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Produkte und Lösungen, 20.03.2000, 01:00

Segment Steel: Thyssen Krupp Stahl AG baut Kompetenz und Kapazität für Oberflächenveredelung aus

Oberflächenveredeltes Feinblech ist einer der Schwerpunkte der Präsentation der Thyssen Krupp Stahl AG (TKS) auf der Hannover Messe 2000. Mit Beispielen aus den Bereichen Haushalts- und Elektrogeräte sowie Unterhaltungselektronik zeigt das Unternehmen, dass Videorekorder, Kühlschränke oder Waschmaschinen ihre attraktive Optik heutzutage auch der Kompetenz des Werkstofflieferanten verdanken. Die Gehäuse bestehen aus kaltgewalztem Feinblech - in den aktuellen Trendfarben von der Thyssen Krupp Stahl AG fertig lackiert geliefert.

Neben den Herstellern von Haushalts- und Elektrogeräten sind die Bauwirtschaft und die Automobilindustrie die wichtigsten Kunden für oberflächenveredeltes Feinblech der Thyssen Krupp Stahl AG. Die bedeutendsten Oberflächenveredelungsverfahren sind neben der fachmännisch "organische Beschichtung" genannten Lackierung die elektrolytische und die Feuerverzinkung, die Schmelztauchveredelung und die Beschichtung von Feinblech mit Kunststofffolien. Außerdem bietet TKS Verbundwerkstoffe mit schalldämpfendem Kunststoffkern an. Gemeinsames Ziel aller Verfahren: Die vom Kunden gewünschten Eigenschaften des Endprodukts wie Korrosionsbeständigkeit, Kratzfestigkeit, Körperschalldämpfung oder farbliche Gestaltung soll möglichst schon das Vormaterial mitbringen.

Die Vorteile für den Kunden: Er spart die Investitionen in eigene Lackier- oder Beschichtungsanlagen, kann seinen Fertigungsprozess wirtschaftlicher gestalten und die Qualität des Endprodukts verbessern. Zwei Beispiele: Ein deutscher Haushaltsgeräte-Hersteller hat mit der Entscheidung, in einem Werk für Waschmaschinen und Trockner fertig lackierte und zugeschnittene Bleche von TKS einzusetzen und auf eine eigene Lackieranlage zu verzichten, rund 30 bis 40 Millionen Mark an Investitionen gespart. Die Tatsache, dass bei heutigen Personenwagen Durchrostung kaum noch eine Rolle spielt, ist auf den verstärkten Einsatz von feuerverzinktem und elektrolytisch verzinktem Feinblech zurückzuführen. Die Automobilindustrie ist Hauptabnehmer der bei TKS auf diese Weise oberflächenveredelten Bleche.

Auch die aktuellsten zugänglichen Marktzahlen zeigen eine überdurchschnittlich wachsende Bedeutung oberflächenveredelter Produkte: Während die gesamte Kaltband-Produktion in Europa von 1983 bis 1998 um durchschnittlich 1, 9 Prozent jährlich gewachsen ist, nahm der Anteil der Bleche mit metallischer Oberflächenveredelung im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 8,1 Prozent zu. Mehr als zwei Drittel betrug 1998 der Anteil metallisch oder organisch beschichteter Bleche an der Kaltbandproduktion.

Bei der Thyssen Krupp Stahl AG, die in Europa den zweiten Platz bei beschichteten Blechen einnimmt, beträgt der Anteil oberflächenveredelter Produkte an der Kaltbandfertigung über 70 Prozent. Künftig soll dieser Anteil auf über 80 Prozent steigen und der entsprechende Ausbau der Kapazitäten ist bereits beschlossene Sache. Die bedeutendste Investition ist dabei eine neue Feuerverzinkungsanlage mit einer Jahreskapazität von 450.000 Tonnen in Dortmund. Mit dieser Anlage, für die rund 250 Millionen Mark investiert werden, wird TKS über Oberflächenveredelungseinrichtungen mit einer Jahresleistung von insgesamt mehr als 5,8 Millionen Tonnen verfügen.

Aber es geht nicht nur um mehr, sondern auch um noch bessere oberflächenveredelte Produkte. Hierzu errichtet die Thyssen Krupp Stahl AG in Dortmund ein Oberflächenzentrum, in dem die gesamten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Unternehmens auf dem Gebiet der Oberflächenveredelung gebündelt werden sollen. Das Besondere am Dortmunder Oberflächen Centrum (DOC) ist die enge Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), die Projektgruppen der Institute für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS, Dresden) sowie für Schicht- und Oberflächentechnik (IST, Braunschweig) in die neue Einrichtung entsenden wird. Mit dem DOC entsteht eines der größten europäischen Zentren für die Schlüsseltechnologie Oberflächentechnik.

Das DOC besteht aus einem Technikum, in dem alle notwendigen Labors untergebracht sind, sowie zwei Versuchshallen. In der größeren wird eine Bandpilotanlage mit einer Gesamtlänge von 80 Metern aufgebaut. Sie verfügt über das gesamte Spektrum zukunftsweisender Verfahren, mit dem Bleche vorbehandelt und beschichtet werden können. Dazu gehören Reinigungsprozesse mit Hochdruck, Ultraschall und Corona sowie Plasma für die Feinreinigung. Zur Beschichtung und zur Plasmapolymerisation stehen Kammern für PVD (Physical Vapor Deposition) und CVD (Chemical Vapor Deposition) ebenso zur Verfügung wie weitere Einrichtungen zum Abscheiden von Silizium-Oxiden sowie zur strahlenhärtenden Lackierung mittels Ultraviolettem Licht (UV). "Dabei können wir Bleche bis zu 300 Millimetern Breite und maximal 0.7 Millimetern Dicke bei einer Bandgeschwindigkeit von bis zu 60 Metern pro Minute bearbeiten", erklärt Dr. Wolfgang Müschenborn, Hauptbereichsleiter Forschung/Zentrales Qualitäts- und Prüfwesen bei TKS und designierter Geschäftsführer des DOC. Die Bandpilotanlage ist Kernstück des Verbundprojektes "Neuartige Schichtsysteme für die Oberflächenveredelung von Stahlband", das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

In die zweite Halle werden die Fraunhofer-Forscher als Mieter einziehen. Sie werden am DOC Plasma-, Laser- und Elektronenstrahlverfahren einsetzen und damit Oberflächen im Tiefenbereich von Nano- bis hin zu Millimetern optimieren. In diesem Technikum werden modernste Geräte installiert, so etwa ein mobiler Neodym/YAG-Laser von vier Kilowatt Leistung oder eine Beschichtungsanlage, mit der sich auch große Teile von bis zu 1.2 Metern Höhe und 1.2 Metern Durchmesser mit Schutzschichten versehen lassen.

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