Die Stadt in der Stadt

So müssen versunkene Städte aussehen. Üppige Vegetation überwuchert ein unüberschaubares Gelände. Verlassene Straßen und Plätze verschwinden zunehmend unter wild wachsenden Büschen. Kaskaden von Efeu und wildem Wein bedecken Wälle und Mauern. Vereinzelt stehen noch verwitterte Backsteingebäude mit blinden oder zerbrochenen Fenstern.

Anderswo sind von der ehemaligen Bebauung nur noch Fundamente, Grundmauern und Fußböden zu sehen. Schlanke Birkenstämme wachsen zwischen verrosteten Bahnschienen und Versorgungsleitungen. Aus den Rissen im Asphalt sprießen Gräser und Halme, die den Boden beständig weiter aufreißen. Wer im Jahr 2000 das historische Werksgelände der Firma Krupp in Essen besuchen wollte, unternahm eine Reise ins Niemandsland.

Trotz der attraktiven Lage in unmittelbarer Nähe zur Essener Innenstadt – deren Hochhäuser und das Rathhaus in Sichtweite – lag das Gebiet fast vollkommen brach. Dass hier einmal Menschen tätig waren, die Häuser benutzt und die Schienen befahren wurden, lag offensichtlich viele Jahrzehnte zurück. Die Dimensionen der Überbleibsel jedoch ließen erkennen, dass hier einst eine ganze Stadt gestanden hatte: die "Fabrikstadt" der Kruppschen Gussstahlfabrik. Mehr als 100 Jahre lang, bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde hier die Geschichte der Firma Krupp geschrieben.

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