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Unternehmensmeldungen, 20.05.2006, 12:01

Technikstandort Deutschland auf Suche nach neuer Identität

In Sachen Innovationsfähigkeit verliert Deutschland seit Jahren an Boden. Den Unternehmen fehlen rund 15.000 Ingenieure, so eine Studie des VDI. Die Zahl der Studienanfänger in den wichtigsten ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen ist zum Wintersemester 2005/2006 um weitere 8,3% gesunken. Und die PISA-Studien zeigen eklatante Wissensdefizite bei deutschen Schülern auf.

Offenkundig hat die "Faszination Technik" im Land der Maschinenbauer, Autohersteller, Ingenieure und Mechaniker an Selbstverständlichkeit verloren. Gehören aufwändig gebastelte Modellflugzeuge auf den Regalen deutscher Kinderzimmer der Vergangenheit an? Hält der Versuch, ein Perpetuum mobile zu erfinden, kleine Jungs nicht mehr vom Schlafen ab? Was fällt Jugendlichen heute noch ein, wenn sie nach berühmten Erfindungen aus Deutschland gefragt werden?

Für den Exportweltmeister Deutschland ist es ein existenzielles Problem, wenn der Glanz technischer Leistungen verblasst. Im Vorfeld zum IdeenPark 2006, der vom 20. bis 28. Mai auf dem Expo-Gelände in Hannover stattfindet, sind ThyssenKrupp und die Bremer Unternehmensberatung nextpractice der Sache auf den Grund gegangen. Mit 100 Personen wurden intensive Interviews zum Thema Technik durchgeführt. Dabei wurde ein spezielles psychologisches Verfahren verwendet, mit dem auch unbewusste Einstellungen und emotionale Bewertungen offen gelegt werden können. Die Ergebnisse zeigen einen tief greifenden Wandel der Wertewelt Technik. Deutschland wird zwar nach wie vor als zukunftsträchtiger Hochtechnologiestandort gesehen, aber die Begeisterung fehlt. Dass technische Lösungen die Arbeit leichter machen, Effizienz und Lebensqualität steigern können, hat nichts Besonderes mehr. Qualität zu produzieren, die ihren Preis wert ist, wird als reine Pflichtübung gesehen.

Während "Made in Germany" im Ausland immer noch einen guten Klang hat, zeigten sich die befragten deutschen Interviewpartner deutlich unzufriedener mit dem eigenen Land. Sie haben anspruchsvollere Erwartungen an den Technikstandort Deutschland. Die Themenfelder, die es ihrer Meinung nach unbedingt stärker zu entwickeln gilt, sind Freude an Innovation und Verantwortung für Nachhaltigkeit. Für die deutschen Interviewpartner ist die "Faszination Technik" gebunden an eine Sinnstiftung, die weit über die reinen Nutzenaspekte hinausreicht. Es ist die gelungene Verbindung von Lebensfreude und Ökologie, von Gestaltungsfreiheit und sozialer Gerechtigkeit, die überzeugt. Die Latte liegt hoch, wenn es darum geht, die Menschen in Deutschland für Technik zu begeistern. Werteorientierter Technikeinsatz von Umweltschutz bis Medizin wird einheitlich am positivsten bewertet und beim Transrapid kommt sogar ausnahmsweise so etwas wie Nationalstolz auf.

In den Interviews zeigte sich, dass das Image des Ingenieurs ein sensibles Messinstrument für das sich ändernde Selbstverständnis ist. Je wichtiger für die befragten Personen die Aspekte Innovation und Nachhaltigkeit sind, desto kritischer stehen sie dem Berufsbild des Ingenieurs gegenüber. Der Ingenieur gilt als praxisnah und stark in der Umsetzung. Aber ökologische und soziale Themen kommen zu kurz. Entsprechend wird auch die Innovationsfähigkeit des Ingenieurs als nicht zukunftsweisend gesehen. Angesichts dieser Imageprobleme passt die Tatsache, dass der Ingenieur ausgerechnet in Deutschland zum Mangelberuf geworden ist, ins Bild.

Weit alarmierender als die schwindende Attraktivität des Ingenieurberufes aber sind die Ergebnisse zur Einschätzung der Rolle der Schulen für den Technikstandort Deutschland. Die befragten Personen stellen den Schulen bezogen auf den Umgang mit Technik und die Förderung des Technikinteresses durchgängig ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Die Interviewpartner, die unter 25 Jahre alt sind, attestieren der Schule sogar eine technikfeindliche Haltung. Auch wenn die Situation bei den Universitäten sehr viel positiver dargestellt wird, muss das Ergebnis nachdenklich stimmen. Die Wertesysteme, die das Handeln des Menschen bestimmen, werden weitgehend in den ersten 18 Lebensjahren geformt. Für ein Land, dessen zentrale Ressource die Menschen sind, hat eine mangelnde Identifikation mit den Säulen der eigenen Leistungsfähigkeit fatale Konsequenzen.

Prof. Dr. Peter Kruse, Leiter der Studie, schlussfolgert: "Das Thema Technik spiegelt die Situation in Deutschland. Innovationsfähigkeit ist erst in zweiter Linie ein Kompetenzproblem. Wichtiger ist die Frage der Sinnstiftung. Sich auf Neues einzulassen, ist immer mit Risiken verbunden. Ohne zu wissen, warum man etwas ändern soll, überwiegen die Beharrungskräfte. Der Technikstandort Deutschland hat alle Chancen, wieder Spitzenplätze zu belegen. Die Lehrer sind nicht schlechter geworden und die Schüler nicht dümmer. Was fehlt, ist nicht Kompetenz, sondern eine tragfähige gemeinsame Identität, für die es sich lohnt, ungewöhnliche Wege zu gehen. Wohin wollen wir Deutschland gemeinsam entwickeln?"

Dr. Ekkehard D. Schulz, Initiator des IdeenParks und der Studie: "Wir wollen junge Menschen für Technik begeistern. Doch Appelle und Argumente allein reichen da bei weitem nicht aus. Wir müssen erstens Freude an der Innovation vermitteln - das tun wir in Hannover mit unserer Technik-Erlebniswelt "IdeenPark", die heute eröffnet wird. Doch darüber hinaus brauchen wir auch eine Wertediskussion. Für die jungen Menschen in Deutschland ist die Möglichkeit der technischen Machbarkeit als alleinige Sinnstiftung nicht mehr tragfähig. Sie fragen, ob Technik einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Beitrag zu unserer Zukunft leisten kann - und wir werden diese Frage gemeinsam mit der Jugend diskutieren."

Während des IdeenParks laden ThyssenKrupp und nextpractice bis zu 1.500 junge Leute ein, über die Zukunft unserer Technik, unseres Bildungssystems und unserer Gesellschaft zu diskutieren. Unter dem Titel "IdeenWerkstatt: Die Jugend für Deutschlands Zukunft" können jeweils bis zu 90 Besucher an 18 Workshops teilnehmen, die mit einem elektronischen Moderationsnetzwerk ausgerüstet sind. Eine frühzeitige Reservierung unter www.zukunft-technik-entdecken.de wird empfohlen.


Der IdeenPark 2006
Vom 20. bis 28. Mai 2006 öffnet der IdeenPark 2006 auf dem Expo-Gelände in Hannover seine Türen. Veranstaltet von ThyssenKrupp und mehr als 50 weiteren Partnern können die Besucher neun Tage lang auf über 30.000 m² Ausstellungsfläche Technik für die Welt von morgen schon heute erleben. Der IdeenPark ist eine einmalige Technik-Erlebnis-Welt. Er ist eine informative und emotionale Entdeckungsreise in die Zukunft. Dabei drehen sich die Aktivitäten um die Themen: "Mobilität", "Leben und Umwelt" "Kreativität" sowie "Bildung". Das Wochen- und Tagesprogramm sowie weitere aktuelle Informationen zum Programm des IdeenParks 2006 in Hannover sind im Internet abrufbar unter der Internet-Adresse
www.zukunft-technik-entdecken.de . Der Eintritt für den IdeenPark 2006 ist frei!

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