Die Führung und Steuerung des ThyssenKrupp Konzerns erfolgen auf Basis eines wertorientierten Managementsystems. Dabei steht die kontinuierliche und nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes durch Konzentration auf Geschäftsfelder, die bezüglich der Performance zu den besten im Weltmaßstab gehören, im Mittelpunkt. Zur Erreichung dieser Zielsetzung wird ein integriertes Controllingkonzept eingesetzt. Es erlaubt eine zielgerichtete Steuerung und Koordination der Aktivitäten aller Segmente, unterstützt die dezentrale Verantwortung und gewährleistet eine übergreifende Transparenz.

Das integrierte Controllingkonzept knüpft an der Vorstellung an, die Steigerung des Unternehmenswertes durch Maßnahmen zur Überbrückung operativer und strategischer Lücken zwischen dem Ist- und Zielzustand zu realisieren. Dies setzt das Vorhandensein von qualitativ hochwertigen strategischen und operativen Berichterstattungssystemen – für Ist- und Planungsrechnungen sowie interne und externe Berichterstattung – voraus. Die Grundlage unseres Berichterstattungssystems sind die für jede Berichtseinheit nach US-GAAP ermittelten Werte.

Im ThyssenKrupp Controllingkonzept werden strategische und operative Elemente mit einer zeitnahen Berichterstattung verknüpft, begleitet durch eine regelmäßige, maßnahmenorientierte Kommunikation. Eine weitere Konkretisierung erfährt dieses Konzept durch wertorientierte Steuerungsgrößen und ein aktives Portfolio-Management.

Die zentralen Steuerungsgrößen sind der Return on Capital Employed (ROCE) und der Wertbeitrag. Beide Kennzahlen reflektieren die Ertragskraft des investierten Kapitals in Form einer relativen Größe (ROCE) sowie eines absoluten Wertes (Wertbeitrag).

Der ROCE berechnet sich wie folgt:

ROCE=

Ergebnis vor Steuern, Anteilen anderer Gesellschafter und vor Zinsen


Capital Employed

Der Zähler setzt sich aus dem Ergebnis vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter, dem Zinsergebnis und dem zuzurechnenden Zinsaufwand für Pensionsrückstellungen zusammen. Dabei werden zur Beurteilung der Managementleistung sowohl die fortgeführten als auch die nicht fortgeführten Aktivitäten in die Betrachtung einbezogen. Dies gilt selbstverständlich auch für das im Nenner der Rentabilitätskennziffer enthaltene Capital Employed. Das Capital Employed kann aktivisch oder passivisch ermittelt werden. Aktivisch errechnet es sich aus dem Nettoanlagevermögen und dem Net-Working Capital. Latente Steuern werden in die Ermittlung nicht einbezogen, da die Kennzahlenermittlung auf einer Vorsteuerbasis erfolgt. Passivisch kann das Capital Employed aus den veröffentlichten Bilanzdaten abgeleitet werden, wobei die betreffenden Bilanzpositionen der Discontinued Operations und der Disposal Group Anhang- Nr. 3 entnommen werden können:

Konzern in Mio €
 

 

 

 

01.10.2003

 

30.09.2004

 

01.10.2004

 

30.09.2005

Eigenkapital

 

 

7.671

 

8.327

 

8.327

 

8.771

+Ausgleichsposten für Anteile
anderer Gesellschafter

 

 

320

 

410

 

410

 

481

+Pensionsrückstellungen

 

 

7.401

 

7.221

 

7.221

 

8.072

+Finanzverbindlichkeiten

 

 

4.948

 

4.270

 

4.270

 

4.814

./.Wertpapiere/Flüssige Mittel

 

 

713

 

1.437

 

1.437

 

4.823

+Passive latente Steuern

 

 

771

 

984

 

984

 

1.527

./.Aktive latente Steuern

 

 

1.283

 

1.150

 

1.150

 

1.480

Stichtagswert

 

 

19.115

 

18.625

 

18.625

 

17.362

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           
 

 

       

Durchschnittswert

 

 

18.870

 

17.994

Dem ROCE werden die gewichteten durchschnittlichen Kosten (WACC) des eingesetzten Kapitals gegenübergestellt. Die Kapitalkosten werden dabei – wie die verwendete Ergebnisgröße – vor Ertragsteuern erfasst. Auf dieser Basis ergibt sich für den Konzern eine gewichtete Verzinsung aus Eigenkapital (14,0 %), Finanzverbindlichkeiten (6,5 %) und Pensionsrückstellungen (6,0 %) in Höhe von 9,0 %. Dieser gewichtete Kapitalkostensatz wird mittelfristig konstant gehalten, um eine möglichst hohe Kontinuität für den Zeitvergleich zu gewährleisten. Daher werden nur bei gravierenden Zinsänderungen Anpassungen vorgenommen. Die Kapitalkosten der Segmente ermitteln sich danach aus den konzerneinheitlichen Kapitalkostensätzen für Eigenkapital, Finanzverbindlichkeiten und Pensionsrückstellungen, gewichtet mit der jeweiligen Segmentkapitalstruktur. Ferner wurden die segmentspezifischen Geschäftsrisiken berücksichtigt. Danach betragen die gewichteten und risikoadjustierten Segmentkapitalkostensätze für Steel 10,0 %, Automotive 9,5 %, Technologies 10,0 %, Elevator 9,0 % und Services 9,0 %.

Der Wertbeitrag errechnet sich aus der Differenz zwischen ROCE und Kapitalkostensatz, multipliziert mit dem Capital Employed. Zusätzlicher Unternehmenswert wird nur dann geschaffen, wenn der ROCE den gewichteten Kapitalkostensatz übersteigt. Somit stellen die Kapitalkosten einen Mindestverzinsungsanspruch dar. Daneben werden individuelle Zielrentabilitäten für die einzelnen Aktivitäten vereinbart, die sich am jeweils besten Wettbewerber oder an einem branchenfremden Benchmark orientieren.

Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Entwicklung der zentralen Steuerungsgrößen in den letzten beiden Geschäftsjahren.

2003/2004*
* ungeprüft
** Ergebnis incl. nicht fortgeführter Aktivitäten vor Steuern, Anteilen anderer Gesellschafter und vor Zinsen (Zinsergebnis einschl. Zinsaufwand für Pensionsrückstellungen)

 

 

 

Ergebnis vor Zinsen** (Mio €)

 

Capital Employed (Mio €)

 

ROCE (%)

 

Kapitalkosten (%)

 

Spread (%-Punkte)

 

Wertbeitrag (Mio €)

Konzern

 

 

2.271

 

18.870

 

12,0

 

9,0

 

3,0

 

572

davon:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steel

 

 

1.095

 

8.685

 

12,6

 

10,0

 

2,6

 

226

Automotive

 

 

399

 

3.146

 

12,7

 

9,5

 

3,2

 

100

Technologies

 

 

84

 

572

 

14,7

 

10,0

 

4,7

 

27

Elevator

 

 

404

 

1.709

 

23,7

 

9,0

 

14,7

 

250

Services

 

 

350

 

2.725

 

12,9

 

9,0

 

3,9

 

105

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2004/2005* Download
* ungeprüft
** Ergebnis incl. nicht fortgeführter Aktivitäten vor Steuern, Anteilen anderer Gesellschafter und vor Zinsen (Zinsergebnis einschl. Zinsaufwand für Pensionsrückstellungen)

 

 

 

Ergebnis vor Zinsen** (Mio €)

 

Capital Employed (Mio €)

 

ROCE (%)

 

Kapitalkosten (%)

 

Spread (%-Punkte)

 

Wertbeitrag (Mio €)

 

Veränderung Wertbeitrag (Mio €)

Konzern

 

 

2.706

 

17.994

 

15,0

 

9,0

 

6,0

 

1.087

 

515

davon:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steel

 

 

1.406

 

8.804

 

16,0

 

10,0

 

6,0

 

526

 

300

Automotive

 

 

158

 

3.145

 

5,0

 

9,5

 

-4,5

 

-141

 

-241

Technologies

 

 

-94

 

936

 

-3,7

 

10,0

 

-13,7

 

-128

 

-155

Elevator

 

 

378

 

1.752

 

21,6

 

9,0

 

12,6

 

220

 

-30

Services

 

 

391

 

2.677

 

14,6

 

9,0

 

5,6

 

150

 

45

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ergebnis vor Zinsen des ThyssenKrupp Konzerns stieg in 2004/2005 um 435 Mio € auf 2.706 Mio €. Diese Verbesserung wurde bei der Ermittlung der Kapitalrendite durch den Abbau der Mittelbindung noch leicht verstärkt. Das Capital Employed sank um 876 Mio € auf 17.994 Mio €. Der ROCE lag in 2004/2005 bei 15,0 % nach 12,0 % im Vorjahr. Die für den Konzern relevanten Kapitalkosten von 9,0 % wurden damit erneut überschritten, der Wertbeitrag stieg um 515 Mio € auf 1.087 Mio €. Die Verbesserung der Rentabilität und des Wertbeitrags im ThyssenKrupp Konzern ist in besonderem Maße beeinflusst durch die Ergebnisse aus der Veräußerung der Wohnimmobilien sowie der übrigen Abgänge im Rahmen des Desinvestitionsprogramms. Gegenläufig wirkten sich die Sonderaufwendungen im Zusammenhang mit der RAG-Beteiligung aus.

Im Segment Steel ist das Ergebnis vor Zinsen um 311 Mio € auf 1.406 Mio € gestiegen. Trotz des ebenfalls gestiegenen Capital Employed erhöhte sich der ROCE in 2004/2005 von 12,6 % auf 16,0 %. Damit wurden die Kapitalkosten in Höhe von 10 % wiederum deutlich überschritten und ein positiver Wertbeitrag von 526 Mio € erzielt. Dies ist eine Verbesserung von 300 Mio € gegenüber dem Vorjahr.

Bei Automotive sank das Ergebnis vor Zinsen. Es lag in 2004/2005 bei 158 Mio €, das sind 241 Mio € weniger als im Vorjahr. Zurückzuführen ist diese Verschlechterung vor allem auf die Veräußerungsverluste im Zusammenhang mit dem Desinvestitionsprogramm, auf Restrukturierungsmaßnahmen sowie die nur teilweise gelungene Überwälzung der Stahlpreiserhöhungen. Bei einem nahezu unverändertem Capital Employed verminderte sich der ROCE von 12,7 % auf 5,0 % und lag damit deutlich unter den Kapitalkosten von 9,5 %. Nach einem positiven Wertbeitrag im Vorjahr sank der Beitrag in 2004/2005 um 241 Mio € auf 141 Mio €.

Das Ergebnis vor Zinsen von Technologies sank in 2004/2005 um 178 Mio € auf -94 Mio €. Ursache waren auch hier i.W. die im Rahmen des Desinvestitionsprogramms erzielten Veräußerungsverluste. Es ergab sich ein ROCE von -3,7 % nach +14,7 % im Vorjahr. Bei Kapitalkosten von 10 % wurde ein Wertbeitrag in Höhe von -128 Mio € erzielt. Dies entspricht einem Rückgang von 155 Mio € gegenüber der Vorperiode. Durch die Umsetzung des Desinvestitionsprogramms wurde das Ergebnis vor Ertragsteuer und Zinsen im Zähler der ROCE-Kennziffer allerdings in Höhe von 245 Mio € (Veräußerungsverluste) belastet. Ohne diesen Effekt ergäbe sich ein deutlich positiver Wertbeitrag in zweistelliger Höhe.

Im Segment Elevator lag das Ergebnis vor Zinsen mit 378 Mio € in 2004/2005 nur geringfügig unter dem Vorjahreswert. Dies hatte bei einem gering gestiegenen Capital Employed einen leichten Rückgang des ROCE um 2,1 %-Punkte auf 21,6 % zur Folge. Der Wertbeitrag sank in 2004/2005 auf 220 Mio € nach 250 Mio € im Vorjahr.

Im Segment Services konnte das Ergebnis vor Zinsen in 2004/2005 um 41 Mio € auf 391 Mio € gesteigert werden. Ursächlich dafür waren vor allem die bessere Konjunktur auf den internationalen Werkstoff- und Rohstoffmärkten. Trotz der Ausweitung der Geschäftsaktivitäten konnte das Capital Employed im gleichen Zeitraum um 48 Mio € auf 2.677 Mio € gesenkt werden. Beide Effekte führten zu einem Anstieg des ROCE von 12,9 % im Vorjahr auf 14,6 % in 2004/2005. Der Wertbeitrag verbesserte sich so um 45 Mio € auf 150 Mio €.

An das Ergebnis der Analyse der Steuerungsgrößen knüpft bei ThyssenKrupp unmittelbar das Portfolio-Management an. Dabei handelt es sich um strukturelle Maßnahmen mit vorwiegend strategischem Charakter, insbesondere um die Auswahl und den Ausbau der Geschäftsfelder, mit denen die angestrebten Wertbeiträge bzw. Wertsteigerungen realisiert werden sollen bzw. den rechtzeitigen und profitablen Rückzug aus Aktivitäten, die keine ausreichende Wertbeitragssteigerung erzielen. Darüber hinaus geht es hier um die Schaffung neuer Geschäftsfelder durch günstigen Einstieg in zukunftsträchtige Märkte. Von besonderer Bedeutung aus Konzernsicht ist bei diesen Maßnahmen die Schaffung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Wert-Generierern und Cash-Providern. Damit wird eine Grundvoraussetzung geschaffen für Dividendenfähigkeit sowie nachhaltiges, profitables Wachstum in Kerngeschäftsfeldern.