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Unternehmensmeldungen, Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 27.09.2018, 16:45

thyssenkrupp plant Teilung des Konzerns in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen

  • Fokussierte Aufstellung soll bessere Entwicklung der Industriegüter- und Werkstoffgeschäfte ermöglichen
  • Beide Geschäfte sollen direkten Kapitalmarktzugang erhalten
  • Aufsichtsrat soll am Sonntag über Vorschlag des Vorstands entscheiden

Der Vorstand der thyssenkrupp AG wird dem Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung am Sonntag, den 30. September 2018, eine Teilung des Konzerns in zwei deutlich fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen vorschlagen. Die Industriegüter- und die Werkstoffgeschäfte sollen künftig jeweils als eigenständige, börsennotierte Gesellschaften mit direktem Kapitalmarktzugang geführt werden. Der Vorstand ist überzeugt, dass sich die Geschäfte in dieser Neuaufstellung besser entwickeln und auf ihre Stärken konzentrieren können. Beide Unternehmen sollen den Namen thyssenkrupp weiterführen.

Guido Kerkhoff, Vorstandvorsitzender der thyssenkrupp AG: „In den vergangenen Wochen wurden in der Öffentlichkeit unterschiedlichste strategische Optionen für thyssenkrupp diskutiert und sehr oft zugespitzt. Doch die Welt ist nicht schwarz-weiß. Es gibt nicht nur ’Weiter so‘ und Zerschlagung, sondern immer auch Alternativen, die der Verantwortung sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gerecht werden. Genau danach haben wir als Vorstand gesucht – ohne Angst und Träumerei. Wir schlagen jetzt eine Lösung vor, die nicht nur Wert für unsere Aktionäre schafft, sondern auch die Entwicklungsperspektiven unserer Geschäfte spürbar verbessert.“

Die Teilung in zwei Unternehmen wird als Abspaltung erfolgen. Aktionäre der thyssenkrupp AG werden nach der Teilung zwei Aktien halten: eine der künftigen thyssenkrupp Materials AG (bisher thyssenkrupp AG) und eine der neuen thyssenkrupp Industrials AG. An der thyssenkrupp Materials AG werden die bestehenden Aktionäre weiterhin 100 Prozent halten, an der thyssenkrupp Industrials AG zunächst eine deutliche Mehrheit. Der verbleibende Anteil wird anfänglich als Rückbeteiligung von der thyssenkrupp Materials AG gehalten; damit wird eine angemessene Kapitalausstattung der thyssenkrupp Materials AG sichergestellt. Schulden und Pensionsverpflichtungen werden angemessen auf beide Unternehmen verteilt. Damit erhalten beide Gesellschaften eine bessere Kapitalausstattung, die ihnen einen guten Start ermöglicht.

Zwei Gesellschaften mit klarem Profil und eindeutiger Ausrichtung

Die Teilung in zwei unabhängige Unternehmen verbindet industrielle Logik mit den Anforderungen des Kapitalmarkts und ist wirtschaftlich tragfähig – ganz im Sinne von Kunden, Mitarbeitern und der Region:

thyssenkrupp Industrials wird aus drei Einheiten bestehen: erstens dem Aufzuggeschäft, zweitens dem Automobilzulieferergeschäft und drittens dem Kernanlagenbau. Die Aufzüge bleiben in ihrer heutigen Aufstellung unverändert. Components Technology wird auf das Automobilgeschäft konzentriert. Die Großwälzlager (Bearings) und das Schmiedegeschäft (Forged Technologies) werden aus dem Bereich ausgegliedert. Neu hinzu kommt der Bereich System Engineering, der z.B. Produktionsstraßen für Autos baut und bisher bei Industrial Solutions angesiedelt ist. Damit werden die Automobilkompetenzen in einem Bereich gebündelt. Die dritte Säule der Industriegeschäfte wird in Zukunft der fokussierte Kernanlagenbau sein. thyssenkrupp Industrials wird demnach ein reines Industriegüterunternehmen.

Der andere Teil – thyssenkrupp Materials – wird aus den folgenden Einheiten bestehen: dem Werkstoffhandel Materials Services, dem 50-Prozent-Anteil an dem künftigen Stahl-Joint-Venture, den Großwälzlagern, dem Schmiedegeschäft sowie dem Marinegeschäft. Damit entsteht ein Werkstoffkonzern, der die Stahl- und Edelstahlproduktion, den Materialhandel sowie die stahlnahe Weiterverarbeitung vereint, über eine führende Marktposition in Europa verfügt und aus einer Position der Stärke heraus auch Konsolidierungschancen nutzen kann.

Guido Kerkhoff: „Wir planen die Schaffung zweier eigenständiger Unternehmen mit gemeinsamer DNA und starken Wurzeln aus über 200 Jahren gemeinsamer Geschichte. Uns verbindet aber mehr als nur die Historie – nämlich ein gemeinsames Verständnis von Leistung und Werten. Unser Antrieb ist vor allem der unbedingte Wille zur Technologieführerschaft. Mit unseren Mitarbeitern verantwortungsvoll umzugehen, ist Kern unserer Kultur. Wir stehen zur Sozialpartnerschaft und zum Standort Nordrhein-Westfalen. Daran wird sich nichts ändern. Beide Unternehmen bleiben ‚thyssenkrupp‘.“

Die beiden Unternehmen werden eine vergleichbare Größenordnung haben: Auf der Basis von Pro-forma-Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/17 würde die thyssenkrupp Industrials AG mit rund 90.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 16 Mrd € erwirtschaften. Die thyssenkrupp Materials AG [1] käme mit knapp 40.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von etwa 18 Mrd €.

Die genaue Ausgestaltung der Teilung, etwa die Transaktionsstruktur, das Finanzierungskonzept und die Führungsmodelle beider Gesellschaften, werden nach Zustimmung des Aufsichtsrats der thyssenkrupp AG in einem sorgfältigen Prozess unter Einbeziehung der Arbeitnehmervertreter ausgearbeitet. Über die Teilung muss dann die Hauptversammlung der thyssenkrupp AG entscheiden. Dies könnte in 12 bis 18 Monaten geschehen.

Beide Gesellschaften sollen direkten Zugang zum Kapitalmarkt erhalten

Mit einer separaten Börsennotierung reduziert sich die Komplexität der thyssenkrupp-Aktie. Künftig können Investoren mit unterschiedlicher Ausrichtung angesprochen werden: Investoren, die auf Industriegüter setzen, haben Interesse an stabilen Cashflows und attraktiven Wachstumsaussichten. Die Werkstoffgeschäfte sind dagegen für Investoren interessant, die eher auf zyklische Geschäfte und auf Konsolidierung setzen. Beide Gesellschaften werden damit attraktiver für Investoren.

Unabhängig von der beabsichtigten Teilung wird thyssenkrupp weiter kontinuierlich an der Verbesserung der Leistungsfähigkeit all seiner Geschäftsbereiche arbeiten. Die Anfang August 2018 ausgegebenen Wachstums- und Profitabilitätsziele für die einzelnen Business Areas gelten weiter und sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2020/21 erreicht werden. Auch an den bereits bekannten Einsparziel für die zentralen Verwaltungskosten hält thyssenkrupp fest.

[1] Zahlen ohne Stahl-Joint-Venture, da „at equity“ bilanziert

www.thyssenkrupp.com

Twitter: @thyssenkrupp

Company blog: https://engineered.thyssenkrupp.com

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