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Produkte und Lösungen, 06.01.2011, 10:00

Uhde erweitert sein Technologie-Portfolio

RWE und Uhde arbeiten seit 35 Jahren auf dem Gebiet des Hochtemperatur-Winkler-Verfahrens (HTW-Verfahren) zusammen. Nunmehr hat Uhde die von RWE Power und ihren Vorgängerunternehmen entwickelte Technologie übernommen. Damit ist Uhde alleiniger Eigentümer des HTW-Verfahrens mit sämtlichen Rechten, Know-how und Patenten und tritt fortan als Technologie- und Lizenzgeber für das Verfahren auf.

„Neben der Flugstromvergasung, unserem PRENFLO-Verfahren, steht Uhde mit dem HTW-Verfahren nun ein Kohlevergasungsprozess zur Verfügung, der besonders für Braunkohlen, Steinkohlen mit hohen Ascheschmelzpunkten sowie für Biomassen wie Holz, Torf, aber auch Hausmüll geeignet ist. Gerade bei diesen Einsatzstoffen wird ein großer Zukunftsmarkt gesehen”, sagt Karsten Radtke, Leiter des Uhde-Bereichs Gastechnik.

Die Zusammenarbeit zwischen RWE und Uhde geht zurück auf das Jahr 1975, als im Zuge der ersten Ölkrise die Kooperation zur Entwicklung eines Wirbelschicht-Vergasungsprozesses für die Nutzung der rheinischen Braunkohle vereinbart wurde. Das HTW-Verfahren ist eine Weiterentwicklung der ursprünglich bei Umgebungsdruck arbeitenden Winkler-Kohlevergasung. Die Vorteile liegen im Wesentlichen in der besseren Rohstoffnutzung, der erheblich größeren Vergaserkapazitäten für Großanlagen und in der Vermeidung der Bildung von Nebenprodukten. Das HTW-Verfahren wurde vom RWE-Konzern über Jahrzehnte hinweg konsequent weiterentwickelt.

„RWE Power hat die langjährige Entwicklung der HTW-Technologie erfolgreich abgeschlossen. Auch nach dem Verkauf dieses Verfahrens bleibt die Kohlevergasung für uns eine wichtige Option für die Stromerzeugung und zur langfristigen Herstellung einer breiten Palette von flüssigen und gasförmigen Produkten, die heute überwiegend aus Erdöl oder Erdgas hergestellt werden. Hierbei spielt die Nutzung der eigenen Braunkohlevorräte über den Weg der Kohlevergasung eine besondere Rolle“, betont Dr. Johannes Heithoff, Leiter Forschung und Entwicklung bei RWE Power.

Nach ersten Erfahrungen mit einer drucklosen HTW-Technikumsanlage an der RWTH Aachen, die auch heute noch für Versuche genutzt wird, ging im Jahr 1978 eine HTW-Pilotanlage bei RWE in Frechen bei Köln in Betrieb. Der Nachweis der großtechnischen Reife des Verfahrens erfolgte mit dem Betrieb der von Uhde geplanten HTW-Demonstrationsanlage ebenfalls bei RWE in Berrenrath bei Köln in den Jahren 1986 bis 1997.

In der Anlage wurden insgesamt über 3,6 Millionen Tonnen Braunkohle zur Erzeugung von Synthesegas für die Methanolproduktion verarbeitet. Dabei konnte auch der Einsatz von Kunststoffabfällen im industriellen Maßstab erfolgreich demonstriert werden.

Nur zwei Jahre später 1988 konnte Uhde die erste kommerzielle HTW-Großanlage zur Biomassevergasung in Oulu, Finnland, in Betrieb nehmen. Die Oulu-Anlage setzte Torf als Rohstoff zur Erzeugung von Ammoniak ein. Zudem wurden in den 1990er Jahren intensive Versuchs- und Planungsarbeiten für die Anwendung des HTW-Verfahrens für moderne Kombikraftwerke, sogenannte IGCC (Integrated Gasification Combined Cycle)-Kraftwerke, durchgeführt. Im Jahr 2000 setzte Uhde das HTW-Verfahren erstmals bei der Verstromung von Hausmüll in Japan ein.

Das HTW-Verfahren stößt auf weltweit steigendes Interesse und ergänzt in idealerweise das Portfolio des Technologiebereichs Gastechnik. Zurzeit bearbeitet Uhde einen neuen Planungsauftrag für eine HTW-Vergasung in Schweden für die Firma VärmlandsMetanol AB. In der Anlage soll Holz in Methanol umgewandelt werden. Neben Europa verfolgt Uhde zurzeit weitere HTW-Projekte, z.B. in Australien und Indien.

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