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Unternehmensmeldungen, 24.08.2009, 13:14

Beschäftigungssicherung für Ausgebildete

Etwa 100.000 junge, hochqualifizierte Fachkräfte aus allen Berufen beenden 2009 in Nordrhein-Westfalen die betriebliche Ausbildung. Viele Ausbildungsbetriebe geraten angesichts der Wirtschaftskrise in ein Dilemma: Die mit großem Engage-ment und hohen Kosten ausgebildeten Fachkräfte werden angesichts des Fachkräftemangels dringend gebraucht. Gleichzeitig erlaubt es die wirtschaftliche Situation vielen Betrieben nicht, die Ausgebildeten als Facharbeiter sofort zu überneh-men. In einem deutschlandweit einmaligen Projekt gehen die ThyssenKrupp Nirosta und die Agentur für Arbeit Krefeld seit Juli 2009 neue Wege.

Christiane Schönefeld, Chefin der NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, und Klaus-Peter Hennig, Personalvorstand der ThyssenKrupp Nirosta, stellten heute (24. August 2009) in Düsseldorf ein neues Konzept zur Beschäftigungssicherung vor. Mit Kurzarbeit und Qualifizierung sichern Unternehmen den Fachkräftebedarf und bieten Fachkräften nach der Ausbildung eine tragfähige Perspektive. Alle Seiten gewinnen. Junge ThyssenKrupp Nirosta-Fachkräfte, werden im gesamten Bereich der Kaltbandwerke/Stahlwerke insbesondere in der Produktion, der Instandhaltung und der Qualitätssicherung zusätzlich qualifiziert. 100 ausgebildete Mitarbeiter, die nicht in den betrieblichen Bereichen eingesetzt werden, werden in einem Personalpool zusammengefasst und auf Kurzarbeit „0“ gesetzt. Die Agentur für Arbeit zahlt Kurzarbeitergeld (60 oder 67 Prozent). Die ThyssenKrupp Nirosta stockt diese Bezüge auf 90 Prozent auf. Die Kurzarbeit ist auf zwölf Monate angelegt. In dieser Zeit werden die jungen Fachkräfte an den Standorten Krefeld, Benrath, Bochum und Dillenburg weiterqualifiziert. Ihnen werden über die Ausbildung hinaus gehende theoretische Grundlagen vermittelt und praktisch vertieft. Trainer sind erfahrene Mitarbeiter der ThyssenKrupp Nirosta, die über unterschiedliche Qualifikationsprofile in den gesamten Bereichen Kaltbandwerk und Stahlwerk verfügen. Sie wurden von der ThyssenKrupp Nirosta zu Ausbildern weitergebildet. Um die Qualität der Maßnahme sicher zu stellen, vereinbarte die ThyssenKrupp Nirosta mit der Agentur für Arbeit, das ein Ausbilder jeweils nur fünf Trainees betreut. Dieses Qualifizierungsangebot wird aus Mitteln des Europäischen Sozial Fonds finanziert.

Schönefeld sieht das Dilemma der Unternehmen: „Junge Fachkräfte, denen jetzt aufgrund der Wirtschaftslage keine verlässliche Perspektive im erlernten Beruf geboten werden kann, wandern in andere Tätigkeiten ab, jobben als An- oder Ungelernte oder verlieren in der Arbeitslosigkeit den Anschluss. Diese jungen Fachkräfte sind für den Betrieb verloren. Sie stehen auch häufig als Fachkräfte nicht mehr zur Verfügung. Wer intelligente Lösungen und tragfähige Perspektiven anbieten kann, ist auf alle Fälle im Vorteil, wenn die Wirtschaft wieder anzieht.“

Die Qualifizierung wird durch externe Trainer unterstützt. Sie garantieren eine Qualitätssicherung der Ausbildung. Das ist eine Voraussetzung dafür, um TÜV- und IHK-Zertifkate zu erlangen (z.B. Qualitätstechniker oder Ausbildereignung AEVO). ThyssenKrupp Nirosta überbrückt so die schwierige Situation bei der Übernahme von Auszubildenden und gewinnt Zeit für Personalanpassungen. Entscheidend ist, dass gut ausgebildete junge Mitarbeiter „an Bord bleiben“, Erfahrungswissen gesichert und übertragen wird.

Damit sieht Hennig das Projekt „Jung und alt für Nirosta“ (JAN) konsequent fortgeführt. „Bereits in den letzten Jahren trug die Ausbildungspolitik der ThyssenKrupp Nirosta dem demographischen Wandel der Gesellschaft Rechnung. Der Schwerpunkt lag auf der strategischen Verjüngung der Belegschaft und dem Aufbau des strategischen Personalpools als Personalreserve. Auch die Ausbildungsquote lag über dem eigentlichen Bedarf der Gesellschaft. In dem Projekt JAN fand ein geführter Wissenstransfer bei Jung und Alt großen Anklang. Ausgebremst von der Wirtschaftskrise musste die ThyssenKrupp Nirosta jedoch durch neue Gegebenheiten wie Unterbeschäftigung, Personalüberhänge, Kurzarbeit und fehlende Einsatzmöglichkeiten für diesen Strategischen Personalpool ihre Personalpolitik überdenken. Ein neues Personalkonzept berücksichtigt die Notwendigkeit zur Flexibilisierung und Optimierung und sieht eine Anpassung des Schichtmodells von 21 auf 18 Schichten vor. Zusammenfassend bleibt zu sagen: Alle genannten Maßnahmen haben das erklärte Ziel, die Beschäftigung für die Mitarbeiter der ThyssenKrupp Nirosta im Unternehmen bzw. auch für den Arbeitsmarkt zu sichern.“

Mit dem Beginn der Sommerferien und damit dem Schuljahresende und der Beendigung betrieblicher Ausbildungen hat sich die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen landesweit sprunghaft erhöht. 101.520 Arbeitslose waren Ende Juli 2009 jünger als 25 Jahre. Gegenüber Juni waren das 16.580 oder knapp ein Fünftel mehr. Im Jahresvergleich erhöhte sich die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe um 17.660 oder gut 21 Prozent. Rein rechnerisch entfielen etwa 90 Prozent des Anstiegs von rund 18.000 von Juni auf Juli auf jüngere Arbeitslose. Im Juli meldeten sich in NRW 14.330 Personen arbeitslos, nach dem sie eine betriebliche Ausbildung abgeschlossen haben. In den ersten sieben Monaten 2009 addieren sich die Neumeldungen auf 26.650, knapp 19 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Während es bei einem Arbeitslosen zwischen 25 und 55 Jahren mit abgeschlossener Berufsausbildung im Durchschnitt 161 Tage dauert, bis eine neue Erwerbstätigkeit gefunden wird, finden Jüngere nach nur 75 Tagen wesentlich schneller eine neue Beschäftigung. „Auch wenn es jungen Fachkräfte schneller gelingt, eine Beschäftigung zu finden: Das Engagement, die Ausgebildeten an den Betrieb zu binden und sie weiter zu qualifizieren, erhält und erweitert deren Kompetenz. Und darauf ist unsere Wirtschaft angesichts des Fachkräftebedarfs dringend angewiesen“, so Schönefeld.

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