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Produkte und Lösungen, 02.07.2009, 11:30

Der „Steffl“ ist verkleidet

Kircheneinrüstungen zählen ohne Frage zu den anspruchsvollen Spezialaufgaben des Gerüstbaus. Sie sind eine Sache für erfahrene, zuverlässige Monteure, bei denen jeder Handgriff sitzt. Und auch die Planung und Logistik müssen hundertprozentig stimmen, denn meist sind rund ums Bauwerk weder ein besonders großer Arbeitsraum noch Lagerfläche vorhanden.Das gilt insbesondere für die großen, sakralen Bauten, die als touristische Anziehungspunkte täglich von Tausenden Besuchern frequentiert werden. Besonders eng geht es am Wiener Stephansdom zu. Das gotische Bauwerk mitten im Zentrum der Donaumetropole, das die Wiener liebevoll ihren „Steffl“ nennen, gehört zu den permanenten Baustellen, an denen stets etwas instand zu setzen, zu restaurieren und zu pflegen ist.

Die hierzu benötigten Gerüstaufbauten sind seit mehr als zehn Jahren die Aufgabe der Arbeits- und Schutzgerüst-Experten von ThyssenKrupp Xervon Austria. Gerade haben sie im Auftrag der Dombauhütte die Westfassade mit einem 25 Meter langen und 34 Meter hohen Gerüst verhüllt sowie zwei Seiten des gut 136 Meter hohen, schlanken Südturms mit 65 Tonnen Material bis auf 50 Meter Höhe eingerüstet. Wie bei den meisten Einsatzfällen an der Außenfassade dienen die ein Meter breiten Gerüste auch diesmal als sichere Basis für Sandstrahl- und Steinmetzarbeiten.

„Die Gerüste mit einer geforderten Nutzlast von drei kN/m² waren so zu konstruieren, dass die Restauratoren sämtliche Bauteile und Verzierungen problemlos erreichen können“, erklärt Johann Szlavich, der bei Xervon Austria den Bereich Arbeitsgerüste leitet. Als zusätzliche Herausforderung müssen bei diesem Einsatz allerdings besonders hohe Windkräfte abgeleitet werden, da alle Gerüste mit einem Fassadenspiegel ausgeführt werden. Das bedeutet, sie bekommen eine Verkleidung, auf der das eingerüstete Objekt 1:1 abgebildet ist. Dadurch erkennt der Betrachter auf den ersten Blick gar nicht, dass vor einigen Bauwerksteilen optisch störende Gerüstaufbauten stehen. Für die Gerüstbauer heißt das allerdings: Die in das historische Bauwerk abzuleitenden Verankerungskräfte sind um ein Vielfaches höher. Die Verplanung erzeugt eine 100-prozentige Windangriffsfläche gegenüber 25 Prozent bei unverkleideten Gerüsten.

Eingesetzt werden für die Einrüstungen an Turm und Fassade ausschließlich Modulgerüste, die besonders belastbar, aber auch flexibel sind. Denn im Laufe der Restaurierungsarbeiten wird es ab und an nötig sein, die Gerüste durch Umbauten gezielt an das Auswechseln einzelner Steinteile anzupassen. Erschwerend kommt hinzu, dass den Gerüstbauern wegen der aufwändig verzierten Fassaden nur beschränkte Verankerungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Da ist viel Kreativität und Know-how gefragt.

Das gilt auch für die Aufstandsfläche des Gerüstes, die bei Kircheneinrüstungen wegen Platzmangels ja häufig vom Gerüstbauer Sonderlösungen verlangt. Am Stephansdom schränken beispielsweise an den beiden Südturmseiten die Dächer angrenzender Bauten die Aufstellbasis der Gerüste am Boden stark ein. Die technisch raffinierte Lösung: Ein Trägerrost, eine Plattform aus Walzprofilträgern, die sich auf den Strebepfeilern des Turms abstützt, schafft eine ausreichend große Aufstandsbasis für das Gerüst und leitet die auftretenden Lasten sicher ins Bauwerk ab.

„Damit der anspruchsvolle Gerüstbau am Steffl stets zügig und problemlos abläuft, setzen wir im Vorfeld grundsätzlich auf eine perfekte Planung und Arbeitsvorbereitung“, begründet Gerüstexperte Johann Szlavich die nun schon seit Jahren erfolgreich durchgeführten Dienstleistungen. Dabei komme es nicht nur auf die Erarbeitung technisch kluger Lösungsansätze an. Eine ausgefeilte Logistik gehöre ebenso dazu, bekräftigt Szlavich, denn gerade sie könne sonst schnell zum Störfaktor der Arbeiten werden. Das Gerüstmaterial wird deshalb in exakt vorbestimmten Chargen vom Lager auf den Stephansplatz gefahren und dort sofort verbaut, denn Lagerflächen gibt es um diesen touristischen Anziehungspunkt nicht.

„Unser Steffl ist besonders anspruchsvoll, deshalb setzen wir hier ausschließlich Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung ein“, erklärt Szlavich die Auswahl seines „Dombau-Teams“. Schließlich gilt es nicht nur den Publikumsverkehr während der Arbeiten zu schützen. Auch das Bauwerk selbst soll nicht zu Schaden kommen. Darum verlangt gerade der letzte Schritt der Sanierungsarbeiten - die abschließende Gerüstdemontage - noch einmal volle Aufmerksamkeit, damit kein Teil der gerade restaurierten Fassade beschädigt wird. Doch bis dahin ist es noch lang: Erst 2011 werden die gerade angelaufenen Sanierungsarbeiten an Westfassade und Südturm beendet sein.

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