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Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 15.05.2012, 15:30

ThyssenKrupp prüft strategische Optionen für Werke von Steel Americas in Brasilien und USA

Der Vorstand der ThyssenKrupp AG hat den Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG heute über seine Entscheidung informiert, für die Werke von Steel Americas in Brasilien und den USA parallel zur weiteren technischen und wirtschaftlichen Optimierung strategische Optionen in alle Richtungen zu prüfen. Der Aufsichtsrat hat dies zustimmend zur Kenntnis genommen. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit der Entwicklung des Konzepts eines integrierten Verbundes mit dem Brammenwerk in Rio de Janeiro und dem Weiterverarbeitungswerk in Mobile, Alabama, nachhaltig verändert haben.

Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG: „Wir haben angekündigt, unsere Leistungsfähigkeit nachhaltig zu verbessern und all unsere Geschäftsbereiche regelmäßig strategisch zu überprüfen. Das gilt auch für unsere größte Herausforderung Steel Americas. Zwar gehen wir weiterhin davon aus, dass beide Werke in ihrem jeweiligen Markt technologisch und bei den Umwandlungskosten Spitzenpositionen einnehmen werden. Aber seit der Planung des Projektes haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Brasilien wie auch in den USA anders entwickelt als ursprünglich angenommen. Damit gibt es klare Gründe, die dieses Konzept nunmehr in Frage stellen. Daher müssen wir prüfen, ob es weiterhin strategisch sinnvoll ist, beide Werke in einem gemeinsamen integrierten Verbund zu betreiben.“

Das Konzept für Steel Americas, das im Jahre 2007 entwickelt wurde, basierte auf zwei Grundvoraussetzungen: Brammen sollten kostengünstig in Brasilien produziert, mit Kostenvorteilen in den USA angeliefert und dann nach der Weiterverarbeitung im Zielmarkt NAFTA aufgrund ihrer hochwertigen Qualität mit entsprechenden Preisprämien verkauft werden. Neben der allgemeinen konjunkturellen Eintrübung infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise stellt die unterschiedliche Wachstumsdynamik in den beiden Regionen dieses Konzept in Frage. Während sich die Wirtschaft in den USA weitgehend ohne signifikante Dynamik entwickelt, gibt es starkes Wachstum in Brasilien. Das hat entsprechende Auswirkungen auf die Kosten- und Nachfragesituation in beiden Ländern.

In Brasilien steigen die Produktionskosten überproportional. Gründe dafür sind Lohnkostensteigerungen, Inflationseffekte und vor allem die Aufwertung der brasilianischen Währung. Hinzu kommen der starke Anstieg der Erzpreise sowie das neue Erzpreismodell, das für Steel Americas im Vergleich zu einigen rückwärts integrierten Anbietern in den USA nachteilig ist.

Zugleich sind die Preisprämien auf dem US-Markt aufgrund der sich verhalten entwickelnden Nachfrage derzeit und mittelfristig voraussichtlich nur mit bestimmten Stahlgüten und in bestimmten Sektoren zu erzielen. Zwar ist ThyssenKrupp sehr zuversichtlich, bei Automobilkunden aufgrund der Qualität und Güten seiner hochfesten Stähle sowie bisher auf dem Markt kaum vorhandender Merkmale, wie beispielsweise größerer Abmessungen, entsprechende Preisprämien realisieren zu können. Bei den Produkten allerdings, die für andere Branchen gefertigt und über Servicecenter vertrieben werden, bietet sich aufgrund des intensiven Wettbewerbs kaum eine derartige Differenzierungsmöglichkeit.

Die Tragfähigkeit eines integrierten Konzepts mit Brammenfertigung in Brasilien und hochmargiger Vermarktung in den USA ist aus diesen Gründen erheblichen Risiken ausgesetzt. Daher hat der Vorstand entschieden, für beide Werke strategische Optionen in alle Richtungen zu prüfen. Das kann auch eine Partnerschaft oder den Verkauf an einen Best Owner umfassen, dessen strategisches Konzept die Qualität und die spezifische Markt- und Wettbewerbsfähigkeit der Werke besser nutzen kann.

Unabhängig von dieser strategischen Überprüfung wird ThyssenKrupp weiterhin intensiv den Hochlauf der beiden Werke vorantreiben. Hierbei gab es bereits deutliche Fortschritte. In dem Werk in Brasilien wurden im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres rund 1,7 Mio. Tonnen Brammen von hoher Qualität produziert. Das Werk in den USA hat im selben Zeitraum etwa 1,4 Mio. Tonnen Stahl an Kunden ausgeliefert. Die Inbetriebnahme der Batterie C der Kokerei verläuft planmäßig. Damit kann der technische Hochlauf bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres abgeschlossen werden. Im Anschluss wird die Optimierungsphase eingeleitet.

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