Apr 14, 2026 10:00 AM
Europas industrielle Ideengeber bündeln ihre Kräfte, um die Nutzung von sauberem Wasserstoff für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Energieunabhängigkeit Europas zu beschleunigen
Die „European Resilience Alliance for Clean Hydrogen & Derivatives“ (ERA) wurde heute im Beisein von Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin für einen sauberen, gerechten und wettbewerbsfähigen Wandel bei der Europäischen Kommission offiziell ins Leben gerufen.
ERA startet als eine neue paneuropäische, von CEOs geführte Initiative. Sie vereint führende Industrieunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um den Einsatz von sauberem Wasserstoff in Europa zu beschleunigen und auszuweiten.
Ziel der ERA ist es, die Dekarbonisierung und Widerstandsfähigkeit der europäischen Industrie voranzubringen. Dazu will die Allianz die Produktion kohlenstoffarmer Kraftstoffe, industrieller Ausgangsstoffe und Produkte in Europa stärken, politische Unterstützung und Finanzierbarkeit verbessern sowie skalierbare Märkte, Netzwerke und grenzüberschreitende Korridore fördern.
Gründungsmitglieder der Allianz sind ENAGÁS, FLUXYS, FORTUM, GASGRID FINLAND, MOEVE, NORDION ENERGI, OGE, RWE GENERATION, SEFE, STEGRA und THYSSENKRUPP. In Zusammenarbeit mit Hydrogen Europe hat die ERA zudem ein White Paper mit konkreten politischen Empfehlungen veröffentlicht, um die Lücke zwischen Ambition und Umsetzung bei Projekten für sauberen Wasserstoff in Europa zu schließen.
Die „European Resilience Alliance for Clean Hydrogen & Derivatives“ (ERA) wurde am heutigen Dienstag, 15. April 2026, im Europäischen Parlament in Brüssel offiziell gegründet. Die von den Mitgliedern des Europäischen Parlaments Andrea Wechsler MdEP und Nicolás González Casares MdEP gemeinsam ausgerichtete Auftaktveranstaltung der ERA wurde mit einer Eröffnungsrede von Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission für einen sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel, ins Leben gerufen. Zu den Gästen zählten wichtige politische Entscheidungsträger und Branchenführer.
Die von Vorstandsvorsitzenden europäischer Unternehmen geleitete Initiative vereint führende Industriekonzerne entlang der gesamten Wertschöpfungskette für sauberen Wasserstoff. Ziel ist es, die energiepolitischen Herausforderungen Europas aktiv anzugehen, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und – angesichts sich rasch wandelnder geopolitischer und industrieller Herausforderungen – strategische Autonomie zu sichern.
Andrea Wechsler MdEP erklärte: „Bei der Energiewende in Europa geht es nicht nur um Dekarbonisierung, Es geht um den Aufbau eines widerstandsfähigen, souveränen Energiesystems, das sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch der Industrie zugutekommt. Resilienz muss zu einem der Leitprinzipien unserer Energiepolitik werden – fundiert auf Diversifizierung, Systemintegration und glaubwürdigen Marktrahmenbedingungen –, die Ambitionen in Investitionen umsetzt.“
Den Gründungsmitgliedern der ERA gehören ENAGÁS, FLUXYS, FORTUM, GASGRID FINLAND, MOEVE, NORDION ENERGI, OGE, RWE GENERATION, SEFE, STEGRA und THYSSENKRUPP an – in Zusammenarbeit mit HYDROGEN EUROPE. Sie repräsentieren die gesamte Wertschöpfungskette für sauberen Wasserstoff in der Europäischen Union.
ERA wird auf zwei Säulen basieren, um die Klima- und Wettbewerbsziele Europas in kostengünstige, realisierbare Projekte umzusetzen. Erstens wird sie gegenüber politischen Entscheidungsträgern auf EU-, nationaler und regionaler Ebene mit einer einheitlichen Stimme auftreten, um die notwendigen Voraussetzungen für eine kostengünstige Wertschöpfungskette für saubere Energie zu schaffen. Zweitens wird sie die gesamte Wertschöpfungskette koordinieren – von der Energieerzeugung und Infrastruktur bis hin zur industriellen Nachfrage und Finanzierung –, um Engpässe zu identifizieren und zu beseitigen.
White Paper, um Lücke zwischen Ambition und Umsetzung zu schließen
Mit ihrer Gründung hat die ERA auch ein White Paper veröffentlicht. Darin werden regulatorische Engpässe aufgezeigt, bestehende politische Rahmenbedingungen anhand der industriellen Realitäten einem Stresstest unterzogen und die finanziellen sowie infrastrukturellen Hindernisse detailliert benannt, die den europäischen Markt für sauberen Wasserstoff bremsen. Zudem enthält das White Paper konkrete politische Empfehlungen zur Überwindung der Lücke zwischen politischer Ambition und ihrer tatsächlichen Umsetzung.
Das White Paper weist darauf hin, dass trotz großer Projektpipelines entlang der gesamten Wertschöpfungskette für sauberen Wasserstoff weniger als 7 % die endgültige Investitionsentscheidung (FID) erreicht haben. Es zeigt die Gründe auf, warum die Umsetzung von sauberem Wasserstoff in Europa hinter den Ambitionen zurückbleibt: fragmentierte Umsetzung der EU-Vorschriften, komplexe Regeln für erneuerbare Kraftstoffe, die auf nicht-biologischer Basis beruhen (RFNBO), hohe Stromkosten, unzureichende Nachfrage und Unsicherheiten hinsichtlich der Infrastrukturentwicklung. In dem Papier werden die europäischen Institutionen und Mitgliedstaaten aufgefordert, in vier Bereichen dringende Maßnahmen zu ergreifen:
Nachfrage muss die Ambitionen für sauberen Wasserstoff vorantreiben: Es muss eine stabile, bankfähige Nachfrage nach sauberem Wasserstoff geschaffen werden, indem RED III sofort umgesetzt, ReFuelEU Aviation und FuelEU Maritime harmonisiert und Leitmärkte in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren wie Industrie, Verkehr und Verteidigung geschaffen werden.
Klarheit und Vereinfachung der Förderrahmen für Wasserstoff sind entscheidend: Weg von regulatorischer Bürokratie, hin zu industriellem Pragmatismus. Wir benötigen eine Senkung der Stromkosten, die derzeit rund 70 % der Wasserstoffproduktionskosten ausmachen, sowie eine Neugestaltung der EU-Fördermittel, um groß angelegten, industriell verankerten Projekten Vorrang einzuräumen und knappe Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden.
Privates Kapital in sauberen Wasserstoff umwandeln: Investitionsrisiken müssen durch die Sicherung solider ETS- und CBAM-Preise gemindert werden. Die Einnahmen sollten genutzt werden, um sauberen Wasserstoff wettbewerbsfähig zu machen. Die Übergangsbestimmungen der RFNBO müssen weit über 2030 hinaus verlängert werden, um die Anlaufkosten zu senken. Zudem sollten staatlich gestützte Portfoliogarantien und Dual-Auction-Mechanismen eingeführt werden.
Infrastruktur als lebenswichtige Verbindung eines integrierten europäischen Energiemarktes: Aufstockung der Mittel für das europäische Wasserstoff-Rückgrat, eine Koordinierung der grenzüberschreitenden Planung zur Verbindung von Produktions- und Nachfrageschwerpunkten mit klaren Zeitplänen sowie die Schaffung EU-weiter Risikoteilungsinstrumente für frühzeitige Infrastrukturinvestitionen.
Das vollständige White Paper ist hier abrufbar: http://www.eu-resilience-alliance.com/.
Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG und von thyssenkrupp Decarbon Technologies, sagte bei der Pressekonferenz: „Europas Anfälligkeit ist struktureller Natur. Die Abhängigkeit von externen Energiequellen, Technologien, Lieferketten und kritischen Rohstoffen bedroht unseren langfristigen Wohlstand und unsere industrielle Führungsrolle. Gleichzeitig muss Europa seine Klimaziele erreichen. Daher ist Widerstandsfähigkeit zu einem politischen und wirtschaftlichen Pflichtprogramm geworden, das unser aller Handeln erfordert. Als European Resilience Alliance übernehmen wir die Führung, tragen Verantwortung und arbeiten gemeinsam daran, Europas Energie-Resilienz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die Dekarbonisierung voranzutreiben.“
Maarten Wetselaar, CEO von Moeve, kommentierte: „Ein europäisches Energiesystem, das durch sauberen Wasserstoff gestützt wird, bietet langfristige Preissicherheit und eine industrielle Zukunft, die nicht mehr an volatile Öl- und Gaszyklen gebunden ist. In Zeiten wachsender geopolitischer Instabilität und sich verschärfender Energiekrisen kann sauberer Wasserstoff Europa dabei helfen, seine am schwersten zu dekarbonisierenden Sektoren umweltverträglich zu gestalten, die Energieunabhängigkeit zu stärken und eine langfristige globale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“
Olli Sipilä, CEO von Gasgrid Finland, betonte: „Die Stärkung der industriellen und gesellschaftlichen Widerstandsfähigkeit Europas muss unverzüglich beginnen. Schwankungsanfällige importierte fossile Brennstoffe können in den kommenden Jahrzehnten nicht das Rückgrat unserer industriellen Wettbewerbsfähigkeit bilden. Grüne, saubere europäische Energie stellt eine große Chance dar. Wir verfügen über die Ressourcen – jetzt müssen wir sie nutzbar machen. Eine neue Energieinfrastruktur ist unerlässlich, um diesen Wandel zu ermöglichen. Eine Wasserstoff-Backbone-Infrastruktur ist der eigentliche Game Changer, der Kosten senkt und Investitionsmöglichkeiten in großem Maßstab erschließt.“
Über die European Resilience Alliance
Die European Resilience Alliance ist eine von CEOs geführte, über alle Wertschöpfungsketten hinausreichende Koalition von führenden Industrieunternehmen aus ganz Europa, die sich dafür einsetzt, die Energieversorgungssicherheit und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und gleichzeitig die Dekarbonisierung voranzutreiben.
Die vollständige Liste der an der European Resilience Alliance beteiligten CEOs umfasst:
Arturo Gonzalo Aizpiri, CEO, Enagás
Pascal De Buck, CEO, Fluxys
Markus Rauramo, CEO, Fortum
Olli Sipilä, CEO, Gasgrid Finland
Jorgo Chatzimarkakis, CEO, Hydrogen Europe
Maarten Wetselaar, CEO, Moeve
Hans Kreisel, CEO, Nordion Energi
Detlef Brüggemeyer, CTO, OGE
Nikolaus Valerius, CEO, RWE Generation
Egbert Laege, CEO, SEFE
Niklas Wass, CEO, Stegra Boden
Miguel López, CEO, thyssenkrupp & thyssenkrupp Decarbon Technologies
Marie Jaroni, CEO, thyssenkrupp Steel
Nadja Håkansson, COO, thyssenkrupp Decarbon Technologies & CEO, thyssenkrupp Uhde
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