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Produkte und Lösungen, 22.09.2000, 02:00

Leichter, größer und flexibler: TULE bringt den "Alu-Sprinter" in Fahrt

Die Thyssen Umformtechnik Leichtbau Entwicklungs GmbH (TULE) hat für den "Alu-Sprinter" von DaimlerChrysler die Module Dach und Seitenwand konstruiert und gebaut. Die Lieferwagen-Studie, die DaimlerChrysler anlässlich der IAA Nutzfahrzeuge vorstellt, bietet unter anderem 200 Kilo mehr Nutzlast und zwölf Prozent mehr Ladevolumen als der vergleichbare, aus Stahl konstruierte Sprinter-Kastenwagen. TULE trägt hierzu mit Gewichtseinsparungen von 40 Prozent beim Dach und 45 Prozent bei den Seitenwänden bei.

Das Werk Brackwede der Thyssen Umformtechnik + Guss GmbH ist auch bei der Produktion des serienmäßigen Sprinters Partner von DaimlerChrysler. Das Unternehmen fertigt unter anderem Blechpressteile für Dach, Seitenwände, Türen, Kotflügel und große Teile des Bodens für den Lieferwagen. Aufgabe der Entwicklungsingenieure des in Ludwigsfelde ansässigen Schwesterunternehmens TULE war es, die Konstruktion von Seitenwand und Dach so zu verändern, dass die Gewichtsvorteile des Aluminiums möglichst konsequent genutzt und seine Kostennachteile möglichst gering gehalten werden.

Die wichtigste Veränderung gegenüber dem serienmäßigen Sprinter: Bei Dach und Seitenwand der Alu-Version sorgt ein Spaceframe aus Aluminium-Strangpressprofilen für die Steifigkeit und Festigkeit des Aufbaus. Auf die Gitterstruktur werden geformte Aluminiumbleche als Außenhaut montiert. Diese Lö-sung spart vor allem Investitionskosten für Presswerkzeuge und ist deshalb besonders für eine Kleinserienfertigung geeignet. Beim serienmäßigen Sprinter besteht die Tragstruktur aus wenigen großflächigen Stahlblechen, die mit entsprechend großen und teuren Werkzeugen hergestellt werden müssen. Bei Dach und Seitenwand des Alu-Sprinters wird die Außenhaut aus jeweils sechs verhältnismäßig kleinen Aluminiumblechen gebildet, die mit deutlich preiswerteren Presswerkzeugen geformt werden können. Außerdem hat man gemeinsam mit den Designern von DaimlerChrysler für diese Teile Geometrien entwickelt, die mit geringem Umformaufwand herzustellen sind. Bei der Seitenwand sind die oberen Außenhautteile aus Sandwich-Blechen mit einer Kunststoff-Zwischenlage hergestellt, die noch leichter sind als herkömmliche Aluminiumbleche.

Die Spaceframe-Konstruktion, die sich problemlos an Fahrzeugvarianten mit unterschiedlichen Längen, Radständen und Höhen anpassen lässt, hat auch auf das Laderaumvolumen positiven Einfluss: Mit nur 45 Millimetern Wandstärke fällt die Seitenwand des Alu-Sprinter rund 20 Millimeter dünner aus als die ent-sprechenden Teile der Serienversion. Diesen Effekt erzielten die TULE-Konstrukteure, weil sie die Strangpressprofile der Gitterstruktur an den Kreuzungspunkten nicht übereinander legten, sondern mit geformten Blechteilen fest miteinander verbunden haben. Ein Zusatznutzen: In die Profile sind so genannte seat-track Schienen eingelassen, an denen mit Standard-Befestigungselementen Regale, Kleiderstangen, Netze oder Gurte angebracht werden können.

Produktionskosten minimiert hat TULE auch durch die weitgehende Standardisierung der verwendeten Teile und Baugruppen: So wird für die senkrechten und waagerechten Verstrebungen der Gitterstruktur jeweils nur ein Profiltyp eingesetzt. Einfache Verbindungstechniken wie Stanz- und Blindnieten, Clinchen und Kleben halten den Montageaufwand in Grenzen. Die Werkzeuge für die Blechformteile können mit Umbausätzen ohne großen Aufwand für die Produktion von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Längen und Radständen umgerüstet werden.

Die Thyssen Umformtechnik Leichtbau Entwicklungs GmbH und das Werk Brackwede der Thyssen Umformtechnik + Guss GmbH sind Unternehmen aus der Business Unit Body von ThyssenKrupp Automotive.

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