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Produkte und Lösungen, 14.06.2004, 02:00

Größter Beschichtungsauftrag in der Gasverflüssigungsanlage in Bintulu

Korrosionsschutz unter schwierigen Bedingungen

GELSENKIRCHEN/BINTULU Den größten Korrosionsschutzauftrag in der Geschichte der Gasverflüssigungsanlage in Bintulu, die von der Malaysia LNG (MLNG) Sdn Bhd, Bintulu, betrieben wird, hat SAPK, ein Joint Venture aus den Firmen Astel-Peiniger Malaysia - Tochtergesellschaft der Gelsenkirchener PeinigerRöRo GmbH -, Sumatec Sdn Bhd aus Kuala Lumpur und der lokalen Firma Kumus, erhalten. Im Rahmen der Generalüberholung von zwei Produktionsmodulen vergab die MLNG, Tochtergesellschaft des malaiischen Petrochemie-Konzerns Petronas, Korrosionsschutzarbeiten auf 200 000 Quadratmetern Fläche und die Montage von rund 350 000 Kubikmetern Arbeitsgerüst. Bintulu ist mit einer Produktion von 8,1 Millionen Tonnen Flüssiggas pro Jahr die größte LNG-Anlage der Welt. Sie befindet sich im malaiischen Staat Sarawak auf der Insel Borneo.

Die Instandhaltungsarbeiten sollen die Lebensdauer der 15 bis 20 Jahre alten Anlagenabschnitte deutlich verlängern. Für das Joint Venture ist dieses Projekt ein Zusatzauftrag: Bereits im August 2002 konnte es ein Shut-Down-Projekt auf der Anlage gewinnen, bei denen an einem Produktionsmodul neue Beschichtungssysteme sowie in geringem Umfang Brandschutzbeschichtungen aufzubringen waren. Auch umfangreiche Gerüstbauarbeiten zählten zum Auftrag.

Beim aktuellen Projekt findet der Instandhaltungs-Stillstand, der pro Anlage etwa 140 Tage betragen wird, für ein Modul in diesem und für das zweite Modul im nächsten Jahr statt. Während dieser Zeit sind von Seiten des Joint Ventures insgesamt rund 400 bis 500 Mitarbeiter für Korrosionsschutz und Gerüstbau vor Ort. Letzterer gewährt allen involvierten Gewerken - also nicht nur den Korrosions­schützern, sondern auch den Unternehmen, die für Isolierungen, Brandschutz und elektrotechnische sowie mechanische Arbeiten verantwortlich zeichnen - sicheren Zugang zu ihren Einsatzorten. Die Vielzahl an Rohrbrücken machen den Gerüstbau zu einer echten Herausforderung. Zum einen müssen alle Anlagenteile zugänglich gemacht werden, zum anderen die Standzeiten des Gerüsts aus Kostengründen so gering wie möglich gehalten werden. Darüber hinaus sind die Gerüste in den Anlagen staubdicht einzuhausen. Es werden ausschließlich Rohr-/Kupplungsgerüste nach "British Standard" eingesetzt, die sich bei derartigen Projekten am besten bewährt haben.

Nicht in der Regenzeit

Bevor die Rohrleitungen und Behälter ihre neue Beschichtung erhalten, werden sie unter Anwendung von Hochdruck-Strahlverfahren von sämtlichen Farb- und Rostpartikeln befreit. Als Strahlmittel wird das Naturprodukt Garnet (Granat) eingesetzt, das aufgrund seiner Eigenschaften keine Funken erzeugt und mehrfach wiederverwendet werden kann. Da die Altbeschichtungen bleihaltig sind, müssen besondere Sicherheitsvorkehrungen für das Personal und die Umwelt getroffen werden. So tragen sämtliche Mitarbeiter Schutzanzüge und Staubmasken, die Einhausungen der Gerüste verhindern, dass der bei den Strahlarbeiten entstehende Staub nach außen dringt. "Einen Teil der Arbeiten führen wir wegen des engen Zeitrahmens auch außerhalb der Shut-Down-Period durch", erklärt Alistair McDonald, Projektleiter des Joint Ventures und Operations Director bei AstelPeiniger Malaysia Sdn Bhd. Ist der Strahlvorgang abgeschlossen, wird der gesamte Strahlschutt gesammelt und fachgerecht recycelt. Dabei werden Staub und Bestandteile der Altbeschichtung von wiederverwendbarem Strahlmittel getrennt. Nach einer Laboruntersuchung, die die Einhaltung der strengen Belastungsgrenzwerte für Schwermetalle sichert, kann das recycelte Strahlmittel wiederver­wendet werden. Die Reststoffe werden als Sondermüll von einem spezialisierten Nachunternehmen entsorgt.

Für den neuen Korrosionsschutz tragen die Mitarbeiter auf die vorbereiteten Anlagenteile einen anorganischen Zink-Grundanstrich sowie eine Zwischenbeschichtung, die von einem Polyurethan-Anstrich überdeckt werden, auf. Es kommen insgesamt zehn verschiedenen Farbsysteme zur Anwendung. Während des Anstrichs gilt es zu beachten, dass sich Feuchtigkeit und Beschichtungsarbeiten nicht miteinander vertragen. Wenn sich Wasser auf den Stahlteilen niederschlägt, führt das zu erheblichen Adhäsionsproblemen. Im schlimmsten Fall ist der Anstrich unbrauchbar. Deshalb werden die aktuellen Klimawerte von der Qualitätssicherung genau überwacht und aufgezeichnet. "Die Shut Downs finden hier nie zwischen Oktober und Februar während der Regenzeit statt", so McDonald. In der Pre-Shut-Down-Period, zu der auch die Regenzeit zählt, müssen alle Arbeitsgerüste vom fertig bearbeiteten Anlagenabschnitt zum nächsten Komplex gebracht und dort vollständig montiert werden. Ein erster Anlagenabschnitt ist bereits fertig beschichtet, die nächste Shut-Down-Periode beginnt im Juni. Bis dahin müssen bereits alle Gerüste umgesetzt sein.

Know How ist gefragt

Die Richtlinien, die MLNG vorschreibt, sind für die involvierten Unternehmen eine echte Herausforderung. Besonderes Augenmerk wird auf die Einhaltung der hohen Qualitätsstandards gelegt. Die Mitarbeiter des Joint Venture-Partners Kumus, einer lokalen Fachfirma für Korrosionsschutz und Gerüstbau, werden im Vorfeld dafür durch AstelPeiniger geschult. Für jedes Beschichtungssystem sind die Verarbeitungsbedingungen und genau vorgegebene Mindestschichtdicken einzuhalten, die bei der Abnahme durch MLNG geprüft werden. Sämtliche Dienstleistungen sollen von einheimischen Arbeitern aus Sarawak durchgeführt werden, um durch das Angebot von Arbeitsplätzen die Akzeptanz des Konzerns bei der Bevölkerung zu erhöhen. Das malaiische Klima wäre für jemanden, der nicht daran gewöhnt ist, allerdings auch nicht ohne Weiteres zu verarbeiten. Die Luftfeuchtigkeit kann in der Regenzeit bis zu 95 Prozent erreichen, die Außentemperaturen liegen ganzjährig zwischen 30 und 38 Grad Celsius.

Auch die Tatsache, dass die Temperatur beim Arbeiten in den eingehausten Arbeitsbereichen laut Vorschrift die 50 Grad-Marke nicht überschreiten darf, erfordert von SAPK einige Tüftelei. Umfangreiche Klimatisierungs- und Lüftungstechnik kommt zum Einsatz. So wird über große Ventilatoren und Luftreinigungsanlagen Frischluft in die Arbeitsbereiche geblasen. Die Strahler tragen mit kalter Luft klimatisierte Helme. "Die Sicherheit und der Schutz unserer Mitarbeiter hat für uns und unseren Kunden oberste Priorität", betont McDonald. Wesentlicher Vertragsbaustein ist auch der Gesundheitsschutz. So sind monatliche Gesundheitsüberprüfungen aller auf der Baustelle anwesender Personen, bei denen auch der Bleigehalt des Blutes festgestellt wird, die Regel. Während des gesamten Projektes ist von den Mitarbeitern des Joint Ventures vor allem Flexibilität gefordert, da es bei Instandsetzungen dieser Größenordnung immer zu unvorhersehbaren Verzögerungen im Arbeits­ablauf kommen kann. Das hat die Erfahrung beispielsweise bei den vorangegangenen Aufträgen gezeigt.

PeinigerRöRo ist als führender deutscher und internationaler Industriedienstleister in den Geschäftsfeldern Gerüstdienstleistungen, Korrosionsschutz, Betoninstandsetzung und Komplettinstandhaltung aktiv. Die zur ThyssenKrupp Services AG, Düsseldorf, gehörende Unternehmensgruppe ist in Deutschland flächendeckend vertreten und verfügt international über Standorte in Benelux, Skandinavien, Großbritannien, USA, im Mittleren Osten und Asien. Die PeinigerRöRo Gruppe ist für die chemische und petrochemische Industrie, die Stahl- und Schiffsindustrie sowie die Energiewirtschaft tätig und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2002/2003 mit 8 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 700 Millionen Euro. Die Geschäftsführung besteht aus Rolf-Bernd Maas, Georg Kürfgen und Hans-Rudolf Orgs.

Ansprechpartner:

ThyssenKrupp Services
Ulrike Grönefeld
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