Prognose 2019/2020

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung „newtk“ konzentriert sich Components Technology seit dem 1. Oktober 2019 auf das Automobilgeschäft und wird in Automotive Technology umbenannt; neu hinzu kommt System Engineering, das u.a. Produktionsstraßen für die Automobilindustrie entwickelt und bis zum 30. September 2019 zu Industrial Solutions gehörte. Die Großwälzlager und das Schmiedegeschäft wurden aus Components Technology herausgelöst. Die Berichterstattung der beiden Einheiten wird zukünftig als Industrial Components erfolgen. Industrial Solutions wird in Plant Technology umbenannt; darin befinden sich die Geschäfte mit Chemie-Anlagen, Zement- Anlagen sowie Anlagen und Ausrüstung für Mining. Die Verwaltungseinheiten von Corporate und den Regionen werden als Corporate Headquarters dargestellt. Daneben sollen die Einheiten der Service Units und Special Units separat abgebildet werden.

Gesamtaussage

Im Geschäftsjahr 2019/2020 wollen wir unsere Restrukturierungs- und Verbesserungsmaßnahmen in unseren Geschäften sowie bei Corporate intensivieren, was sich auch in unseren finanziellen Steuerungsgrößen zeigen wird.

Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung in weiten Teilen unserer Werkstoff- und Komponentengeschäfte kann kurzfristigen, teilweise auch durch Rohstoffpreise getriebenen Schwankungen unterliegen. Die Entwicklung der insbesondere für diese Geschäfte relevanten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derzeit sehr unsicher. Vor diesem Hintergrund ist eine verlässliche Umsatz- und Ergebnisplanung für ein ganzes Geschäftsjahr nur eingeschränkt möglich.

Die Unsicherheiten für die Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ergeben sich derzeit u.a. aus:

  • dem weiteren wirtschaftspolitischen Kurs der USA, vornehmlich einer weiteren Eskalation der bestehenden handelspolitischen Konflikte mit entsprechenden protektionistischen Gegenmaßnahmen Chinas und der EU, die das globale Wirtschaftswachstum spürbar negativ beeinflussen können
  • dem nachlassenden Wachstum der chinesischen Wirtschaft als wichtigem Faktor für die weltweite Konjunkturdynamik und als bedeutender Absatzmarkt
  • dem Ergebnis der Brexit-Austrittsverhandlungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und die Exportperspektive sowie zukünftige Investitionsbereitschaft – vor allem in Großbritannien selbst, aber auch in den übrigen Ländern Europas
  • der hohen Gesamtverschuldung in einigen EU-Staaten die zu deutlicher Unsicherheit an den Finanzmärkten führen könnte. Hierdurch könnte die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte eingeschränkt werden mit negativen Folgen für die Investitionstätigkeit und den privaten Konsum
  • den anhaltend strukturellen Überkapazitäten der Stahlindustrie, dem entsprechenden Wettbewerbsund Importdruck auf dem europäischen Markt sowie die zunehmenden Verwerfungen bei den internationalen Stahlhandelsströmen – unter anderem eine Folge der US-Zölle auf Stahlimporte
  • der Volatilität und Höhe der Rohstoffpreise als wichtigem Kostenfaktor in unseren Werkstoffgeschäften sowie als wichtigem Faktor für unsere Kunden im Anlagenbau bei der Vergabe von Großprojekten
  • dem Strukturwandel in der Automobilindustrie (veränderndes Mobilitätsverhalten, Umstellung Antriebstechnologien, Digitalisierung) der bei einem stärkeren globalen Abschwung schleppender als angenommen verlaufen könnte

Erwartung 2019/2020: Insgesamt vorsichtiger Blick auf das Geschäftsjahr geprägt durch begrenzte Sichtweite sowie gesteigerte Restrukturierungen

Vor dem Hintergrund der vorstehend beschriebenen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten und der in diesem Umfeld nur begrenzten Sichtweite und damit eingeschränkt verlässlichen Planbarkeit insbesondere bei unseren zyklischeren Geschäften mit Werkstoffen sowie Komponenten für Automobile und Nutzfahrzeuge halten wir einen insgesamt vorsichtigen Blick auf das Geschäftsjahr 2019/2020 für angemessen.

Im Rahmen der Umsetzung von „newtk“ werden wir die Weiterentwicklung und Restrukturierung unserer Geschäfte mit gesteigerter Intensität weiter fortsetzen. Dabei ist die Höhe der Restrukturierungsaufwendungen in einzelnen Geschäftsjahren auch von der realisierbaren Geschwindigkeit beim Umbau der Geschäfte und des Konzerns abhängig.

Die nachstehende Prognose unterstellt eine Vollkonsolidierung von Elevator Technology.

Aufgrund der geänderten Zuordnung von Geschäftsbereichen wurden die Vorjahreswerte für Automotive Technology, Industrial Components, Plant Technology und Corporate vereinfacht d.h. ohne erneute Konsolidierung ermittelt.

Der Umsatz wird - vorbehaltlich der oben beschriebenen Einflussfaktoren - im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen (Vorjahr: 42,0 Mrd €); in Teilen unserer Industriegütergeschäfte sehen wir Wachstumschancen.

Für das Bereinigte EBIT rechnen wir - vorbehaltlich der oben beschriebenen Einflussfaktoren - mit einem Wert auf Vorjahresniveau (Vorjahr: 802 Mio €), der sich aus Fortschritten bei den Industriegütergeschäften insgesamt und einer insgesamt schwächeren Ergebnisentwicklung der Werkstoffgeschäfte ergeben sollte.

  • Bei Automotive Technology erwarten wir eine Erholung des Bereinigten EBIT auf einen wieder positiven Wert (Vorjahr: pro forma -22 Mio €) aus einer Steigerung des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich (Vorjahr: pro forma 5,4 Mrd €) und Rückkehr zu einer positiven Marge (Vorjahr: pro forma -0,4 %). Dies folgt insbesondere aus dem weiteren Hochlauf der neuen Werke und Projekte für Lenkungen und Nockenwellenmodule und wird unterstützt durch Effizienzund Restrukturierungsprogramme. Belastend wirkt dabei der weiterhin negative Ergebnisbeitrag von Federn und Stabilisatoren, System Engineering strebt eine Verbesserung des Ergebnisses an, jedoch weiterhin negativ.
  • Bei Industrial Components erwarten wir insgesamt eine moderat rückläufige Umsatz- und Ergebnisentwicklung (Vorjahr, pro forma Umsatz: 2,5 Mrd €, Bereinigtes EBIT: 230 Mio €), dabei wird die Umsatzsteigerung bei Großwälzlagern sowie kontinuierliche Kosten- und Effizienzmaßnahmen die zyklisch rückläufige Entwicklung bei Kurbelwellen (insbesondere Lkw) und Baumaschinenkomponenten insbesondere in Europa und Nordamerika nicht vollständig kompensieren können.
  • Bei Elevator Technology erwarten wir einen währungsbereinigten Umsatzanstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich (Vorjahr: 8,0 Mrd €). Inklusive der für die eigenständige Aufstellung von Elevator Technology voraussichtlich zusätzlich zukünftig anfallenden Kosten in Höhe von 20–30 Mio € erwarten wir eine Bereinigte EBIT-Marge zwischen 11,0-12,0%. Vergleichbar gerechnet entspricht dies tendenziell einer höheren, mindestens jedoch stabilen Bereinigten EBIT-Marge (Vorjahr: 11,4%; unter Berücksichtigung dieser erwarteten zusätzlichen zukünftigen Kosten 11,1%) – unterstützt durch Restrukturierungs- und Effizienzmaßnahmen.
  • Bei Plant Technology erwarten wir in Abhängigkeit des Auftragseingangs eine deutliche Umsatzerholung (Vorjahr: pro forma 2,9 Mrd €); dabei ein deutlich verbessertes Bereinigtes EBIT, jedoch weiterhin negativ, unterstützt durch Kostenmaßnahmen auch in der Verwaltung, Verbesserung in der Projektabwicklung sowie Wachstum im margenstarken Service-Geschäft (Vorjahr: pro forma - 145 Mio €).
  • Bei Marine Systems erwarten wir eine stabile Umsatzentwicklung. Das Bereinigte EBIT wird durch Kostenmaßnahmen, Verbesserung der Projektabwicklung sowie höhere Ergebnisbeiträge der neuen Projekte leicht positiv erwartet (Vorjahr: 1 Mio €).
  • Bei Materials Services erwarten wir bei derzeit eingeschränkt verlässlicher Planbarkeit und anhaltenden Maßnahmen zur Ergebnissicherung ein weitgehend stabiles Bereinigtes EBIT (Vorjahr: 107 Mio €).
  • Bei Steel Europe erwarten wir bei derzeit eingeschränkt verlässlicher Planbarkeit trotz anhaltender Maßnahmen zur Ergebnissicherung ein negatives Bereinigtes EBIT (Vorjahr: 31 Mio €), belastend wirkt dabei auch das weiterhin negative Ergebnis bei Heavy Plate.
  • Bei Corporate Headquarters , das die Verwaltungseinheiten von Corporate und den Regionen umfasst, werden die Kosten bzw. das Bereinigte EBIT voraussichtlich auf Vorjahresniveau anfallen (Vorjahr: pro forma -252 Mio €).

Im Zuge der Umsetzung von Performance First unter „newtk“ intensivieren wir unsere Restrukturierungen und erwarten daraus Aufwendungen (Sondereffekte) in Höhe eines mittleren 3-stelligen Millionen-€-Betrags.

Infolgedessen erwarten wir bei Entfall positiver Effekte aus dem Vorjahr einen deutlich höheren Jahresfehlbetrag (Vorjahr: -260 Mio €).

Die Investitionen werden sich im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich über Vorjahresniveau bewegen, unter anderem auch infolge der Erstanwendung von IFRS 16 (Vorjahr: 1.443 Mio €).

Den Free Cash Flow vor M & A (Vorjahr: -1.140 Mio €) erwarten wir infolge operativer Verbesserungen, in Abhängigkeit von Zuflüssen des Auftragseingangs und Zahlungsprofils von Projekten bei Plant Technology und Marine Systems, deutlich höheren Auszahlungen für Restrukturierungen im mittleren 3-stelligen Millionen-€-Bereich sowie die Auszahlung für das erwarte Bußgeld im Kartellverfahren bei Grobblech in Höhe der gebildeten Rückstellungen unter Vorjahr.

Die Netto-Finanzschulden werden im Wesentlichen infolge der Cashflow Entwicklung sowie in Folge der Erstanwendung von IFRS 16 stark gegenüber dem Vorjahr ansteigen (Vorjahr: 3.703 Mio €). Dies berücksichtigt noch keine Erlöse aus der Elevator Technology Transaktion.

Der tkVA des Konzerns wird infolge der vorstehend beschriebenen Effekte unter Vorjahr erwartet (Vorjahr: -1.068 Mio €).

Die Entwicklung unserer Kernsteuerungsgrößen werden wir – auch unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Vertretbarkeit – bei der Erarbeitung unseres Dividendenvorschlags an die Hauptversammlung einbeziehen.

Quelle: Geschäftsbericht 2018/2019, S. 114-118