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Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 29.09.2006, 07:30

ThyssenKrupp wird in den nächsten Jahren kräftig investieren und wachsen

Mittelfristig liegt das Umsatzziel der ThyssenKrupp AG bei 50 Mrd EUR. Das erklärte Dr. Ekkehard Schulz, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG, in Brasilien. Dort wurde heute der Grundstein für das neue Stahlwerk der ThyssenKrupp Steel AG in Santa Cruz im Staat Rio de Janeiro gelegt. Vom Umsatz werden rund 30 Mrd EUR auf produktorientierte und 20 Mrd EUR auf dienstleistungsorientierte Geschäfte entfallen. Bei Steel soll der Umsatz in Zukunft auf 16 bis 19 Mrd EUR steigen, im Bereich Industriegüter auf 19 bis 21 Mrd EUR und bei Services auf 13 bis 14 Mrd EUR. "Dies wird aber nicht der Endpunkt sein. In zehn Jahren sind 55 Mrd EUR im Visier. Dass sich bei steigendem Umsatz dann auch das Ergebnis weiter verbessern wird, liegt auf der Hand", so Dr. Schulz weiter. Nachdem ThyssenKrupp in diesem Geschäftsjahr 2005/2006 (30. September) schon das mittelfristige Ziel von 2,5 Mrd EUR erreichen wird, wird für das kommende Geschäftsjahr eine vergleichbare Größenordnung angestrebt. "Unter der Prämisse, dass sich die Weltkonjunktur weiterhin stabil entwickelt und der Ölpreis in einem überschaubaren Rahmen bleibt, sind wir sicher, dieses Ziel erreichen zu können", erklärte Dr. Schulz.

ThyssenKrupp wird in den nächsten fünf Jahren zwischen 17 und 20 Mrd EUR investieren. Davon entfallen 10 Mrd EUR auf Investitionen in die Betriebsbereitschaft und 10 Mrd EUR auf Wachstum am Stamm und auf Akquisitionen. "Dieses anspruchsvolle Investitionsprogramm steht auf einer soliden Basis und wird ThyssenKrupp in die neue Größenordnung führen", betonte Dr. Schulz.

Zum Wachstum sollen alle Segmente beitragen: ThyssenKrupp Technologies, ein internationaler Anbieter von Spitzentechnologie im Maschinenbau, Anlagen- und Schiffsbau sowie - ab 1. Oktober - renommierter Automobilzulieferer für hochwertige Fahrzeugkomponenten und -systeme, wird auch weiterhin seine zum Teil führenden Weltmarktpositionen durch internationale Investitionen und Akquisitionen ausbauen.

ThyssenKrupp Elevator wird neben dem Wachsen am Stamm aktiv strategische Akquisitionen vor allem in Japan weiter verfolgen. Das Segment ist nun auch im italienischen Markt tätig und hat weitere Unternehmen in Indien und Spanien übernommen. Diese Strategie wird konsequent weiter verfolgt.

Das Wachstum des Segments ThyssenKrupp Services wird einerseits durch strategische Zukäufe erfolgen, andererseits durch die Umsetzung seines Osteuropa-Konzeptes. Denn mit dem Aufschwung der osteuropäischen Länder wird auch der Bedarf an professioneller und umfassender Werkstoffbelieferung steigen. Das Segment hat sich in Brasilien mit 51 % an dem Industriedienstleistungsgeschäft von RIP beiteiligt. Das Unternehmen ist Marktführer in seinem Bereich und an allen wesentlichen Industriestandorten in Brasilien vertreten.

ThyssenKrupp Stainless ist mit 17 % Anteil Weltmarktführer und bereits heute international aufgestellt: in Italien mit Acciai Speciali Terni (AST), in China mit Shanghai Krupp Stainless und in Mexiko mit Mexinox. Diese Position soll ausgebaut werden.

Stahlwerk in Brasilien wichtiger Schritt zu neuer Größe

"Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu neuer Größe sind unsere Pläne für den Bereich Qualitätsflachstahl", sagte Dr. Schulz. Das Stahlwerk, das von der ThyssenKrupp CSA Companhia Siderùgica betrieben wird, soll Anfang 2009 die Produktion aufnehmen. Dieses Hüttenwerk mit einer Investition von rund 3 Mrd EUR umfasst einen Hafen, Kraftwerk, Kokerei, Sinteranlage, zwei Hochöfen, ein Oxygenstahlwerk und zwei Stranggießanlagen. Es wird eine Kapazität von 5 Mio t Brammen haben. Davon werden 2 Mio t in Deutschland weiter verarbeitet, 3 Mio t sind für die Nafta-Region bestimmt. Das Stahlwerk wird mehr als 3.000 Mitarbeiter beschäftigen und in der Region zusätzlich indirekt weitere 10.000 Arbeitsplätze schaffen.

An der positiven Entwicklung des Stahlmarktes, die sich in den kommenden Jahren allen Prognosen zufolge fortsetzen dürfte, will ThyssenKrupp Steel partizipieren. "Unsere Ziele sind klar definiert: Wir wollen als Kerngeschäft im ThyssenKrupp Konzern weiterhin zu den Top-Produzenten von hochwertigem Qualitätsflachstahl weltweit gehören", erklärte Dr. Karl-Ulrich Köhler im Vorfeld der Jahresversammlung des Weltstahlverbandes IISI (International Iron and Steel Institute / 1. bis 4. Oktober 2006 in Buenos Aires), Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp Steel AG und Vorstandsmitglied der ThyssenKrupp AG, in Brasilien. Er betonte weiter, dass bei der Vorwärtsstrategie nicht das Tonnendenken im Vordergrund stehe, sondern der hochwertige, anspruchsvolle Produktmix, den die Kunden rund um den Globus nachfragen. Mit den Brammenlieferungen aus Brasilien mit bester Kostenstruktur und höchsten Qualitätsstandards kann Steel Wachstumschancen im Kernmarkt Europa und der NAFTA nutzen.

ThyssenKrupp Steel ist im Kunden- und Produktportfolio gut aufgestellt - lediglich 6 % des Umsatzes gehen in den Spotmarkt, fast die Hälfte ist durch Jahreskontrakte gesichert. In den Geschäftsjahren 2004/2005 und 2005/2006 konnten aber bedingt durch Produktionsengpässe nicht alle Kundenwünsche erfüllt werden. Mit den Lieferungen der kostengünstigen Brammen aus Brasilien sowie Investitionen von 700 Mio EUR in Deutschland werden diese Engpässe beseitigt. Danach strebt ThyssenKrupp Steel auf dem europäischen Markt einen Anteil von 13 % an.

Im Wachstumsmarkt Nordamerika, der durch eine hohe Nachfrage nach höherwertigen Stahlflachprodukten gekennzeichnet ist, soll ein Marktanteil von mindestens 5 % erreicht werden. Dieses Ziel könnte durch die Übernahme des kanadischen Stahlherstellers Dofasco kurzfristig erzielt werden. Diese Lösung ist derzeit noch ungeklärt.

Alternativ dazu planen ThyssenKrupp Steel und ThyssenKrupp Stainless die Errichtung eines gemeinsamen Werks in den USA. Nicht nur für Qualitätsflachstahl in anspruchsvollen Güten, sondern auch für Flachprodukte aus Edelstahl Rostfrei wird in den kommenden Jahren in Nordamerika ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet. Als Kernstück des "Greenfield-Projektes" ist der Bau einer Warmbreitbandstraße geplant, auf der in erster Linie Brammen aus dem neuen Stahlwerk in Brasilien verarbeitet werden sollen. Hinzu kommen Kaltwalz- und Feuerbeschichtungskapazitäten für hochwertige Endprodukte aus Qualitätsflachstahl. Das Investitionsvolumen für dieses Werk mit einer Kapazität von 4,5 Mio Jahrestonnen wird mit 1,8 Mrd EUR veranschlagt.

Zusätzlich will ThyssenKrupp Stainless ein Stahlwerk errichten, das eine Kapazität von bis zu 1 Mio Jahrestonnen Brammen haben wird, die ebenfalls auf der Warmbreitbandstraße verarbeitet werden. Außerdem soll in ein Kaltwalzwerk investiert werden, das in der ersten Ausbaustufe für eine Erzeugung von 325.000 t Kaltband und 100.000 t Warmband gebeizt ausgelegt wird. Aus den USA wird dann auch das mexikanische Edelstahlwerk ThyssenKrupp Mexinox mit Warmband als Vormaterial versorgt. Das Investitionsvolumen von Stainless liegt bei voraussichtlich 500 Mio EUR.

Profitables Wachstum ist Kern der Vorwärtsstrategie von ThyssenKrupp Steel

"In unserer Strategie hat profitables Wachstum absoluten Vorrang", sagte Köhler weiter. Das hat ThyssenKrupp Steel schon in den vergangenen Jahren mit guten Ergebnissen bewiesen. 2004/2005 (30.9.) war der Umsatz um 11% auf 9,3 Mrd EUR gestiegen und das Ergebnis vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter (EBT) von 608 Mio auf 1 Mrd EUR. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres waren der Umsatz um 12% auf 8 Mrd EUR und das EBT um 22% auf 1,1 Mrd EUR gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen "Das gerade zu Ende gehende Geschäftsjahr wird definitiv deutlich höhere Rekordmarken präsentieren. Doch ist es zu früh, mit absoluten Zahlen zu operieren", so Köhler. Zum guten Ergebnis werden auch die Tochtergesellschaften wie Rasselstein, Hoesch-Hohenlimburg, ThyssenKrupp Electrical Steel oder ThyssenKrupp Tailored Blanks positiv beitragen.

Stahlmarkt boomt weiter - Weltrohstahlproduktion deutlich über 1,2 Mrd Tonnen

Für die mittelfristige Marktentwicklung der Stahlbranche zeigt sich Dr. Köhler optimistisch. Getragen von soliden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen präsentieren sich die internationalen Stahlmärkte derzeit in einer stabilen Verfassung, erläuterte er. Die Weltrohstahlproduktion dürfte 2006 die Marke von 1,2 Mrd t deutlich übersteigen, im Vorjahr waren es 1,13 Mrd t. Ein Ende der von China forcierten, nach oben zeigenden Entwicklung ist nicht zu sehen. Ohne die besonders steile Entwicklung in China wäre in den Jahren zwischen 2000 und 2005 ein jährliches Wachstum von 1,7 % erzielt worden. Der China-Boom hat diese Rate auf 6 % getrieben. Aktuell lag die Steigerung der Weltrohstahlproduktion in den ersten acht Monaten dieses Jahres mit gut 9 % über diesem Durchschnitt - in China ragte das Plus mit 19 %, in Indien mit 15 % weit darüber hinaus. In den übrigen Regionen blieb das Wachstum daran gemessen moderat. Aber gegenüber den Vorjahren waren es für Europa herausragende Zahlen: In der EU 25 betrug das Plus 6 %, Deutschland lag mit 5 % knapp darunter.

Im internationalen Ranking der Rohstahlproduzenten nimmt ThyssenKrupp die Position 10 ein, bei Qualitätsflachstahl Platz 7. In der Umsatz-Rangliste steht der Konzern wegen der Konzentration auf höherwertige Produkte auf Rang 5. Die Weltrohstahlerzeugung liegt derzeit bei 1,2 Mrd t pro Jahr. Davon entfallen 700 Mio t auf Langprodukte und 500 Mio t auf Flachprodukte. Von diesen 500 Mio t sind 250 Mio t hochwertige Produkte. Da ist ein Anteil von 10 % die Zielmarke.

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