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Produkte und Lösungen, 07.07.2005, 07:30

In der Stille liegt die Kraft

25 000 Quadratmeter Fläche und zahlreiche Kolonnen, Wärmetauscher und Behälter gehören zum nördlichen Teil der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt, der im April für drei Wochen komplett abgestellt und einer turnusmäßigen Wartung unterzogen wurde. Dabei waren rund 1 200 Mitarbeiter von unterschiedlichen Firmen, mit den verschiedensten Gewerken auf der "Baustelle" tätig. Eine extrem große Anzahl. Um diese Menge an Menschen und Arbeit einwandfrei und optimal unter Einhaltung der strengen Sicherheitsvorschriften zu koordinieren, waren viel Erfahrung und erprobte logistische Systeme notwendig. Diese Aufgabe übernahm ThyssenKrupp Plant Services. Das Unternehmen war bei diesem Stillstand, auch Turnaround genannt, Hauptpartnerfirma von Bayernoil.

Der Industriedienstleister mit den Tätigkeitsschwerpunkten Instandhaltung, Stillstandsplanung und Abwicklung für erdölverarbeitende Raffinerien und chemiesche Betriebe kann auf eine über 30jährige Geschäftserfahrung zurückblicken. In der Region Süd hat das Gelsenkirchener Unternehmen seine eigene Stillstands-Abteilung unter der Leitung von Jürgen Schuh angesiedelt, die soeben die größte Stillstandskampagne in der Unternehmensgeschichte mit vier parallel laufenden Turnarounds mit Bravour gemeistert hat. Von hier aus werden alle Turnarounds deutschland- und europaweit geplant. Mit bereits über 300 erfolgreich abgewickelten Großstillständen in der Chemie- und Petrochemie zählt ThyssenKrupp Plant Services zu einem der gefragtesten Anbieter der Branche.

Flexibler Personaleinsatz

Als Hauptpartnerfirma ist ThyssenKrupp Plant Services für die gesamte Koordination der Mitarbeiter zuständig. Dabei liegt die besondere Herausforderung während so eines Stillstandes für den Dienstleister darin, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Personenzahl, am richtigen Ort zu sein. Dieses "von Hand" zu planen ist fast unmöglich. Daher setzt die Stillstandsabteilung mit Sitz in Ingolstadt auf spezielle, vom Unternehmen selbst entwickelte Planungssoftware, wie etwa das eigene Programm CAPMAN.

Um Arbeitsspitzen zu vermeiden erfolgt die Beschaffung des Personals bei solchen Stillständen in der Regel sehr flexibel. Aus diesem Grund kann die Region Süd jederzeit auf einen Pool von zirka fünf bis zehn ständigen Partner- und Personalleasingfirmen zurückgreifen, um in Engpass-Situationen schnell reagieren zu können. Bauleiter Richard Wolfstädter und Regionalleiter Andreas Freutsmiedl wissen das sehr zu schätzen. "Im Falle Bayernoil hatten wir mit 195 Mitarbeitern geplant. Durch ungeplante und unvorhergesehene Arbeiten benötigten wir allerdings bereits am dritten Stillstandstag schon 356 Mitarbeiter, um im Zeitplan zu bleiben. In solchen Momenten ist es für uns enorm wichtig, dass wir uns auf unsere Partnerfirmen verlassen können."

Sicherheit als oberstes Gebot

Auf der Baustelle herrscht die Sicherheit als oberstes Gebot - noch vor Flexibilität und Qualität. Jeder Mitarbeiter ist im Rahmen des Sicherheitsmanagementsystems (SCC) der ThyssenKrupp Plant Services geschult und bekommt zu Beginn seines Dienstantritts in der Bayernoil-Raffinerie nochmals eine ausführliche Sicherheitseinweisung. Darüber hinaus gibt es so genannte Tool-Box-Meetings, die täglich stattfinden und ebenfalls Pflicht sind. Hier tragen die Gruppenführer von ThyssenKrupp Plant Services tagesaktuelle Sicherheitsthemen an ihre Mitarbeiter heran und schulen diese in etwa zehn Minuten nach. Die Arbeitsweise ist klar von immer wiederkehrenden Regeln bestimmt. Durch eine ständig präsente Sicherheitsfachkraft vor Ort, den so genannten HSEQ-Manager, sichert ThyssenKrupp Plant Services, für die Mitarbeiter, den Kunden und sich selbst, dass alle geltenden Vorschriften eingehalten und auftretende Fragen und Probleme direkt geklärt und behoben werden können.

Planung per PC

Rund 360 Mitarbeiter optimal zu koordinieren und dafür Sorge zu tragen, dass der vom Auftraggeber vorgegebene Zeitrahmen bei den Arbeiten eingehalten wird, erfordert organisatorisches Talent und eine gute Computersoftware. Dazu setzt ThyssenKrupp Plant Services Software-Programme wie etwa das selbst entwickelte Planungssystem CAPMAN ein. Dies ermöglicht es dem Planungsteam, bereits im Vorfeld jeden Arbeitsschritt und das dafür notwendige Personal stundengenau zu planen und zu erfassen. Daraus resultiert dann ein großer Masterplan, der alle Arbeiten im Laufe der gesamten Revision aufzeigt. Diese Pläne gehen bis ins kleinste Detail - dort ist jeder einzelne Arbeitsschritt schon Wochen vor Beginn der Revision bis auf die Stunde genau aufgeführt.

Nur so war es möglich, im April, während des Stillstands bei Bayernoil in Neustadt, parallel die Verantwortung für zwei weitere Großstillstände und einen 120stündigen Kurzstillstand zu übernehmen. Für die Turnaround-Spezialisten das größte Stillstandsprojekt in ihrer Geschichte. Innerhalb von vier Wochen waren insgesamt 800 Mitarbeiter gleichzeitig bei Shell in Heide und Köln, bei der Basell in Münchsmünster und bei Bayernoil in Neustadt im Einsatz. Eine riesige logistische Meisterleistung - geplant und erfolgreich durchgeführt von der Turnaround-Abteilung in Ingolstadt. "Wir sind hochzufrieden mit der Termintreue und Qualität, die ThyssenKrupp Plant Services liefert", weiß Günter Sachs-Weingärtner, Instandhaltungsleiter bei der Basell, zu berichten. "Ganz besonders hervorzuheben ist dabei die Flexibilität der Mitarbeiter. Bei dem Kurzstillstand in unserem Werk, war es durch Produktionszwänge unverzichtbar, den terminlich eng gefassten Zeitplan streng einzuhalten. Trotz unvorhersehbarer Ereignisse konnte das Team durch Überstunden und Nachtschichten ein einwandfreies Ergebnis abliefern. Eine tolle Leistung."

Bei Bayernoil in Neustadt überprüft Bauleiter Richard Wolfstädter täglich mit dem Software-Programm CAPMAN die Projektabläufe: Dabei werden alle am Tag erledigten Arbeiten in das System eingepflegt und ausgewertet. Die Auswertung zeigt genau an, ob das Stillstandsteam den geplanten Zeitplan hält, besser oder schlechter ist. Ist ein Team schneller als es der Zeitplan vorsieht, kommen die Mitarbeiter dort zum Einsatz, wo das langsamere Team hinterherhinkt, um so den Zeitplan wieder ins Soll zu bringen.

Eine Verspätung darf ThyssenKrupp Plant Services sich im Gesamt-Zeitrahmen auf gar keinen Fall leisten. Mit jedem Tag, den die Revision länger dauert als geplant, entstehen immense Kosten bei den Anlagenbetreibern und der gute Ruf des Stillstand-Teams wäre ruiniert. Aber das ist bislang auch nach 300 Großstillständen niemals vorgekommen. Dies mag nicht zuletzt an dem erfahrenen Stillstandsteam und der besonders sorgfältigen Auswahl von Nachunternehmern- und Mitarbeitern von Personalleasingfirmen liegen. "Für uns kommen nur solche Firmen bei Stillständen in Frage, mit denen wir schon langjährige gute Erfahrungen sammeln konnten und deren Mitarbeiter wir überwiegen kennen", erklärt Andreas Freutsmiedl deutlich. "Gerade der Raffinerie- und Petrochemiebereich ist sehr empfindlich. Da geht kein Weg an hochqualifizierten Fachkräften vorbei."

Rundum-Service für den Kunden

Nicht nur bei den qualifizierten Arbeitskräften kann der Kunde Bayernoil sich auf ThyssenKrupp Plant Services verlassen. Der Stillstandsspezialist kümmert sich um die Organisation des gesamten Arbeitsablaufs. Dazu gehört insbesondere die Beschaffung von Werkzeugen und notwendigen Maschinen. Das alles bringt der Dienstleister selbst mit und baut sich auf der Baustelle eigene Werkzeugmagazine auf, aus denen sich die Arbeiter jederzeit bedienen können. Auch die Beschaffung notwendiger Kräne oder etwa Gerüste übernimmt ThyssenKrupp Plant Services. Lediglich um die Beschaffung von Austausch- und Ersatzteilen, die nach der Inspektion in die Anlagen verbaut werden , muss der Kunde sich kümmern. Bei allem anderen kommt ihm der perfekte Rundum-Service zu.

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