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Unternehmensmeldungen, Kapitalmarktrelevante Presseinformationen, 09.08.2018, 07:00

thyssenkrupp wächst trotz Einbußen bei Industrial Solutions und konkretisiert Performance-Ziele

  • Auftragseingang und Umsatz gestiegen
  • Zusätzliche Projektaufwendungen belasten Ergebnis im dritten Quartal

  • Verwaltungskosten deutlich reduziert; weitere Einsparungen geplant

  • Mittelfristige Ziele für die Geschäftsbereiche definiert
  • Free Cashflow vor M&A soll bis 2020/2021 auf mindestens 1 Mrd € steigen
  • Vorbereitungen für Stahl-Joint-Venture kommen gut und planmäßig voran

Der Technologie- und Industriekonzern bleibt auch nach der Korrektur der erwarteten Ergebniszahlen von Industrial Solutions für das dritte Quartal und das laufende Geschäftsjahr und der damit verbundenen Prognose-Korrektur für den Konzern (vgl. Meldung vom 31.07.) auf Wachstumskurs.

Drittes Quartal: thyssenkrupp bleibt auf Wachstumskurs

Trotz negativer Währungseffekte konnte der Konzern[1] im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2017/2018 Auftragseingang und Umsatz um jeweils 7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal steigern. Auf vergleichbarer Basis, das heißt um Währungs- und Portfolioeffekte bereinigt, verbesserten sich der Auftragseingang um 10 Prozent und der Umsatz um 9 Prozent. Das Bereinigte EBIT des Konzerns lag im dritten Quartal mit 332 Mio € jedoch unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Ursache dafür sind, wie Ende Juli bereits kommuniziert, vor allem zusätzliche Projektaufwendungen von rund 200 Mio € im Geschäftsbereich Industrial Solutions.

Bereinigtes EBIT nach 9 Monaten deutlich verbessert

In den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat thyssenkrupp in vielen Bereichen eine positive Entwicklung verzeichnet: Der Auftragseingang des Konzerns lag mit 31,1 Mrd € etwa auf Vorjahresniveau (31,4 Mrd €); um Währungseffekte bereinigt, ergibt sich ein Zuwachs von 2 Prozent. Den Umsatz steigerte thyssenkrupp von Oktober bis Juni um 3 Prozent auf 31,7 Mrd €; auf vergleichbarer Basis beträgt das Plus 6 Prozent. Das Bereinigte EBIT des Konzerns stieg im selben Zeitraum auf 1,3 Mrd € (Vorjahr: 1,2 Mrd €).

Dabei profitierten insbesondere die Werkstoffgeschäfte von der anhaltend positiven Entwicklung des Marktzyklus, die sowohl bei Materials Services als auch bei Steel Europe zu starken Ergebnisbeiträgen geführt hat. Bei den Industriegütergeschäften zeigten sich Components Technology und Elevator Technology trotz des schwierigen Marktumfelds in den ersten 9 Monaten weiter verbessert. Lediglich aufgrund negativer Währungseffekte und gestiegener Materialkosten liegen die operativen Ergebnisse beider Business Areas temporär leicht unter dem Vorjahr. Bei Industrial Solutions hingegen verringerte sich das Bereinigte EBIT nach 9 Monaten aufgrund der bereits kommunizierten zusätzlichen Projektaufwendungen auf -224 Mio € (Vorjahr: 70 Mio €).

Der Free Cashflow vor M&A verbesserte sich in den ersten 9 Monaten aufgrund einer niedrigeren Mittelbindung bei den Materialgütergeschäften gegenüber dem Vorjahr deutlich. Er lag mit -1,6 Mrd € jedoch erwartungsgemäß weiter im negativen Bereich. Ursache dafür sind vor allem wie berichtet der geringere Auftragseingang und hohe Auszahlungen aus dem Auftragsbestand bei Industrial Solutions.

„Wir sehen ein gemischtes Bild. Die aktuellen Ergebnisse stellen uns unter dem Strich nicht zufrieden“, sagt Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG. „Da lässt sich nichts schönreden. Insbesondere der Cashflow ist nicht zufriedenstellend, und das ist ein Zustand, der auf Dauer nicht tragbar ist. Wir müssen uns in all unseren Geschäften deutlich verbessern. Das packen wir jetzt entschlossen an.“

Joint Venture mit Tata führt zu positiven Bilanzeffekten

Nach dem Abschluss der Joint-Venture-Verträge Ende Juni kommen die Vorbereitungen zum Start des Gemeinschaftsunternehmens mit Tata planmäßig weiter gut voran. Nächste Schritte auf dem Weg zum Gemeinschaftsunternehmen sind die Fusionskontrollverfahren der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Außerdem arbeitet thyssenkrupp an der eigenständigen Aufstellung des Stahlbereichs zur Vorbereitung des Joint Ventures.

Die Einbringung der europäischen Stahlaktivitäten in das Joint Venture mit Tata wird die Bilanzkennzahlen von thyssenkrupp mit Vollzug der Transaktion signifikant verbessern. So steigt etwa das Eigenkapital von ca. 10 auf über 15 Prozent, die Pensionslasten verringern sich um etwa 50 Prozent auf rund 4 Mrd €. Kurzfristig führt die im Juni geschlossene Vereinbarung jedoch wie erwartet zu einem einmalig erhöhten Steueraufwand, da Verlustvorträge in Deutschland künftig nicht mehr angesetzt werden können. Bedingt durch diesen Einmaleffekt verringerte sich das Nettoergebnis nach 9 Monaten leicht auf 230 Mio € (Vorjahr: 326 Mio €).

Das Joint Venture hat auch Auswirkungen auf die Berichtsstruktur von thyssenkrupp. So wird die Business Area Steel Europe fortan als „nicht fortgeführte Aktivität“ in der Bilanz ausgewiesen.

Angepasste Jahresziele für 2017/2018 bestätigt

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet thyssenkrupp ein Bereinigtes Konzern-EBIT von rund 1,8 Mrd € (Vorjahr: 1,722 Mrd €) und damit ein Ergebnis am unteren Rand der ursprünglich in Aussicht gestellten Bandbreite von 1,8 bis 2,0 Mrd €. Der Free Cashflow vor M&A wird im Vergleich zum Vorjahr (-855 Mio €) nach wie vor deutlich besser ausfallen, aufgrund der geringeren Beiträge von Industrial Solutions jedoch negativ sein. Der Jahresüberschuss des Konzerns wird trotz dieser Entwicklungen weiterhin signifikant besser ausfallen als im Vorjahr (271 Mio €).

Free Cashflow vor M&A von mindestens 1 Milliarde Euro bis zum Geschäftsjahr 2020/2021

Die Steigerung der Leistungsfähigkeit hat in allen Geschäftsbereichen Priorität. Bis zum Geschäftsjahr 2020/2021 soll der Konzern einen Free Cashflow vor M&A von mindestens 1 Mrd € erreichen. Um das Potenzial der jeweiligen Geschäfte transparent zu machen, versieht thyssenkrupp die mittelfristigen Ziele für die Business Areas und den Konzern erstmals mit einem konkreten Zeithorizont. Außerdem veröffentlicht thyssenkrupp zum ersten Mal Cashflow-Ziele für die Geschäftsbereiche. Die Kennzahl dafür ist die Cash Conversion, also das Verhältnis zwischen Bereinigtem EBIT und tatsächlichem Mittelzufluss der Business Areas:

 In der Business Area Components Technology strebt thyssenkrupp bis zum Geschäftsjahr 2020/2021 eine EBIT-Marge von über 7 Prozent (GJ 2016/2017: 5 Prozent) an. Der Umsatz soll jährlich im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, und die Cash-Conversion soll rund 0,5 betragen. Haupthebel für die positive Entwicklung ist das Hochfahren der neuen Werke und Produktionslinien für Lenkungen, in die der Konzern in den vergangenen Jahren erheblich investiert hat.

 Im Geschäftsbereich Elevator Technology soll das EBIT bis 2020/2021 auf mehr als 1 Mrd € steigen, bei einer Marge von über 13 Prozent (GJ 2016/2017: 12 Prozent). Das Aufzugsgeschäft soll als Innovationsführer im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich schneller wachsen als der Markt und die Cash-Conversion in diesem Zeitraum auf etwa 1,0 steigen. Dazu sollen eine Senkung der Verwaltungskosten, eine weitere Vereinfachung des komplexen Produktportfolios sowie eine Fortsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen beitragen. Das Aufzugsgeschäft ist damit voll auf Kurs, die langfristig angestrebte Zielmarge von 15 Prozent zu erreichen.

 Ungeachtet der aktuellen Herausforderungen bei Industrial Solutions strebt thyssenkrupp im Anlagenbau bis 2020/2021 eine EBIT-Marge von circa 6 Prozent an (GJ 2016/2017: 2 Prozent). Der Cashflow soll gegenüber dem Geschäftsjahr 2016/2017 um mehr als 600 Mio € steigen. Die dafür notwendige Neuausrichtung der Sparte auf kleinere und mittelgroße Aufträge sowie das margenstarke Service-Geschäft wurde bereits eingeleitet und wird nun mit aller Konsequenz umgesetzt. Im Marinegeschäft soll die EBIT-Marge bis zum Geschäftsjahr 2020/2021 mindestens positiv sein. Der Cashflow soll hier gegenüber 2016/2017 um ungefähr 200 Mio € steigen. Dies soll durch eine bessere Abwicklung der Projekte und die Fortsetzung des bereits begonnenen Transformationsprozesses von Marine Systems erreicht werden.

 Im Geschäftsbereich Materials Services soll das Umsatzwachstum bis 2020/2021 im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen und damit leicht über dem Marktdurchschnitt. Das Geschäft strebt eine EBIT-Marge von ungefähr 3 Prozent (GJ 2016/2017: 2,3 Prozent) und eine Cash-Conversion von 0,7-1,0 an. Für die kommenden Jahre wird der Fokus darauf liegen, durch die Digitalisierung die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen, den digitalen Vertrieb über eigene Portale, Shops und externe Marktplätze weiter auszubauen und zudem im Dienstleistungsbereich signifikant zu wachsen. Gleichzeitig werden die Kosten, unter anderem in der Verwaltung, gesenkt und die Produktivität gesteigert.

 Auch in der Konzernzentrale setzt sich thyssenkrupp ambitionierte Ziele. Bereits in den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat der Konzern seine Verwaltungs-kosten mit über 100 Mio € um 20 Prozent – und damit deutlich schneller als geplant – reduziert. Bereits im nächsten Geschäftsjahr wird thyssenkrupp die Marke von 400 Mio € unterschreiten. Bis zum Geschäftsjahr 2020/21 sollen die Kosten noch einmal deutlich auf weit unter 400 Mio € sinken.

Guido Kerkhoff: „Wir müssen uns jetzt auf das konzentrieren, was wir selbst in der Hand haben. In den Geschäften von thyssenkrupp steckt erhebliches Potenzial. Das müssen wir freilegen. Wenn wir hart daran arbeiten, können wir ab dem Geschäftsjahr 2020/2021 eine Milliarde Euro Cashflow im Jahr erwirtschaften. Das ist ein lohnendes Ziel. Und das gehen wir jetzt an.“

[1] Die Kennzahlen beziehen sich auf den Konzern in seiner aktuellen Struktur (ohne Steel Americas, einschließlich Steel Europe).

www.thyssenkrupp.com

Twitter: @thyssenkrupp

Company blog: https://engineered.thyssenkrupp.com

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