. Insbesondere bei Automotive Technology und Materials Services machten sich positive Effekte aus den eingeleiteten Effizienz- und Restrukturierungsmaßnahmen bemerkbar. Steel Europe verzeichnete trotz niedrigerem Erlös- und Versandniveau eine deutliche Ergebnissteigerung im Vergleich zum Vorjahr, unter anderem aufgrund rückläufiger Rohstoffkosten und Effizienzmaßnahmen. Decarbon Technologies verzeichnete ein negatives Ergebnis. Zwar haben auch hier die APEX-Maßnahmen das Ergebnis gestützt; sie konnten jedoch die negativen Umsatz-Effekte sowie erhöhte projektbezogene Mehraufwendungen im Zementanlagenbau nicht kompensieren. Das Bereinigte EBIT von Marine Systems lag leicht unter dem Vorjahr und folgte somit der Umsatzentwicklung.
thyssenkrupp weist unter dem Strich für das 1. Quartal 2025/2026 einen Periodenfehlbetrag von -334 Mio. € aus (Vorjahr: -33 Mio. €). Der negative Wert resultiert im Wesentlichen aus den Restrukturierungsaufwendungen aus dem Segment Steel Europe (-401 Mio. €). Zudem wirkten sich Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Kerngeschäfts von Automation Engineering (-30 Mio. €) negativ auf das Ergebnis aus. Das Netto-Ergebnis nach Abzug der Minderheitenanteile lag bei -353 Mio. € (Vorjahr: -51 Mio. €); das Ergebnis je Aktie betrug -0,57 € (Vorjahr: -0,08 €).
Aufgrund des Periodenfehlbetrages sank das Eigenkapital zum Stichtag 31. Dezember 2025 auf 10,3 Mrd. € (30. September 2025: 10,6 Mrd. €). Die Eigenkapitalquote weist weiterhin einen komfortablen Wert von 37 Prozent auf.
Der Free Cashflow vor M&A lag mit -1,5 Mrd. € deutlich unter Vorjahr (-21 Mio. €). Wesentliche Gründe waren der Wegfall einer im Vorjahr erhaltenen Anzahlung in Höhe von 1 Mrd. € für die Erweiterung des U-Boot-Auftrags 212CD bei Marine Systems sowie die im 1. Quartal stark gestiegene Mittelbindung im Netto-Umlaufvermögen.
Das Netto-Finanzguthaben lag zum Stichtag 31. Dezember 2025 bei 3,2 Mrd. € (30. September 2025: 4,9 Mrd. €). Die verfügbare Liquidität (flüssige Mittel und freie zugesagte Kreditlinien) belief sich auf 5,1 Mrd. €.
Konzernprognose für das Geschäftsjahr 2025/2026 bestätigt
Vorbehaltlich des anhaltend herausfordernden Marktumfelds bestätigt thyssenkrupp die Konzernprognose für das Geschäftsjahr 2025/2026.
Für das Bereinigte EBIT erwartet thyssenkrupp einen Wert zwischen 500 und 900 Mio. €. Für den Free Cashflow vor M&A rechnet der Konzern mit einem Wert zwischen -600 und -300 Mio. €. Hierin enthalten sind Auszahlungen für Restrukturierungen, insbesondere bei Automotive Technology und Steel Europe. Der Jahresüberschuss wird mit einem Wert zwischen -800 und -400 Mio. € prognostiziert. Hierin enthalten ist insbesondere die Bildung von Restrukturierungsrückstellungen bei Steel Europe.
Dr. Axel Hamann, Finanzvorstand der thyssenkrupp AG: „2025/2026 ist ein Jahr der Umsetzung auf dem Weg der thyssenkrupp AG zu einer Finanzholding. Dies spiegelt sich insbesondere in unserer bestätigten Prognose für Free Cashflow und Jahresüberschuss wider. Auf Basis unserer robusten Bilanz werden wir die notwendigen Maßnahmen konsequent umsetzen. Damit schaffen wir die Grundlage für weitere Ergebnisverbesserungen in der Zukunft und ermöglichen die nächsten Umsetzungsschritte bei der Transformation.“
Strategische Entwicklung im 1. Quartal 2025/2026
thyssenkrupp setzt die Transformation des Konzerns wie geplant konsequent fort. Im Kern steht das Zukunftsmodell ACES 2030 und damit verbunden der Umbau der thyssenkrupp AG zu einer Finanzholding, die Mehrheitsbeteiligungen an starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter ihrem Dach vereint. Bei der Umsetzung von ACES 2030 wurden in den vergangenen Monaten wichtige Fortschritte erzielt.
Automotive Technology befindet sich in einem weiterhin schwierigen Marktumfeld und hat das im März 2025 gestartete globale Effizienzprogramm zur Kostensenkung im Wesentlichen abgeschlossen; die geplanten Einsparungen – insbesondere aus den Personalmaßnahmen – sind weitgehend realisiert. Parallel richtet das Segment sein Portfolio gezielt neu aus und treibt weitere Anpassungen voran, um profitables Wachstum sowie die Kapitalmarktfähigkeit weiter zu erreichen. Im November 2025 wurde in diesem Zusammenhang der Verkauf des Kerngeschäfts der Business Unit Automation Engineering an das Technologierunternehmen Agile Robots SE eingeleitet. Der Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen und wird in den kommenden Monaten erwartet.
Bei Decarbon Technologies ist der Fokus weiterhin auf Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit gerichtet. Uhde entwickelt mit Uniper einen industriellen Ammoniak-Cracker, der den Import und die Nutzung von grünem Wasserstoff im großen Maßstab ermöglicht. Rothe Erde hat mit Partnern ein modernes, im Meer schwimmendes Demonstrationsprojekt für Windenergie realisiert. Polysius liefert die Schlüsseltechnologie für die nahezu vollständige CO₂-Abscheidung für groß angelegte Zementprojekte und thyssenkrupp nucera hat zentrale Technologien der dänischen Green Hydrogen Systems übernommen und damit das Portfolio um Hochdruck-Elektrolyse erweitert.
Materials Services entwickelt sich weiterhin vom klassischen Werkstoffhändler zum modernen Lieferkettendienstleister. Mit der Eröffnung eines neuen Standorts in New Mexico, USA wurden die Kapazitäten bei Verarbeitung und Distribution gestärkt, insbesondere für den Aufbau von Datencentern. Mit Forward Sensing wurde zudem ein weiterer Pilot für eine neue digitale Lösung zur Optimierung von Lieferketten gestartet. Durch einen Liefervertrag mit dem schwedischen Unternehmen Stegra hat sich Materials Services für die eigenen Stahl Service Center Zugang zu signifikanten Mengen non-prime Stahl gesichert. Zudem hat Materials Services Investitionen in Equipment zur Versorgung von Gießereien mit technischen Gasen getätigt.
Steel Europe setzt die strategische Neuausrichtung konsequent fort. Mit dem Abschluss des Sanierungstarifvertrags „Neuaufstellung Stahl“ im Dezember 2025 sowie der Einigung im Februar 2026 auf ein Eckpunktepapier mit der Salzgitter AG zur Fortführung der HKM wurden zwei wesentliche Meilensteine erreicht. Geplant ist ein Verkauf der HKM-Gesellschaftsanteile von thyssenkrupp Steel Europe an die Salzgitter AG zum 1. Juni 2026. Gemeinsam bilden diese Schritte die Grundlage für die schrittweise Umsetzung des industriellen Zukunftskonzepts von Steel Europe. Der Bau der Direktreduktionsanlage in Duisburg schreitet trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds und regulatorischer Unsicherheiten weiter voran. Darüber hinaus befindet sich die thyssenkrupp AG in vertraulichen Verhandlungen mit Jindal Steel International bezüglich einer möglichen Veräußerung von thyssenkrupp Steel Europe – im Zentrum steht dabei die laufende umfassende Due-Diligence-Prüfung.
TKMS (Segment Marine Systems) ist seit dem 20. Oktober 2025 ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen und hat sich erfolgreich an der Börse etabliert. Die thyssenkrupp AG ist mit 51 Prozent strategische Mehrheitsgesellschafterin und damit ein Garant für Stabilität. Seit dem 22. Dezember 2025 ist TKMS im zweitwichtigsten deutschen Aktienindex MDAX gelistet. Mit einem Auftragsbestand zum 31. Dezember 2025 auf einem Rekordniveau von 18,7 Mrd. € ist das Unternehmen hervorragend aufgestellt. Darin enthalten ist auch der im 1. Quartal 2025/2026 unterzeichnete größte Torpedo-Auftrag der Konzerngeschichte für die Bundesdeutsche Marine. Ende Januar konnte das Unternehmen darüber hinaus einen weiteren bedeutenden Auftrag in Norwegen über zwei zusätzliche U-Boote der Klasse 212CD gewinnen.