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Produkte und Lösungen, 30.06.2005, 10:56

Megayacht eingeschweißt

Guinessbuch verdächtig: eine auf den Leib geschneiderte Lackierkabine für eine 114 m lange Yacht. Der außergewöhnliche Lackierschutz aus Gerüsten und daran angeschweißter Folie stand im überdachten Dock 5 bei Blohm + Voss in Hamburg und setzte den Schlusspunkt unter den umfangreichen Schiffsumbau.

Die bis zu 20 Knoten schnelle Traumyacht (Baujahr 2003) erhielt unter anderem ein neues Hubschrauber-Deck und vier neue Stabilisatoren. Zudem wurden die Heck-Plattform, das Mast-Modul und das Abgas-System modernisiert. Den ausführenden Gewerken stand PeinigerRöRo als Gerüstbauer von Beginn an zur Seite. Sechs Monate lang waren täglich in der Anfangsphase zwischen acht und zwölf Gerüstbauer, später dann zwanzig an Bord. 600 Tonnen Material (Modul-Knotengerüst) standen zur Verfügung, die permanent auf-, ab- und umgebaut wurden.

Zum Abschluss der Modernisierung war eine neue Lackierung fällig. Dazu wurde der Schiffskörper im Dock zunächst komplett eingerüstet. Anschließend bekam diese Einrüstung rundum eine wasser- und staubdichte doppelte Ummantelung aus Folie, die mit Heißluft aufgeschrumpft wurde. Auf diese Weise wurde das ganze Schiff sozusagen in Folie eingeschweißt. Querschotten - ebenfalls aus Folie - unterteilten die Arbeitsbereiche in insgesamt 16 abgeschottete Sektionen, in denen zunächst gespachtelt und anschließend lackiert wurde.

So glatt wie ein Spiegel

Ein Wetterschutzdach schirmte die Arbeiten nach oben hin ab. Bedingungen fast wie im Reinraum, denn kein Stäubchen, kein Wassertropfen durfte auf die Lackierflächen gelangen. Zudem musste während des Spachtelns eine Temperatur von über 20 Grad gewährleistet sein. "Die fertige Schiffsoberfläche ist so glatt wie ein Spiegel", erzählt Gerüstbauleiter Ralf Leoni. "Eine Autolackierung ist vergleichsweise grob dagegen."

Entsprechend anspruchsvoll waren die Anforderungen an die Gerüstbauer, die abschnittweise die Schrumpffolie aufbrachten. Ganz ungewohnt in komplett weißer Montur traten sie ihr Tagewerk an. Äußerst diszipliniert mussten sich die sonst eher auf grobe Gewerke eingestellten Monteure an die strikt vorgegebenen Ordnungs- und Sauberkeitsauflagen halten. "Schiffe rüsten wir ja jeden Tag ein, das ist schließlich unser Job", bekräftigt Leoni, "aber unter solchen Bedingungen... - da durfte nichts in irgendeine Ecke geworfen oder fallengelassen werden."

Unabhängig von den Spachtel- und Lackierarbeiten am Schiffsrumpf sind die umgebaute Heckklappe und die modernisierten Mastaufbauten eingerüstet und eingeschweißt worden. Selbst das kugelförmige so genannte Radom für das satellitengestützte Kommunikationssystem am Mast in 30 m Höhe musste eingerüstet und in Folie verpackt werden. Als das fertige Traumschiff schließlich von seiner Plastikhülle befreit war, könnte sich das Ergebnis sehen lassen. Leoni: "Das war schon ein beeindruckender Anblick, als die Megayacht das Dock verließ."

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