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Produkte und Lösungen, 16.03.2006, 13:02

Ex-Schutz: funkenfrei mit Wasser schneiden

Das Verlegen von GFK-Rohrleitungen ist an sich nichts Besonderes. Es wird allerdings technisch interessant, wenn die neue Kunststoffleitung im laufenden Raffineriebetrieb unter absolutem Ex-Schutz an vorhandene Stahlleitungen angeschlossen werden muss. Bei solchen Anforderungen setzt das Instandhaltungsteam von ThyssenKrupp Xervon ein spezielles Wasserstrahl-Schneidverfahren ein.

Ob Rohrnetz oder Kessel: Seit 2001 ist ThyssenKrupp Xervon alleiniger Instandhalter für die seit Februar 2002 zum BP-Konzern gehörende Erdöl-Raffinerie-Emsland in Lingen. Zu den Aufgaben der rund 50 MItarbeiter starken Stammbesetzung zählt nicht nur die Revision und Reparatur sämtlicher Wärmetauscher, Behälter und Tanks. Die gesamte Rohrleitungsnetz-Wartung und Neuverlegung gehören ebenfalls dazu. Darunter fällt auch die Verlegung von GFK-Rohren, für die das Unternehmen zertifiziert ist. Gerade im Ex-geschützten Raffineriebetrieb lässt sich die rostfreie, leichtgewichtige Rohralternative aus Kunststoff gefahrlos ohne Schweißen verlegen und hat - je nach durchströmendem Medium - häufig eine längere Lebensdauer als das klassische Stahlrohr oder die teure, aufwändig zu verlegende Edelstahlvariante.

Kunststoff statt Stahl

Von einer kürzlich ausgetauschten 60 m langen KWS-Leitung (Kohlenwasserstoffleitung) aus GFK erwartet man vor allem eine höhere Lebensdauer. Die Leitung (Nennweite DN 200, Nenndruck PN 16) führt Abgase von Benzin und Ölprodukten zu einer Sammelstelle, wo sie anschließend weiterverarbeitet werden. Zwar war der Leitungsvorgänger aus Stahl gerade mal fünf Jahre alt, wies aber bereits Korrosionsschäden auf. Weil das Rohrsystem nicht geschlossen ist, reichert sich das Abgasgemisch mit Sauerstoff an, und es kommt bei einer Stahlleitung relativ zügig zu Rostbildungen und Rostfraß. Daher entschied man sich zum Austausch der angegriffenen Stahlstrecke gegen eine Leitung aus GFK, die in das vorhandene Rohrsystem einzubinden war.

Präziser funkenfreier Schnitt

Zwar sei die Verlegung von GFK-Rohren auf dem Raffineriegelände für seine speziell geschulten Mitarbeiter Alltagsgeschäft, erklärt Rudolf Schreyer vom Xervon-Standort Lingen. Doch unter diesen besonderen Bedingungen habe man zum ersten Mal gearbeitet. Schreyer meint vor allem das vom Betreiber geforderte absolut funkenfreie Durchtrennen der alten Stahlleitungen. Hier griff man zum so genannten Wasserstrahlschneiden, das immer dann angewendet wird, wenn hochexplosive Rohrleitungen zu schneiden sind. Dabei wird mit einem maximalen Druck von 1200 bar und einer Durchflussmenge von 7,5 l/min unter Zugabe von 10 Prozent Abrasivmittel ein Schneidstrahl erzeugt, der maximal 0,6 mm breit ist. Das Ergebnis: ein absolut präziser Schnitt ohne jede Funkenbildung.

Eine weitere Besonderheit der neuen KWS-Leitung aus GFK ist ihr Verlauf, der die Verlegung mehrerer Bögen erforderte. Die physikalischen Grundlagen geben es vor: Je schlanker ein Bogen ist, desto schneller können die Abgase abgeleitet werden. Bei einer Leitung von 200 mm Durchmesser schreiben die Sicherheitsauflagen einen Bogenradius von 1000 mm vor. Die haben die Xervon-Instandsetzer in Eigenfertigung laminiert. Schließlich sind die Mitarbeiter für das Verarbeiten von GFK zertifiziert und beherrschen die je nach Materialzusammensetzung nötigen diversen Verbindungsmethoden: Kleben, Laminieren, Flanschen, Steckmuffenverbindungen und mechanische Verbindungen.

Abwasserleitung aus GFK

Auch eine 660 m lange Abwasserleitung auf dem Raffineriegelände haben die Xervon-Instandhalter mittlerweile in GFK verlegt. Das Material der Rohrleitung mit Nennweite DN 100 (Nenndruck 16) ist exakt auf seine Nutzungsbedingungen abgestimmt. Es muss nicht nur resistent sein gegen die durchfließenden Abwässer, die das komplette Spektrum zwischen basisch und sauer umfassen (pH-Wert 2 - 12). Eine Isolierung aus Hartschaum und ein 0,8 mm dicker Blechmantel aus Aluminiumblech schützt das elektrisch beheizbare Rohr vor Frost.

"Zwar erfordern die GFK-Rohrleitungen kürzere Stützabstände und deshalb eine höhere Anzahl an Auflagen, dennoch können wir sie sehr schnell verlegen", fasst Instandsetzer Schreyer zusammen. Das liege zum einen am einfachen Handling der leichten Rohre, vor allem aber am problemlosen Verbinden der einzelnen Rohrstücke, das ohne Schweißen auskommt. "Das zählt natürlich im Raffineriebetrieb, wo Sicherheit oberste Priorität hat", weiß Schreyer, der aus seiner täglichen Arbeit die enorm aufwändigen Abschottungen handwerklicher Einsatzplätze kennt.

Wegen der guten Erfahrungen mit GFK-Rohrleitungen wird die Emsland-Raffinerie das Verlegeprozedere künftig als Standard in ihre Bau- und Werkstoffvorschriften aufnehmen. Weitere Aufträge sollen folgen. So ist bereits daran gedacht, auch das komplette Feuerlöschsystem in Kunststoff zu verlegen. Schreyer: "Das würde hundertprozentige Rostfreiheit garantieren und die Gefahr von Düsenverstopfungen durch Rostablagerungen vermeiden."

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