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Produkte und Lösungen, 01.12.2006, 15:59

Eine runde Sache

Über zwanzig stählerne Kugeltanks hat ThyssenKrupp Xervon im Laufe der letzten Jahre am Wesselinger Standort der Basell Polyolefine GmbH instand gesetzt. Der Industriedienstleister hat die Flüssiggaskugeln eingerüstet, vom alten Korrosionsschutz befreit, grundiert und mit einer Brandschutzbeschichtung versehen lassen. Jetzt sind die letzten drei Tanks in Arbeit. Einer davon mit einer heiklen Altlast: seine derzeitige Beschichtung ist mit Chrom 6 belastet, die entsprechend aufwändig entfernt werden muss.

Basell ist weltweit der größte Hersteller von Polyolefinen und Katalysatoren. An seinem größten Produktionsstandort in Wesseling, im Kölner Süden, produziert das Chemieunternehmen hauptsächlich Kunststoff-Granulate. Die für den Produktionsprozess benötigten Flüssiggase lagern auf dem ausgedehnten Firmengelände in einer nahezu futuristisch anmutenden Ansammlung von zwei Dutzend Kugeltanks. Weil deren alter Korrosionsschutz in die Jahre gekommen war und zudem neue behördliche Auflagen das Aufbringen einer Brandschutzbeschichtung vorgeschrieben hatten, bekommen nach und nach alle 24 Kugeln eine neue, strahlend weiße Außenhaut.

Komplexe Einrüstungsaufgabe

Gut zwanzig Meter hoch sind die aufgeständerten Tanks, deren Durchmesser zwischen 13 und 18 Metern variieren. Für die Xervon-Gerüstbauer, die per Rahmenvertrag als alleiniger Gerüstdienstleister auf dem Wesselinger Gelände arbeiten, ist das arbeitsvorbereitende staubdichte Abschotten der Kugeln eine anspruchsvolle Aufgabe. Um die komplette Stahloberfläche (bis zu 1.250 Quadratmeter) durchgängig bearbeiten zu können, müssen rund 3.000 Kubikmeter Raumgerüst aufgebaut werden. Das dauert je nach Kugelgröße durchaus bis zu vier Wochen. Hinzu kommen noch einmal drei Wochen für die staubdichte Einhausung.

Xervon-Projektleiter Wolfgang Oeding, der das Tankinstandsetzungsprojekt bei Basell seit mehreren Jahren begleitet, weiß um die Komplexität der Gerüstbauaufgabe: "Es gibt zwar im unteren Bereich Befestigungsmöglichkeiten an den Stützen der Tanks; vereinzelt bietet sich auch eine Verankerung an einem Geländer an, doch eigentlich handelt es sich um eine frei tragende Konstruktion."

Bei zwei der derzeit in Arbeit befindlichen Kugeltanks kommt noch erschwerend hinzu, dass sie mit Sonnendächern ausgestattet sind. Oberhalb des Kugeläquators befindet sich eine Tragkonstruktion, an der eine Halbkugel aus Isolierblech befestigt ist. Sie umspannt die obere Kugeloberfläche wie ein Schirm. An diesen Tanks müssen sich die Gerüstbauer nach und nach von außen nach innen vorarbeiten. Erst montieren sie den äußeren umlaufenden Gerüstzylinder und arbeiten diesen dann nach innen hin so weit kugelförmig bei, bis sich die Sonnenschutzbleche bequem demontieren lassen. Ist das geschehen, muss das Gerüst wiederum nach innen erweitert und exakt an die Kugelform angepasst werden, bis zur Oberfläche nicht mehr als 30 cm Entfernung bestehen. Ansonsten wäre für die nachfolgenden Gewerke der Abstand zur Arbeitsfläche zu groß.

In einem weiteren Arbeitsschritt werden sämtliche Anlagenteile, die fest an den Tanks installiert sind, eingepackt und geschützt - beispielsweise Kabelbahnen, Schaltkästen, Armaturen und Fühler. Dann geht es in Vorbereitung auf die Strahlarbeiten ans sorgfältige, staubdichte Einhausen des kompletten Gerüstes.

Schwieriger Fall

Für die Chrom-6-belastete Kugel gelten in punkto Arbeits- und Umweltschutz die gleichen strengen Anforderungen wie bei einer Baustelle, die mit Blei belastet ist. Während der Strahlarbeiten ist sie nahezu luftdicht abgeschlossen. Dazu werden die einzelnen Planenstücke der Einhausung miteinander verschweißt. In einer so genannten Schwarzweißkaue wechseln die Strahler von ihrer Straßenkluft in speziell für diesen Einsatzzweck zugelassene Strahlanzüge mit externer Atemluftversorgung. Zu den vorbeugenden Schutzmaßnahmen gehört auch, dass alle Mitarbeiter den vorgeschriebenen arbeitsmedizinischen Untersuchungen (G15) nachkommen. So lässt sich eine Gesundheitsgefährdung der Korrosionsschützer ausschließen. Während des Strahlvorgangs werden rund 35.000 Kubikmeter Luft pro Stunde (fünffacher Luftwechsel) durch den eingehausten Arbeitsraum bewegt. Dieser intensive Luftaustausch erzeugt einen gerichteten Luftstrom, der das umweltgefährdende Gemisch aus benutztem Strahlmittel (Schlacke) und abgetragener Beschichtung absaugt und sammelt.

Gestrahlt wird, bis die Stahloberfläche vom alten Korrosionsschutz befreit ist und metallisch blank glänzt. Die belastete Kugel erhält dabei eine spezielle Behandlung. Während die Sanierer die anderen Tanks segmentweise vormittags strahlen und nachmittags sofort grundieren, wird die belastete Kugel zuerst in Gänze gestrahlt. Dann reinigt ein Spezialunternehmen den Arbeitsraum, also das eingehauste Gerüst, bis nachmessbar keine umweltgefährdenden Stäube mehr innerhalb der Einhausung vorhanden sind. Dann wird die komplette Kugel noch einmal gestrahlt und anschließend mit einer Grundierung (Schichtstärke: 40 bis 50 µm) auf die nachfolgende mehrschichtige Brandschutzbeschichtung vorbereitet.

Die komplette Unterkonstruktion der Kugeltanks (Stützen) wird ebenfalls mit der Brandschutzbeschichtung versehen. Treppen, Geländer, Laufstege und weitere Anbauten bekommen einen dreischichtigen Korrosionsschutz. An welchen Stellen sie diesen besser spritzen oder streichen, wissen die Xervon-Dienstleister mittlerweile genau. Schließlich haben viele von ihnen an den bereits instand gesetzten Tanks mitgearbeitet und Routine erworben.

Wolfgang Oeding freut sich darüber, dass die umfassenden Instandsetzungsarbeiten "bis auf ganz wenige Kleinigkeiten" einwandfrei abgelaufen sind: "Wir haben unseren Job wirklich gut gemacht." Die Qualitätskontrolle ist streng. Jeder Gerüstaufbau, jede gestrahlte und beschichtete Teilfläche werden nicht nur von den Xervon-eigenen Kontrolleuren begutachtet und überprüft. Auch die Qualitätssicherer von Basell sind regelmäßig vor Ort und geben ihr Okay für den weiteren Arbeitsablauf. Schichtdickenmessungen an Grundierung und Brandschutzbeschichtung gehören genauso zum Alltag der Korrosionsschützer wie das Erstellen von Prüfprotokollen für den TÜV.

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