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Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 23.04.2001, 02:00

Ausführungen Dr. Kohler - Pressegespräch Thyssen Krupp Steel AG Hannover Messe 23. April 2001

Ausführungen Dr. Wolfgang Kohler stellv. Vorstandsvorsitzender der Thyssen Krupp Steel AG und Vorstandsvorsitzender der Thyssen Krupp Stahl AG

Es gilt das gesprochene Wort !

Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie auch im Namen meines Kollegen Dr. Hadrys sehr herzlich auf unserem Messestand in Hannover. Wir freuen uns, dass Sie unserer Einladung zu diesem Pressegespräch gefolgt sind. Wir setzen damit die Tradition des ThyssenKrupp-Presseempfangs am ersten Messetag fort. Nach Aufgabe des Konzern-Pavillions an der Stahlstraße ist in diesem Jahr ThyssenKrupp Steel mit einem 1.000 m2 großen Stand in Halle 4 vertreten und präsentiert sich mit einem völlig neuen Konzept. Unser Auftritt steht unter dem Leitthema "Potenzial aus Stahl". Mit den Exponaten verdeutlichen wir den Anspruch von Stahl als Hightech-Werkstoff für anwendungsorientierte Problemlösungen unserer wichtigsten Kundengruppen Automobil-, Bau- und Hausgeräteindustrie.

Einen wesentlichen Schwerpunkt unseres Programms bilden in diesem Jahr publikumsorientierte Veranstaltungen und Diskussionen, mit denen wir unsere Leitlinie "Wir denken Stahl weiter!" unterstreichen. Heute Nachmittag um 14.30 Uhr sind Herr Dr. Hadrys und ich Gastgeber für die Podiumsdiskussion "Im Focus Stahl: Old Economy mit Zukunft?" Unter der Moderation des Fernsehjournalisten Klaus Bresser werden sich unter anderem NRW-Arbeitsminister Harald Schartau, BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludolf von Wartenberg sowie weitere Experten mit dieser Fragestellung beschäftigen. Wir sind davon überzeugt, dass sich das Fragezeichen, dass wir in unserer Einladung bewusst hinter das Thema gesetzt haben, in ein Ausrufezeichen umwandeln wird. Wir würden uns freuen, wenn diese Diskussionsrunde auch bei Ihnen Interesse finden würde.

Morgen findet unser traditioneller Kundentag statt, am Mittwoch folgt ein Workshop E-Sales & Services, bei dem wir die Fortschritte auf dem Gebiet der modernen Kundenkommunikation präsentieren werden. Ich möchte hervorheben, dass ThyssenKrupp Stahl als erstes Flachstahlunternehmen in Europa seit Anfang 2000 das Internet für den Stahlverkauf nutzt.

Am 26. April veranstalten wir eine weitere Podiumsdiskussion mit Ranga Yogeshwar und ausgewählten Gästen. Auch hier steht Stahl wieder im Focus mit dem technisch ausgerichteten Thema: Werkstoff mit Zukunft - Innovationen für das 21. Jahrhundert. Weitere Highlights bilden unsere Ausstellung "steel goes art" mit Stahlplastiken und unsere Beteiligung am Messenachwuchstag "Go for High Tech".

Meine Damen und Herren,

so weit zum Messeauftritt von ThyssenKrupp Steel. Wir möchten Sie nun über die aktuelle Entwicklung auf dem Stahlmarkt und in unserem Unternehmen informieren.

Was die konjunkturellen Rahmenbedingungen betrifft, wurden die Prognosen für 2001 zuletzt allgemein zurückgenommen. Für Westeuropa wird jedoch weiterhin ein günstiges gesamtwirtschaftliches Umfeld erwartet, auch wenn das Tempo hier ebenfalls nachlässt.

Die Weltstahlproduktion lag im ersten Quartal 2001 in etwa auf dem hohen Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums. Das gilt auch für Westeuropa. Der Auftragseingang hatte sich hier im Jahresverlauf 2000 bei insgesamt günstiger Verbrauchskonjunktur auf Seiten der Stahlverarbeiter vor allem durch lagerzyklische Faktoren abgeschwächt. Nach dem Tiefpunkt in den Sommermonaten erfolgte bereits im Schlussquartal 2000 wieder eine leichte Erholung. In Deutschland war eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen, wobei die Belebung erst ab dem Jahresbeginn einsetzte. Im 1. Quartal 2001 lag der Auftragseingang mit 3,3 Mio t wieder auf dem Monatsdurchschnitt der beiden letzten - vergleichsweise guten Stahljahre. Fazit: Der Verbrauch der stahlverarbeitenden Industrien wird auch 2001 ein befriedigendes Niveau erreichen. Insgesamt rechnet die Wirtschaftsvereinigung Stahl nur mit einer leichten Abschwächung der deutschen Rohstahlproduktion auf 45 Mio t. Weitere Einzelheiten können Sie um 14 Uhr in der Pressekonferenz des Verbandes im TCM erfahren.

Die Preisentwicklung in Deutschland hat sich zur Jahreswende 2001 leicht abgeflacht. Die Intensität des Preiswettbewerbs hat zuletzt deutlich zugenommen. Von der Importseite ging dabei ein erheblicher Druck aus, der in Südeuropa besonders ausgeprägt war. Erfreulich sind in diesem Zusammenhang die sich mehrenden Ankündigungen von Preiserhöhungen primär in den USA und in Asien, zunehmend aber auch in Europa.

So weit zur allgemeinen Lage auf dem Stahlmarkt. Herr Dr. Hadrys wird dies für Edelstahl Rostfrei gleich noch ergänzen.

Meine Damen und Herren,

die ThyssenKrupp Steel Gruppe buchte in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 2000/2001 Aufträge im Wert von knapp 6,3 Mrd EURO, das sind 7 % weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Rückgang ist vor allem auf die schwache Marktentwicklung im 4. Quartal 2000 zurückzuführen. Auf der Basis der vorhandenen Auftragsbestände lag die Rohstahlproduktion im Berichtszeitraum mit 8,9 Mio t um 1 % über dem Vorjahr, der Umsatz stieg um 8 % auf 6,5 Mrd EURO. Insgesamt wird ThyssenKrupp Steel im Geschäftsjahr 2000/2001 wegen der anfänglichen Marktschwäche und des unter anderem währungsbedingten Anstiegs der Rohstoffkosten Ergebniseinbußen hinnehmen müssen. Die Aussage wurde vom Konzern bereits auf der Hauptversammlung im März gemacht.

In der Business Unit Qualitätsflachstahl hat sich mit Beginn des Jahres 2001 der Auftragseingang - wie in der gesamten Branche - wieder erholt, lag aber insgesamt im 1. Halbjahr 2000/2001 mit 3,7 Mrd EURO um 11 % unter Vorjahresniveau. Der Rückgang ist in erster Linie mengeninduziert, da der tonnenspezifische Erlös bei den Produkten der Thyssen Krupp Stahl AG noch durchschnittlich um 10 % über dem letztjährigen Vergleichswert liegt. Die Verbesserung der Auftragslage zeigte sich zuletzt vor allem bei Warmflachprodukten, während sie bei Feinblech und oberflächenveredelten Erzeugnissen noch auf sich warten lässt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Bestellungen im 1. Halbjahr 1999/2000 erheblich über unseren Produktionsmöglichkeiten lagen, was in der damaligen Phase zu einem spürbaren Anwachsen unseres Auftragsbestandes führte. Deshalb waren die Anlagenkapazitäten weiterhin annähernd ausgelastet. Die Rohstahlproduktion blieb mit 7,1 Mio t bei Qualitätsflachstahl nahezu unverändert.

Die Business Unit Qualitätsflachstahl erzielte im 1. Halbjahr 2000/2001 einen Umsatz von 3,9 Mrd EURO, das sind 5 % mehr als im Vorjahr. Die Umsatzentwicklung wurde geprägt durch leicht unter Plan liegende Versandmengen bei noch weitgehend stabilen Erlösen.

Zur weiteren Stärkung unserer Position im internationalen Wettbewerb haben wir die Konzentration der Metallurgiestufen Roheisen und Rohstahl sowie des überwiegenden Teils der Warmbreitbanderzeugung in Duisburg an der Rheinschiene konsequent umgesetzt. Die Warmbreitbandstraße in Dortmund wurde am 30. März stillgelegt, der letzte Hochofen und das Stahlwerk folgen Ende dieses Monats. Mit diesen letzten Bausteinen zum Abschluss unseres in Europa einzigartigen Standortkonzeptes sind die Voraussetzungen zur Realisierung der vollen Synergien aus der Qualitätsflachstahlfusion im Jahr 1997 geschaffen. Gegenüber der neuen Gruppe Usinor/Arbed/Aceralia verfügen wir damit über einen erheblichen Zeitvorsprung. Im übrigen sind wir der Auffassung, dass die angekündigte Fusion, die wir begrüßen und von der wir aus dem Blickwinkel unserer Kunden in Europa mit Sicherheit profitieren werden, zu einer weiteren Konsolidierung des Stahlmarktes führen wird.

Die Stärkung unserer Position in den Metallurgie- und Warmbandstufen ist der Schlüssel für die kostengünstige Versorgung der nachgeschalteten Prozesse Kaltwalzen und Oberflächenveredelung, die auf Spezialisierung und Internationalisierung ausgerichtet sind. In diesen Marktsegmenten mit hohem technologischem Anspruch werden wir die künftige Entwicklung an vorderster Front mitbestimmen. Nach der ersten Gießwalzanlage für Qualitätsflachstahl, die wir seit 1999 betreiben, haben wir mit einer Investitionssumme von fast 150 Mio EURO am 3. April 2001 in Duisburg-Beeckerwerth das modernste Kaltwalzwerk der Welt in Betrieb genommen. Mit der neuen Anlagenkonfiguration können wir unsere Kunden mit kaltgewalztem Feinblech bis zu einer maximalen Breite von 2.040 Millimetern und minimalen Dicken bis zu 0,3 Millimetern bedienen. Einen Programmschwerpunkt werden hochfeste Stähle für den automobilen Leichtbau bilden.

Ein weiteres Beispiel ist die Investition einer neuen Feuerverzinkungslinie in Dortmund mit einem Aufwand von 128 Mio EURO, die Anfang des nächsten Geschäftsjahres mit der Produktion starten wird. Damit werden wir an dem steigenden Bedarf der Automobilindustrie für diese Erzeugnisse mit höchsten Qualitätsanforderungen partizipieren und unseren Anteil oberflächenveredelter Produkte an unseren Kaltfeinblechlieferungen auf mehr als 80 % steigern können.

Meine Damen und Herren,

bei der noch stärkeren Internationalisierung unserer Aktivitäten haben wir erhebliche Fortschritte erreicht. Das gilt im Wesentlichen für die Downstream-Bereiche Veredelung, Verarbeitung und Service.

・ Modellcharakter hat dabei das Joint Venture GalvaSud mit der Companhia Siderúrgica Nacional in Brasilien, das mit einem Investitionsaufwand von 250 Mio US-$ eine Feuerverzinkungsanlage, ein Stahl-Service-Center und eine Tailored Blanks-Fertigung zur Versorgung der lateinamerikanischen Automobilindustrie errichtet hat. Die Anlagen sind seit Dezember schrittweise in Betrieb gegangen.

・ Die Foccussierung unserer Investitionen auf die kundennahen Verarbeitungssektoren hat uns auf der anderen Seite veranlasst, uns von dem eigenen Eisenerzbergbau Ferteco in Brasilien zu trennen, wie dies wichtige Wettbewerber schon gleichermaßen getan haben. Noch in dieser Woche werden wir die Einzelheiten des geplanten Verkaufs von Ferteco an die brasilianische Erzgesellschaft CVRD bekannt geben, der uns neue Spielräume in finanzieller Hinsicht sichern wird.

・ Im Februar 2001 sind die Verträge zur Gründung eines Joint Ventures mit der ANSC Angang New Steel Co. für den Bau und Betrieb einer Feuerverzinkungsanlage in China paraphiert worden. Als Standort ist der Seehafen Dalian 450 km östlich von Peking vorgesehen. Die Endverhandlungen werden jetzt zügig fortgeführt. Das Investitionsvolumen wird 180 Mio US-$ betragen.

・ Unsere Planungen für Nordamerika betreffen eine Feuerverzinkungsanlage in den USA, die unsere Tailored Blanks- und Stahl-Service-Aktivitäten in der Nähe der Automobilproduzenten in Michigan ergänzen soll.

・ Im Geschäftsfeld Elektroband wurde die von Usinor erworbene Gesellschaft UGO in die Aktivitäten unserer Tochter EBG integriert. In einem weiteren wichtigen Schritt ist von der indischen Raymond Steel Ltd. die Steel Division erworben worden.

Meine Damen und Herren,

Sie sehen, wir arbeiten konsequent daran, die Leistungsfähigkeit des Bereichs Qualitätsflachstahl von ThyssenKrupp Steel im internationalen Wettbewerb zu verbessern. Dies ist nach unserer Auffassung das beste Rezept, um sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Mein Kollege Hadrys wird Ihnen nun erläutern, dass diese Leitlinie auch für die Business Unit Stainless gilt.

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