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Start ins neue Geschäftsjahr und Ausblick
ThyssenKrupp ist in einem schwieriger gewordenen Umfeld in das neue Geschäftsjahr gestartet. Zwar deuten die gesamtwirtschaftlichen Prognosen auf einen anhaltenden Aufschwung der Weltwirtschaft hin, aber die konjunkturellen Risiken haben sich insbesondere durch die Entwicklung auf den Energiemärkten erhöht. Dennoch rechnen wir für ThyssenKrupp mit einer insgesamt positiven Geschäftsentwicklung. Für das Geschäftsjahr 2005/2006 erwarten wir einen Umsatz in der Größenordnung von rund 43 Mrd €. Unser nachhaltiges Ziel beim Ergebnis vor Steuern liegt um 1,5 Mrd €. Diese Größenordnung wollen wir – ohne wesentliche Sondereffekte – auch im Geschäftsjahr 2005/2006 erreichen.
Anhaltendes globales Wachstum
Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres blieb das Weltwirtschaftswachstum relativ robust. Für 2006 wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einer im Vergleich zum Vorjahr gleich bleibenden Wachstumsrate von 4 % ausgegangen. Allerdings hat sich das Risiko einer konjunkturellen Abkühlung insbesondere auf Grund der stark gestiegenen Rohölpreise deutlich erhöht. Sollte sich der Ölmarkt mittelfristig nicht wieder leicht entspannen, dürfte dies eine Abschwächung der unterstellten globalen Konjunkturdynamik zur Folge haben.
Wirtschaftliche Wachstumszentren bleiben auch 2006 die Länder Asiens, Mittel- und Osteuropas sowie die USA. In den USA setzt sich angesichts hoher Investitionen und eines robusten privaten Konsums, bedingt durch die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, ein solider Wachstumskurs fort. In Asien übt die nach wie vor ungebrochene Dynamik der chinesischen Wirtschaft einen positiven Einfluss auf die Entwicklung im übrigen asiatischen Raum aus. Vor allem in Indien dürfte sich der Aufschwung fortsetzen, während für Japan mit einem niedrigerem Wachstum zu rechnen ist. In Lateinamerika wird sich das Wirtschaftswachstum leicht abschwächen. Für die Länder Mittel- und Osteuropas erwarten wir 2006 ein ähnlich hohes Expansionstempo wie im Vorjahr.
Im Euroraum wird sich die Konjunktur auf niedrigem Niveau leicht erholen, vorausgesetzt, der Wechselkurs des Euro bleibt gegenüber dem US-Dollar stabil. Die Binnennachfrage wird 2006 etwas an Stärke gewinnen, allerdings bleibt das BIP-Wachstum mit einem erwarteten Anstieg um 1,5 % weiterhin unterdurchschnittlich. Auch für die deutsche Volkswirtschaft zeichnet sich für 2006 nur eine moderate Besserung der wirtschaftlichen Lage ab. Leichte Impulse kommen von den Ausrüstungsinvestitionen und vom Export, während der private Konsum stagnieren dürfte.
Brutto-Inlandsprodukt 2006* reale Veränderungen zum Vorjahr in %
In den für ThyssenKrupp wichtigen Kundenmärkten gehen wir von folgenden Entwicklungen aus:
- Die Perspektiven für den Weltstahlmarkt bleiben insgesamt günstig. Die Walzstahlmarktversorgung wird 2006 nach der jüngsten Einschätzung des Weltstahlverbandes IISI um gut 5 % auf 1.053 Mio t steigen. Dies entspricht einer Rohstahlproduktion von annähernd 1,2 Mrd t. Nach wie vor werden wesentliche Nachfrageimpulse von China und anderen Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas ausgehen. Für die EU ist nach dem lagerzyklisch bedingten Nachfragerückgang im Jahr 2005 von einem Wachstum von etwa 3 % auszugehen. Bei konjunkturell leicht anziehender Nachfrage in Westeuropa dürften vor allem wieder positive Lagerzykluseffekte greifen. Die deutsche Rohstahlproduktion sollte die Marke von 45 Mio t übertreffen.
- Bei nichtrostenden Flacherzeugnissen wird nach einem insgesamt schwachen Jahr 2005 auch in Westeuropa und Nordamerika wieder mit einer Belebung gerechnet. In Asien, hier insbesondere in China, gehen wir von einer anhaltend positiven Marktentwicklung aus. Wegen des ungebremsten Kapazitätsausbaus in China und des Hochfahrens neuer Kapazitäten in Europa wird sich die Wettbewerbssituation in diesen Regionen allerdings vorerst nicht nennenswert entspannen. Im Bereich der Nickelbasislegierungen wird sich die Erholung des Marktes fortsetzen. Sehr erfreulich wird sich der Markt für Titanhalbzeug entwickeln.
- Die weiter steigende Motorisierung insbesondere in Asien wird die weltweite Automobilproduktion 2006 um knapp 4 % auf über 68 Mio Fahrzeuge erhöhen. Vor allem aus China und auch aus Indien werden Wachstumsimpulse erwartet, während Südamerika das erreichte Niveau zumindest halten dürfte. In Mittel- und Osteuropa sollte sich das bisherige Wachstum fortsetzen. Für die Märkte in Nordamerika und Westeuropa gehen wir von einer leichten Ausweitung der Fahrzeugproduktion aus. Die deutsche Automobilindustrie könnte 2006 erneut auf eine Stückzahl von 5,7 Mio Personen- und Nutzfahrzeugen kommen.
- Der internationale Maschinenbau wird 2006 weiter expandieren, allerdings mit nachlassender Dynamik. Besonders hohe Zuwächse sind für den chinesischen Maschinenbau zu erwarten. In Deutschland wird der Produktionsanstieg auf Grund der schwachen inländischen Nachfrage aller Voraussicht nach auf weniger als 2 % abflachen.
- Die internationale Baukonjunktur bleibt insgesamt aufwärts gerichtet, allerdings mit regional großen Unterschieden. Besonders rege soll die Nachfrage in den Märkten Mittel- und Osteuropas sowie in Asien bleiben. In Deutschland könnte die zuletzt leicht erholte Auftragslage zu einer Stabilisierung der Bauproduktion führen.
Besondere Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Die zwischen Bilanzstichtag (30. September 2005) und Aufstellungstermin (14. November 2005) eingetretenen besonderen Ereignisse sind unter Anhang-Nr. 31 im Finanzbericht dargestellt.
Positive Geschäftsentwicklung 2005/2006
Sollten sich die konjunkturellen Erwartungen wie prognostiziert bestätigen, gehen wir für 2005/2006 von einer insgesamt positiven Geschäftsentwicklung aus. Im Einzelnen erwarten wir folgende Entwicklungen:
- Umsatz: Nach derzeitigem Planungsstand rechnen wir für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatz in der Größenordnung von 43 Mrd €.
- Steel strebt bei Qualitätsflachstahl eine Umsatzsteigerung an, die im Wesentlichen bei stabilem Preisniveau aus einer höheren Versandmenge resultiert.
- Bei Stainless wird ein Umsatzzuwachs prognostiziert, der auf einen Versandanstieg und auf die erwartete Marktnormalisierung zurückzuführen ist.
- Automotive plant insgesamt eine Umsatzsteigerung. Der Anlauf neuer Werke und neuer Modelle wird dabei die tragende Rolle spielen und den erwarteten Rückgang im Nordamerikageschäft überkompensieren.
- Technologies geht angesichts der hohen Anfangsbestände im Projektgeschäft, aber auch der hohen Auftragseingangserwartungen von einem Umsatzplus aus.
- Das Segment Elevator erwartet für das kommende Geschäftsjahr – basierend auf dem starken Auftragseingang 2004/2005 – ein deutliches Umsatzwachstum, insbesondere in Nordamerika. Aber auch in allen anderen Regionen wird eine zum Teil starke Ausweitung der Geschäftstätigkeit geplant.
- Services plant einen gering rückläufigen Umsatz. Wesentliche Ursachen sind das erwartete niedrigere Preisniveau sowie leicht verringerte Mengen im Walzstahlbereich. Steigerungen werden bei den Dienstleistungsaktivitäten der Business Unit Industrial Services und im osteuropäischen Markt erwartet.
- Ergebnis und Dividende: Unser nachhaltiges Ziel beim Ergebnis vor Steuern liegt um 1,5 Mrd €. Diese Größenordnung wollen wir – ohne wesentliche Sondereffekte – auch im Geschäftsjahr 2005/2006 erreichen. Die Höhe der Dividende wird sich auch künftig an der Entwicklung des Ergebnisses orientieren.
- Mitarbeiter: Nach unseren gegenwärtigen Planungen werden wir zum 30. September 2006 rund 187.000 Mitarbeiter beschäftigen; die Konzernbelegschaft wird also um etwa 1 % steigen. Dabei setzt sich der langjährige allgemeine Trend fort, dass in unseren ausländischen Werken die Mitarbeiterzahl zunimmt, während sie in Deutschland zurückgeht. Diese Entwicklung wird sich moderat vollziehen. Ein besonders wichtiges Anliegen ist für uns nach wie vor die Ausbildung von Jugendlichen; wir werden daher auch weiterhin über unseren eigenen Bedarf ausbilden, um möglichst vielen Jugendlichen einen qualifizierten Start ins Berufsleben zu ermöglichen.
- Beschaffung: Der Materialaufwand wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich prozentual wieder deutlich mehr als 50 % des Umsatzes betragen. Grund hierfür sind die anhaltend hohen Rohstoffpreise und der weiterhin hohe Zukaufanteil. Wir gehen aber davon aus, dass es auf Grund langfristiger Lieferantenbeziehungen nicht zu Engpässen kommen wird. Versorgungsschwierigkeiten sind weder bei Komponenten oder Dienstleistungen noch bei Hilfs- und Betriebsstoffen zu erwarten.
Auch 2005/2006 wollen wir die Einkaufskosten weiter senken und dabei die Lieferanten als Partner einbinden. Die Einkäufe in Niedrigkostenländern werden weltweit vorangetrieben. Mit dem hierfür neu eingeführten Global Sourcing Tool können wir die Kostenvorteile einzelner Länder ermitteln und vergleichen. Zusätzlich wird ein einheitliches strategisches Lieferantenmanagementsystem international etabliert. Unser Ziel ist es, sich auf die besten Lieferanten zu konzentrieren und über ein aktives Lieferantenmanagement Kosteneinsparungen zu erzielen. Mit dem internationalen Ausbau des Moduls Strategic Sourcing unserer Internet-Plattform haben unsere Lieferanten außerdem die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen auf unsere Ausschreibungen zielgerichtet anzubieten, was den Wettbewerb intensiviert. Der Optimierung der Beschaffungsprozesse dient auch der konsequente Ausbau des Moduls Catalog Ordering.
Beim Energiebezug werden sich die gestiegenen Marktpreise im neuen Geschäftsjahr deutlich auf unsere Beschaffungskosten auswirken. Angesichts der weiterhin hohen Nachfrage nach Kohle und Öl erwarten wir keine Entlastung. Der Ölmarkt bestimmt auch die Entwicklung der Gaspreise. Hohe Nachfrage, begrenzte Förderkapazitäten und politische Unsicherheiten werden deshalb die künftigen Preise erheblich beeinflussen. Hinzu kommen beim Strom die weiterhin erheblichen Unsicherheiten über die Kosten für CO2-Zertifikate, was hohe Strompreise stützt. Dies verteuert ebenfalls energieintensive Produkte wie die Technischen Gase. Gemeinsam mit unseren Verbänden und anderen großen Verbrauchern arbeiten wir deshalb daran, mehr Transparenz in die Marktsituation zu bringen – beispielsweise in der Frage, wie die kostenlos zugeteilten CO2-Zertifikate in den Strompreisen zu berücksichtigen sind. Ob außerdem das neue Energiewirtschaftsgesetz die Netz- bzw. Durchleitungsentgelte bei Strom und Gas senken und damit den Wettbewerb unter den Energieanbietern fördern kann, wird sich zeigen. Wir erwarten aber entsprechende Impulse.
- Forschung und Entwicklung: Für das laufende Geschäftsjahr planen wir, den Aufwand für unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Vergleich zum Vorjahr auf die Größenordnung von 800 Mio € zu erhöhen. Freie und kundenbezogene Projekte dürften über 500 Mio € erreichen, während die technische Qualitätssicherung mit 280 Mio € auf dem Niveau des Vorjahres bleiben wird. Ingesamt werden wir unsere FuE-Quote – das Verhältnis der FuE-Aufwendungen zum Umsatz – weiter deutlich steigern. Im Zentrum aller Entwicklungsanstrengungen stehen marktorientierte Projekte und das Ziel, die Werkstoff- und Systemkompetenz des Konzerns zu stärken. Wir wollen unseren Kunden neue Werkstoffqualitäten aus Stahl, Titan und Magnesium bieten, ihnen optimierte Komponenten für die Automobilfertigung zur Verfügung stellen und im Anlagenbau noch effektivere und Ressourcen schonendere Verfahrenslösungen entwickeln. Damit positionieren wir uns als Problemlöser für unsere Kunden. Vor allem werden wir segmentübergreifende FuE-Projekte fördern, um die im Konzern möglichen Synergien noch stärker zu nutzen. Nach den hervorragenden Erfahrungen der vergangenen Jahre findet zur Ausschöpfung des Innovationspotenzials auch 2006 wieder ein ThyssenKrupp Innovationswettbewerb statt. Die Zahl unserer Mitarbeiter, die in den Entwicklungszentren und anderen Innovationseinrichtungen des Konzerns arbeiten, wird sich bis Ende des laufenden Geschäftsjahres leicht erhöhen, und zwar auf 3.500. Die meisten davon besitzen einen Hochschulabschluss mit Qualifikationsschwerpunkten in technischen und technisch-wissenschaftlichen Fächern.
- Umweltschutz: Für laufende Umweltschutzmaßnahmen gehen wir 2005/2006 von Aufwendungen in Höhe von 400 Mio € aus; dies entspricht der Vorjahreshöhe. Das meiste davon wird wieder für die Wasser- und Luftreinhaltung ausgegeben. Trotz steigender Produktion dürften sich die Recyclingaufwendungen für anfallende Produktionsrückstände nicht erhöhen, da sich jetzt die bereits bestehenden Reststoffverwertungswege bewähren. Bei vielen Investitionsprojekten, beispielsweise dem Bau des neuen Hochofens 8 im Segment Steel, entfällt ein sehr hoher Anteil auf Maßnahmen zur Staubminderung. Auch in den ausländischen Werken gilt unser konzerneinheitlich hoher Umweltschutz, mit dem wir unsere Fertigungen nachhaltig umweltverträglich betreiben. So sollen beispielsweise die Anlagen des geplanten Stahlwerks in Brasilien nach den höchsten europäischen Umweltstandards ausgelegt werden.
- Investitionen und Finanzierung: Das vom Aufsichtsrat bewilligte Investitionsvolumen beträgt 3,6 Mrd € und übersteigt damit das Vorjahresniveau. Für 2005/2006 rechnen wir mit einem Anlagenzugang von 1,8 Mrd €, der um 0,4 Mrd € höher als die Abschreibungen liegt. Zur Finanzierung der Investitionen stehen dem Konzern ausreichende Mittel zur Verfügung.
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