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Ad-Hoc Mitteilungen, 29.11.2013, 23:57

Ad hoc Mitteilung gemäß § 15 Wertpapierhandelsgesetz

Die ThyssenKrupp AG hat eine tragfähige Lösung für die Business Area Steel Americas erzielt. Das Walz- und Beschichtungswerk ThyssenKrupp Steel USA in Calvert/Alabama wird an ein Konsortium aus ArcelorMittal und Nippon Steel & Sumitomo Metal Corporation (das Konsortium) verkauft. Gleichzeitig wurde über einen langfristigen Brammenliefervertrag eine werthaltige Lösung für ThyssenKrupp CSA in Brasilien erreicht. Mit dem Closing erhält ThyssenKrupp von dem Konsortium einen Kaufpreis in Höhe von 1,55 Mrd US-Dollar. Das Konsortium wird darüber hinaus bis zum Jahr 2019 jährlich zwei Millionen Tonnen Brammen von ThyssenKrupp CSA abnehmen. Das Werk in Brasilien verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von rund fünf Millionen Tonnen Brammen. Mit der jetzt geschlossenen Vereinbarung ist das Werk verlässlich über mehrere Jahre zu mindestens 40 Prozent ausgelastet. Darüber hinaus wird die stärkere Durchdringung der Brammenmärkte in Süd- und Nordamerika die Auslastung des Werks weiter steigern. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch Wettbewerbsbehörden in den USA und einigen weiteren Ländern.

ThyssenKrupp konzentriert sich jetzt auf die operative Verbesserung des Werks in Brasilien. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten die technische Leistungsfähigkeit weiter optimiert und die Effizienz des Werks verbessert werden. Mit der Kombination aus dem Verkauf von ThyssenKrupp Steel USA und dem Brammenliefervertrag für ThyssenKrupp CSA in Brasilien schafft ThyssenKrupp weitere Voraussetzungen, künftig sein Cashflow-Profil und wichtige Finanzkennzahlen zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund wird die Business Area Steel Americas zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13 als fortgeführte Aktivität wieder in den Konzern eingegliedert. Der nordamerikanische Teil wird bis zum Abschluss der Transaktion in einer so genannten Disposal Group gesondert ausgewiesen. Der Buchwert von Steel Americas betrug zum Bilanzstichtag (30.09.) rund 3,1 Mrd € und reflektiert damit die unterjährig planmäßigen Abschreibungen sowie eine Neubewertung im Zusammenhang mit dem Verkauf des Werks in den USA und der Rückgliederung von ThyssenKrupp CSA.

Ablösung der Finanzforderung gegenüber Outokumpu und Transfer von VDM und AST geplant
ThyssenKrupp hält aus dem Verkauf von Inoxum einen Anteil von 29,9 Prozent an Outokumpu und eine Finanzforderung, die mit Wirkung zum 30. September 2013 auf rund 1 Mrd Euro wertberichtigt werden musste. Im Zuge der Neuordnung der Finanzierung von Outokumpu hat ThyssenKrupp am 29. November 2013 einen Vertrag mit Outokumpu zur Übertragung von jeweils 100 Prozent der Anteile an VDM und AST sowie weiterer kleinerer Aktivitäten im Bereich Edelstahl-Service-Center an ThyssenKrupp unterzeichnet. Als Gegenleistung wird die im Rahmen der Inoxum-Transaktion entstandene Finanzforderung von ThyssenKrupp an Outokumpu übertragen.

Darüber hinaus wird sich ThyssenKrupp von dem 29,9 Prozent-Anteil an Outokumpu vollständig trennen und alle weiteren finanziellen Verbindungen zu Outokumpu beenden. Die Veräußerung der Anteile wird in Erwartung einer Kapitalerhöhung bei Outokumpu voraussichtlich zu einem signifikanten Verlust auf unseren bilanzierten Beteiligungsbuchwert von 305 Mio Euro führen. Dem stehen Entlastungen aus dem Wegfall bilanzieller Risiken gegenüber. Guido Kerkhoff gibt sein Aufsichtsratsmandat bei Outokumpu auf. Mit dem Transfer wird Outokumpu die Möglichkeit geboten, die Auflagen der EU-Kommission aus der Inoxum-Transaktion wertschonend zu erfüllen. Gleichzeitig nimmt ThyssenKrupp seine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern ernst, indem die Voraussetzungen für eine tragfähige Refinanzierung von Outokumpu geschaffen werden. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden und der Mitwirkung und Zustimmung der Aktionäre, Banken und Gläubiger zum Gesamtkonzept für eine tragfähige Refinanzierung von Outokumpu. ThyssenKrupp wird die Unternehmen VDM und AST zunächst weiterentwickeln und sich die erforderliche Zeit für eine gute Lösung nehmen.

Tragfähige Lösung für Steel Americas und bessere Einschätzung der Compliance-Risiken: Kapitalerhöhung geplant
Der Vorstand hatte stets betont, dass über Kapitalmaßnahmen erst entschieden werden kann, wenn eine Lösung für Steel Americas gefunden und eine bessere Einschätzung der Compliance-Risiken möglich ist. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Geschäftsjahr darüber berichtet, dass das Bundeskartellamt ein finales Bußgeld gegen ThyssenKrupp im Schienenkartell verhängt hat und dass das Amnestieprogramm von ThyssenKrupp abgeschlossen ist. Im Zusammenhang mit dem Schienenkartell wurden mit der Deutschen Bahn seit längerem Gespräche über Schadensersatz und eine vergleichsweise Einigung geführt. Die Verhandlungen sind abgeschlossen. ThyssenKrupp und die Deutsche Bahn haben sich Mitte November grundsätzlich geeinigt. Der Vergleich steht auf beiden Seiten unter dem Vorbehalt der zuständigen Gremien beziehungsweise Fördermittelgeber.

Das Verfahren des Bundeskartellamtes wegen möglicher Preisabsprachen bei der Lieferung bestimmter Stahlprodukte an die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer dauert an. Die internen Untersuchungen, die aufgrund der Ermittlungen des Bundeskartellamtes aufgenommen wurden, sind weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der derzeitigen Erkenntnislage können signifikante nachteilige Auswirkungen für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns nicht ausgeschlossen werden.

Da nun Klarheit für Steel Americas besteht und der Konzern die Compliance-Risiken besser einschätzen kann, plant ThyssenKrupp eine Kapitalerhöhung, deren Durchführung in Abhängigkeit von den Kapitalmarktbedingungen entschieden wird. Der Vorstand ist überzeugt, mit einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts von bis zu 10 Prozent des gezeichneten Kapitals eine vernünftige Balance zwischen Aktionärsinteressen und Anforderungen weiterer strategisch wichtiger Stakeholder zu erreichen.

Entwicklung im Geschäftsjahr 2012/13: operative Ziele erreicht
ThyssenKrupp ist auf dem Weg zu einem diversifizierten Industriekonzern im Geschäftsjahr 2012/13 trotz eines erneuten Verlusts entscheidende Schritte vorangekommen. Die operativen Ziele der fortgeführten Aktivitäten in Bezug auf Effizienzsteigerung, Ergebnis und Cash-Flow wurden erreicht oder übertroffen. Im Rahmen des Effizienzsteigerungsprogramms „impact 2015“ wurden 600 Mio € eingespart. Damit hat ThyssenKrupp sein eigenes anspruchsvolles Ziel um 20 Prozent übertroffen. Das Bereinigte EBIT in der Struktur des Vorjahres lag bei 1,1 Mrd €. Das Bereinigte EBIT in der neuen Struktur erreichte 599 Mio €. Der Free Cash-Flow des Gesamtkonzerns war erstmals seit sechs Jahren wieder positiv und lag bei rund 600 Mio € (Vorjahr -1,7 Mrd €). Damit konnten die Nettofinanzschulden zum Bilanzstichtag von 5,8 auf 5,0 Mrd € reduziert werden.

Trotz der positiven operativen Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr waren die Finanzkennzahlen des Konzerns durch die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen bei der Business Area Steel Americas belastet. Die operativen Verluste und Wertberichtigungen bei Steel Americas, Aufwendungen aus der Beteiligung an Outokumpu, das Bußgeld und Rückstellungen für Compliance-Verstöße des Schienenkartells sowie Restrukturierungsmaßnahmen im Rahmen des Konzernumbaus führten unterm Strich zu einem Verlust von rund 1,5 Mrd € (Vorjahr -5 Mrd €). Aus diesem Grund werden Vorstand und Aufsichtsrat auch dieses Jahr der Hauptversammlung vorschlagen, keine Dividende auszuzahlen.

Operative Entwicklung des Konzerns im Geschäftsjahr 2012/13
Der Auftragseingang der fortgeführten Aktivitäten (inklusive Steel Americas) lag mit 38,6 Mrd € um 12 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auf vergleichbarer Basis, ohne Desinvestitionen, hätte der Rückgang lediglich 8 Prozent betragen. Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten (inklusive Steel Americas) verringerte sich um 7 Prozent auf 38,6 Mrd €. Auf vergleichbarer Basis war der Umsatz um 3 Prozent rückläufig. Desinvestitionen sowie Rückgänge im Werkstoff-Geschäft waren die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung. Solide Zuwächse gab es im Anlagenbau der Business Area Industrial Solutions. Die Business Area Elevator Technology erzielte bei Auftragseingang und Umsatz sogar neue Rekordwerte.

Das um Sondereffekte Bereinigte EBIT aus fortgeführten Aktivitäten (inklusive Steel Americas) lag im Geschäftsjahr 2012/13 mit 599 Mio € über dem entsprechenden Vorjahreswert von 399 Mio €. Das Bereinigte EBIT der fortgeführten Aktivitäten in der Struktur des Vorjahres (ohne Steel Americas) belief sich auf 1,1 Mrd € und lag damit voll im Rahmen des Geschäftsjahresziels. Das EBIT der fortgeführten Aktivitäten (inklusive Steel Americas) verbesserte sich von -3,7 Mrd € im Vorjahr auf -595 Mio €, blieb jedoch deutlich von Sondereffekten belastet. Diese reduzierten sich von 4,1 Mrd € im Vorjahr auf 1,2 Mrd € und betrafen im Berichtsjahr insbesondere Wertberichtigungen bei Steel Americas, das Bußgeld und Rückstellungen für Compliance-Verstöße des Schienenkartells sowie Restrukturierungsmaßnahmen im Rahmen des Konzernumbaus.

Ausblick 2013/2014 (inkl. Steel Americas, ohne VDM und AST): deutliche Verbesserung des Bereinigten EBIT auf 1 Mrd €
Auch wenn die konjunkturelle Entwicklung aus heutiger Sicht verhalten bleibt, erwartet ThyssenKrupp einen Konzernumsatz, der gegenüber dem Vorjahr im mittleren einstelligen Prozentbereich wächst. Der Vorstand geht davon aus, dass sich das Bereinigte EBIT von 599 Mio € im abgelaufenen Geschäftsjahr auf rund 1 Mrd € deutlich verbessern wird. Dafür gibt es zwei wesentliche Treiber: erstens das erwartete Wachstum in den ertragsstarken Industriegüter-Geschäften und zweitens die verbesserte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch das Effizienzprogramm „impact 2015“. ThyssenKrupp erwartet für das Geschäftsjahr 2013/2014 eine deutliche Verbesserung in Richtung eines wieder ausgeglichenen Jahresergebnisses.

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