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Unternehmensmeldungen, 03.04.2000, 02:00

Stahlmarkt im Aufschwung

Die nationale und internationale Stahlkonjunktur befindet sich derzeit in einem kräftigen Aufwind. Seit Mitte des vergangenen Jahres haben die Wachstumskräfte deutlich an Dynamik gewonnen. Auch der Start in das neue Jahrtausend war viel versprechend: Im Januar wurden weltweit 70 Mio t Rohstahl erzeugt, ein Zuwachs von 13% gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Weltstahlproduktion 2000 dürfte erstmals über 800 Mio t liegen.

Der Auftragseingang der deutschen Stahlindustrie hat sich in den letzten Monaten weiter deutlich gefestigt. Im 4. Quartal 1999 wurde der entsprechende Vorjahreswert um 26% übertroffen, im Januar und Februar hielt die erfreuliche Nachfrageentwicklung weiterhin an. Die günstigen Konjunkturaussichten für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung geben national wie international Anlass zur Hoffnung, dass die jetzige Aufschwungphase des Stahlzyklus noch länger anhält.

Für die deutsche Stahlindustrie prognostiziert die Wirtschafts-vereinigung eines der besseren Stahljahre nach der Wieder-vereinigung. Alle Nachfrageindikatoren zeigen deutlich nach oben. Das gilt sowohl für die Binnennachfrage als auch für das Exportgeschäft. Der hohe Dollarkurs stützt die Ausfuhr in Drittländer. Die Prognose 2000 für die deutsche Rohstahlproduktion liegt gegenwärtig bei 45 Mio t. Das entspricht einem Zuwachs von 7% gegenüber dem Vorjahr, der sogar noch deutlicher übertroffen werden könnte.

Geschäftsentwicklung 1. Quartal 99/00

Der Auftragseingang des Unternehmensbereichs Steel ist von einer kräftigen Erholung geprägt. Er lag im ersten Quartal 99/00 deutlich über Vorjahr. Das gilt sowohl für den Geschäftsbereich Qualitätsstahl- Flach als auch für Stainless.

Die erheblich über den Umsätzen liegenden Auftragseingänge lassen für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres eine markante Aufwärtsentwicklung in einem insgesamt deutlich besseren Geschäftsjahr erwarten.

Der Umsatz zeigte in den ersten drei Monaten eine noch relativ moderate Steigerung. Stainless weist hier die höchste Steigerungsrate auf, während der Bereich Beteiligungen vor allem durch Schienen und EWK einen Rückgang verzeichnete. Die Umsatzentwicklung war in erster Linie marktbedingt. Während das 1. Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres noch nicht wesentlich vom Mengen- und Preiseinbruch des Jahres 1999 betroffen war, hat sich im laufenden Geschäftsjahr die erwartete Erholung in den Umsätzen des 1. Quartals nur unwesentlich niedergeschlagen. Die Ergebnisentwicklung zeigte jedoch bereits nach oben.

Strategie mit klarer Zielsetzung

Meine Damen und Herren,

von welcher strategischen Plattform ist ThyssenKrupp Steel in das laufende Geschäftsjahr gestartet?

Die Thyssen Krupp Steel AG steht mit einem Umsatz von 10,5 Mrd. Euro und rund 54.000 Mitarbeitern im Wesentlichen auf den drei Säulen Qualitätsflachstahl, Stainless und Beteiligungen.

Der Bereich Beteiligungen mit einem Umsatz von 919 Mio Euro und rund 6.000 Mitarbeitern unterliegt zurzeit einer konsequenten Portfoliostraffung. Davon sind unter anderem betroffen:

・ Spundwand
・ Edelstahl Witten-Krefeld
・ Krupp Edelstahlprofile
・ Böhler Thyssen Schweißtechnik

Der Erwerb sämtlicher Anteile der HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH durch die Salzgitter AG steht unmittelbar vor dem Abschluss. Für die Edelstahl Witten-Krefeld GmbH stehen wir mit einem potentiellen Partner in Endverhandlungen, bei Krupp Edelstahlprofile sind Gespräche mit möglichen Interessenten angelaufen. Für Böhler Thyssen Schweißtechnik liegen uns erste Angebote vor. Der Abschluss wird noch vor der Sommerpause erwartet. Hoesch Hohenlimburg wurde ab dem Geschäftsjahr 1998/99 dem Segment Qualitätsflachstahl zugeordnet.

Fokussierung auf höherwertige Produkte

Die Produktstruktur bei Qualitätsflachstahl hat in den vergangenen 10 Jahren einen tief greifenden Wandel erfahren. So liegt beim Qualitätsflachstahl der Anteil der oberflächenveredelten Produkte inzwischen bei 74 Prozent. Anfang der 90er-Jahre waren es noch 56 Prozent, was einer Produktion von 3 Mio Tonnen entsprach. Ziel ist es, den Anteil oberflächenveredelter Produkte auf 80 Prozent und 5,4 Mio Tonnen zu erhöhen.

Eine vergleichbare Fokussierung auf höherwertige Flachprodukte ist auch bei Stainless zu verzeichnen.

Der Umsatz mit diesen Produkten hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Rund 80 Prozent des Umsatzes bei Qualitätsflachstahl und nahezu 85 Prozent des Umsatzes bei Stainless werden heute mit innovativen Werkstoffen (zum Beispiel höherfeste Stähle) und innovativen Anwendungen (neuartige Beschichtungstechnologien) erzielt.

Gemeinsame Stärken

Die Kombination von Qualitätsflachstahl und Stainless in einem Konzern verschafft ThyssenKrupp Steel einen erheblichen Added Value.

Der Bereich Qualitätsflachstahl verfügt über große Erfahrungen als Partner der internationalen Automobilindustrie. Mit seinen technologischen Kompetenzen besitzt er einen hervorragenden Zugang zu dieser mit Abstand wichtigsten Kundengruppe. Von dieser Plattform wird auch Stainless in Zukunft stärker profitieren. Stainless tritt hierbei nicht in Konkurrenz zu Flachstahl, sondern gegen Aluminium an.

Auf der anderen Seite verfügt Stainless im Baubereich über eine ausgezeichnete Position, von der der Qualitätsflachstahlbereich im Hinblick auf den Einsatz von feuerverzinkten Blechen künftig profitieren kann.

Die Bündelung der Werkstoff- und Systemkompetenzen von Qualitätsflachstahl und Stainless schafft neue Anwendungsmöglichkeiten und setzt zusätzliches Markt- und Wachstumspotential frei. Innovative Produkte und neue Herstellungstechnologien sind das Ergebnis gemeinsamer F+E-Aktivitäten und machen ThyssenKrupp Steel zum Global Supplier großer internationaler Kunden.

International führende Marktposition

Die Weltmarktpositionen von ThyssenKrupp Steel sind äußerst attraktiv, wenngleich teilweise noch ausbaufähig. Bei Flachstahlerzeugnissen liegen wir derzeit international auf Platz 3, bei Qualitätsflachstahl auf Platz 4, bei Stainless Flach auf Platz 1. Mit Weißblech, Elektroband und Nickel-Basis-Legierungen bewegen wir uns ebenfalls in der Weltspitze.

In guten Stahljahren gutes Geld zu verdienen ist keine allzu große Kunst. In Krisenzeiten, wie zuletzt 1992/93, jedoch kein Geld zu verlieren ist weitaus schwerer. Drastische Maßnahmen zur Kosteneinsparung in den letzten Jahren haben dazu geführt, dass ThyssenKrupp Steel auch in einem schlechten Marktumfeld, wie im letzten Jahr, mit Walzstahlerlösen auf absolut niedrigstem Niveau immer noch Gewinne erzielt hat. Mit der heute erreichten Ergebnisqualität belegen wir in Europa die Spitzenposition.

Strategische Zielsetzung

Die strategischen Ziele von ThyssenKrupp Steel lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen:

・ Ausbau führender Marktpositionen
・ Steigerung des Kundennutzens
・ Fokussierung und selektive Stärkung des Geschäfts
・ Erreichen der "Margenführerschaft" im Wettbewerb
・ Ausrichtung an wertorientiertem Management

Mit anderen Worten:

Das Unternehmen hat ehrgeizige Expansions- und Wachstumsziele, deren Finanzierung mich zum nächsten Punkt meiner Ausführungen kommen lässt: dem Börsengang von ThyssenKrupp Steel.

Börsengang

Die Vorbereitungen für den Börsengang Steel laufen derzeit auf Hochtouren. Nach dem derzeitigen Stand unserer Planungen werden wir im Rahmen eines Initial Public Offering (IPO) im September/Oktober 25-35% der Steel AG an der Börse platzieren. Der überwiegende Teil der Aktien wird aus dem Besitz der Thyssen Krupp AG zur Verfügung gestellt, ein Teil wird aus einer Kapitalerhöhung der Thyssen Krupp Steel AG kommen.

Wir streben eine breite Platzierung der Steel Aktie sowohl bei privaten Anlegern als auch bei institutionellen Investoren in Deutschland an. Über eine Platzierung im Ausland denken wir zurzeit noch nach.

Der Börsengang Steel ist ein ganz wesentliches Element der Ihnen im November letzten Jahres ausführlich erläuterten strategischen Neuausrichtung des Konzerns.

Ziele und Vorteile des IPO

Wo liegen die Vorteile für die Mutter- und Tochtergesellschaft?

Für beide Gesellschaften sind es in erster Linie

・ eine bessere Positionierung auf dem Kapitalmarkt
・ Liquiditätszufluss und damit neue Finanzierungsmöglichkeiten für Expansion und Wachstum sowie
・ die Möglichkeit, eine auf die Kerngeschäfte zugeschnittene Vorwärtsstrategie zu verfolgen.

Getrennte Wege führen nach unserer festen Überzeugung für beide Gesellschaften zum größeren Erfolg.

Die ThyssenKrupp Konzern wurde bislang – ähnlich wie Thyssen und Krupp in der Vergangenheit – in erster Linie mit seinen Stahlaktivitäten identifiziert und an der Börse als Stahlwert gehandelt. Die Börseneinführung von Steel verschafft ThyssenKrupp die Möglichkeit, sein Profil als weltweit tätiger Anbieter von Industrieprodukten und –dienstleistungen deutlich zu schärfen und eine adäquate Bewertung der Aktie zu erreichen.

Für ThyssenKrupp Steel eröffnen sich durch den Börsengang neue Möglichkeiten, die Umsetzung seiner Expansions- und Wachstumsziele zu finanzieren. Die vorgesehene Kapitalerhöhung wird einen Liquiditätszufluss generieren, der für strategische Projekte verwendet werden kann.

Die Steel-Aktie kann darüber hinaus künftig als Akquisitionswährung für weitere strategische Optionen eingesetzt werden. Der Börsengang versetzt ThyssenKrupp Steel in die Lage, den andauernden Konsolidierungs- und Konzentrationsprozess in der Stahlindustrie europa- und weltweit aktiv mit gestalten zu können.

Der IPO setzt ein erhebliches Wertsteigerungspotential frei und sichert eine wettbewerbsfähige Kapitalstruktur.

Die Steel Aktie, davon bin ich fest überzeugt, wird trotz aller Euphorie für die New Economy ein hochinteressantes Investment. Fünf gute Gründe sprechen dafür:

・ Kompetenz in erfolgreicher Restrukturierung
・ Spitzenpositionen in Qualität und Technologie
・ Optimale Ergänzung Qualitätsstahl und Stainless
・ Nachhaltige Margenführerschaft
・ Ausrichtung auf Expansion und Wachstum

Mit anderen Worten:

ThyssenKrupp Steel, das ist Potenzial aus Stahl

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