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Produkte und Lösungen, 24.07.2009, 06:54

Tanz auf dem Dach

Es war eine ganz besondere Sanierung, die im Januar mit einer festlichen Wiedereröffnung (fast) beendet war:Zwei Jahre lang haben Handwerker aus über 30 Disziplinen das Wuppertaler Opernhaus, Spielstätte des international renommierten und preisgekrönten Wuppertaler Tanztheaters unter Leitung der kürzlich verstorbenen Pina Bausch, wieder in Schuss gebracht. Rund 500 Personen haben während dieser Zeit den denkmalgeschützten Theaterbau aus dem Jahre 1905 optisch wie auch technisch auf den neuesten Stand gebracht. Mit dabei waren die Dachdecker der Bauwerkserhaltung von ThyssenKrupp Xervon. Sie haben rund 5.000 Quadratmeter Dachflächen saniert (Wärmedämmung, Abdichtung, Brandschutz), über 70 Belichtungselemente eingebaut, 400 Meter Außenfensterbänke hergestellt und außerdem die äußerst umfangreichen Dachklempnerarbeiten erledigt.

Technik und Handwerkskunst

Von seiner ursprünglichen architektonischen Mischung aus Neobarock und Jugendstil zeigt das Wuppertaler Opernhaus heute nicht mehr viel. Nach schwerer Beschädigung im Zweiten Weltkrieg hatte man beim Wiederaufbau zwar die teilweise noch vorhandene Gebäudehülle genutzt, aber ganz bewusst auf die Wiederherstellung des Stils von 1905 verzichtet. Als das Theater 1956 als eine der ersten westdeutschen Spielstätten seine Tore wieder öffnete, entsprach der weitläufige Komplex aus fünf Gebäudeteilen mit insgesamt 480 Räumen und 13 Treppenhäusern dem ästhetischen Empfinden der 1950er Jahre – weshalb er heute auch unter Denkmalschutz steht.

Der Ende der 90er Jahre festgestellte baulich kritische Zustand des Gebäudes – allem voran sein unzureichender Brandschutz – machte die jetzt durchgeführte Komplettsanierung notwendig. Der Bereich Bauwerkserhaltung von ThyssenKrupp Xervon erhielt den Zuschlag, die komplette Dachsanierung inklusive Klempnerarbeiten durchzuführen. Hinzu kamen Fassadensanierungsarbeiten – beispielsweise kleinere Gesimsabdeckungen und das Erstellen von 400 Metern Außenfensterbänken. Eine äußerst facettenreiche und auch herausfordernde Aufgabe, denn der verwinkelte Wuppertaler Opernbau besitzt vom Flachdach bis zum Pappschindeldach, vom Metalldach bis zum Ziegeldach, nahezu alles, was an unterschiedlichen Dachaufbauten existiert. Sogar heute kaum noch übliche große Kupferscharendächer hatten die Dachdecker der Bauwerkserhaltung zu bearbeiten. Fachwissen und Handwerkskunst war gefragt, um die mehr als zwanzig verschiedenen Dachflächen sach- und fachgerecht zu sanieren.
Sanierung bedeutet in diese Falle allerdings nicht die Wiederherstellung des ursprünglichen Status, sondern beinhaltet das Aufbringen einer Wärmedämmung entsprechend der Energieeinsparverordnung (oder besser) und das Herstellen von Brandüberschlagsflächen. Bei den anteilsmäßig großen Flachdachbereichen kam außerdem der Austausch sämtlicher Lichtkuppeln der Rauchabzugsanlagen hinzu. Über 70 Stück mussten ausgebaut, entsorgt und neu eingebaut werden.

Außergewöhnliche Dacheindeckung


Überhaupt war insbesondere die Sanierung der Flachdachflächen eine echte Herausforderung für Spezialisten. Vom Auftraggeber – dem Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal – war nämlich als Dacheindichtung das Verlegen einer hochwertigen EPDM-Dachbahn gefordert worden. Mit deren Handling kennen sich nur wenige, spezialisierte Fachleute aus. „Unsere Dachdecker arbeiten bereits seit zwanzig Jahren im Industriebereich fast ausschließlich mit dieser hochwertigen Dachbahn. Der Hersteller empfiehlt uns als Fachbetrieb, der für die Verlegung dieses Materials bestens qualifiziert ist“, erklärt Projektleiter Dietmar März einen entscheidenden Vorteil, mit dem die Xervon-Bauwerksinstandsetzer bei Auftragsvergabe für sich werben konnten.

Acht bis zehn Fachleute ständig vor Ort

Den klassischen Flachdachaufbau aus Betondecke mit Voranstrich, Dampfsperre, Wärmedämmung und zweilagiger Abdichtung haben die Xervon-Dachdecker – abhängig von der vorhandenen Dämmung – mit 40 bis 160 mm starken PUR-Hartschaumplatten (Wärmeleitgruppe 035) gedämmt. Anschließend wurde die Dacheindichtung aus der bereits erwähnten, extrem strapazierfähigen EPDM-Dachbahn hergestellt. Das säure- und witterungsbeständige Material lässt sich einlagig verarbeiten und wird am Bahnenrand mechanisch mit Tellern und Schrauben im Untergrund verdübelt. Die nächste aufgebrachte Dachbahn überlappt diesen Bereich um zehn Zentimeter, anschließend werden die Bahnen per Heißluft (und nicht mit einer offenen Flamme) miteinander verschweißt. Die dabei austretende Bitumenraupe ist der sichtbare Garant für die Qualität der Verbindung.
Parallel zur Flachdachsanierung ist ständig auch an den anderen Dächern gearbeitet worden. Acht bis zehn Facharbeiter von Xervon sind während der letzten zwei Jahre ständig vor Ort gewesen und haben ihre speziellen Kenntnisse an den ganz unterschiedlichen Dacheindeckungen eingesetzt. Die zugehörigen umfangreichen und anspruchsvollen Dachklempnerarbeiten wurden beispielsweise von einem Team durchgeführt, das unter der Regie eines ausgebildeten Spenglers aus der Schweiz stand. Während bei uns nämlich die Dachklempnerei in die Dachdeckerausbildung integriert ist, zählt dieses Gewerk bei den Eidgenossen als eigenständiger Beruf mit entsprechend umfangreicher Ausbildung. Am Wuppertaler Opernhaus war dieses spezialisierte Wissen und Können sehr gefragt: Viele Stücke und laufende Meter an Rinnenstutzen, Rinnenböden, Dachrinnen, Fallrohren, Anschlussblechen usw. sind im Laufe der Sanierung exakt passend hergestellt und montiert worden.

Parallele Arbeit auf fünf Dächern

Voraussetzung für den erfolgreichen Ablauf der Dachsanierungen war neben der sach- und fachgerechten Ausführung vor allem das tägliche Abstimmen mit den vielen anderen im Opernhaus tätigen Gewerken – Gerüstbau, Betonbau, Malerei, Elektrik, Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik, Bühnentechnik, Sicherheitstechnik und so weiter. „Meist haben wir auf vier bis fünf Dachflächen parallel gearbeitet. Denn wegen der Vielzahl an unterschiedlichen Gewerken konnten wir kaum ein Dach ohne Unterbrechung bearbeiten. Durch das gleichzeitige Bearbeiten mehrerer Dächer hatten wir immer Ausweichmöglichkeiten und konnten Leerlaufzeiten vermeiden“, erzählt Projektleiter März von den täglichen Herausforderungen der Sanierungsaufgabe.

„Manches Mal mussten wir auch kurzfristig Arbeiten vorziehen. Darauf haben wir stets sehr flexibel und reaktionsschnell reagiert“, lobt März sein Team. Dem Auftraggeber war es wichtig, mit leistungsstarken Dienstleistern zu arbeiten, die neben dem fachlichen Know-how auch die entsprechende Manpower mitbringen, um den Personalstamm notfalls kurzfristig aufzustocken zu können. Denn nur so haben sich die vielen verschiedenen Arbeiten am Wuppertaler Opernhaus engmaschig verzahnen lassen. Das ist gelungen, wie die erfolgreiche Sanierung bewiesen hat. Anfang Mai haben die Xervon-Mitarbeiter den letzten Arbeitsschritt an den Dächern – das Erstellen von Brandüberschlagsflächen an allen aufgehenden Bauteilen – beendet.

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