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Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 15.05.2013, 07:32

ThyssenKrupp erreicht im 1. Halbjahr 2012/2013 operative Ziele

Im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2012/2013 (1. Oktober 2012 - 31. März 2013) erreichte ThyssenKrupp bei seinen fortgeführten Aktivitäten einen Auftragseingang von 19,3 Mrd € und blieb damit um 7 % unter Vorjahresniveau. Deutliche Zuwächse gab es bei Elevator Technology mit jeweils neuen Rekordwerten in den ersten beiden Quartalen sowie bei Industrial Solutions. Components Technology, Materials Services und Steel Europe blieben im 1. Halbjahr nachfrage- und desinvestitionsbedingt unter Vorjahresniveau, legten aber im 2. Quartal saisonaltypisch gegenüber dem Vorquartal zu. Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten verringerte sich im 1. Halbjahr 2012/2013 im Vergleich zum Vorjahr um 9 % auf 17,9 Mrd €.

Das Bereinigte EBIT der fortgeführten Aktivitäten betrug im 1. Halbjahr des laufenden Jahres 470 Mio € gegenüber 733 Mio € im Vorjahreszeitraum. Das 2. Quartal hat dazu mit 241 Mio € beigetragen, einem Wert am oberen Rand der avisierten rund 200 Mio € sowie leicht über dem Vorquartal. Alle Business Areas schlossen das 1. Halbjahr mit einem positiven Beitrag ab. Obwohl sich die europäische Stahlkonjunktur derzeit am zyklischen Tiefpunkt befindet, konnte Steel Europe in beiden Quartalen ein positives Bereinigtes EBIT erwirtschaften. Industrial Solutions leistete den größten Ergebnisbeitrag. Der Anteil der Industriegüter-Geschäfte war mit 740 Mio € deutlich höher als der Anteil der Werkstoff-Geschäfte mit 137 Mio €. Das Ergebnis nach Steuern belief sich auf -44 Mio €, davon entfielen -60 Mio € auf die Aktionäre der ThyssenKrupp AG.

Der Free Cash-Flow der fortgeführten Aktivitäten, d.h. die Summe aus Operating Cash-Flow und Cash-Flow aus Investitionstätigkeit, betrug 705 Mio €. Dies entspricht einer deutlichen Verbesserung von rund 2,1 Mrd € im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr und zeigt die Anstrengungen des Konzerns zur strukturellen Optimierung des Cash-Flow-Profils. Der Free Cash-Flow des Gesamtkonzerns verbesserte sich um rund 2,8 Mrd € auf 286 Mio €. Damit hat ThyssenKrupp auch bei der Reduzierung der Netto-Finanzschulden Fortschritte erzielt. Bei einem leichten Anstieg gegenüber dem 31. Dezember 2012 sanken diese im Vergleich zum Vorjahresstichtag um rund 1,2 Mrd € auf 5.298 Mio € (31. März 2012: 6.480 Mio €) und lagen auch deutlich unterhalb der Netto-Finanzverschuldung zum 30. September 2012 (5.800 Mio €). Mit flüssigen Mitteln und freien, zugesagten Kreditlinien in Höhe von insgesamt 8,0 Mrd € zum 31. März 2013 sowie der ausgewogenen Fälligkeitenstruktur ist ThyssenKrupp solide finanziert.

Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG: „Wir haben im Rahmen unserer Strategischen Weiterentwicklung wichtige Etappenziele erreicht. Unsere Maßnahmen zur Verbesserung des Ergebnisses und Cash-Flows zeigen Wirkung. Trotz eines nach wie vor schwierigen konjunkturellen Umfelds sind wir auf gutem Weg, unsere operativen Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen. Auch der Veräußerungsprozess der beiden Werke von Steel Americas verläuft nach Plan. Wir konzentrieren uns unverändert darauf, ein Signing zeitnah zu erreichen.“

Unter Berücksichtigung der aktuellen Verhandlungen im Rahmen des Veräußerungsprozesses von Steel Americas ergibt sich zum 31. März 2013 eine neue Einschätzung des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Veräußerungskosten. Hieraus resultiert ein weiterer Anpassungsbedarf auf Sachanlagen in Höhe von 683 Mio €. Dieser Buchverlust war wesentliche Ursache für den Periodenfehlbetrag des Gesamtkonzerns im 1. Halbjahr von -822 Mio € (Anteil der Aktionäre der ThyssenKrupp AG: -621 Mio €), für den Rückgang der Eigenkapitalquote auf 9,5 % und den temporären Anstieg des Verhältnisses der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) auf 148,2 %. Der Mittelzufluss aus dem Verkauf von Steel Americas wird das temporär erhöhte Gearing wieder signifikant reduzieren; zudem wird sich mit dem Verkauf das Ertrags-, Cash-Flow-, Wertbeitrags- und Wettbewerbsprofil des Konzerns deutlich verbessern.

ACT schafft optimale Konzernführungsstruktur mit wettbewerbsfähigen Kosten

ThyssenKrupp hat im 1. Halbjahr 2012/2013 wichtige Fortschritte bei der Strategischen Weiterentwicklung erzielt. Im Rahmen der Konzerninitiative ACT („Achieve Change @ ThyssenKrupp“) werden die Führungs- und Geschäftsorganisation sowie die zugehörigen Prozesse optimiert. Ziel ist es, das Führungsverständnis und die Unternehmenskultur entscheidend in Richtung Offenheit, Transparenz und Vernetzung zu verändern sowie die Leistungsfähigkeit und Effizienz im gesamten Konzern zu steigern. Die Aufgabenverteilung und Struktur des Vorstandes wurden gestrafft, die Konzernfunktionen und Konzerndienstleistungseinheiten von 26 auf 17 deutlich reduziert sowie neu geordnet. Die Prozesse zwischen Konzernfunktionen, Business Areas und neuen Regionaleinheiten werden vereinheitlicht. Die im Rahmen von ACT identifizierten Einspar- und Optimierungspotenziale belaufen sich auf rund 250 Mio €. Insgesamt soll die Zahl der Beschäftigten in Verwaltungsfunktionen im Konzern weltweit von derzeit rund 15.000 um rund 3.000 verringert werden. Der Prozess geschieht in enger Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat. Beide Parteien gehen davon aus, dass betriebsbedingte Kündigungen nicht stattfinden werden. In den kommenden Monaten wird die schrittweise Anpassung an die neue Struktur erfolgen. Es ist geplant, ab Oktober 2013 in der neuen Organisation zu arbeiten. Die Effekte sollen überwiegend innerhalb der nächsten drei Jahre realisiert werden. Zudem wird die Konzernorganisation künftig routinemäßig im Rahmen des jährlichen Strategieprozesses überprüft, um eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung an veränderte Umfeldbedingungen sicherzustellen.

Neuausrichtung des Aufsichtsrats unterstützt Verbesserung in der Corporate Governance

Der Aufsichtsrat hat mit den Veränderungen im Vorstand im Dezember 2012 bereits ein klares Zeichen für einen Neuanfang und kulturellen Wandel im Konzern gesetzt. Die Entscheidung von Dr. Gerhard Cromme, sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der ThyssenKrupp AG und sein Mandat im Aufsichtsrat niederzulegen, ermöglichte auch im Aufsichtsrat einen personellen Neuanfang und unterstützt die notwendigen Veränderungen des Führungssystems und den tiefgreifenden Wandel der Führungskultur im Konzern. Prof. Dr. Lehner, der zum 1. April 2013 zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt wurde, wird die Themen Corporate Governance und Compliance zu den inhaltlichen Schwerpunkten der künftigen Arbeit des Gremiums machen.

Zum 19. April 2013 ist zudem Dr. Kersten v. Schenck aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Die Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG sind einem Vorschlag des Nominierungs-ausschusses gefolgt und haben Carsten Spohr und Dr. Lothar Steinebach als neue Aufsichtsrats-mitglieder empfohlen. Beide wurden zum 19. April 2013 durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in den Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG entsendet; sie sind nicht Mitglieder des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der Konzern hat zudem die Fragen, die das Verhältnis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zum Unternehmen betreffen, untersucht und dort, wo es erforderlich war, neu geregelt. In diesem Zusammenhang wird ThyssenKrupp z.B. die bestehenden Jagdpachten des Unternehmens abgeben. Des Weiteren hat der Vorstand klare Regeln zur Nutzung des Firmenflugzeuges und eine eigene Richtlinie für die Durchführung von Pressereisen und die Reisen von Vorstandsmitgliedern mit Dritten erlassen.

Intensivierung der Compliance-Aktivitäten

Das Compliance-Programm mit seinen drei Säulen „informieren“, „identifizieren“ sowie „berichten und handeln“ wurde im Berichtszeitraum weiter konsequent vorangetrieben, wobei der Schwerpunkt im präventiven Bereich lag. In der Säule „identifizieren“ waren die Maßnahmen durch die laufenden behördlichen Ermittlungen im so genannten Schienenkartell sowie durch das laufende kartellrechtliche Ermittlungsverfahren gegen die ThyssenKrupp Steel Europe AG geprägt. In Reaktion auf diese neuerlichen Kartellvorwürfe hat der Vorstand der ThyssenKrupp AG im März 2013 eine weitere Intensivierung der Compliance-Aktivitäten beschlossen. Unter anderem hat der Konzern ein zeitlich begrenztes Amnestie-Programm aufgesetzt, das die Aufklärung von Compliance-Sachverhalten unterstützen soll. Ferner wurde zum 15. April 2013 das Compliance-Programm um die Funktion eines Ombudsmanns erweitert. Mitarbeitern, die sich wegen möglicher Compliance-Verstöße an das Unternehmen wenden möchten, steht der Ombudsmann im Auftrag von ThyssenKrupp als weiterer Ansprechpartner zur Meldung von Hinweisen während, aber auch nach Ablauf der Amnestieperiode zur Verfügung.

Entwicklung der Business Areas

Das Geschäft in den fünf Business Areas entwickelte sich im 1. Halbjahr 2012/2013 wie folgt:
・ Bei Components Technology führten die im Rahmen der Strategischen Weiterentwicklung umgesetzten Desinvestitionen des vergangenen Geschäftsjahres zu einem strukturell geringeren Geschäftsvolumen im 1. Halbjahr 2012/2013. Auftragseingang und Umsatz sanken gegenüber dem Vorjahreswert um jeweils 26 % auf 2,7 Mrd €. Bereinigt um die Desinvestitionen gingen Auftragseingang und Umsatz um rund 9 % zurück. Das Bereinigte EBIT lag mit 105 Mio € unter dem Vorjahreswert (231 Mio €). Hier wirkten sich der wegfallende operative Gewinn von Waupaca, der Konjunkturabschwung in Westeuropa im Bereich der Komponenten für PKW und schwere Nutzfahrzeuge sowie die anhaltend schwache Nachfrage im Windenergie- und Infrastrukturbereich aus. Hinzu kamen Anlaufkosten für die neuen Werke in China und Indien. Bei Berco wurde im Bereich Laufwerkskomponenten für den Baumaschinensektor ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet, das die Veräußerung im Rahmen einer Best-Owner-Lösung unterstützt.

・ Elevator Technology verzeichnete im 1. Halbjahr 2012/2013 mit einem Auftragseingang von 3,2 Mrd € (+8 %) und einem Umsatz von 2,9 Mrd € (+9 %) deutliches Wachstum. Das Bereinigte EBIT belief sich auf 315 Mio € (Vorjahr: 274 Mio €). Diese Verbesserung war sowohl auf den gestiegenen Umsatz als auch auf positive Effekte aus den im vergangenen Geschäftsjahr eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen zurückzuführen.
・ Industrial Solutions, in der zum 1. Januar 2013 die beiden ehemaligen Business Areas Plant Technology und Marine Systems zusammengeführt wurden, hat sich insbesondere im Chemieanlagenbau bei Process Technologies gut behauptet. Im 1. Halbjahr wurden neue Aufträge im Wert von 3,6 Mrd € gewonnen. Der außerordentlich hohe Auftragsbestand von 16,4 Mrd € zum 31. März 2013 sichert weiterhin eine gute Auslastung. Der Umsatz erreichte 2,7 Mrd € und lag damit um 9 % über dem Vorjahreswert. Das Bereinigte EBIT von 320 Mio € blieb unter dem hohen Niveau des Vorjahres (357 Mio €).

・ Das Geschäft von Materials Services war mit Ausnahme von Nordamerika von der weiteren konjunkturellen Abschwächung in allen Regionen und Industriebereichen geprägt. Der Umsatz ging um 12 % auf 5,7 Mrd € zurück. Das Werkstoff- und Logistikgeschäft mit der Luftfahrtindustrie entwickelte sich hingegen weiter positiv. Trotz des deutlichen Umsatzrückgangs erreichte das Bereinigte EBIT durch intensivierte und frühzeitige Performance-Programme 98 Mio € (Vorjahr: 130 Mio €). Nach Sondereffekten von 219 Mio €, die insbesondere wegen zusätzlicher Rückstellungen für erkennbare Risiken aus erwarteten Strafen sowie Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit dem so genannten Schienenkartell sowie für Restrukturierungen anfielen, betrug das EBIT im Berichtshalbjahr −121 Mio €. Angesichts begrenzter Wachstumsperspektiven im deutschen Markt und eines derzeit verstärkten Kostendrucks wurde für die Gleis- und Bautechnik Anfang Mai 2013 ein Verkaufsprozess eingeleitet.

・ Bei Steel Europe lagen Auftragseingang (5,0 Mrd €) und Umsatz (4,8 Mrd €) desinvestitions- und insbesondere erlösbedingt im 1. Halbjahr 2012/2013 um 12 % unter Vorjahresniveau, konnten aber saisonaltypisch im 2. Quartal im Vergleich zum Vorquartal zulegen. Das Bereinigte EBIT verringerte sich auf 39 Mio € (Vorjahr: 132 Mio €), was auf das anhaltend schwierige Marktumfeld mit im Vorjahresvergleich niedrigeren Erlösen zurückzuführen ist. Vor dem Hintergrund der unzureichenden Ergebnissituation wird intensiv an der Detaillierung und Umsetzung des Optimierungsprogramms „Best in Class – reloaded“ gearbeitet. Insgesamt ist vorgesehen, die Belegschaft von derzeit rund 27.600 Mitarbeitern sozialverträglich um über 2.000 zu verringern. Betriebsbedingte Kündigungen wird es dabei nicht geben. Weiterhin sollen im Rahmen einer Best-Owner-Lösung die kornorientierte Elektrobandfertigung mit den Werken Gelsenkirchen und Isbergues in Frankreich sowie die Elektrobandaktivitäten in Nashik in Indien mit insgesamt rund 1.800 Mitarbeitern veräußert werden. Im EBIT von 19 Mio € sind bereits erste negative Sondereffekte aus dem Optimierungsprogramm von 20 Mio € aus Rückstellungen enthalten. Ein Closing für ThyssenKrupp Tailored Blanks wird im 3. Quartal 2012/2013 erwartet.
Ausblick Geschäftsjahr 2012/2013

Für 2012/13 erwartet ThyssenKrupp, dass der Konzernumsatz im 2. Halbjahr gegenüber dem 1. Halbjahr zulegen, jedoch im Geschäftsjahr unter dem Niveau des Vorjahres (Umsatz 2011/2012: 40,1 Mrd €) bleiben wird. Dabei geht der Konzern davon aus, dass es nicht zu größeren Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten kommt. Entfallende Umsätze aus Portfoliomaßnahmen, insbesondere bei Steel Europe und Components Technology, können durch organisches Wachstum bei den Industriegüter-Geschäften nicht vollständig kompensiert werden.

Unter der Annahme, dass sich die im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres im Vergleich zum Vorjahr noch verhaltenere Werkstoffkonjunktur fortsetzt, aber nicht noch zunehmend verschärft, sollte das Bereinigte EBIT aus fortgeführten Aktivitäten des Konzerns bei rund 1 Mrd € liegen.


Der vollständige Zwischenbericht steht in deutscher und englischer Sprache unter http://www.thyssenkrupp.com als Download und als interaktive Online-Version zur Verfügung.

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