Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht
Besondere Ereignisse nach dem Stichtag
Die zwischen dem Stichtag des 1. Halbjahres (31. März 2008) und der Freigabe des Berichts zur Veröffentlichung (08. Mai 2008) eingetretenen besonderen Ereignisse sind unter Anhang-Nr. 12 im Zwischenabschluss dargestellt.
Weltwirtschaft mit schwächerem Wachstum
Die globale Konjunktur wird sich 2008 insgesamt abkühlen. Das Wachstum des Welt-Bruttoinlandsprodukts fällt mit knapp 4 % gegenüber dem Vorjahr schwächer aus. Die Risiken für eine stärkere Abschwächung haben auf Grund der anhaltenden Finanzmarktkrise und weiter gestiegener Rohstoff- und Ölpreise zugenommen.
In den USA ist frühestens im Verlauf des 2. Halbjahres 2008 mit einem Ende der konjunkturellen Stagnation zu rechnen. Dazu dürften auch geld- und finanzpolitische Impulse beitragen, die den privaten Verbrauch und die Investitionen der Unternehmen stützen. Die Wirtschaft im Euroraum und in Deutschland wird dank einer soliden Entwicklung im industriellen Sektor zunächst weiter expandieren, aber mit abnehmender Dynamik. Im späteren Verlauf des Jahres dürfte das langsamere globale Wachstum die gesamtwirtschaftliche Produktion dämpfen. In Deutschland wird 2008 arbeitsmarktbedingt ein steigender privater Verbrauch erwartet, während sich die Exportdynamik wegen der währungs- und weltwirtschaftlichen Entwicklung abschwächt. Nur unwesentlich wird die hohe Wachstumsdynamik in den sich entwickelnden Ländern in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa nachgeben.
In den wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen und Chancen für ThyssenKrupp aus:
- Der Weltstahlmarkt wird sich weiterhin günstig entwickeln. Unverändert rechnen wir im Jahr 2008 mit einer Zunahme der globalen Stahlmarktversorgung um knapp 7 %. Das Wachstum wird weiter in hohem Maß von China und anderen Schwellenländern getragen werden, aber auch die meisten übrigen Regionen dürften eine anhaltend positive Entwicklung aufweisen. Für das laufende Jahr gehen wir von einem entsprechenden Anstieg der Weltrohstahlproduktion auf 1,43 Mrd t aus. In unserem europäischen Kernmarkt, der relativ robust bleibt, deuten alle Anzeichen auf einen weiter steigenden Stahlverbrauch hin, wenn auch die hohen Wachstumsraten der beiden Vorjahre unterschritten werden. Die Stahlpreisentwicklung wird weiterhin maßgeblich von den hohen Rohstoff- und Energiekosten bestimmt. Für das Lieferjahr 2008/2009 schlagen für die europäischen Produzenten Preissteigerungen für Feinerz von 65 % und für Pellets von fast 87 % zu Buche. Die Preise für hochwertige Kokskohle australischer Provenienz erhöhen sich sogar um 200 %.
- Die weltweite Nachfrage nach Edelstahl-Rostfrei-Flachprodukten ist nach wie vor ungebrochen; der globale Verbrauch von RSH-Kaltflachprodukten wird im Jahr 2008 – nach einem leichten Rückgang im Vorjahr – voraussichtlich um rund 8 % wachsen. Für Europa wird nach einem Rückgang im Vorjahr wieder ein Wachstum von über 3 % prognostiziert, während der Nafta-Raum um bis zu 2 % wachsen wird. Die Nachfrage nach Hochleistungswerkstoffen wie Nickellegierungen und Titan wird temporär gebremst, weil sich der Bedarf infolge der verzögerten Auslieferung der Großraumflugzeuge Airbus A380 und Boeing B787 verschiebt.
- Die Fahrzeugproduktion wird 2008 weltweit weiter expandieren. Der Zuwachs kommt überwiegend aus den sich entwickelnden Ländern Asiens und den Staaten Mittel- und Osteuropas. In den USA wird die schwache Nachfrage auch in diesem Jahr anhalten und die Produktion merklich zurückgehen lassen. Japan und Westeuropa dürften die Vorjahreszahlen knapp erreichen. Der deutsche Fahrzeugbau wird mit rund 6 Mio Personen- und Nutzfahrzeugen nahezu an die Rekordproduktion von 2007 anknüpfen können.
- Im Maschinenbausektor wird sich 2008 die globale Produktionsdynamik im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abschwächen. In den USA ist wegen der niedrigeren Inlandsnachfrage mit einem Rückgang zu rechnen. Für den deutschen Maschinenbau einschließlich des Großanlagenbaus zeichnet sich auf Grund eines guten Auftragspolsters ein weiteres Wachstum ab; die Zuwächse fallen allerdings geringer aus als im Vorjahr. Unverändert positiv bleibt die Lage für den Maschinenbau in China.
- In der Bauwirtschaft setzen auch 2008 vor allem die Emerging Markets in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa die Wachstumsimpulse. In den USA ist dagegen wegen der Nachfrageschwäche im privaten Wohnungsbau mit einem leichten Rückgang zu rechnen. Für die deutsche Bauindustrie ist ein moderater Aufschwung zu erwarten, der vom Wirtschaftsbau, aber auch vom öffentlichen Bau getragen wird.
Ausblick stabil
Ergebnis und Umsatz: Zurzeit verzeichnen wir in Teilen einzelner Business Units unseres US-Geschäfts – Mechanical Components, Materials Services North America – erste Auswirkungen der Eintrübung der Konjunkturperspektiven. Gleichzeitig belasten die gestiegenen Rohstoffpreise stärker als erwartet. Dennoch können wir unsere Erwartungen für das Geschäftsjahr 2007/2008 bestätigen. Wir planen unverändert ein Ergebnis vor Steuern – vor Sondereffekten, unter anderem Vorlaufkosten für die Stahlwerke in Brasilien und den USA – von über 3 Mrd €. Zudem gehen wir nach derzeitigem Stand von einem Umsatz in Höhe von insgesamt 53 Mrd € aus.
Bei den Erwartungen für das Konzernergebnis ist zu berücksichtigen, dass wir im Segment Steel die stark gestiegenen Rohstoffkosten – insbesondere bei Eisenerz und Kokskohle – auf Grund unserer Kontraktstruktur im laufenden Geschäftsjahr nicht in vollem Umfang an unsere Kunden weitergeben können. Die Nachfrage nach unseren Stahlprodukten entwickelt sich sehr erfreulich, was sich bei kurzfristigeren Kontrakten auch in entsprechend steigenden Preisen äußert und unsere Erwartungen eines weiteren guten Stahljahres bestätigt.
Im Segment Stainless stabilisieren sich die Basispreise weiter. Die Nachfrage unserer Endkunden ist gut, die Service-Center agieren derzeit etwas verhaltener. Inzwischen erwarten wir für die zweite Hälfte des Berichtsjahres einen positiven Ergebnisbeitrag des Segments. Auf Grund des schwachen US-Dollar sind erste Anzeichen einsetzender Importe aus dem US-Dollar-Raum zu erkennen, die die weitere Erholung der Preise in der zweiten Jahreshälfte dämpfen könnten.
Bei Technologies profitieren wir insbesondere vom Aufbau der Infrastruktur und der Urbanisierung in den Wachstumsregionen der Welt. Unser hoher Auftragsbestand, der bis weit in die Folgejahre reicht und eine steigende Ergebnisqualität verzeichnet, verleiht uns große Planungssicherheit.
Das Segment Elevator leistet dank seines hohen Dienstleistungsanteils nach wie vor einen sehr stabilen Ergebnisbeitrag.
Services profitiert vom steigenden Materialbedarf in den Wachstumsregionen. Durch die weiter stark zunehmenden Roh- und Werkstoffpreise erwarten wir in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres einen überproportionalen Ergebnisbeitrag.
Für 2008/2009 erwarten wir eine weiterhin positive Umsatzentwicklung, sofern nicht unvorhersehbare konjunkturelle Einbrüche unsere Geschäfte beeinträchtigen. Eine positive Umsatzentwicklung wird sich auch im Ergebnis niederschlagen.
Mittelfristig streben wir für ThyssenKrupp ein Umsatzniveau von 60 Mrd € an; gleichzeitig soll das Ergebnis vor Steuern und Sondereffekten nachhaltig 4 Mrd € erreichen. Längerfristig, insbesondere nach der Inbetriebnahme der Stahlwerke von Steel und Stainless in Nordamerika sowie der Investitionen der anderen Segmente in weiteren Regionen, erwarten wir einen Umsatz in der Größenordnung von 65 Mrd € und ein Ergebnis vor Steuern und Sondereffekten von 4,5 bis 5,0 Mrd €.
Mitarbeiter: Bis Ende des Geschäftsjahres wird die Belegschaft nach unseren Planungen auf mehr als 198.000 Mitarbeiter steigen. Die Zunahme dürfte wegen der weiteren Internationalisierung des Unternehmens in erster Linie in unseren ausländischen Betrieben stattfinden; entsprechend wird sich der Auslandsanteil an der Belegschaft erhöhen.
Innovationen: Für das Berichtsjahr gehen wir von Innovationsaufwendungen in Höhe von mehr als 800 Mio € aus. Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Produkten und Herstellungsverfahren im Bereich neuer Werkstoffe und Industriegüter. Darüber hinaus wird auch das Angebot im Dienstleistungsbereich stetig weiterentwickelt. Um die Innovationskraft des Konzerns weiter zu steigern, wollen wir verstärkt Naturwissenschaftler und Ingenieure einstellen.
Beschaffung: Die Versorgung mit Rohstoffen sowie sonstigen Produkten und Dienstleistungen ist gesichert, auch wenn sich bei Rohstoffen die gestiegenen Preise in höheren Materialaufwendungen niederschlagen werden. Bei Erz und Kokskohle, aber auch bestimmten Legierungsmetallen sind erhebliche Preissteigerungen hinzunehmen. Wir gehen für 2007/2008 davon aus, dass der Materialaufwand insgesamt wieder mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Mit zahlreichen internationalen Zulieferern besteht eine bewährte und langfristige Zusammenarbeit, um Güter und Dienstleistungen markt- und termingerecht zu beziehen.
Energie: Wir erwarten im laufenden Geschäftsjahr weiter steigende Preise für Öl, Erdgas und Strom. Die entsprechenden Kostensteigerungen werden durch Rationalisierungen im Energieeinsatz, Optimierungen im Beschaffungs-Mix und langfristige Abnahmeverträge begrenzt.




