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Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 10.08.2012, 07:46

ThyssenKrupp in den ersten neun Monaten 2011/2012 mit robustem Industriegüter-Geschäft

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/2012 (01. Oktober 2011 - 30. Juni 2012) erreichte ThyssenKrupp bei seinen fortgeführten Aktivitäten einen Auftragseingang von 31,9 Mrd € und blieb damit rund sieben Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Auch der Umsatz lag mit 31,2 Mrd € um rund drei Prozent unter Vorjahr. Die Rückgänge sind im Wesentlichen durch niedrige Absatzmengen und Preise im Werkstoff-Geschäft bedingt, aber auch durch die Portfolio-Optimierung im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung des Konzerns. Die Industriegüter-Geschäfte entwickelten sich sehr robust; hier stiegen bei Elevator Technology die Bestellungen für Aufzüge und Fahrtreppen auf einen Rekordwert.

Das bereinigte EBIT der fortgeführten Aktivitäten erreichte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 339 Mio € nach 1.266 Mio € im Vorjahreszeitraum. Mit Ausnahme von Steel Americas haben alle Business Areas ein positives bereinigtes EBIT erzielt, wobei die Industriegüter-Geschäfte den weit überwiegenden Beitrag lieferten. Das Ergebnis im Werkstoff-Geschäft war durch geringe Versandmengen und Margendruck sowie den Hochlauf bei Steel Americas beeinträchtigt. Das Ergebnis nach Steuern, das auf die ThyssenKrupp-Aktionäre entfällt, belief sich in den ersten neun Monaten auf -220 Mio €. Im dritten Quartal hingegen fiel das Ergebnis nach Steuern, auch begünstigt durch den Verkauf der Eisengießerei Waupaca in den USA, deutlich besser aus und lag bei 238 Mio €.

Beim Abbau der Netto-Finanzschulden wurden klare Fortschritte erzielt. Einschließlich Inoxum (ehemals Stainless Global) beliefen sich die Netto-Finanzschulden zum 30. Juni 2012 auf 5.800 Mio € und lagen damit deutlich unterhalb der Verschuldung zum Vorjahresstichtag (30. Juni 2011: 6.249 Mio €) und zum Vorquartal (31. März 2012: 6.480 Mio €). Dazu beigetragen haben der Abbau von Vorräten sowie der Verkauf von Waupaca. Der Free Cash-Flow, d.h. die Summe von Operating Cash-Flow und Cash-Flow aus Investitionstätigkeit, hat sich deutlich verbessert und erreichte im dritten Quartal 1.013 Mio €.

Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG: „Die schwache konjunkturelle Entwicklung und insbesondere die allgemeine Unsicherheit infolge der ungelösten Staatsschuldenkrise machen sich in unseren Märkten zunehmend bemerkbar. In diesem Umfeld haben sich unsere Industriegüter-Geschäfte alle erfreulich robust entwickelt. Auch Steel Europe und Materials Services konnten sich im Wettbewerb gut behaupten und positive Ergebnisbeiträge liefern. Dennoch spüren wir die deutliche Zurückhaltung unserer Kunden und haben darauf maßvoll, aber konsequent mit geeigneten Schritten wie etwa Kurzarbeit reagiert. Insbesondere bei Steel Americas bleibt die Situation aufgrund des technischen Hochlaufs und der gesamtwirtschaftlichen Lage jedoch herausfordernd. Hier arbeiten wir parallel zum Hochlauf mit Nachdruck an der Prüfung unserer strategischen Optionen. Wir sehen reges Marktinteresse und führen Gespräche mit möglichen Investoren.“

Entwicklung der Business Areas

Das Geschäft in den Business Areas entwickelte sich in den ersten neun Monaten 2011/12 wie folgt:
・ Der Geschäftsverlauf bei Steel Europe war durch nachfragebedingt geringere Versandmengen belastet. Zudem wirkte sich die Veräußerung des Metal-Forming-Geschäfts mindernd auf den Umsatz aus. Innerhalb der ersten neun Monate wurden 8,3 Mrd € umgesetzt. Das bereinigte EBIT erreichte 184 Mio €; dabei hat sich der Ergebnisbeitrag im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal wieder deutlich verbessert.

・ Steel Americas hat in einem schwierigen Geschäftsumfeld weitere Kunden gewonnen und den Umsatz gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 1,6 Mrd € gesteigert. Insgesamt sind auf dem nordamerikanischen Markt über 2,0 Mio t Flachstahl abgesetzt worden. Ausschlaggebend für das deutlich negative bereinigte EBIT in Höhe von -778 Mio € waren vor allem das schwierige Geschäftsumfeld im nordamerikanischen Markt mit einem unbefriedigenden Preisniveau vor allem im anlaufbedingt besonders wichtigen Service-Center-Geschäft sowie erhebliche Kosten in Folge der noch nicht effizienten Auslastung der Hochöfen.

・ Die schwache Marktverfassung hat auch bei Materials Services zu einem deutlichen Nachfragerückgang geführt. Der Umsatz ging um zehn Prozent auf 9,9 Mrd € zurück. Das Werkstoff- und Logistikgeschäft mit der Luftfahrtindustrie entwickelte sich hingegen sehr positiv. Das bereinigte EBIT lag mit 222 Mio € unter dem Vorjahreswert (397 Mio €). Das EBIT war zusätzlich durch die im dritten Quartal verhängte Buße des Kartellamts in Höhe von 103 Mio € sowie Rückstellungen von 30 Mio € im Zusammenhang mit dem Schienenkartellverfahren belastet.

・ Elevator Technology erzielte in den ersten neun Monaten beim Auftragseingang einen Rekordwert von 4,6 Mrd € (+15 Prozent). Der Umsatz stieg um sechs Prozent ebenfalls deutlich auf 4,1 Mrd €. Die Ergebnis- und Margenentwicklung war hingegen durch die anhaltend schwierigen Marktbedingungen in Südeuropa beeinflusst. Das bereinigte EBIT belief sich auf 421 Mio € (Vorjahr: 469 Mio €). Um die starke Wettbewerbsposition von Elevator Technology weiter auszubauen, wurde im dritten Quartal ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm im Volumen von rund 81 Mio Euro für den Standort Neuhausen beschlossen.

・ Plant Technology hat sich bei zunehmendem Wettbewerb gut behauptet. In den ersten neun Monaten wurden neue Aufträge im Wert von 2,6 Mrd € gewonnen. Der Umsatz erreichte 3,0 Mrd € und lag damit um fünf Prozent über dem Vorjahreswert. Mit einem bereinigten EBIT von 380 Mio € wurde das hohe Niveau des Vorjahres leicht übertroffen. Plant Technology hat im Juli 2012 das britische Beratungsunternehmen Energy & Power Global erworben und damit seine Kompetenz für Chemieanlagenbau im weltweiten Öl- und Gasgeschäft weiter ausgebaut.

・ Components Technology konnte trotz der Veräußerung des Chassis-Komponenten-Herstellers ThyssenKrupp Automotive Systems Industrial do Brasil sowohl Auftragseingang als auch Umsatz gegenüber dem Vorjahr deutlich auf jeweils 5,5 Mrd € steigern. Obwohl der Automobilabsatz in Europa insgesamt rückläufig war, profitierte die Business Area von der guten Geschäftsentwicklung wichtiger Kunden und der lebhaften Nachfrage im Mittelklasse- und Premiumsegment. Das bereinigte EBIT blieb mit 365 Mio € leicht unter dem Wert des Vorjahres. Dies lag vor allem an einer rückläufigen Nachfrage im Windenergie- und Infrastrukturbereich vorwiegend in China sowie an Anlaufkosten neuer Produkte und Werke.

・ Marine Systems profitiert weiterhin von der gestiegenen Nachfrage nach Fregatten und U-Booten. Der Auftragseingang von Marine Systems betrug in der Berichtszeit 1,4 Mrd €. Das bereinigte EBIT erreichte mit 140 Mio € ein sehr erfreuliches Niveau.
Strategische Weiterentwicklung des Konzerns

ThyssenKrupp hat auch im dritten Quartal wichtige Fortschritte bei der Umsetzung der strategischen Weiterentwicklung erzielt. Im Rahmen der Portfolio-Optimierung wurde zum 29. Juni 2012 die Eisengießerei Waupaca in den USA an die KPS Capital Partners verkauft. Damit sind – gemessen am Umsatzvolumen – bereits 90 Prozent der geplanten Verkäufe unterzeichnet oder abgeschlossen. ThyssenKrupp geht nach wie vor davon aus, dass auch der Zusammenschluss von Outokumpu und Inoxum bis zum Jahresende 2012 abgeschlossen werden kann.

Zudem hat ThyssenKrupp am 15. Mai 2012 bekannt gegeben, für die beiden Werke von Steel Americas in Brasilien und den USA strategische Optionen in alle Richtungen zu prüfen. Zur Unterstützung wurden die Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley mandatiert. Die strategische Überprüfung verläuft ergebnisoffen und parallel zum weiteren technischen Hochlauf.

Des Weiteren steht ThyssenKrupp in fortgeschrittenen Verhandlungen zum Verkauf der Bauelemente-Gruppe (Construction Group) von ThyssenKrupp Steel Europe. Für das italienische Unternehmen Berco, einem Anbieter von Kettenlaufwerken für Baumaschinen, werden ebenfalls Verkaufsoptionen geprüft.


Ausblick Geschäftsjahr 2011/12

Aufgrund der Stabilität des weniger zyklischen Industriegüter-Geschäfts sowie der positiven Ergebnisbeiträge von Steel Europe und Materials Services erwartet ThyssenKrupp für das Geschäftsjahr 2011/2012 auf Konzernebene weiterhin ein bereinigtes EBIT im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres geht ThyssenKrupp bei den Werkstoff-Aktivitäten davon aus, dass sich bei einer von anhaltend hoher Wettbewerbsintensität geprägten Mengen- und Preisentwicklung die Ergebnisse für Steel Europe und Materials Services stabil entwickeln werden. Bei Steel Americas sollten sich durch den weiteren technischen Hochlauf Verbesserungen ergeben; deutlich gegenläufig wird sich allerdings der durch den Markteintritt und die allgemeine Marktsituation bedingte Erlösdruck auswirken.

Bei den Industriegüter-Geschäften sollten sich die Ergebnisbeiträge des Anlagenbaus auf hohem Niveau weitgehend stabil entwickeln. Im Aufzugsgeschäft können weitere Ergebnisauswirkungen durch die Abschwächung der Märkte in Südeuropa nicht ausgeschlossen werden. Im Komponenten-Geschäft werden die wegfallenden Ergebnisbeiträge von Waupaca sowie geringere Kapazitätsauslastungen vorwiegend bei Großwälzlagern für die Windenergie zu rückläufigen Ergebnissen führen. Die Ergebnisbeiträge von Marine Systems werden sich stabil entwickeln.

Der vollständige Zwischenbericht steht in deutscher und englischer Sprache im Internet unter http://www.thyssenkrupp.com bereit. Die aktuellen Kennzahlen finden Sie unter http://www.thyssenkrupp.com/de/konzern/aktuelle_kennzahlen.html

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