- Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Thyssenkrupp mit Rekordgeschäftsjahr
- Erwartungen übertroffen
- Die wesentlichen Absatzmärkte und die Wettbewerbslage
- Ertragslage und Dividende
- Investitionen
- Beschaffung: Rohstoffpreise im aufwärtstrend
- Umweltschutz
- Zusammenfassende Bewertung des Geschäftsjahres
Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern
ThyssenKrupp hat auch im Geschäftsjahr 2006/2007 sein profitables Wachstum fortgesetzt. Operativ und strategisch sind wir gut vorangekommen und haben in einem günstigen Marktumfeld erfolgreich gewirtschaftet. Dies drücken auch die Kennzahlen aus: Der Umsatz stieg um 10 % auf 51,7 Mrd €, das Ergebnis vor Steuern um 27 % auf 3,3 Mrd €.
Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld entwickelte sich im Berichtsjahr überwiegend freundlich. Das hohe globale Wirtschaftswachstum des Vorjahres hat sich 2007 fortgesetzt. Nach gegenwärtiger Einschätzung nahm das Welt-Bruttoinlandsprodukt 2007 voraussichtlich um 5,2 % zu und damit etwas stärker als noch vor einem Jahr erwartet. Trotz steigender Preise auf den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten blieb das globale Wachstum robust. Allerdings hat die US-Immobilienkrise die Entwicklung der Weltwirtschaft zuletzt belastet.
Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt
Im Euroraum entwickelte sich die Konjunktur 2007 unverändert positiv. Das BIP-Wachstum von 2,6 % lag im Rahmen der Erwartungen. Erfreulich war insbesondere der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland, der vor allem vom Export, aber auch von einer regen Investitionstätigkeit getragen wurde. Der Anstieg des Euro-Außenwertes hat die Zuwächse der Exportwirtschaft bisher nicht wesentlich beeinträchtigt.
In den USA hat sich dagegen das Wachstum verlangsamt. Der durch die Hypothekenkrise ausgelöste schwache Wohnungsmarkt hat die konjunkturelle Entwicklung spürbar beeinträchtigt. Japan blieb auf Grund einer anhaltend soliden Auslandsnachfrage bei vorübergehend schwächerer Investitionstätigkeit auf einem moderaten Wachstumskurs.
Die sich entwickelnden Länder Asiens, Lateinamerikas sowie Mittel- und Osteuropas wiesen auch 2007 ein starkes Wirtschaftswachstum auf. Das hohe Wachstumstempo in China und Indien war ungebrochen. In Lateinamerika hielt die Erholung der brasilianischen Wirtschaft an, gestützt vor allem von einer kräftigen Binnennachfrage. Auch Russland sowie die Mehrzahl der mittel- und osteuropäischen Volkswirtschaften entwickelten sich äußerst dynamisch.

Branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Unsere wichtigen Kundenmärkte verzeichneten eine insgesamt erfreuliche Entwicklung. Die Nachfrage nach Qualitätsflachstahl blieb insgesamt auf relativ hohem Niveau. Auch Edelstahl war bei starken Preisbewegungen ein gefragtes Produkt. Die Entwicklung in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und in der Bauwirtschaft war – bei regionalen Unterschieden – überwiegend aufwärts gerichtet. Unsere global aufgestellten Segmente konnten von dieser Entwicklung profitieren.
Hohe Nachfrage nach Qualitätsflachstahl in Europa
Die internationalen Stahlmärkte entwickelten sich – getragen von der boomenden Weltkonjunktur – überwiegend positiv. Weltweit ist die Rohstahlproduktion 2007 voraussichtlich um 6 % gestiegen und erreichte mit 1,33 Mrd t eine neue Rekordmarke. Dabei erwies sich China ein weiteres Mal als größter Wachstumstreiber. Mit einer Erhöhung seiner Erzeugung um 18 % auf knapp 500 Mio t stieg Chinas Anteil am Weltstahlangebot auf 37 %. Da das Wachstum der chinesischen Inlandsnachfrage weniger stark zunahm, wurde ein erheblicher Teil der Mehrproduktion exportiert. Bei gleichzeitig rückläufigen Stahlimporten baute China seine Position als größter Nettoexporteur von Stahl aus.
Leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr war die Stahlerzeugung im Nafta-Raum, wo hohe Lagerbestände bis zur Jahresmitte die Stahlnachfrage dämpften. Die Europäische Union verzeichnete insgesamt eine moderate Zunahme. In Deutschland erreichte die diesjährige Rohstahlproduktion nach vorläufigen Schätzungen 48,6 Mio t; dies entspricht einer Zunahme von 3 % gegenüber 2006. Bis zur Jahresmitte waren die Stahlwerke nahezu voll ausgelastet; im 2. Halbjahr wurde die Produktion als Reaktion auf die saisonal und lagerzyklisch abgeschwächte Nachfrage leicht zurückgenommen.
In unserem europäischen Kernmarkt haben die wesentlichen Stahl verarbeitenden Industriezweige auch 2007 ihre Produktion kräftig ausgeweitet. Dies sicherte den Produzenten von Qualitätsflachstahl hohe Absatzmengen bei insgesamt stabilen bis steigenden Preisen. Die Folge waren aber auch nochmals drastisch gestiegene Einfuhren aus Drittländern. Neben China, dem mittlerweile bedeutendsten Drittlandsanbieter im EU-Stahlmarkt, haben 2007 auch Russland, die Türkei, Indien und Brasilien ihre Lieferungen in die EU erheblich gesteigert. Dadurch kam es in den Sommermonaten in Teilbereichen zu einem Überangebot und im südeuropäischen Raum zu einem leichten temporären Preisdruck. Lagerüberhänge bei den Endverbrauchern und vor allem beim Handel bedingten, dass sich die Stahlnachfrage danach auf etwas moderaterem Niveau einpendelte. Die konjunkturelle Grundtendenz im Stahl verarbeitenden Gewerbe blieb indes robust.
Der Stahlmarkt in Nordamerika entwickelte sich weniger günstig. Eine schwächere Nachfrage und überhöhte Lagerbestände bei den Abnehmern von Stahl veranlassten die Stahlanbieter bereits in der zweiten Jahreshälfte 2006, ihre Produktion zurückzufahren. Auch die Importe blieben unter Vorjahreshöhe. Die Preise gaben nach. Gegen Ende des 3. Quartals 2007 zeichnete sich allerdings eine Stabilisierung ab, als die Stahlnachfrage nach dem Abbau überhöhter Lagerbestände wieder anzog. In Asien hat sich das dynamische Wachstum des Qualitätsflachstahlmarktes fortgesetzt. Der Zuwachs neuer Kapazitäten – insbesondere in China – führte aber zu einem beschleunigten Exportwachstum. Maßnahmen der chinesischen Administration zur Eindämmung der Stahlausfuhren zeigten bisher keine Wirkung.
Starke Bewegungen im Edelstahlmarkt durch Nickelpreisentwicklung
Im Markt für rost-, säure- und hitzebeständige (RSH) Edelstahlflachprodukte blieb die Nachfrage seitens der industriellen Endverbraucher in Europa auf hohem Niveau. Allerdings haben die mengenmäßigen Auftragsbuchungen deutlich nachgegeben. Ursache für diese Entwicklung waren zunächst die im Verlauf der Jahre 2006 und 2007 insbesondere durch massiv zunehmende Importe stark gestiegenen Lagerbestände bei Händlern und Service-Centern. Diese führten zu einem deutlichen Rückgang der Ordertätigkeit, der durch die Nickelpreisentwicklung nochmals verstärkt wurde.
Der Nickelpreis stieg von Ende 2005 bis Mai 2007 um nahezu 350 % auf ein nie zuvor erreichtes Niveau von über 50.000 US-Dollar pro Tonne. Diese Entwicklung führte dazu, dass sich der Marktpreis der nickelhaltigen, rostfreien Stähle – die etwa zwei Drittel des Rostfrei-Marktvolumens ausmachen – innerhalb dieser Periode nahezu verdreifachte und viele Verbraucher verunsicherte. Die Kunden gingen teilweise dazu über, Chromnickelstahlgüten wegen der marktbedingt hohen Preise durch kostengünstigere nickelarme Güten zu ersetzen. Parallel zur Entwicklung der Nickelpreise wirkte sich die zweite Einflussgröße aus: der starke Anstieg der Drittlandsimporte nach Europa, vorwiegend aus Asien und hier insbesondere aus China seit Ende des Jahres 2006. Ursache hierfür war das Auseinanderdriften von Angebot und Nachfrage durch den Bau neuer Kapazitäten in China.
Die Anfang Juni einsetzende Trendwende beim Nickelpreis, die bis September 2007 zu einem Rückgang des Nickelpreises auf vorübergehend unter 30.000 US-Dollar je Tonne führte, veranlasste den lagerhaltenden Handel, die insbesondere importbedingt überhöhten Bestände möglichst schnell abzubauen. Dies führte zu einem Einbruch bei den Preisen und zu einem weiteren Rückgang von Bestellungen bei den Produzenten. In der Folge nahmen die meisten europäischen Produzenten insbesondere im 3. Quartal 2007 ihre Fertigung deutlich zurück.
Auf dem nordamerikanischen Rostfrei-Markt stellte sich die Gesamtentwicklung ähnlich dar – jedoch in abgeschwächter Form. Auch hier waren die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresniveau rückläufig. In Asien, vor allem in China, war die Marktsituation weiterhin von großen Überkapazitäten mit nur teilweise ausgelasteten Werken der Rostfrei-Produzenten geprägt. Hier wirkte sich ebenfalls die Entwicklung der Rohstoffpreise negativ auf das Bestellverhalten des Handels aus.
Fahrzeugbau erhöht Stückzahlen
Der internationale Fahrzeugbau ist auch 2007 gewachsen. Die Produktion stieg weltweit nach vorläufigen Schätzungen um 4 % auf mehr als 72 Mio Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge. Die größten Wachstumsimpulse gingen erneut von den Emerging Markets aus. China, weltweit inzwischen drittgrößter Automobilhersteller, Indien und die mittel- und osteuropäischen Länder wiesen zweistellige Zuwachsraten auf. Jedes fünfte Fahrzeug wird mittlerweile in einer dieser drei Wachstumsregionen produziert.
In Nordamerika blieben dagegen die Produktionszahlen mit 15,5 Mio Fahrzeugen um 3 % unter dem Vorjahresniveau. Die kräftig gestiegenen Benzinpreise haben den Absatz sowohl von Personenkraftwagen als auch von leichten Nutzfahrzeugen belastet. In Brasilien nahm die Fahrzeugproduktion 2007 um 6 % auf 2,8 Mio Einheiten zu.
Positiv entwickelte sich die Automobilkonjunktur in Westeuropa. Die Fahrzeugproduktion hat sich 2007 um 2 % auf mehr als 17,5 Mio Fahrzeuge erhöht. Der deutsche Fahrzeugbau verzeichnete dabei einen überdurchschnittlichen Anstieg um 4 % auf mehr als 6 Mio Fahrzeuge. Dafür sind hohe Exporte für Personenkraftwagen und die anhaltend gute Nachfrage nach Nutzfahrzeugen verantwortlich. Die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland schwächten sich hingegen auch wegen der höheren Mehrwertsteuer erheblich ab.

Kräftiges Wachstum im Maschinen- und Anlagenbau
Dank der robusten Weltkonjunktur und gestiegener Investitionen blieb der globale Maschinenbau auf Wachstumskurs. Insbesondere in China, aber auch in vielen europäischen Ländern hat die Maschinenbauproduktion zugenommen.
Von der hohen Investitionsneigung in vielen Ländern profitierten insbesondere die deutschen Maschinenbauer. Auf Grund der guten Auftragslage aus dem In- und Ausland hat die Maschinenbauproduktion 2007 voraussichtlich um 11 % zugenommen. Auch im deutschen Großanlagenbau setzte sich die positive wirtschaftliche Entwicklung fort.
Deutsche Bauwirtschaft mit Produktionszuwachs
Der Zuwachs der weltweiten Bauproduktion wurde 2007 weiterhin von Asien und den Ländern Mittel- und Osteuropas getragen. In den USA war dagegen auf Grund des schwächeren Marktes bei Wohn-immobilien ein leichter Rückgang zu verzeichnen.
Die deutsche Bauwirtschaft befand sich auch 2007 in einer Aufschwungphase. Die größten Impulse gingen dank einer ungebrochenen Investitionsbereitschaft vom Wirtschaftsbau aus. Insgesamt lag das Produktionswachstum 2007 voraussichtlich bei 3,5 %.
Thyssenkrupp mit Rekordgeschäftsjahr
| 2005/2006 | 2006/2007 | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Auftragseingang | Mio € | 50.782 | 54.605 | ||
| Umsatz | Mio € | 47.125 | 51.723 | ||
| EBITDA | Mio € | 4.700 | 5.254 | ||
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | Mio € | 2.623 | 3.330 | ||
| Mitarbeiter (30.09.) | 187.586 | 191.350 |
ThyssenKrupp hat auch im Geschäftsjahr 2006/2007 erfolgreich gewirtschaftet. In einem insgesamt günstigen konjunkturellen Umfeld hat sich unsere Leistungsfähigkeit, das zeigen die oben stehenden Kennzahlen, weiter verbessert. Mit internem Wachstum, strategischen Akquisitionen und verstärkter Dienstleistungsorientierung haben wir neue Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis erreicht.
Kräftiges Wachstum bei Auftragseingang, Umsatz und Ergebnis
Auftragseingang und Umsatz haben sich 2006/2007 besser entwickelt, als wir vor einem Jahr erwartet hatten. Der Auftragseingang stieg auf 54,6 Mrd € und lag um 8 % über dem Vorjahreswert. Alle Segmente verzeichneten eine höhere Bestelltätigkeit, wobei Technologies, Elevator und Services die höchsten Zuwächse erzielten.
Der Konzernumsatz übertraf mit 51,7 Mrd € das Vorjahresniveau um 10 %. Höhere Preise für Qualitätsflachstahl- und Edelstahlprodukte führten bei Steel und Stainless zu einem Umsatzplus. Bei Technologies lag der Umsatz trotz Unternehmensverkäufen und Belastung aus der Schwäche des US-Dollar über dem Vorjahresniveau. Auch Elevator blieb ungeachtet negativer Wechselkurseffekte sowohl im Neuanlagen- als auch im Wartungsgeschäft weiter auf Expansionskurs. Services profitierte von der nach wie vor guten Roh- und Werkstoffkonjunktur. Während die Umsatzentwicklung von Technologies und Elevator im Rahmen der Erwartungen lag, haben Steel, Stainless sowie Services die Zielvorgaben übertroffen.
| 2005/2006 | 2006/2007 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 12.087 | 13.209 | ||
| Stainless | 6.437 | 8.748 | ||
| Technologies | 11.366 | 11.523 | ||
| Elevator | 4.298 | 4.712 | ||
| Services | 14.204 | 16.711 | ||
| Corporate | 1.469 | 288 | ||
| Umsatz der Segmente | 49.861 | 55.191 | ||
| Umsatz zwischen den Segmenten | – 2.736 | – 3.468 | ||
| Umsatz Konzern | 47.125 | 51.723 |
ThyssenKrupp erzielte im Berichtsjahr ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 3.330 Mio €. Es lag um 707 Mio € bzw. 27 % über dem Rekordergebnis des Vorjahres.
Portfolio weiter optimiert
ThyssenKrupp hat seinen Prozess der Portfoliooptimierung 2006/2007 fortgesetzt. Zu den wesentlichen Maßnahmen zählte die Bereinigung der Automotive-Aktivitäten, die zum 01. Oktober 2006 in das Segment Technologies integriert wurden. Dazu gehörte insbesondere die vollständige Trennung von dem nordamerikanischen Karosserie- und Fahrwerksgeschäft, die im 1. Quartal des Berichtsjahres stattfand. Außerdem hat Technologies mehrere Transaktionen zur Straffung des Portfolios und zum Ausbau des Kerngeschäfts getätigt. Elevator stärkte durch eine Vielzahl kleinerer Akquisitionen seine weltweite Marktposition. Bei Services lagen die Schwerpunkte des externen Wachstums auf den Auslandsmärkten, insbesondere im Nafta-Raum sowie in Osteuropa.
ThyssenKrupp hat zudem ein gewerbliches Immobilienportfolio aus 25 Objekten, darunter Büroimmobilien und andere gewerblich genutzte Objekte, an ein Erwerberkonsortium verkauft. Im Zusammenhang mit dem geplanten Umzug der ThyssenKrupp AG in das neue Quartier in Essen gehörte zu diesem Immobilienpaket auch das Dreischeibenhaus in Düsseldorf, in dem bis zum Umzug nach Essen die Hauptverwaltung von ThyssenKrupp untergebracht ist.
Das durch Akquisitionen erworbene Umsatzvolumen belief sich bis zum Ende des Berichtsjahres auf 0,3 Mrd €; die Desinvestitionen erreichten ein Umsatzvolumen von 0,2 Mrd €. Seit der Fusion von Thyssen und Krupp haben wir damit Unternehmen mit einem Umsatz von 9,1 Mrd € veräußert und solche mit einem Umsatz von 8,2 Mrd € erworben.
Mitarbeiterzahl gewachsen
ThyssenKrupp zählte am 30. September 2007 weltweit 191.350 Mitarbeiter, 3.764 bzw. 2 % mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt wiesen die dienstleistungsnahen Segmente Services und Elevator die größten Belegschaftszuwächse auf. In Deutschland stieg die Mitarbeiterzahl leicht um 1 % auf 84.999. Damit hatten 44 % der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz in Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter im Ausland erhöhte sich um knapp 3 % auf 106.351. Der Ausbau unserer Aktivitäten im Ausland konnte den Rückgang der Mitarbeiterzahl, den die Unternehmensverkäufe in Nord- und Südamerika mit sich brachten, mehr als ausgleichen. Ende September 2007 waren 24 % der Mitarbeiter im europäischen Ausland und 16 % im Nafta-Raum tätig.
Erwartungen übertroffen
Unser Geschäft hat sich 2006/2007 besser entwickelt, als wir noch zum Zeitpunkt des Verfassens des letzten Geschäftsberichts Mitte November 2006 erwartet hatten. Wir haben das damals genannte Umsatzziel von 47 Mrd € um 10 % überschritten. Auch das nachhaltige Ergebnis vor Steuern, das in einer Größenordnung von 2,5 Mrd € geplant war, fiel 2006/2007 mit einem Plus von 33 % deutlich höher aus. Neben der guten Stahlkonjunktur haben hierzu vor allem erfolgreiche Produktentwicklungen beigetragen: Stärker als erwartet haben internationale Kunden unsere Waren und Dienstleistungen gekauft. Unsere Segmente Steel und Stainless haben sich auf den Weltmärkten hervorragend geschlagen; die nachlassenden Preise beim Edelstahl setzten erst spät ein, so dass sie das Ergebnis erst im letzten Quartal beeinträchtigen konnten. Technologies übertraf das Ergebnisziel deutlich, Elevator – vor EU-Strafe – hielt die Ergebnisposition, und Services war in allen Geschäftsaktivitäten außergewöhnlich stark. Die Überschreitung des Ergebnisziels ist darüber hinaus auf viele weitere Maßnahmen zurückzuführen, die auf der Aufwands- und Ertragsseite nicht eingeplante Rentabilitätsreserven erschlossen und den Unternehmenswert steigerten. Sobald wir diese positiven Entwicklungen im Laufe des Jahres hinreichend sicher erkennen konnten, haben wir unsere Planziele angepasst und die höheren Erwartungen in den Zwischenberichten veröffentlicht.
Die wesentlichen Absatzmärkte und die Wettbewerbslage
Mit einem Anteil von 67 % am Umsatz war die EU-Region der wichtigste Absatzmarkt für Produkte und Dienstleistungen von ThyssenKrupp; rund die Hälfte davon entfiel auf Deutschland. Kunden im Nafta-Raum standen für 17 % unseres Umsatzes. In Asien einschließlich Mittlerem Osten und Südamerika lagen die Umsatzanteile mit 7 % und 3 % noch relativ niedrig. Näheres geht aus der nachfolgenden Grafik hervor:

Viele unserer Produkte besitzen auf ihren Märkten eine weltweit führende Position, die dem technischen Vorsprung, der Wirtschaftlichkeit und dem guten Service über die gesamte Lebensdauer der Produkte zu verdanken ist. Wir haben auch im vergangenen Geschäftsjahr alles darangesetzt, diese Marktpositionen zu halten und, wo immer es möglich war, auszubauen.
Kundennahes Marketing
Für das internationale Marketing unserer Produkte und Dienstleistungen nutzen wir die gesamte Palette der Absatzinstrumente. Wir optimieren die Produktgestaltung länder- und kundenbezogen, bieten wettbewerbsfähige Preise, eine effiziente Vertriebsorganisation und individuelle Kundenberatung. Produktbezogene Kommunikation und Werbung, internationale Messebeteiligungen und Präsentationen gehören ebenfalls zu den Mitteln, unsere Leistungen den Kunden näherzubringen.
Die operativen Gesellschaften der Segmente treten zwar in einem konzernweit einheitlichen Corporate-Design-Rahmen auf, operieren aber selbstständig am Markt, so dass sie auf Änderungen der Markt- und Kundenwünsche schnell und flexibel reagieren können. Diese Nähe zum Kunden sehen wir als wichtiges Merkmal unseres Marketings an und fördern sie durch intensive Kommunikation, konsequente Qualitätsverbesserungen und ständige Innovationen.
Ertragslage und Dividende
Rekordergebnis von 3,3 Mrd €
Mit 3.330 Mio € erzielte ThyssenKrupp im Geschäftsjahr 2006/2007 ein neues Spitzenergebnis. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Gewinn vor Steuern um 707 Mio € oder 27 %. Den größten Ergebnisbeitrag leistete das Segment Steel. Bei einem hohen Versandniveau, kostenbedingt steigenden Stahlpreisen und Effizienzverbesserungen wurde der Gewinn weiter ausgebaut. Stainless konnte den Gewinn nahezu verdoppeln. Ausschlaggebend waren im Wesentlichen höhere Preise bei Edelstahl Rostfrei und im Bereich der Hochleistungswerkstoffe. Technologies erzielte ebenfalls einen deutlich verbesserten Gewinn. Dazu trug insbesondere der erfreuliche Geschäftsverlauf bei mechanischen Komponenten und Industrieanlagen bei. Elevator wies auf Grund des von der EU-Kommission verhängten Bußgeldes wegen des Vorwurfs wettbewerbswidrigen Verhaltens auf nationaler Ebene in den Benelux-Ländern und in Deutschland im Markt für Aufzüge und Fahrtreppen einen Verlust aus. Ohne diesen Effekt hätte auch Elevator den Gewinn des Vorjahres nahezu bestätigt. Services erwirtschaftete vor dem Hintergrund einer anhaltend guten Nachfrageentwicklung und einer erfolgreichen Geschäftsexpansion einen Rekordgewinn.
| 2005/2006 | 2006/2007 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 1.406 | 1.662 | ||
| Stainless | 423 | 777 | ||
| Technologies | 410 | 544 | ||
| Elevator | 391 | – 113 | ||
| Services | 482 | 704 | ||
| Corporate | – 446 | – 205 | ||
| Konsolidierung | – 43 | – 39 | ||
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | 2.623 | 3.330 |
Während der Umsatz um 10 % stieg, erhöhten sich die Umsatzkosten nur um 8 %; die Brutto-Umsatzmarge verbesserte sich dementsprechend gegenüber dem Vorjahr von 17 % auf 18 %. Im Vergleich zum Umsatzanstieg erhöhten sich die Verwaltungs- und Vertriebskosten mit jeweils 4 % unterproportional.
Die sonstigen betrieblichen Erträge verringerten sich um 72 Mio €. Ursächlich hierfür ist insbesondere die im Vorjahr erfasste Break-up Fee aus der nicht durchgeführten Übernahme von Dofasco in Höhe von 153 Mio €, der im Berichtsjahr lediglich Erträge aus dem Verkauf diverser Immobilien im Rahmen der Konzentration der Verwaltungsstandorte von ThyssenKrupp in Deutschland in Höhe von 119 Mio € gegenüberstanden. Darüber hinaus sanken die Erträge aus Versicherungsentschädigungen um 18 Mio €. Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 490 Mio € betrifft mit rund 480 Mio € hauptsächlich die EU-Kartellstrafe gegen ThyssenKrupp Elevator.
Trotz Anstiegs des Zinsniveaus auf den für uns relevanten Märkten und einer innerhalb des Geschäftsjahres angestiegenen Bindung von Finanzmitteln verbesserte sich das Zinsergebnis um 23 Mio €. Diese Entwicklung basiert im Wesentlichen darauf, dass die Bruttoverschuldung des Konzerns überwiegend festverzinslich kontrahiert ist, die Tilgung fälliger Altkredite mit relativ hoher Verzinsung ergebniswirksam wurde und die im Vergleich zum Vorjahr geringere Geldanlage durch ansteigende Zinssätze ergebnismäßig weitgehend eliminiert wurde.
Die Aufwendungen für Ertragsteuern erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 221 Mio € auf 1.140 Mio €. Die Steuerquote veränderte sich nur leicht von 35 % auf 34 %; dies ist u.a. darauf zurückzuführen, dass die steuermindernden Wirkungen aus der Unternehmensteuerreform in Deutschland durch die steuerliche Nichtabzugsfähigkeit der EU-Kartellstrafe weitgehend kompensiert wurden.
Der Jahresüberschuss betrug 2.190 Mio € nach 1.704 Mio € im Vorjahr und konnte somit um rund 28 % gesteigert werden.
Der Anteil anderer Gesellschafter am Jahresüberschuss stieg auf 88 Mio € nach 61 Mio € im Vorjahr. Dies ist Folge der verbesserten Ergebnislage bei den Gesellschaften mit konzernfremden Minderheiten. Nach Abzug der Ergebnisanteile anderer Gesellschafter stieg das Ergebnis pro Aktie von 3,24 € im Vorjahr auf 4,30 € im Berichtsjahr. Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien lag während des gesamten Berichtsjahres bei 488.764.592 Stück. Im Vorjahr betrug der zeitanteilig gewichtete Jahresdurchschnitt 507.731.743 Stück; hier wurde der Anstieg durch den Verkauf eigener Aktien im November 2005 ebenso zeitanteilig berücksichtigt wie die Verminderung durch den Rückkauf eigener Aktien im Juli und August 2006.
Ergebnis der ThyssenKrupp AG
Der nach den Regeln des HGB ermittelte Jahresüberschuss der ThyssenKrupp AG betrug im Berichtsjahr 309 Mio € nach 1.118 Mio € im Vorjahr.
Das Beteiligungsergebnis verringerte sich um 465 Mio € auf 666 Mio €. Die Erträge aus Gewinnabführungsverträgen erreichten das Niveau des Vorjahres. Von besonderer Bedeutung waren die Erträge des Segments Steel angesichts des äußerst positiven Geschäftsverlaufs im Stahlbereich. Allerdings hat die erhöhte Verlustübernahme durch die Kartellstrafe der EU-Kommission gegen ThyssenKrupp Elevator das Ergebnis gemindert. Wesentlich zum Rückgang der Erträge aus Beteiligungen trugen niedrigere Ausschüttungen der inländischen Unternehmen bei.
Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Erträge resultierte in Höhe von 257 Mio € aus erhöhten Steuerumlagen der Konzernunternehmen wegen der Abführung von Organschaftsergebnissen; hinzu kam die Veräußerung des Verwaltungsgebäudes in Düsseldorf.
Die Verwaltungskosten haben sich gegenüber dem Vorjahr nicht signifikant geändert, während in den übrigen Aufwendungen eine Einstellung in den Sonderposten mit Rücklageanteil erfasst wurde, die um 70 Mio € höher lag als im Vorjahr.
Die um 207 Mio € erhöhten Zinsaufwendungen spiegeln Einzahlungen in die Kapitalrücklagen von verbundenen Unternehmen und Zinssatzänderungen auf den Geld- und Kapitalmärkten wider.
Nach Berücksichtigung dieser Effekte ergibt sich ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 695 Mio € nach 1.179 Mio € im Vorjahr.
Im Vorjahr enthielt das außerordentliche Ergebnis im Wesentlichen die Break-up Fee in Höhe von 153 Mio € aus der nicht durchgeführten Übernahme von Dofasco. 2006/2007 lagen keine außerordentlichen Sachverhalte vor.
Der Aufwand aus Steuern vom Einkommen und vom Ertrag betrug 386 Mio € und ist durch die eigene Körperschaft- und Gewerbesteuer für 2006/2007 beeinflusst. Hierbei wurden der aus dem Vorjahr noch vorhandene gewerbesteuerliche Verlustvortrag sowie erhöhte Steuererstattungen für Vorjahre berücksichtigt.
Nach Erfassung der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergab sich ein Jahresüberschuss von 309 Mio €. Unter Berücksichtigung von Entnahmen aus den anderen Gewinnrücklagen in Höhe von 334 Mio € und des Gewinnvortrags des letzten Jahres in Höhe von 26 Mio € beläuft sich der Bilanzgewinn auf 669 Mio €. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Hauptversammlung soll dieser Bilanzgewinn zur Ausschüttung einer Dividende von 635 Mio € verwendet werden. Der Restbetrag von 34 Mio € soll auf neue Rechnung vorgetragen werden.
1,30 € Dividende je Stückaktie
Die rechtliche Basis für die Ausschüttung bildet der nach HGB ermittelte Bilanzgewinn der ThyssenKrupp AG in Höhe von 669 Mio €; im Vorjahr waren es 548 Mio €. Er setzt sich zusammen aus dem nach HGB ermittelten Jahresüberschuss der ThyssenKrupp AG in Höhe von 309 (im Vorjahr 1.118) Mio € zuzüglich der Entnahme aus den anderen Gewinnrücklagen in Höhe von 334 Mio € (im Vorjahr Einstellung in andere Gewinnrücklagen 570 Mio €) und des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr in Höhe von 26 Mio €.
Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende in Höhe von 1,30 € (im Vorjahr 1,00 €) je Stückaktie und den Vortrag des darüber hinausgehenden Betrags von 34 Mio € auf neue Rechnung vor. Soweit sich die Anzahl der dividendenberechtigten Aktien bis zum Tag der Hauptversammlung ändern sollte, wird der Gewinnverwendungsvorschlag entsprechend angepasst. Damit ist aus dem Bilanzgewinn von 669 Mio € ein Teilbetrag von insgesamt 635 Mio € zur Ausschüttung auf die zum 30. September 2007 dividendenberechtigten 488.764.592 Aktien vorgesehen.
Der Jahresabschluss der ThyssenKrupp AG ist in Kurzform in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:
| 30.09.2006 | 30.09.2007 | |||
|---|---|---|---|---|
| Immaterielle Vermögenswerte | 29 | 50 | ||
| Sachanlagen | 149 | 103 | ||
| Finanzanlagen | 11.120 | 16.453 | ||
| Anlagevermögen | 11.298 | 16.606 | ||
| Forderungen gegen verbundene Unternehmen | 6.943 | 9.625 | ||
| Übrige Forderungen und sonstige Vermögenswerte | 103 | 312 | ||
| Wertpapiere | 684 | 698 | ||
| Flüssige Mittel | 3.377 | 2.481 | ||
| Umlaufvermögen | 11.107 | 13.116 | ||
| Aktiva | 22.405 | 29.722 | ||
| Eigenkapital | 6.355 | 6.175 | ||
| Sonderposten mit Rücklageanteil | 58 | 91 | ||
| Rückstellungen | 436 | 526 | ||
| Anleihen | 1.500 | 1.500 | ||
| Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten | 502 | 298 | ||
| Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen | 13.261 | 20.853 | ||
| Übrige Verbindlichkeiten | 293 | 279 | ||
| Verbindlichkeiten | 15.556 | 22.930 | ||
| Passiva | 22.405 | 29.722 |
| 2005/2006 | 2006/2007 | |||
|---|---|---|---|---|
| Beteiligungsergebnis | 1.131 | 666 | ||
| Sonstige betriebliche Erträge | 649 | 1.006 | ||
| Übrige Aufwendungen und Erträge | – 439 | – 608 | ||
| Zinsergebnis | – 162 | – 369 | ||
| Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit | 1.179 | 695 | ||
| Außerordentliches Ergebnis | 113 | 0 | ||
| Steuern vom Einkommen und vom Ertrag | – 174 | – 386 | ||
| Jahresüberschuss | 1.118 | 309 | ||
| Entnahme aus anderen Gewinnrücklagen | 0 | 334 | ||
| Einstellung in andere Gewinnrücklagen | – 570 | 0 | ||
| Gewinnvortrag | 0 | 26 | ||
| Bilanzgewinn | 548 | 669 |
Investitionen
2006/2007 steigerte ThyssenKrupp die Investitionen um 44 % auf 3.001 Mio €. Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte erreichten 2.873 Mio €, die übrigen 128 Mio € entfielen auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen. Die Investitionen überschritten die Abschreibungen in Höhe von 1.355 Mio € um 1.646 Mio €.
| 2005/2006 | 2006/2007 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 603 | 1.659 | ||
| Stainless | 230 | 328 | ||
| Technologies | 600 | 581 | ||
| Elevator | 164 | 122 | ||
| Services | 393 | 282 | ||
| Corporate | 88 | 131 | ||
| Konsolidierung | – 1 | – 102 | ||
| Konzern | 2.077 | 3.001 |
Die Investitionen unterstützen unseren strategischen Kurs des nachhaltigen und profitablen Wachstums.
Rund zwei Drittel der Mittel flossen in den Ausbau unserer Produktionskapazitäten weltweit. Hierbei sind insbesondere die 2006/2007 angefallenen Investitionen für den Bau des neuen Stahlwerks in Brasilien zu nennen. Zudem haben alle Segmente erheblich in die Modernisierung vorhandener Anlagen und Werke investiert.
Darüber hinaus verweisen wir auf die Erläuterungen zur Kapitalflussrechnung im Kapitel "Finanz- und Vermögenslage".
Beschaffung: Rohstoffpreise im aufwärtstrend
Mit 33,0 Mrd € machte der Materialaufwand im Berichtsjahr 64 % des Umsatzes aus. Gegenüber dem Jahr zuvor haben wir 11 % mehr für Rohstoffe, sonstige Produkte und Dienstleistungen aufgewendet. Die Zunahme ist auf höhere Rohstoffpreise und steigende Aufwendungen für zugekaufte Produkte zurückzuführen. Obwohl die Märkte teilweise angespannt waren, blieb die Materialversorgung sichergestellt.
| 2005/2006 | 2006/2007 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 7.066 | 7.650 | ||
| Stainless | 4.909 | 6.783 | ||
| Technologies | 6.966 | 7.024 | ||
| Elevator | 1.406 | 1.577 | ||
| Services | 11.123 | 13.223 | ||
| Corporate | 909 | 186 | ||
| Materialaufwand der Segmente | 32.379 | 36.443 | ||
| Konsolidierung | – 2.701 | – 3.447 | ||
| Konzern | 29.678 | 32.996 |

Brasilien – wichtigstes Lieferland für Eisenerz
Auf Grund des kräftigen Wachstums der Stahlproduktion hat sich die Situation auf dem globalen Eisenerzmarkt im Jahr 2007 weiter verschärft. Die Nachfrage nach Übersee-Eisenerzen nahm um 10 % auf rund 800 Mio t zu, so dass trotz einer Vielzahl von Ausbauvorhaben das Erzangebot nur mühsam mit der hohen Nachfrage Schritt hielt. Zudem verzögerten sich einige der geplanten Ausbauprojekte, weil die voll ausgelasteten Anlagenbauer nicht liefern konnten. Vor diesem Hintergrund wurden die Feinerze um 9,5 % teurer. Der Preis für Pellets – gepresstes hochkonzentriertes Eisenerz – der brasilianischen Leitsorte stieg um 5,3 %. Zusätzlich verteuerten sich die Seefrachten für den Erztransport.
Das Segment Steel hat im Berichtsjahr 16,1 Mio t Eisenerz gekauft, davon knapp 10 Mio t in Brasilien. Es folgten Kanada mit 2,6 Mio t und Australien mit knapp 1 Mio t. Geringere Mengen kamen aus Afrika und Schweden.
Während die Preise für Eisenerz stiegen, ist Kokskohle dank der verbesserten Versorgungslage billiger geworden: Auf dem internationalen Markt konnten wir eine Preisermäßigung für hochwertige Qualitäten von rund 16 % erreichen. Für Einblaskohle hingegen waren keine Preisrückgänge durchsetzbar – im Wesentlichen wegen der starken Nachfrage nach Kohle für Kraftwerke. Auch bei Kohle wurden unsere Einstandskosten durch die stark gestiegenen Seefrachtraten belastet.
International gehandelter Hochofenkoks ist seit Ende 2006 deutlich teurer geworden. Die Preise für chinesischen Hochofenkoks lagen zum Ende des Geschäftsjahres bei 325 US-Dollar, wozu noch die Frachtkosten nach Deutschland kamen. Neben der hohen Nachfrage hat aber auch die Exportsteuer auf Koks und andere Brennstoffe in China die Preise steigen lassen.
Preissprünge bei Legierungsmetallen
Auf den Beschaffungsmärkten für Legierungen und vor allem für Metalle waren die Preise stark in Bewegung. Die Produzenten erhöhten ihre Preisforderungen um zum Teil über 50 % und begründeten dies mit einer weiterhin hohen Nachfrage in Europa und Asien. Dies galt vor allem für Massenlegierungen wie Ferro-Mangan. Anti-Dumpingmaßnahmen der EU-Kommission – z.B. bei Ferro-Silizium – trieben die Preise zusätzlich in die Höhe.
Die börsennotierten Metalle wie Zink, Zinn und Kupfer sowie insbesondere das in der Rostfrei-Erzeugung wichtige Nickel erlebten ebenfalls starke Kursschwankungen. Nachdem der Nickelpreis bereits in den letzten drei Jahren um über 350 % auf rund 30.000 US-Dollar je Tonne zu Beginn des Geschäftsjahres gestiegen war, kletterte der Preis für Lieferung in drei Monaten im weiteren Verlauf des Berichtsjahres auf 51.000 US-Dollar Mitte Mai 2007. Danach fiel er innerhalb weniger Wochen auf unter 28.000 US-Dollar. Seit Mitte August stieg der Preis wieder an und bewegte sich seit Mitte September 2007 auf einem Niveau knapp oberhalb 30.000 US-Dollar. Der Zuschlag für sofort gelieferte Ware betrug zeitweise bis zu knapp 4.000 US-Dollar je Tonne.
Preissprünge machte auch das ebenfalls für die Herstellung rostfreier Stähle bedeutsame Legierungsmetall Chrom. Der Preis stieg nach leichten Rückgängen im 2. Quartal des Berichtsjahres im 3. Quartal wieder deutlich an und erreichte im 4. Quartal mit rund 2.200 US-Dollar je Tonne seinen historischen Höchstwert. Ein wichtiger Grund war die hohe chinesische Nachfrage. Dagegen blieben die Preise für Ferro-Molybdän relativ stabil und bewegten sich in der Bandbreite von 73 bis 77 US-Dollar je Kilogramm, nachdem in den Vorjahren auch der Preis dieses Legierungsmetalls um rund 400 % auf zeitweise über 90 US-Dollar je Kilogramm gestiegen war.
Die weltweit gute Stahlkonjunktur machte Schrott zu einem begehrten Rohstoff. Im Durchschnitt stieg der Preis für unlegierten Schrott der Richtsorte 2 in Deutschland um 17 % gegenüber dem Vorjahr. Die Preise schwankten zwischen 222 und 253 € je Tonne. Bei legiertem Schrott machten die steigenden Nickelpreise auch den Schrott teurer, ließen aber gleichzeitig das Schrottangebot deutlich steigen. Dieser Preistrend wurde gebrochen, als später die Weltproduktion der nickelhaltigen rostfreien Stähle zurückging – nur für diese wird legierter Schrott eingesetzt. Nachdem auch die Nickelnotierungen ab Juni 2007 nachgaben, war der Schrottpreis weiter rückläufig.
Bei Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Ersatzteilen war der Markt durch eine gute Beschäftigung der Lieferanten geprägt. Nur dank einer frühzeitigen Disposition konnten wir weitere Preissteigerungen und Lieferengpässe verhindern. Auch im Dienstleistungsbereich ließen sich die Preise weitgehend stabil halten. Beim Bau gelang es sogar, Preissteigerungen trotz höherer Materialkosten abzuwenden. Die Lieferanten für Guss- und Schmiedeteile waren ebenso stark ausgelastet wie beispielsweise Unternehmen, die Kraftwerksbauer beliefern. Hierzu zählten Turbinen-, Pumpen-, Dampfkessel- und Hochdruckapparatehersteller, aber auch Antriebsstrang- und Getriebeproduzenten. In diesen Warengruppen ist es zum Teil zu erheblichen Preiserhöhungen bei langen Lieferzeiten gekommen.
Die Einkaufsinitiative im Rahmen unseres Wertsteigerungsprogramms ThyssenKrupp best ging im Berichtsjahr erfolgreich weiter. Inzwischen wurden weltweit mehr als 500 Mitarbeiter aus Europa, Nordamerika, Brasilien und Asien in den zentral bereitgestellten Methoden und Tools geschult. Über die Projekte und die erzielten deutlichen Kosteneinsparungen durch das Programm können Sie sich im Kapitel Unternehmenssteuerung – Ziele und Strategie informieren.
Ausschreibungsvolumen hat sich verfünffacht
Auch die ThyssenKrupp Beschaffungsplattform, die den Einkauf global unterstützt, haben wir im Berichtsjahr stark ausgebaut. Das über das Internet zugängliche Programm-Modul Strategic Sourcing ermöglichte weltweite Ausschreibungen und Auktionen. Zahlreiche Konzernunternehmen in Deutschland, Liechtenstein, Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA haben bereits erfolgreich Online-Ausschreibungen veranstaltet. Insgesamt hat sich das Ausschreibungsvolumen gegenüber dem Vorjahr verfünffacht und betrug 2,5 Mrd €.
Unser zweites Programm-Modul Catalog Ordering hat sich ebenfalls weiter international durchgesetzt. Heute können mehr als 3,3 Mio Artikel online bezogen werden. Damit reduzieren wir die Durchführungskosten bei Einkäufen für uns und unsere Lieferanten deutlich.
Auch das weltweite strategische Lieferantenmanagement haben wir ausgebaut. Mehr als 70 Konzernunternehmen aus Europa, der Nafta-Region und Asien bewerteten über 1.000 Lieferanten nach einheitlichen Methoden und Kriterien. Die Bewertung erfolgte gemeinsam durch alle mit den Lieferanten arbeitenden Abteilungen und Mitarbeiter. Sämtliche Lieferanten und deren Bewertungen wurden in einer Lieferantendatenbank gespeichert, auf die unsere Konzernunternehmen online zugreifen können.
Höhere Transportkosten
Für den internationalen Einkauf sind die Transportkosten ein wichtiger Faktor. Die knappen Schiffskapazitäten im Überseeverkehr haben die Preise deutlich anziehen lassen. Der boomende Markt in Richtung USA und die begrenzten Umschlagsmöglichkeiten stark frequentierter Häfen verlängerten außerdem die Transportzeiten. In der Luftfracht konnten wir die Raten durch Bündelung der Aufträge über Rahmenverträge senken. Teurer wurden allerdings die Straßen- und Bahntransporte.
Das zentrale Fahrzeugflotten-Managementsystem hat sich international bewährt. In Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein senkte es die Beschaffungskosten. Zudem haben wir im Rahmen der Volumenbündelung auch Fahrzeuge in Italien über die europäischen Abkommen mit Fahrzeugherstellern und Leasinggesellschaften geordert. Dadurch ließen sich die Konditionen erheblich verbessern. Auch in Ungarn, Rumänien und Schweden haben wir Synergiepotenziale bei Fahrzeugrabatten und Leasingkonditionen genutzt. Ein zentrales Fahrzeugschadenmanagement soll künftig die Kosten transparent machen und die Abwicklung vereinfachen.
Energie: Ölpreis erreichte Rekordhöhe
Der Ölpreis zeigte 2006/2007 eine sehr sprunghafte Entwicklung. Angesichts des milden Winters ging er zunächst zeitweise ungewöhnlich stark zurück. Im weiteren Verlauf erreichte der Preis für Rohöl mit mehr als 80 US-Dollar je Barrel jedoch einen neuen Rekordwert. Dies ließ auch den Erdgaspreis steigen.
Zu Beginn des Berichtsjahres hatten die Erdgaslieferanten die bestehenden Verträge gekündigt. Gleichzeitig wurde der Basispreis flächendeckend angehoben, was mit höheren Produzentenpreisen in den Niederlanden, Norwegen und Russland begründet wurde. Die durch das Energiewirtschaftsgesetz inzwischen geforderte Trennung der Erdgasgesellschaften in Vertriebs- und Transporteinheiten hat für die Abnehmer im Erdgas-Ferntransportnetz bisher nicht zu niedrigeren Kosten geführt.
Steigende Stromkosten
Beim Strom haben sich die Kosten weiter erhöht, obwohl wir unsere Einkaufszeitpunkte streuten und günstige Marktsituationen nutzten. Auch unsere bestehenden langfristigen Lieferverträge konnten dies nicht verhindern. Als Kosten treibend erwiesen sich vor allem die nochmals gestiegenen Aufschläge für die Förderung der erneuerbaren Energien. Ebenso haben die Stromsteuer und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung die elektrische Energie verteuert. Die Sonderregelungen für energieintensive Unternehmen brachten nur wenigen großen Stromverbrauchern im Konzern Vorteile.
Umweltschutz
Umweltschutz: Verantwortung für Klima und Ressourcen
Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung stehen für ThyssenKrupp an erster Stelle, wenn es um die Verantwortung für die Umwelt geht. Für den laufenden Betrieb der eigenen Umweltschutzeinrichtungen hat der Konzern im Berichtsjahr 520 Mio € aufgewendet. Darüber hinaus haben die Segmente viel getan, um den Energie- und Rohstoffeinsatz zu senken sowie einen Beitrag zum Klimaschutz in den eigenen Werken und bei den Kunden zu leisten. Angesichts der hohen Rohstoff- und Energiepreise dienen diese Maßnahmen zugleich der Wirtschaftlichkeit.
| 2002/2003 | 2003/2004 | 2004/2005 | 2005/2006 | 2006/2007 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Luftreinhaltung | 101 | 124 | 141 | 141 | 183 | |||||
| Gewässerschutz | 161 | 177 | 165 | 168 | 204 | |||||
| Lärm- und Landschaftsschutz | 13 | 12 | 15 | 16 | 24 | |||||
| Recycling und Verwertung von Reststoffen | 60 | 64 | 81 | 87 | 109 | |||||
| Insgesamt | 335 | 377 | 402 | 412 | 520 |

Das Segment Steel hat die weltweit einzigartige OxyCup®-Technologie entwickelt, mit der sich bisher nicht verwertbare eisenhaltige Reststoffe des Hüttenbetriebs wieder zu Roheisen schmelzen lassen. Dies schont die Rohstoffvorkommen und spart Kosten ein. Mit umfangreichen Forschungsarbeiten haben die Ingenieure und Techniker außerdem Schachtofenschlacke als hochwertigen Bauwerkstoff marktreif gemacht. Statt auf Deponien entsorgt zu werden, bilden jetzt praktisch alle ehemaligen Reststoffe wichtige Produkte, die neue Kunden finden. Dieses ressourcenschonende Entsorgungskonzept macht Stahl schon in der Produktion zu einem umweltfreundlichen Werkstoff.
Die für den Bau unseres neuen Produktionskomplexes in den USA erforderlichen Genehmigungsanträge hatten wir in der Rekordzeit von nur sechs Monaten erstellt und bei den Umweltschutzbehörden im Bundesstaat Alabama frühzeitig eingereicht. Nach intensiven Kontakten lagen die wesentlichen Genehmigungen bereits im Herbst 2007 vor. Auch das positive Interesse der Bevölkerung hat die Genehmigungsverfahren beschleunigt. In vier öffentlichen Veranstaltungen informierten sich mehr als 1.750 interessierte Bürger, potenzielle Dienstleister und künftige Mitarbeiter über das Projekt.
Mit umfangreichem Know-how und innovativen Produkten unterstützen wir auch unsere Kunden beim Umweltschutz. Beispiel sind die modernen Kokereianlagen von Technologies, die im weltweiten Einsatz die sonst üblichen Staub- und Gasemissionen reduzieren. Speziell in China, Südkorea und Taiwan sind diese modernen und umweltfreundlichen Anlagen gefragt. Durch den Einsatz von Großraumöfen gehen Platzbedarf und Betriebskosten zurück. Das neue PROven®-System vermeidet die sonst üblichen Emissionen an Ofenverschlüssen und während des Füllens. Für die Kokskühlung steht das moderne CSQ-Nasslöschverfahren (Coke Stabilisation Quenching) mit integriertem zweistufigen Partikelabscheider zur Verfügung. Eine Kombination verschiedener von uns entwickelter Verfahren garantiert zusätzlich die bestmögliche Entschwefelung des Kokereigases, wobei hochreiner Schwefel gewonnen wird.
Umweltfreundliche Energie liefern auch neue Sonnenkollektoren von Steel, die als Fassadenelemente im Stahlbau eingesetzt werden können. Das neue Solarsystem entwickelten wir im Rahmen des Projekts Solabs® zusammen mit verschiedenen europäischen Partnern. Die Sonnenkollektoren an den Außenfassaden produzieren Energie, ohne zusätzlichen Platz zu beanspruchen.
Auf immer größeres Interesse stößt weltweit die EnviNOx®-Technologie, die Wissenschaftler und Ingenieure von Technologies entwickelt haben, um die Emission von Treibhausgasen zu senken. Mittlerweile wurden weltweit zehn Anlagen mit dieser Technologie ausgerüstet bzw. sind noch im Bau. Das Verfahren verwandelt klimaschädliches Lachgas und andere Stickoxide, die bei der Produktion von Salpetersäure entstehen, über einen Katalysator in die natürlichen Luftbestandteile Stickstoff, Sauerstoff und Wasser. Allein diese zehn Anlagen bewirken eine Treibhausgasverringerung, die pro Jahr einer CO2-Reduktion von umgerechnet 7,5 Mio t entspricht. Dies ist in etwa die Menge Kohlendioxid, die jährlich 2 Mio Personenkraftwagen bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 20.000 km ausstoßen.
Zusammenfassende Bewertung des Geschäftsjahres
Das abgelaufene Geschäftsjahr war das bisher erfolgreichste seit Bestehen unseres Konzerns. ThyssenKrupp hat erneut hervorragend gewirtschaftet und konnte in allen wesentlichen Kennzahlen neue Spitzenwerte verzeichnen. Alle fünf Segmente konnten im Berichtsjahr ihre weltweiten Marktpositionen zum Teil beträchtlich ausbauen und ihre Geschäfte erweitern. Basis dafür ist die breite Palette von Produkten und Dienstleistungen, die drei Dinge gemeinsam haben – sie sind qualitativ hochwertig, technologisch anspruchsvoll und kundenindividuell zugeschnitten. Aber auch die internen Programme zur Leistungs-, Produktivitäts- und Effizienzsteigerung trugen Früchte, allen voran das konzernweite Wertsteigerungsprogramm ThyssenKrupp best.
ThyssenKrupp ist ein fokussiertes Konglomerat, das von drei Säulen getragen wird: Stahl, Industriegüter und Dienstleistungen. Diese drei Tätigkeitsschwerpunkte, denen die fünf Konzernsegmente zugeordnet sind, machen unser Geschäftsmodell aus; sie stehen ebenso für unseren bisherigen wie für den künftigen Erfolg.