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Produkte und Lösungen, 16.05.2007, 11:02

Schutz für Kraftwerks-Komponenten

Eine ganz besondere Dienstleistung ist der Korrosionsschutz von Kondensatoren in Kraftwerken. Plastocor heißt das exklusiv für ThyssenKrupp Xervon hergestellte Zwei-Komponenten-Epoxidharz, mit dem ein Spezialteam des Unternehmens bereits seit Jahrzehnten Rohrböden, Wasserkammern sowie Rohrein- und -austritte äußerst erfolgreich vor frühzeitiger Alterung schützt. In einer neuen Verarbeitungsvariante erobert der kaltreaktive Stoff jetzt sogar das bis dato stets ungeschützte Rohrinnere. Mit dem so genannten Tubelining-Verfahren lassen sich die Innenflächen der Rohre auf ganzer Länge beschichten, ohne dass der Wärmeübergang des Kondensators stark verringert wird.

Weltweit verzichtet kaum ein Kraftwerk auf das patentierte Plastocor-Beschichtungssystem. Sein Einsatzgebiet ist der Kühlwasserkreislauf, wo Plastocor hauptsächlich Kondensatoren, aber auch Wärmetauscher, Ölkühler, Pumpengehäuse und Kühlwasserleitungen lange Jahre vor Korrosion und Erosion schützt. Dank ihrer besonderen Rezeptur ist die äußerst widerstandsfähige Beschichtung beispielsweise resistent gegen Kühlwasser, Seewasser, diverse chemische Bestandteile, feststoffhaltige Emulsionen und Flüssigkeiten bei Temperaturen bis +80 Grad Celsius. Beim „Plastocor-System 2000“, das speziell für den Einsatz an Rohrböden entwickelt wurde, beträgt die Gewährleistung fünf Jahre. In der Praxis liegt die Lebensdauer der grundsätzlich von Hand applizierten Beschichtung allerdings um ein Vielfaches höher. Unter anderem deshalb, weil schadhafte Stellen auch nach langen Einsatzjahren problemlos ausgebessert werden können. Denn die Beschichtung verändert sich im Laufe der Zeit chemisch nicht und lässt sich deshalb stets homogen miteinander verbinden.

Für Alt und Neu

Plastocor eignet sich gleichermaßen zum Schutz neuer Kondensatoren wie auch zur Sanierung von Altkondensatoren. Eine solche Sanierung fand erst kürzlich in Dänemarks größtem Kohlekraftwerk statt, das vom Energieversorger Dong-Elsam in Aabenraa betrieben wird. Ein zehnköpfiges Spezialteam hat hier innerhalb von fünf Wochen einen Haupt- und einen Federpumpenkondensator mit Plastocor saniert. Nötig geworden war die Sanierung aus mehreren Gründen. Zum einen war die vorhandene Wasserkammerbeschichtung veraltet und versprödet. Außerdem hatten die Rohrböden und Innenrohre – beide aus Sonder-Messing – überhaupt keinen Beschichtungsschutz, so dass in den Einwalzstellen Erosionsschäden aufgetreten waren.

Bereits fünf Jahre zuvor hatte ein Plastocor-Team im Kraftwerk Aabenraa eine stählerne Wasserkammer beschichtet. Aufgrund der damit gemachten guten Erfahrungen hatte sich der Betreiber zu einer weiteren Plastocor-Sanierung entschlossen, die im Rahmen einer großen Revision abgewickelt wurde. Die rund 300 Quadratmeter Wasserkammerflächen bekamen einen insgesamt 500 µm starken Korrosionsschutz mit „Plastocor 400 K“. Dieses System ist speziell für die von Kühlwasser durchströmten Wasserkammern zugeschnitten.

Mit „Plastocor 2000“ gegen Erosion

Für den Einsatz an Rohrböden wurde „Plastocor 2000“ entwickelt, eine Beschichtung, die grundsätzlich gespachtelt wird. Das System funktioniert nur in Verbindung mit speziell für diesen Zweck hergestellten, konisch ausgebildeten Systemstopfen, die als Negativform dienen. Sie werden vor dem Spachteln soweit in den Rohrvorstand eingesetzt, wie es die gewünschte Beschichtungsdicke erfordert (im Normalfall drei bis fünf Millimeter). Anschließend wird das Beschichtungssystem in mehreren Lagen aufgebracht. Nach einer Zwischentrocknung von acht bis zwölf Stunden bei +20 Grad Celsius wird die gespachtelte Oberfläche dann geschliffen, anschließend die Stopfen entfernt und endversiegelt. Das Ergebnis: die ausgehärtete Beschichtung bildet den konischen Verlauf der Systemstopfen nach, gewährleistet dadurch einen strömungsfreien Einlauf in die Kühlwassereintrittsrohre und schützt die Einwalzstellen vor Korrosion.

In Dänemark wurden die Rohrböden jedoch nur endversiegelt, Schichtdicke maximal 800 µm. Hinzu kamen noch 72.000 Rohrein- und -austritte, die 250 Millimeter oder 100 Millimeter tief ins Rohrinnere hinein mit einer 80 bis 120 µm starken Plastocorbeschichtung aus drei Lagen geschützt wurden. Das Beschichtungssystem beseitigt nicht nur vorhandene Erosions- und Korrosionsschäden. Es bietet auch auf lange Zeit Schutz vor neuen Schäden, insbesondere im Bereich der Einwalzstellen.

„Tubelining“ für lange Lebensdauer

Mittlerweile wurde eine neue, maschinelle Plastocor-Beschichtungsvariante entwickelt, die erstmalig die Beschichtung des gesamten Kondensatorrohres vor Ort ermöglicht. Der entscheidende Vorteil des „Tubelining“ genannten Verfahrens ist: Die aufgetragene Beschichtung reduziert die Leistung des Kondensators nicht stärker als die ganz normalen Veränderungen in einem ungeschützten Rohr. Im Gegenteil: Während die Wärmeleitfähigkeit eines neuen, unbeschichteten Rohres durch Fouling, Erosion und Korrosion bereits nach wenigen Monaten Betriebsdauer abnimmt, hält ein mit Plastocor geschütztes Rohr den Wärmedurchgang lange Zeit auf hohem Niveau. Beispielsweise auch, weil die hydrophobe Oberfläche manchen Anbackungen widersteht und sich daher leichter reinigen und pflegen lässt. Plastocor beschichtete Rohre haben in Feldversuchen bereits eine Lebensdauer von fünf bis acht Jahren und mehr erreicht. Aufgetragen wird die Beschichtung teilautomatisch mit einer speziell für diesen Zweck entwickelten „Tubelining“-Maschine. Dabei fährt zunächst ein mit einer Airlessdüse bestückter Schlauch durch das zu beschichtende Rohr bis ans Rohrende. Dann startet die Airlessdüse den Materialauftrag, und während der Schlauch zurückfährt, wird das Rohrinnere auf ganzer Länge beschichtet. Ein Computer steuert dabei alle entscheidenden Parameter. Das „Tubelining“ wird vor Ort am Kondensator durchgeführt und eignet sich für Rohre ab 18 Millimeter Durchmesser und bis zu 16 Metern Länge.

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