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Unternehmensmeldungen, 09.02.2004, 01:00

ThyssenKrupp Steel warnt vor Wettbewerbshemmnissen durch den Emissionshandel

Die Verhandlungen über den nationalen Allokationsplan, dem zentralen Element des Emissions­handels, sind in eine Sackgasse geraten. Der BDI und die Vertreter der betroffenen Branchen­verbände weisen die Vorschläge des Bundesumweltministeriums (BMU) als unzureichend zurück. Die ThyssenKrupp Steel AG begrüßt diese Entscheidung. Dr. Karl-Ulrich Köhler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp Steel AG und Vorstandsvorsitzender deren größter operativer Gesellschaft ThyssenKrupp Stahl AG, erklärt: "Wir können nicht akzeptieren, dass un­sere Wettbewerbsfähigkeit durch den Emissionshandel leidet. Das gilt bei den Vorschlägen des Bundesumweltministers nicht nur gegenüber Drittländern, sondern auch in der Europäischen Union selbst. So soll zum Beispiel unser britisch-niederländischer Konkurrent Corus zu rund 100 Prozent mit Zertifikaten ausgestattet werden, wie in den letzten Tagen publiziert wurde."

Eine Umsetzung des Programms von Bundesumweltminister Jürgen Trittin hätte nicht nur kurz­fristig den Verlust von hochqualifizierten Arbeitsplätzen an den deutschen Standorten der Thys­senKrupp Steel AG zur Folge, sondern würde langfristig eine Schließung des Stahlstandortes Deutschland bedeuten, folgert Dr. Köhler. "Das kann nicht im Sinne der deutschen Volkswirt­schaft sein, besonders vor dem Hintergrund, dass wir hier zu Lande die Reduktionsziele von 21 % CO2-Minderung bis 2012 schon fast erreicht haben. Damit liegt die Bundesrepublik, die 75 % der Reduktionslast europaweit trägt, mit Großbritannien und Luxemburg an der Spitze der CO2-Minderungen in der EU."

Dr. Köhler weist zudem auf die Besonderheiten der Stahlindustrie hin, die von dem BMU-Vorschlag völlig unzureichend berücksichtigt werden. Denn bei der Erzeugung von Roheisen und Rohstahl entstehen rohstofflich bedingte Emissionen. Sie sind in den Werken von ThyssenKrupp Steel auf das technisch machbare Minimum reduziert. Alternative Lösungen für diese Technologien in Hochofen und Stahlwerk sind nicht in Sicht. "Das bedeutet, wir können unsere prozessbedingten Emissionen nur verringern, wenn wir die Produktion einschränken. Ein solcher Eingriff in unternehmerische Entscheidungen ist mit markt­wirtschaftlichen Gesetzen unvereinbar," so Dr. Köhler. Ein Zukauf von Zertifikaten auf der nun vom BMU vorgelegten Basis würde schon in der ersten Periode eine jährliche Belastung im zweistelligen Millionenbereich bedeuten. Die Mehrbelastung je Tonne Rohstahl dürfte zwischen 30 und 50 Euro betragen, bei ei­nem derzeit angenommenen Preis von 15 bis 25 Euro je Tonne CO2. Diese Kosten könnten am Markt nicht weiter gegeben werden. Denn das würde eine Preiserhöhung bis zu 20 % bedeuten. Weil dies ausschließlich die deutschen Stahlunternehmen betreffen würde, kommt es zu weiteren Wettbewerbsverzerrungen in der europäischen Branche.

Das Argument, die Emissionen würden nicht am Produktionsort, sondern erst nach der Weiter­verarbeitung in die Luft gelassen, ist für ThyssenKrupp Steel nicht nachvollziehbar. Denn der energetische Verbund ist für den Betrieb eines integrierten Hüttenwerks unverzichtbar. Es kann quasi als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK) gesehen werden, allerdings nicht mit Gas als Primärenergieträger, sondern prozessbedingt mit Kohle und Koks.

Dr. Köhler: "Wegen der spezifischen Problematik in der Stahlindustrie fordern wir von der Politik für die erste Phase des Emisssionshandels eine kostenlose Ausstattung mit Zertifikaten von 100 % auf der Basis der CO2-Emissionen zwischen 2000 und 2002, für alle darüber hinausgehenden Perioden die Anerkennung der prozessbedingten Emissionen in erforderlicher Menge ohne die weitere Verpflich­tung - zur technisch auch nicht mehr machbaren - Minderung. Außerdem müssen die Deutschland-typischen Mehrbelastungen durch Emissionshandel, Ökosteuer, KWK-Gesetz und Erneuerbare Energien Gesetz entfallen."

Ansprechpartner:

ThyssenKrupp Steel
Erwin Schneider
Tel.: +49 203 / 52 - 2 56 90
Fax: +49 203 / 52 - 2 57 07
e-mail: erwin.schneider@tks.thyssenkrupp.com

Dietmar Stamm
Tel.: +49 203 / 52 - 2 62 67
Fax: +49 203 / 52 - 2 57 07
e-mail: dietmar.stamm@tks.thyssenkrupp.com

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