Analyse der wirtschaftlichen Situation

ThyssenKrupp erzielte im Geschäftsjahr 2004/2005 aus fortgeführten Aktivitäten vor Sondereffekten ein Ergebnis vor Steuern und Fremdanteilen in Höhe von 1.836 Mio €; nicht berücksichtigt sind hierin die Sonderaufwendungen im Zusammenhang mit der Neueinschätzung der 20,6%-igen Beteiligung an der RAG Aktiengesellschaft in Höhe von 474 Mio €, aber auch der unter den nicht fortgeführten Aktivitäten ausgewiesene Gewinn von 870 Mio € vor Steuern aus dem Verkauf der Wohnimmobilien. Damit erreichte ThyssenKrupp wiederum ein Spitzenergebnis, das noch um 359 Mio € über dem bisher besten Ergebnis der Unternehmensgeschichte im Vorjahr lag. Wesentliche Treiber dieses Erfolges waren die ausgezeichneten Ergebnisse bei Steel. In allen Segmenten wirkten die erfolgreich umgesetzten Programme zur Effizienzsteigerung und die durchgeführten Portfolio-Bereinigungen. Ergebnisbelastungen resultierten vor allem aus der Steigerung der Vormaterial- und Rohstoffpreise sowie der sich verschärfenden Situation in Teilen der Automobilindustrie in den USA und Großbritannien. Das Desinvestitionsprogramm für Nicht- Kernaktivitäten wurde im Verlauf des Geschäftsjahres nahezu abgeschlossen. 11 wesentliche Einheiten wurden im Verlauf des Geschäftsjahres 2004/2005 veräußert oder der Verkauf wurde eingeleitet. Aus diesen Transaktionen resultierte in Summe ein Veräußerungsgewinn von 469 Mio € vor Steuern; auf die verkauften Einheiten entfiel ein laufendes Ergebnis von insgesamt 21 Mio € vor Steuern, das ebenso wie das Verkaufsergebnis unter den nicht fortgeführten Aktivitäten ausgewiesen ist.

Ergebnis nach Segmenten in Mio € Download

 

 

 

2003/2004*

 

2004/2005

Steel

 

 

916

 

1.302

Automotive

 

 

260

 

49

Technologies

 

 

88

 

172

Elevator

 

 

370

 

352

Services

 

 

251

 

380

Corporate

 

 

-395

 

-394

Konsolidierung

 

 

-13

 

-25

Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten vor RAG-Einmalverlusten**

 

 

1.477

 

1.836

 

 

 

 

 

 

* angepasst durch den Ausweis nicht fortgeführter Aktivitäten vgl. Anhang-Nr. 3
** vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter

 

 

 

2003/2004*

 

2004/2005

Steel

 

 

5

 

-58

Automotive

 

 

16

 

-6

Technologies

 

 

-10

 

-237

Services

 

 

23

 

-59

Corporate

 

 

40

 

802

Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten (nach Steuern)

 

 

74

 

442

 

 

 

 

 

 

Steel

Steel erzielte ein Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten in Höhe von 1.302 Mio € nach 916 Mio € im Vorjahr.

Die Edelstahl Witten-Krefeld GmbH der Business Unit Special Materials wurde im Geschäftsjahr 2004/2005 verkauft, ferner wurde im September 2005 der Verkauf der Hoesch Contecna Systembau GmbH aus dem Bereich Hochbau der Business Unit Carbon Steel eingeleitet und zwischenzeitlich vollzogen. Die laufenden Ergebnisse und die Veräußerungsergebnisse dieser Einheiten sind unter den nicht fortgeführten Aktivitäten gesondert ausgewiesen.

Carbon Steel steigerte den Gewinn um 394 Mio € auf 1.002 Mio €. Vor allem ThyssenKrupp Stahl trug zu diesem Gewinnzuwachs bei. Ausschlaggebend für den Ergebnisanstieg waren vor allem höhere Durchschnittserlöse und die konsequente Fortführung von Maßnahmen zur Performancesteigerung. Negativ wirkten sich hingegen die drastischen Kostensteigerungen für wesentliche Rohstoffe wie Erz, Kohle/Koks und Schrott sowie für Frachtraten und Energie aus. Auch führte die Beruhigung des Marktes nach dem Nachfrage-Boom des Vorjahres zu einem Rückgang der Versandmengen. Der Bereich Mittelband steigerte den Gewinn in einem besonders günstigen Marktumfeld um mehr als das Doppelte; dabei waren Sonderaufwendungen aus der Abgabe des Geschäftsbereiches Spezialprofile zu verkraften. Auch die Stahl-Service-Center und der Bereich Nichtkornorientiertes Elektroband steigerten die Gewinne deutlich und trugen maßgeblich zur Ergebnisverbesserung bei. Weißblech und Tailored Blanks verzeichneten gegenüber dem guten Vorjahresergebnis einen Gewinnrückgang. Die Hochbau-Aktivitäten erwirtschafteten in einem schwierigen Marktumfeld einen kleinen Gewinn. Der Kühlraumbau verbesserte den Vorjahresgewinn deutlich.

Stainless Steel erzielte einen Gewinn von 282 Mio € nach 385 Mio € im Vorjahr. Die Nachfrage nach Kaltbandprodukten in Europa hat sich im Geschäftsjahresverlauf deutlich abgeschwächt. In Verbindung damit setzte ab dem zweiten Quartal ein stetiger Verfall der Basispreise ein. Hinzu kamen gestiegene Kosten für Energie und Frachten sowie Preissteigerungen für Einsatzstoffe wie Nickel, Chrom und Schrott. Die Weitergabe der Kostensteigerungen für Einsatzstoffe durch Legierungszuschläge ist außerhalb des europäischen und des amerikanischen Marktes nur bedingt und auch in Europa und Amerika nur mit Zeitverzug möglich. Durch die fortlaufende Umsetzung von Programmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung haben unsere deutschen Aktivitäten in diesem Umfeld eine hervorragende Profitabilität erlangt und erreichten wieder nahezu das Gewinnniveau des Vorjahres. In Italien lag der Gewinn auf Grund von Restrukturierungen und Kapazitätskürzungen unter Vorjahr. Der chinesische Markt war nach einer Erholung ab April durch einen dramatischen Preisverfall gekennzeichnet, welcher durch erhebliche, neu in den Markt drängende Kapazitäten ausgelöst wurde. Dies führte neben operativen Verlusten zu Bestandsabwertungen, die hauptsächlich für den Verlust beim chinesischen Kaltwalzwerk ursächlich sind. Die mexikanischen Kaltwalzaktivitäten erreichten in einem insgesamt stabilen Markt das sehr gute Vorjahresniveau nicht ganz. Der Bereich Nickelbasislegierungen erzielte eine deutliche Steigerung des operativen Gewinns.

Special Materials erreichte nach einem Vorjahresverlust von 80 Mio € einen Gewinn von 22 Mio €. Die deutschen und französischen Aktivitäten im Bereich Kornorientiertes Elektroband erreichten nach Verlusten im Vorjahr einen guten Gewinn. Die italienische Einheit blieb aber im Verlust. Darin enthalten sind im Berichtsjahr 17 Mio € Aufwendungen für Streiks im Werk Terni sowie Aufwendungen für die zwischenzeitlich vollzogene Einstellung der Elektroband-Produktion. Auch ohne diese Sonderbelastungen wären die Ergebnisse in beiden Jahren negativ gewesen.

Automotive

Das Segment Automotive erzielte aus fortgeführten Aktivitäten ein Ergebnis in Höhe von 49 Mio € nach 260 Mio € im Vorjahr. Im Ergebnis des Berichtsjahres ist eine außerplanmäßige Abschreibung in der Business Unit Body & Chassis (North America) in Höhe von 28 Mio € enthalten. Unter den nicht fortgeführten Aktivitäten sind die laufenden Ergebnisse und die Veräußerungsergebnisse des europäischen Federn-Nutzfahrzeug-Geschäfts in der Business Unit Body & Chassis (Europe/Asia Pacific/Latin America) und von Alu Castings in der Business Unit Powertrain erfasst, die im Verlauf des Geschäftsjahres 2004/2005 veräußert wurden. Ferner sind hier die laufenden Ergebnisse und der erwartete Veräußerungsverlust der Aluminiumgießerei ThyssenKrupp Stahl Company enthalten, deren Verkauf im Berichtsjahr eingeleitet wurde, aber noch nicht vollzogen ist.

Die Business Units Body & Chassis (North America) und Body & Chassis (Europe/Asia Pacific/Latin America) wurden nach einem regionalen Gliederungsprinzip mit Wirkung zum 01. Oktober 2004 neu gebildet und umfassen die Aktivitäten der vorherigen Business Units Body und Chassis. Die Vorjahreszahlen sind jeweils vergleichbar ermittelt. Hauptergebnisträger war wiederum die Business Unit Powertrain. Das Ergebnis in allen drei Business Units war durch die erheblichen Stahlpreiserhöhungen belastet, die nur teilweise an die Kunden weitergegeben wurden.

Nachdem die Business Unit Body & Chassis (North America) im Vorjahr ein positives Ergebnis erzielte, erwirtschaftete sie nun einen Verlust. Ursächlich sind vor allem die weiter rückläufige Auslastung und die geringe Produktivität in den Presswerken Detroit und Shelbyville und im Rahmen-Werk Kitchener. Im Zusammenhang mit dieser Situation wurde das Anlagevermögen im Presswerk Detroit außerplanmäßig abgeschrieben. Eine deutliche Gewinnsteigerung erzielten hingegen die Gießereien in Folge einer besseren Auslastung und Verbesserungen bei der Weitergabe der Schrottpreisveränderungen.

Die Business Unit Body & Chassis (Europe/Asia Pacific/Latin America) erreichte zwar einen Gewinn, blieb aber deutlich hinter dem guten Vorjahresergebnis zurück. Ursächlich waren vor allem die Presswerke, der Anlagenbau sowie der Bereich Suspension. Wesentliche Belastungen resultierten aus der Freisetzung von Mitarbeitern und der Einbuße von Umsätzen als Folge der Rover-Insolvenz sowie aus Einmalaufwendungen im Zusammenhang mit der Beendigung des Engagements bei Valmet. Gegenläufig wirkten die positive Entwicklung des Systemgeschäfts und der Wegfall der Belastungen aus den verkauften englischen Gießereiaktivitäten.

Die Business Unit Powertrain erzielte wiederum einen hohen Gewinn, erreichte aber nicht das hohe Niveau des Vorjahres. Insbesondere beim Geschäft mit Kurbelwellen und Motorenteilen waren außer den Stahlpreiserhöhungen zusätzlich auch Belastungen aus der Wechselkursentwicklung zu verkraften.

Technologies

Das Segment Technologies erzielte im Geschäftsjahr 2004/2005 aus fortgeführten Aktivitäten einen Gewinn in Höhe von 172 Mio €; mit einer Steigerung um 84 Mio € gegenüber dem Vorjahr ist dies nahezu eine Verdoppelung. Wesentliche Ursachen waren die gute Geschäftsentwicklung im allgemeinen Maschinenbau als wichtigem Abnehmerbereich und der Einbezug der HDW-Gruppe. Den größten Ergebnisbeitrag leistete wiederum die Business Unit Mechanical Engineering.

Im Verlauf des Geschäftsjahres wurde die Operating Group Stahlbau veräußert, die Veräußerung der Business Unit MetalCutting und der Operating Group Turbinenkomponenten wurde eingeleitet und zwischenzeitlich vollzogen. Die laufenden Ergebnisse und die Veräußerungsergebnisse dieser Einheiten sind unter den nicht fortgeführten Aktivitäten ausgewiesen.

Die Business Unit Plant Technology, in der die Aktivitäten des Spezial- und Großanlagenbaus zusammengefasst sind, erwirtschaftete wieder einen zweistelligen Gewinn, der auf Grund hoher Aufwendungen aus der Zeitwertbewertung von Kurssicherungsgeschäften und höherer Projektkosten bei einem Großauftrag im Chemieanlagenbau nicht das Niveau des Vorjahres erreichte.

Marine Systems erreichte mit einem zweistelligen Gewinn eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Positiv wirkte hierbei der Wegfall von Restrukturierungsaufwendungen und Einmalaufwendungen aus der Absatzfinanzierung von zwei Kreuzfahrtschiffen, die das Vorjahr belasteten. Hinzu kommen die positiven Ergebnisbeiträge der ab 01. Januar 2005 konsolidierten HDW-Gruppe.

Mechanical Engineering erwirtschaftete auf Grund der guten Geschäftsentwicklung eine Gewinnsteigerung um mehr als 40 % und lieferte den größten Ergebnisbeitrag für das Segment. Maßgeblich hierfür waren deutliche Zuwächse bei Großwälzlagern und Baumaschinen- Komponenten.

Beim Transrapid wurde eine deutliche Verlustreduzierung erzielt. Ursächlich waren der Wegfall von Sonderaufwendungen aus der Abrechnung des Auftrags Shanghai und weitere Kostensenkungsmaßnahmen.

Elevator

Das Segment Elevator erzielte im Geschäftsjahr 2004/2005 ein Ergebnis von 352 Mio € nach 370 Mio € im Vorjahr. Alle Business Units erzielten Gewinne, allerdings konnten einige das sehr hohe Vorjahresniveau nicht halten. Neben negativen Wechselkurseffekten führte insbesondere der deutlich gestiegene Preis- und Margendruck, der sich durch intensivierten Wettbewerb und den weltweiten Anstieg der Vormaterialpreise, vor allem im Neuinstallationsgeschäft, weiter verschärft hat, zu Ergebnisbelastungen. Durch Prozessoptimierungen und damit verbundene Effizienzsteigerungen konnte eine weitgehende Kompensation der negativen Effekte erreicht werden. Auch im Bereich der Dienstleistungen ist ein steigender Preisdruck erkennbar; erste positive Effekte aus dem Maßnahmen-Paket "Globale Service Strategie" konnten hier bereits erzielt werden.

Die Business Unit Central/Eastern/Northern Europe hat trotz der deutlich angespannten Marktsituation in Großbritannien das sehr hohe Vorjahresniveau nahezu erreicht. Insbesondere in Frankreich wurde das Dienstleistungsgeschäft ausgeweitet.

Die Business Unit Americas realisierte eine Steigerung des operativen Gewinns, die allerdings durch negative Wechselkurseffekte aus der Umrechnung des Ergebnisses in Euro neutralisiert wurde. Neben einer stabilen Entwicklung in Nordamerika weist insbesondere die brasilianische Aktivität durch Effizienzverbesserungen eine positive Ergebnisentwicklung aus.

Die Business Unit Southern Europe/Africa/Middle East hat den operativen Gewinn des Vorjahres wiederholt, allerdings kam es durch Aufwendungen für die Reorganisation der spanischen Aktivitäten zu einmaligen zusätzlichen Aufwendungen. Das Geschäft wurde durch die Akquisition von Ascensores Hidrolex S.I. auf der iberischen Halbinsel und durch den Eintritt in den italienischen Markt weiter ausgebaut.

Die Business Unit Asia/Pacific erreichte nicht das Gewinnniveau des Vorjahres; ausschlaggebend waren die gestiegenen Vormaterialpreise. In Südkorea geriet das Neuinstallationsgeschäft auf Grund der Marktschwäche erheblich unter Druck; in China fielen zusätzliche Marktdurchdringungskosten an.

Ebenfalls unter Vorjahresniveau liegt das Ergebnis der Business Unit Escalators/Passenger Boarding Bridges. Wesentlich ist hier ein negativer Sondereffekt aus der Zeitwertbewertung von Währungssicherungsderivaten. Gleichzeitig führten Abrechnungsverschiebungen – insbesondere im Fahrtreppenbereich – zu Umsatz- und damit Ergebniseinbußen.

Einen neuerlichen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr realisierte die Business Unit Accessibility. Neben dem Wegfall von Restrukturierungsaufwendungen in Großbritannien, die das Vorjahr belasteten, bauten sowohl die europäischen als auch die amerikanischen Aktivitäten ihre Marktposition weiter aus und realisierten dadurch zusätzliche Ergebnisbeiträge.

Services

Das Segment Services erzielte mit einem Gewinn von 380 Mio € aus fortgeführten Aktivitäten sein bisher bestes Ergebnis in der Geschichte. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 129 Mio € oder gut 50 %.

Im Geschäftsjahr 2004/2005 beendete das Segment Services die Portfoliobereinigung mit der Einleitung des Verkaufs der Hommel- Gruppe und der Krupp Druckereibetriebe. Die Ergebnisse dieser Einheiten sind unter den nicht fortgeführten Aktivitäten ausgewiesen.

Den größten Ergebnisbeitrag leistete die Business Unit Materials Services Europe, die ihren Gewinn wesentlich erhöhte. Im 1. Halbjahr wirkte noch die dynamische Werkstoffkonjunktur fort, verbunden mit einem sehr hohen Preisniveau. Auf Grund der breiten Angebots- und Produktpalette – von Walz- und Edelstahl über Rohre, NE-Metalle bis hin zu Kunststoffen – war es möglich, Preisrückgänge bei einzelnen Produktgruppen im 2. Halbjahr teilweise zu kompensieren. Positiv wirkten sich der weitere Geschäftsausbau in Osteuropa sowie die erfolgreiche Umsetzung und Weiterführung der bereits im Vorjahr initiierten Performance-Programme in Deutschland und den westeuropäischen Ländern aus. Der Gewinn von Materials Services North America blieb leicht unter dem Vorjahr, das durch ein außergewöhnlich hohes Preisniveau bei Walzstahl geprägt war. Durch das spezielle Sortiment mit einem sehr hohen Anteil NE-Metalle sowie durch den gezielten Ausbau der Vertriebsaktivitäten konnte der deutliche Preisrückgang in seiner Ergebnisauswirkung nahezu kompensiert werden. Die Business Unit Industrial Services hat ihren Gewinn gegenüber dem Vorjahr weit mehr als verdoppelt und einen signifikanten Beitrag zum Segmentergebnis geleistet. Das Geschäft sowohl in den USA als auch in Skandinavien, im Mittleren Osten und in Asien profitierte von den besseren konjunkturellen Rahmenbedingungen in diesen Regionen. In Deutschland trug zudem ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Ergebnissteigerung bei – dies betraf die Organisations- und Niederlassungsstruktur genauso wie die Aspekte Kundengewinnung und -bearbeitung. Die Business Unit Special Products übertraf wiederum deutlich die sehr guten Vergleichszahlen. Das internationale Walzstahl- und Rohrgeschäft wurde vor allem im asiatischen Raum ausgeweitet. Neue Partnerschaften und Bezugsquellen haben das Ergebnis im Handel mit Legierungen, Metallen, Koks und Mineralien weiter gesteigert. Auch das Technikgeschäft, insbesondere auf den Exportmärkten, hat zur Gewinnsteigerung beigetragen.

Corporate

Corporate umfasst die Konzernverwaltung einschließlich der Finanz- und Versicherungsdienstleister sowie sonstige Dienstleistungsgesellschaften und die Landesholdinggesellschaften. Zum Bereich Corporate gehört nach dem Verkauf der Wohnimmobilien ferner das Corporate Real Estate Management. Im Berichtsjahr betrugen die Aufwendungen des Bereichs Corporate 868 Mio € vor Steuern. Dieses Ergebnis war ganz wesentlich durch den Einmalaufwand im Zusammenhang mit der Neueinschätzung des Engagements bei der RAG Aktiengesellschaft geprägt. Der Buchwert der Beteiligung wurde mit 442 Mio € vollständig abgeschrieben; ferner wurden in diesem Zusammenhang die Rückstellungen für die Lasten aus dem Altbergbau des ThyssenKrupp Konzerns um 32 Mio € erhöht. Einzelheiten sind der Erläuterung unter Nr. 8 des Anhangs zum Konzernabschluss zu entnehmen. Ohne Berücksichtigung dieser Vorgänge betrugen die Aufwendungen des Bereichs Corporate 394 Mio € und liegen damit auf dem Niveau des Vorjahres. Die Aufwendungen für Altersversorgung machten mit 183 Mio € wiederum den größten einzelnen Posten aus und waren mit einer Verringerung um 10 Mio € weiter rückläufig. Die Kosten der Konzernleitung verminderten sich insgesamt um 3 Mio € auf 135 Mio €; geringeren allgemeinen Sachkosten standen erhöhte Aufwendungen für die Weiterentwicklung und Standardisierung der konzernweiten IT-Infrastruktur gegenüber. Gegenläufig wirkte unter anderem das geringere Ergebnis bei Corporate Real Estate Management in Folge von Risikovorsorge. Das Zinsergebnis von Corporate, d.h. der Saldo der Zinsaufwendungen und Zinserträgen, verbesserte sich um 7 Mio € auf -55 Mio €.

Ertragsteuern

Im Geschäftsjahr 2004/2005 betrugen die Aufwendungen für Ertragsteuern 735 Mio € nach 587 Mio € im Vorjahr. Hierin sind im Berichtsjahr ebenso wie im vergleichbar dargestellten Vorjahr nur Steueraufwendungen enthalten, die auf fortgeführte Aktivitäten entfallen. Es ergibt sich eine Steuerquote von 40 % bezogen auf das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten in Höhe von 1.836 Mio €, bei dem die Sonderaufwendungen aus der Neueinschätzung der Beteiligung an der RAG Aktiengesellschaft nicht berücksichtigt sind. Die Steuerquote einschließlich dieses Sondereffekts beträgt 53,9 %. Die Steuerquote von 40 % ist auch darauf zurückzuführen, dass im Geschäftsjahr 2004/2005 mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses im Inland erwirtschaftet worden ist. Die Steuerbelastung in Deutschland ist höher als die durchschnittliche Steuerbelastung der im Ausland erzielten Erträge.

Nicht fortgeführte Aktivitäten

Das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten nach Steuern betrug 442 Mio € im Vergleich zu 74 Mio € im Vorjahr. Darin enthalten sind 11 Einheiten, die im Rahmen des Desinvestitionsprogramms für Nicht-Kernaktivitäten veräußert wurden oder deren Veräußerung im Geschäftsjahr 2004/2005 eingeleitet wurde. Die Veräußerungsergebnisse dieser Einheiten betrugen nach Steuern insgesamt 442 Mio € und umfassen sowohl realisierte Verkaufsgewinne und -verluste aus vollzogenen Verkäufen als auch antizipierte Verkaufsverluste aus eingeleiteten Verkäufen. Darüber hinaus sind im Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten auch die laufenden Ergebnisse dieser Einheiten in Höhe von insgesamt 0 (i. Vj. 3) Mio € nach Steuern enthalten. Die beiden größten Verkaufsfälle des Geschäftsjahres 2004/2005 waren der Verkauf der Wohnimmobilien mit rund 48.000 Wohneinheiten und der Verkauf der Business Unit MetalCutting im Segment Technologies, der im August 2005 eingeleitet und zwischenzeitlich vollzogen wurde. Aus dem Verkauf der Wohnimmobilien resultierte ein Verkaufsgewinn von 787 Mio € nach Steuern, die kumulierten laufenden Ergebnisse bis zum Verkaufszeitpunkt betrugen 15 Mio € nach Steuern. Aus dem Verkauf der Business Unit MetalCutting wurde zum 30.09.2005 ein Verlust von 166 Mio € nach Steuern realisiert, die laufenden Ergebnisse im Geschäftsjahr 2004/2005 betrugen -16 Mio € nach Steuern. Im Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten sind im Berichtsjahr auch nachlaufende Aufwendungen aus Verkäufen enthalten, die in Vorjahren vollzogen wurden.

Jahresüberschuss/Ergebnis je Aktie

Nach Abzug der Anteile anderer Gesellschafter am Gewinn in Höhe von 46 (i. Vj. 60) Mio € und der Aufwendungen aus der Änderung von Bilanzierungsgrundsätzen in Höhe von 4 Mio € nach Steuern (-6 Mio € vor Steuern) ergibt sich ein Jahresüberschuss von 1.019 Mio € nach 904 Mio € im Vorjahr. Zur Ermittlung des Ergebnisses je Aktie (EPS – earnings per share) ist der Jahresüberschuss durch die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien zu teilen. Im Berichtsjahr betrug diese 498.628.610 und im Vorjahr 498.028.925. Die Erhöhung ist auf die Ausgabe eigener Aktien im Rahmen der Belegschaftsaktienprogramme im 3. Quartal 2004/2005 zurückzuführen. Auf Basis dieser Stückzahlen betrug 2004/2005 das EPS 2,05 € pro Aktie, nach 1,81 € pro Aktie im Vorjahr. Bezogen auf die fortgeführten Aktivitäten betrug das EPS 1,17 € pro Aktie im Geschäftsjahr 2004/2005 und 1,67 € pro Aktie im vergleichbar dargestellten Vorjahr.

Dividende

Die Verwaltung wird der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende in Höhe von 0,70 € je Stückaktie vorschlagen. Dies sind 0,10 € pro Stückaktie mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt eine Sonderausschüttung von weiteren 0,10 €, die aus dem nahezu abgeschlossenen Desinvestitionsprogramm resultiert. Die rechtliche Basis für die Ausschüttung bildet der Bilanzgewinn. Er ergibt sich aus dem nach HGB ermittelten Jahresüberschuss der ThyssenKrupp AG in Höhe von 920 (i. Vj. 301) Mio € abzüglich einer durch die Verwaltung bereits vorgenommenen Einstellung von 481 Mio € in die anderen Gewinnrücklagen zuzüglich des Gewinnvortrags. Aus diesem Bilanzgewinn in Höhe von 448 (i. Vj. 309) Mio € ist ein Teilbetrag von insgesamt 399 Mio € zur Ausschüttung auf die zum 30. September 2005 dividendenberechtigten 499.149.151 Aktien vorgesehen. Weitere 37 Mio € sollen in die Gewinnrücklagen eingestellt, der darüber hinausgehende Betrag in Höhe von 12 Mio € soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Soweit sich die Anzahl der dividendenberechtigten Aktien bis zum Tag der Hauptversammlung ändern sollte, wird der Gewinnverwendungsvorschlag entsprechend angepasst. Vorbehaltlich der Beschlussfassung der Hauptversammlung beträgt die Ausschüttungsquote bezogen auf den Jahresüberschuss des ThyssenKrupp Konzerns demnach 39 % nach 33 % im Vorjahr. Bezogen auf den Jahresüberschuss der ThyssenKrupp AG beträgt die Ausschüttungsquote 43 % (i. Vj. 99 %).