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Produkte und Lösungen, 21.07.2008, 11:00

Postareal Salzburg - Bohrpfähle hydraulisch gestützt

Keine vertikale, sondern eine horizontale Abstützung mussten sich die Traggerüst-Experten von ThyssenKrupp Xervon Austria auf der Großbaustelle „Postareal Salzburg“ einfallen lassen. Sie haben eine hydraulisch justierbare Sonderlösung aus schweren Rohrstützen entwickelt, um das an die Baugrube angrenzende Gelände bzw. die hier platzierten Bohrpfähle zu sichern.

Auf dem knapp 27.000 Quadratmeter großen Salzburger Bahnhofsvorplatz entsteht seit 2005 ein ganz neues Stadtviertel mit Hotel, Einkaufszentrum, Tiefgarage (290 Stellplätze), Wohnanlage (100 Wohnungen) und zwölfstöckigem Bürohaus. In der letzten Bauphase werden zurzeit das Einkaufszentrum und die Tiefgarage gebaut. Letztere reicht bis zirka 50 Meter unter die Erdoberfläche. Die einzelnen Phasen des hierzu nötigen Erdaushubs mussten detailliert geplant werden. Denn die benachbarten Bauwerke (Bahnhof, Gleisanlagen etc.) rund um die Baugrube sind auf Bohrpfählen gegründet. Fällt nun durch das Ausbaggern der seitliche Erddruck auf die Bohrpfähle weg, ist deren Standsicherheit gefährdet. Bis die fertigen Gebäudeteile den nötigen Gegendruck erzeugen, muss also eine temporäre Abstützung her.

Permanente Drucküberwachung

Hierzu haben die Traggerüstexperten der Wiener ThyssenKrupp Xervon Austria GmbH, Maria Lanzendorf, in Zusammenarbeit mit der ausführenden Arge (Fa. DOLL / Seekirchen und Fa. SPILUTTINI / St. Johann i. Pongau) eine äußerst kreative Lösung entwickelt: eine horizontale, hydraulische Abstützung aus schweren Rohrstützen. Die Besonderheit dabei: An selektierten Punkten sind Druckmessdosen installiert, mit denen die Abstützung permanent überwacht wird. Verändert sich der Wert – abhängig von der Aushubtiefe –, lässt sich die Abstützung über hydraulische Stellringpressen punktgenau nachjustieren, so dass die Bohrpfähle jederzeit mit dem benötigten Druck abgestützt werden.

Eingesetzt werden Voestalpine-Rohrstützen mit Durchmessern von 50 bis 110 Zentimetern. Die kleineren haben Lasten zwischen 100 und 200 Tonnen zu bewältigen. Die großen Rohrstützen müssen auf der Salzburger Baustelle bis zu 400 Tonnen verkraften – bei Knicklängen von 12 bis 20 Metern. Um diese hohe Tragkraft zu erreichen, werden die einzelnen Rohrstützenelemente über Flansche kraftschlüssig miteinander verschraubt. Ausgleichsplatten von 5 bis 10 Zentimetern Stärke sorgen für die jeweils benötigte, passgenaue Gesamtlänge der Abstützung. Die letzten, noch fehlenden Zentimeter übernimmt dann die Hydraulikpresse.

Vorgehalten werden auf der Salzburger Großbaustelle insgesamt 20 Stützenelemente, die aneinandergereiht eine Gesamtlänge von rund 360 Metern ergäben. Je nach Baufortschritt werden die Stützenriesen immer genau dort eingesetzt, wo das Erdreich zwischen Spundwand (dahinter liegen die Bohrpfähle) und neu zu erstellendem Bauteil abgegraben wird. Insgesamt müssen auf diese Weise nacheinander ca. 300 laufende Meter abgestützt werden. An der Spundwand setzten die Rohrstützen an einem quer liegenden Walzprofilträger an. Dieser Querriegel verteilt die Last dann in Querrichtung der Bohrpfähle. Das andere Ende der Abstützung bilden im günstigsten Fall senkrecht stehende Walzprofilträger, die sich an einen bereits fertigen Gebäudeteil anlehnen.

Doch nicht an allen Stellen lässt sich die Abstützung so einfach einbringen. Es gibt knifflige Bereiche, an denen unter 45 Grad abgestützt werden muss. Hier werden die Kräfte dann mit Hilfe spezieller Konstruktionen aus Schwerlaststützen umgelenkt und über Hilfsfundamente abgetragen. „Alles eine Frage von Know-how und entsprechend ausgefeilter Detailplanung“, weiß Anton Stricker, der das Traggerüstbau-Team in Österreich leitet. „Wir sind seit langen Jahren im Traggerüstbau tätig. Im Grunde ist schließlich jeder Auftrag eine Sonderlösung und erfordert immer einen Mix aus Erfahrung, Know-how und Kreativität.“

Dennoch zählt der Salzburger Einsatz sicherlich zu den Raritäten. Abgewickelt wird er allerdings mit der gleichen Routine wie alle anderen Projekte auch. Seit Mai dieses Jahres sind die ThyssenKrupp-Fachleute auf der Baustelle und installieren phasenweise die benötigten Abstützungen. So entstehen sukzessive alle Bauteile des unterirdischen Parkhauses. Abgestützt wird vermutlich noch bis Ende des Jahres. Bis dahin sollen alle Untergeschossdecken fertig sein dann übernimmt das Gebäude die Abstützung.

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