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Produkte und Lösungen, 30.12.2005, 10:01

Mehrgewerke-Fähigkeit: vom Spezialisten zum Generalisten

Industrielle Instandhaltungsaufgaben lassen sich durch die Bündelung mehrerer Gewerke besonders reibungslos lösen. Das hat eine gerade abgeschlossene Kesselrevision im RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem gezeigt. Für den Gerüstbau, die Strahl- und Isolierarbeiten am Kesseltrichter hatte die E.ON Anlagenservice GmbH den Mehrgewerke-Dienstleister ThyssenKrupp Xervon engagiert. Denn das interdisziplinär arbeitende Gelsenkirchener Unternehmen bietet seine industrielle Instandhaltung aus einer Hand auch für Kraftwerke an.

Die Vorteile einer Komplettinstandhaltung durch einen Mehrgewerke-Dienstleister liegen auf der Hand: der Kunde hat es mit nur einem Ansprechpartner zu tun, sein Koordinationsaufwand beschränkt sich auf das Verwalten des Gesamtauftrages. Für die reibungslose, termingerechte Ausführung der einzelnen Gewerke sorgt vor Ort ein so genannter Mehrgewerke-Bauleiter. Er ist Spezialist und Generalist in einer Person. Spezialist in seinem angestammten Ausbildungsberuf - beispielsweise Korrosionsschützer. Und Generalist in den anderen geforderten Disziplinen, wie Isolierung und Gerüstbau. In denen kennt er sich weit genug aus, um die Arbeiten der unterschiedlichen Gewerke fachgerecht zu leiten und zu koordinieren. Er hält den Kontakt zum Auftraggeber, ist dessen alleiniger Ansprechpartner und schafft die Voraussetzungen für die reibungslose Umsetzung des erarbeiteten Revisionsplans.

Der in Niederaußem neu gelieferte und eingebaute 20 x 10 m große Trichter liegt unterhalb der Brennkammer des mit Braunkohle befeuerten Kessels. In ihm wird die anfallende Schlacke gesammelt und zentral über einen Nassentschlacker abgeführt. Um dabei die im Trichter herrschende Wärme nicht zu verschwenden, bestehen seine Wände nicht aus einfachen Blechen, sondern aus Rohren, in denen Dampf erzeugt wird. "In nur acht Wochen haben wir den riesigen Blechkoloss sukzessive außen wie innen eingerüstet und isoliert. Außerdem haben wir an den Übergangsbereichen von alt zu neu rund 900 m² Isolierung entfernt, diese Flächen durch Strahlen mit Schmelzkammergranulat von Schlacke und alter Feuerfestmasse befreit und anschließend ebenfalls neu isoliert", umreißt Mehrgewerke-Bauleiter Michael Klönne die Aufgabenstellung. Bis zu 60 Gerüstbauer, Strahler und Isolierer hat er während der Maßnahme täglich koordiniert und ihre Aufgaben aufeinander und auf die ebenfalls vor Ort arbeitenden E.ON-Mitarbeiter abgestimmt.

Synergien nutzen

Voraussetzung für das erfolgreiche Gelingen einer solchen komplexen Instandhaltungsmaßnahme ist allerdings die Mehrgewerke-Fähigkeit sämtlicher Mitarbeiter - vom Manager bis zum Gewerblichen. Und die beginnt bei ganz banalen Dingen. "Bei uns arbeiten die Gewerke von Beginn an zusammen", erzählt Dr. Rainer Gwosdek, der für das Management der Trichterrevision zuständig war. Da schleppen die Strahlreiniger auch schon mal Gerüststangen, und die Gerüstbauer helfen im Gegenzug bei den Isolierern aus. "Die strikte Trennung der Gewerke ist bei uns aufgehoben. Wir sind ein Team, in dem jeder über den eigenen Tellerrand hinausschaut. Und weil wir übergreifend arbeiten, merkt der Auftraggeber, dass es gut läuft", bekräftigt Gwosdek.

Die Synergieeffekte der konsequent praktizierten Mehrgewerke-Fähigkeit waren in Niederaußem auch optisch nicht zu übersehen: Statt vieler Baustellencontainer für Mannschaft und Gerät eines jeden einzelnen Gewerkes kam ThyssenKrupp Xervon beispielsweise mit einer Baustelleneinrichtung für alle aus. Und auch das für die Instandsetzung erforderliche Gerät stand allen zur Verfügung. Die gekonnte Koordination von Mehrgewerke-Bauleiter Klönne machte dies möglich. "Warum sollen Gerüstbauer und Isolierer jeder einen eigenen Gabelstapler mitbringen? Oder gar ihre eigene Beleuchtung erst auf- und nach getaner Arbeit abbauen, damit dann die nachfolgende Gewerke wieder von vorne anfangen?", spricht Klönne das Einsparpotenzial an.

Keine Zwischenabnahmen

Der Koordinationsaufwand des Auftraggebers sinkt deutlich. Zwischenabnahmen - beispielsweise bei Gerüstumbauten - sind für ihn passé. "Sonst muss der Kunde jedes aufgebaute Gerüst vor Ort abnehmen und freigeben, damit andere Gewerke es nutzen können", erklärt Klönne die gängige Praxis. "Bei uns als Komplettauftragnehmer ist das nicht nötig." Kleinere Gerüstumbauten haben die entsprechend ausgebildeten Strahler in Niederaußem sogar fachgerecht selber erledigt. "Das ist eben Mehrgewerkefähigkeit", bekräftigt Rainer Gwosdek. Er freut sich über jeden hereingeholten Mehrgewerke-Job. Denn diese Dienstleistung stecke - gerade im Kraftwerksbereich - noch in den Kinderschuhen. "Der Kunde muss erst einmal überhaupt den Wunsch haben, eine solche Komplettdienstleistung abrufen zu wollen", erklärt Gwosdek. Da sei durchaus noch Überzeugungsarbeit zu leisten. "Die Voraussetzungen haben wir. Wir beherrschen jedes einzelne Gewerk aus dem "Effeff". Und für unseren hohen Standard in punkto Qualität und Sicherheit stehen Zertifizierungen wie beispielsweise ISO 9001, ISO 14001 und SCC (Safety Certificate Contractors)."

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