NACHTRAGS-, CHANCEN- UND PROGNOSEBERICHT

Trotz der sich leicht abschwächenden Weltkonjunktur bleibt das Marktumfeld insgesamt freundlich. Vor diesem Hintergrund wird ThyssenKrupp die positive Geschäftsentwicklung fortsetzen. Für 2006/2007 erwarten wir beim Umsatz eine Größenordnung von rund 47 Mrd € und beim Ergebnis vor Steuern eine von 2,5 Mrd €.

Berichtspflichtige Ereignisse lagen nicht vor.

ThyssenKrupp wird seine grundsätzliche Ausrichtung als weltweiter Anbieter von Stahl, Industriegütern und Dienstleistungen beibehalten. Wir besitzen in diesen Bereichen hervorragendes Know-how und eine profunde Marktkenntnis. Unsere qualifizierten Mitarbeiter und das internationale Netz von Betrieben und Verkaufsniederlassungen sprechen für die Fokussierung auf die bewährten Tätigkeitsfelder. Der von uns erwartete weltwirtschaftliche Aufwärtstrend dürfte unsere Geschäfte weiter vorantreiben.

Globales Wachstum geringfügig schwächer

Der weltwirtschaftliche Aufschwung wird sich auch 2007 fortsetzen. Allerdings wird das globale Wachstumstempo geringfügig nachlassen. Mit einem Zuwachs des Welt-BIP von 4,5 % wird die Dynamik nur leicht hinter der des Jahres 2006 mit 5,2 % zurückbleiben. Über diesen Prognosehorizont hinaus gehen wir von einem etwas langsameren Wachstum der Weltwirtschaft aus. Die Risiken für das Wirtschaftswachstum bleiben auf Grund des weltweit hohen Rohstoff- und Ölpreisniveaus unvermindert bestehen.

Brutto-Inlandsprodukt 2007

* Prognose

Eine anhaltend hohe Wachstumsdynamik wird in den Ländern Asiens erwartet. Insbesondere in China wird sich der wirtschaftliche Aufschwung dank kräftiger Investitionen fortsetzen. Auch in der indischen Wirtschaft wird das Wachstumstempo 2007 kaum nachlassen. Überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten werden auch die meisten Länder Lateinamerikas sowie Mittel- und Osteuropas erzielen.

In den Industrieländern wird sich die konjunkturelle Entwicklung abkühlen. Höhere Zinsen und die Schwäche des Immobilienmarktes belasten die Wachstumsperspektiven in den USA. Auch für Japan wird auf Grund einer nachlassenden Investitions- und Exportdynamik mit einem abgeschwächten Wachstum gerechnet. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch für den Euroraum ab. Insbesondere in Deutschland wird sich die Konjunktur zumindest temporär abschwächen. Bremsend wirken hier vor allem eine restriktive Finanzpolitik sowie ein stagnierender privater Konsum.

Überwiegend positive Entwicklung in wichtigen Kundenmärkten

In den für ThyssenKrupp wichtigen Kundenmärkten erwarten wir eine überwiegend günstige Entwicklung. Insbesondere die Perspektiven für den Weltstahlmarkt bleiben insgesamt positiv. Weltweit wird die Nachfrage nach Walzstahl im Jahr 2007 um rund 5 % zunehmen. Motor dieser Entwicklung werden vor allem die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika sowie die GUS-Staaten sein. In Europa und im Nafta-Raum ist mit einer gleich bleibenden oder leicht rückläufigen Nachfrage zu rechnen, bedingt durch die etwas gedämpften Konjunkturaussichten und den zu erwartenden Lagerabbau. Der Stahlverbrauch dürfte indes weiter zunehmen. Produktionszuwächse werden vor allem die Schwellenländer – insbesondere China, Indien und Brasilien – aufweisen, da dort in größerem Umfang neue Kapazitäten in Betrieb gehen. Die Lage auf den Rohstoff- und Energiemärkten wird insgesamt angespannt bleiben und die Kosten der Stahlerzeugung auf hohem Niveau halten oder sogar weiter steigen lassen.

Für Edelstahl Rostfrei wie für die Hochleistungswerkstoffe Nickellegierungen und Titan gehen wir für 2007 von einer weiter steigenden Nachfrage aus. Dies gilt sowohl für die Märkte in Europa und Nordamerika als auch in Asien, insbesondere in China. Während in China die meisten Produzenten durch das starke Kapazitätswachstum der letzten Jahre ihre Kapazitäten nicht auslasteten, sind die Produzenten in Europa und den USA kaum in der Lage, die Nachfrage zeitgerecht zu bedienen.

Der Fahrzeugbau bleibt nach unserer Einschätzung insgesamt ein Wachstumsmarkt. Für 2007 erwarten wir weltweit einen Produktionsanstieg um 2 % auf 70,5 Mio Fahrzeuge. Allerdings entstehen die neuen Produktionskapazitäten zunehmend in den asiatischen Schwellenländern sowie in Mittel- und Osteuropa. Diese Länder könnten ihre Fahrzeugproduktion auch 2007 deutlich ausweiten. Im Nafta-Raum, Westeuropa und Japan werden die Stückzahlen leicht zurückgehen. Als Folge der schwächeren Inlandsnachfrage dürfte die deutsche Fahrzeugproduktion auf knapp 5,7 Mio Personen- und Nutzfahrzeuge nachgeben.

Auf Grund der etwas verminderten globalen Wachstumsdynamik wird auch der Maschinenbau 2007 nicht mehr so stark wachsen wie im Jahr zuvor. Insbesondere in den USA und in Westeuropa zeichnet sich eine Abkühlung der Maschinenbaukonjunktur ab. In China sorgt die ungebrochene Investitionsdynamik dagegen weiterhin für hohe Zuwächse.

Die internationale Baukonjunktur bleibt auch 2007 regional stark differenziert. Im Euroraum wird das Wachstum schwächer ausfallen, und in Deutschland ist wieder mit einem geringfügigen Anstieg der Bauproduktion zu rechnen. In den USA wird sich die Bautätigkeit dagegen spürbar abkühlen. Wachstumszentren bleiben die Länder Osteuropas sowie Indien und China.

CHANCEN DURCH INNOVATION UND INTERNATIONALISIERUNG

In einer konsequenten Vorwärtsstrategie sieht ThyssenKrupp beachtliche Wachstumschancen für die kommenden Jahre. Wir wollen den Innovationsgrad und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Leistungspalette weiter erhöhen. Innovative Verfahren und Produkte eröffnen Chancen, unsere Top-Positionen auf zahlreichen Märkten zu sichern und auszubauen. Dies gilt für unser Werkstoffangebot, aber auch für die kompletten Systemlösungen beispielsweise in Plant Technology oder im Marineschiffbau. Gute Aussichten sehen wir ebenfalls im Geschäft mit Industriedienstleistungen. Sein eigenständiges Profil mit neuartigen Service-Angeboten kann künftig noch stärker zum Unternehmenserfolg beitragen.

Im Chancenmanagement hat die weitere Internationalisierung der Aktivitäten aller Segmente eine hohe Priorität. Vor allem in den aufstrebenden Ländern Asiens, Lateinamerikas sowie Osteuropas wollen wir uns für den Aufschwung engagieren und an dem Wachstum teilhaben. Dazu werden eigene Fertigungen vor Ort aufgebaut. Wir sehen aber auch vielfältige Möglichkeiten für strategische Akquisitionen.

Im Segment Steel wird das neue Stahlwerk im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro neue Chancen eröffnen. Mit den Brammenlieferungen von dort können wir bei günstiger Kostenstruktur und hohen Qualitätsstandards die Wachstumsmöglichkeiten in unserem Kernmarkt Europa und im Nafta-Raum ausschöpfen. Die geplante Stärkung unserer Präsenz in Nordamerika durch den Aufbau eigener Walzkapazitäten sowohl für Qualitätsstahl- als auch für Rostfrei-Flachprodukte macht uns auf diesem wichtigen Markt zu einem flexiblen Werkstoffhersteller, der nahe bei den dortigen Kunden ist und dynamisch auf ihre Wünsche eingehen kann.

Einzelheiten zu unserer Unternehmensstrategie, mit der wir unsere Zukunftschancen nutzen wollen, sind auf der Seite Unternehmssteuerung - Ziele und Strategie beschrieben.

ERWARTETE ERTRAGSLAGE WEITERHIN POSITIV

Sofern die konjunkturellen Erwartungen eintreffen, rechnen wir für 2006/2007 und 2007/2008 mit einer weiterhin insgesamt positiven Geschäftsentwicklung.

Umsatz: Nach derzeitigem Stand gehen wir für das laufende Geschäftsjahr von einem Umsatz von insgesamt rund 47 Mrd € aus.

  • Steel strebt bei Qualitätsflachstahl eine Umsatzsteigerung an, die im Wesentlichen aus strukturbedingt leicht steigendem Preisniveau resultiert.
  • Stainless prognostiziert einen moderaten Umsatzanstieg, der vor allem auf Mengen- und Strukturverbesserungen bei den rostfreien Flachprodukten sowie auf ein höheres Basispreisniveau zurückzuführen ist.
  • Technologies geht für die bisherigen Aktivitäten des Segments angesichts der hohen Auftragsbestände im Projektgeschäft, aber auch der hohen Erwartungen beim Auftragseingang von einem Umsatzplus aus. Bei den Automotive-Aktivitäten wird – bereinigt um die Desinvestitionen (im Wesentlichen Karosserie- und Fahrwerksgeschäft Nordamerika, ThyssenKrupp Plastics, ThyssenKrupp Stahl Company) – insgesamt mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau gerechnet.
  • Elevator erwartet für das kommende Geschäftsjahr abermals eine deutliche Steigerung des Umsatzes, die durch den hohen Auftragsbestand hinreichend abgesichert ist. Alle Regionen sollen zu diesem Anstieg beitragen.
  • Services geht angesichts des erwarteten niedrigeren Preisniveaus von einem gering rückläufigen Umsatz aus. Steigerungen werden die Dienstleistungsaktivitäten und das Osteuropa-Geschäft verzeichnen.

Für 2007/2008 erwarten wir für den Konzern auf Basis einer weiterhin insgesamt positiven Geschäftsentwicklung eine entsprechend stabile Umsatzentwicklung.

Unser Umsatzziel in der Größenordnung von 50 Mrd € verfolgen wir intensiv weiter.

Ergebnis und Dividende: Beim Ergebnis vor Steuern liegt unser nachhaltiges Ziel über die konjunkturellen Zyklen bei 2,5 Mrd €. Wir sind zuversichtlich, diese Größenordnung nach 2005/2006 auch im laufenden Geschäftsjahr zu erwirtschaften. Für das Jahr 2007/2008 wird eine vergleichbare Ergebnis- Größenordnung angestrebt.

Die Höhe der Dividende wird sich auch künftig an der Entwicklung des Ergebnisses orientieren.

Mitarbeiter: Wir planen, zum 30. September 2007 rund 191.000 Mitarbeiter zu beschäftigen, eine Zunahme um 2 %. Im darauf folgenden Geschäftsjahr soll die Zahl der Arbeitsplätze um weitere 2 % steigen. Trotz der erwarteten Steigerungen dürfte die Belegschaft in Deutschland aber zurückgehen, da aus Markt- und Kostengründen das Beschäftigungswachstum fast ausschließlich im Ausland stattfinden wird. Auch in Zukunft werden wir unverändert großen Wert auf die Ausbildung von Jugendlichen legen und wollen deshalb weiter über unseren eigenen Bedarf hinaus ausbilden. Angesichts des Stellenmangels auf dem Ausbildungsmarkt wollen wir weiterhin möglichst vielen geeigneten Jugendlichen einen Start ins Berufsleben ermöglichen. Insgesamt wird der Personalaufwand des Konzerns für 2006/2007 bei rund 9,5 Mrd € liegen; im darauf folgenden Geschäftsjahr könnte er weiter steigen.

Beschaffung: Auch in den kommenden zwei Geschäftsjahren wird der Materialaufwand wieder deutlich mehr als 50 % des Umsatzes betragen. Grund hierfür sind die weiterhin hohen Rohstoffpreise und der steigende Anteil an zugekauften Gütern und Leistungen. Angesichts unserer langfristigen und internationalen Lieferantenbeziehungen rechnen wir für 2006/2007 und 2007/2008 nicht mit Versorgungsengpässen. Dies gilt für die Rohstoffe ebenso wie für Komponenten, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Dienstleistungen.

Im Geschäftsjahr 2006/2007 werden wir unsere erfolgreiche Einkaufsinitiative fortsetzen und damit nicht nur die Gesamtkosten weiter reduzieren, sondern mittelfristig auch die Einkaufsfunktion qualitativ stärken. Dazu gehört der Ausbau unseres strategischen Lieferantenmanagements. Wir ermitteln hierbei die besten Lieferanten weltweit und können uns noch stärker auf diese fokussieren und mit ihnen langfristige Partnerschaften eingehen. Dies wird die Einkaufspreise begrenzt halten oder bei einigen Produkten sogar weiter senken.

Forschung und Entwicklung: Für die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren einschließlich Qualitätswesen werden wir im angelaufenen Geschäftsjahr über 800 Mio € aufwenden. Dies bedeutet eine Zunahme um mehr als 50 Mio €. Für das darauf folgende Geschäftsjahr planen wir eine weitere Steigerung. Im Vordergrund steht die Entwicklung neuer Werkstoffe im Stahl- und Edelstahlbereich, die sich von unseren Kunden z.B. in der Automobilindustrie gut verarbeiten lassen und trotzdem hochbelastbar sind. Im Werftengeschäft wollen wir den Bau von Marineschiffen und die Integration der unterschiedlichen elektronisch gesteuerten Systeme optimieren. Unser Anlagenbau wird mehrere von ihm angebotene Produktionsverfahren mit dem Ziel weiterentwickeln, den Energieverbrauch zu senken. Für die geplante Zunahme der Entwicklungsarbeiten werden unsere Forschungseinrichtungen weitere Mitarbeiter einstellen; zudem soll stärker mit externen Hochschulinstituten kooperiert werden. Einzelne Projekte könnten dabei in weltweiter Auftragsforschung durchgeführt werden, um die Entwicklungszeiten zu verkürzen. Die Entwicklungszentren unseres Konzerns werden möglichst segmentübergreifend arbeiten, um durch Bündelung der Ressourcen die Entwicklungseffizienz zu steigern.

Umweltschutz: Die laufenden Umweltschutzausgaben werden in den Geschäftsjahren 2006/2007 und 2007/2008 jeweils in der Größenordnung von über 400 Mio € liegen. Der größte Teil davon wird auf die Luft- und Wasserreinhaltung entfallen. In den Segmenten Steel und Stainless können außerdem wegen der geplanten Bauvorhaben in Brasilien und den USA nennenswerte Investitionen für Umweltschutzanlagen anfallen. In allen Segmenten wollen wir die Reststoffverwertung weiter ausbauen, um Rohstoffe besser zu nutzen und die natürlichen Ressourcen zu schonen. Außerdem wird das Energiesparen in unseren Betrieben weltweit vorangetrieben.

ERWARTETE FINANZLAGE

Mit rund 7 Mrd € liegt das vom Aufsichtsrat bewilligte Investitionsvolumen auf Grund der Investitionen in Brasilien wesentlich über dem Vorjahresniveau. Für 2006/2007 planen wir – ohne Einflüsse aus dem Dofasco-Projekt – Sach- und Finanzinvestitionen in Höhe von 3,2 Mrd €, das sind 1,7 Mrd € mehr als die planmäßigen Abschreibungen. Zur Finanzierung der geplanten Investitionen stehen dem Konzern 2006/2007 ausreichend Mittel zur Verfügung. Unser anspruchsvolles Investitionsprogramm beruht auch für das folgende Geschäftsjahr auf einer soliden Basis.