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Produkte und Lösungen, 25.07.2007, 11:04

Brückensanierung aus einer Hand

Viel Fleiß und ein perfektes Arbeitsmanagement erforderte die jetzt abgeschlossene Sanierung einer 80 Meter langen Eisenbahnbrücke im sächsischen Torgau. Als Generalunternehmer hat ThyssenKrupp Xervon das über hundert Jahre alte Stahlbauwerk komplett aus einer Hand saniert – inklusive Stahlbau und Korrosionsschutz sowie aller erforderlichen Gerüstbau-, Gleisbau- und Mauerwerksarbeiten.

Als die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH im vergangenen Oktober den umfangreichen Sanierungsauftrag an Xervon erteilte, waren die tatsächlichen Schäden an der Torgauer Brücke noch gar nicht absehbar. Denn außer einer kleineren Teilsanierung in den neunziger Jahren hatte die filigrane Stahlkonstruktion über den „Schwarzen Graben“, den ehemaligen Wehrgraben der 19.000-Einwohner-Kreisstadt, noch keine instand setzende Hand gesehen. Welche Korrosionsschäden sich unter der jahrzehntelang gewachsenen Schicht aus Farbaufträgen tatsächlich verbargen, sollte die Sanierung ans Licht bringen.

Das von Xervon unterbreitete Komplettangebot umfasste nicht nur sämtliche anfallenden Gewerke: den Rückbau wie auch die spätere Erneuerung der Gleisanlagen, den vorbereitenden und begleitenden Gerüstbau inklusive Einhausung, die Mauerwerkssanierung der beiden Widerlager und des Mittelpfeilers, den Austausch und die Verstärkung schadhafter stählerner Brückenteile sowie den abschließenden Korrosionsschutz. Darüber hinaus hatten die Xervon-Instandsetzer zudem eine recht unkonventionelle Vorgehensweise vorgeschlagen, um möglichst schnell Klarheit über das Ausmaß der erforderlichen Arbeiten zu schaffen: Die rund zehn Meter hohe Stahlkonstruktion wurden nicht abschnittweise gestrahlt, sondern gleich auf ganzer Länge von ihrer Altbeschichtung befreit (Reinheitsgrad SA 2). So ließen sich bereits bei Sanierungsbeginn die meisten Schäden sichten und detailliert beurteilen.

Orkanfeste Einhausung

Bevor die Sanierungsarbeiten allerdings beginnen konnten, musste zunächst der Gleiskörper entfernt und die komplette Brücke eingerüstet, staubdicht eingehaust und klimatisiert werden – zum Schutz der Umwelt und der Arbeiten. „Auf diese Weise hätten wir selbst bei einem harten Winter die Sanierung zügig durchführen können“, begründet Xervon-Bauleiter Lutz Fischer die relativ aufwändige Baustelleneinrichtung. Zwar sind langanhaltend tiefe Temperaturen und Schnee dann doch ausgeblieben. Dafür ist im Januar Orkan Kyrill über die Baustelle hinweggefegt – ohne Schäden an Gerüst und Einhausung zu hinterlassen. „Da muss man den Gerüstbau-Kollegen wirklich ein Kompliment machen“, urteilt Sanierungsexperte Fischer, der die Baustelle verantwortlich geleitet hat.

Ohne Verzögerung durch widrige Wetterverhältnisse konnten die Stahlbau-Spezialisten – ein externes Partnerunternehmen, mit dem Xervon seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet – ihre Arbeiten durchführen. Sie trennten jedes dauerhaft geschädigte Element der genieteten Brückenkonstruktion heraus, ersetzen es und verstärkten zahlreiche Stahlteile bis sicher war: Die Brücke wird für die nächsten Jahrzehnte wieder problemlos nutzbar sein.

Parallel zum Stahlbau hatten bereits die Sanierungsarbeiten am Mauerwerk der beiden Widerlager und des Mittelpfeilers begonnen. Das von den Xervon-Sanierern ausgearbeitete Konzept sah nämlich vor, so viele Arbeiten wie möglich gleichzeitig laufen zu lassen. „So haben wir uns bereits im Vorfeld für Eventualitäten gewappnet und konnten terminlich flexibler reagieren“, erklärt Lutz Fischer. Letztendlich mussten die Stahlbauer doch deutlich mehr Schäden beseitigen, als der Auftraggeber ursprünglich erwartet hatte. Das kostete Zeit und hätte den Ablaufplan der Gewerke ordentlich durcheinander geworfen, wenn man nicht bereits im Vorfeld Maßnahmen zur Gegensteuerung eingeplant hätte.

Aufwändiger Korrosionsschutz

Die abschließenden Korrosionsschutzarbeiten liefen hingegen vollkommen nach Zeitplan ab. Nachdem die Stahlbauer ihre Arbeit an den ersten Brückenbereichen beendet hatten, begannen die Korrosionsschützer abschnittweise mit dem Auftragen des Beschichtungssystems. Eine echte Fleißarbeit. Zwar war die zu schützende Fläche der Torgauer Brücke mit 1.600 Quadratmetern nicht übermäßig groß. Doch besteht die Brückenkonstruktion aus besonders feingliedrigen Einzelelementen mit unzähligen Nieten und Schrauben, die alle sehr sorgfältig versiegelt werden müssen.

Vor dem Auftrag des mehrschichtigen Korrosionsschutzes mussten die Sanierer den zu behandelnden Brückenbereich zunächst noch einmal strahlen – dieses Mal metallisch blank (Reinheitsgrad SA 2,5). Sofort anschließend wurde dann eine 80 µm starken Grundbeschichtung aus Zinkphosphat aufgetragen. Dann ging es an den aufwändigen Kantenschutz. Der wird grundsätzlich von Hand per Pinsel appliziert, damit sämtliche Kanten, Nieten und schwer erreichbaren Stellen langfristig sicher vor Korrosion geschützt sind. Zwei jeweils 80 µm dicke Zwischenbeschichtungen aus Epoxidharz, das Verschließen sämtlicher Spalten und Fugen mit einem Dichtstoff sowie eine abschließende, 80 µm starke Deckbeschichtung vervollständigten das neue Korrosionsschutzsystem der Torgauer Brücke.

Bauleiter Fischer zeigt sich nach der erfolgreich abgeschlossenen Sanierung zufrieden: „Unser umfassendes Leistungsangebot als Generalunternehmer hat überzeugt. Angefangen beim Konzept über die Koordination bis hin zur termingetreuen, qualitativ hochwertigen Durchführung aller Gewerke.“

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