Geschäftsverlauf 2004/2005

Das konjunkturelle Umfeld gab auch im Geschäftsjahr 2004/2005 der Geschäftsentwicklung von ThyssenKrupp überwiegend positive Impulse. Die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten haben sich zwar leicht abgeschwächt, sie blieben aber insgesamt auf einem hohen Niveau. Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen von ThyssenKrupp wurde erfreulich stärker. Der Auftragseingang nahm um 9 % auf 42,5 Mrd € zu, der Umsatz um 13 % auf 42,1 Mrd €.

Die Weltwirtschaft blieb 2005 auf Wachstumskurs, die konjunkturelle Dynamik wurde allerdings zur Jahresmitte schwächer. Eine wesentliche Ursache hierfür waren die deutlich gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. Der drastische Ölpreisanstieg dämpfte in den ölimportierenden Industriestaaten die Konjunkturentwicklung. Nach aktuellen Einschätzungen nahm das Welt-Bruttoinlandsprodukt 2005 um 4,0 % zu, nach 5,1 % im Jahr zuvor. Stärker expandierte 2005 der Welthandel; nach 8,0 % im Vorjahr wird für 2005 mit einem Zuwachs von 6,5 % gerechnet.

Die größten Wachstumsimpulse gingen auch im Jahr 2005 wieder von Nordamerika und Asien aus. In den USA beruhte die dynamische Konjunkturentwicklung im Wesentlichen auf der hohen Binnennachfrage: Insbesondere der private Verbrauch und die Anlageinvestitionen expandierten kräftig. Das starke Wachstum in Asien wurde weiterhin von China getragen. Die chinesische Wirtschaft verzeichnete 2005 voraussichtlich einen Zuwachs von mehr als 9 %. Auch die übrigen südostasiatischen Schwellenländer wiesen überdurchschnittliche Wachstumsraten auf. In Japan hielt der moderate Aufschwung dank anziehender Binnennachfrage an.

In Lateinamerika setzte sich das robuste Wirtschaftswachstum fort, allerdings konnte das hohe Niveau des Vorjahres nicht erreicht werden. In Brasilien trug vor allem der steigende Güterexport zur gesamtwirtschaftlichen Stabilisierung bei. Die ökonomische Lage in Mittel- und Osteuropa war auch im Jahr 2005 durch anhaltend hohes Wachstum gekennzeichnet. Russland profitierte dabei insbesondere von den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen.

Sehr verhalten war dagegen die konjunkturelle Erholung in Westeuropa. Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum nahm 2005 voraussichtlich nur um 1,3 % zu, wobei das Wachstum in den einzelnen Ländern sehr heterogen war. Unterdurchschnittlich blieb die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, wo die Konjunktur insbesondere vom schwachen privaten Verbrauch gedämpft wurde. Positiv haben sich hingegen die höheren Ausrüstungsinvestitionen und die Exporte ausgewirkt, die trotz des zeitweilig stärkeren Euro gestiegen sind.

Brutto-Inlandsprodukt 2005* reale Veränderungen zum Vorjahr in %

Brutto-Inlandsprodukt 2005

Positive Entwicklung auf den Absatzmärkten von ThyssenKrupp

In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen – die Anteile einzelner Kundengruppen am Konzernumsatz sind in der nebenstehenden Grafik angegeben – war die Marktentwicklung insgesamt erfreulich.

Auf dem internationalen Stahlmarkt hat sich 2005 das hohe Expansionstempo des Vorjahres in einzelnen Regionen fortgesetzt. Das ungebremste Produktionswachstum – vor allem in China, aber auch in Indien – ließ die Weltrohstahlproduktion nach vorläufigen Berechnungen um 7 % auf mehr als 1,1 Mrd t steigen. Im Nafta-Raum und in Westeuropa wurde hingegen die Produktion vom Frühjahr 2005 an als Reaktion auf die gesunkene Nachfrage gedrosselt. Daher war in der EU 25 im Gesamtjahr 2005 die Rohstahlerzeugung mit 183 Mio t um 5 % niedriger als im Vorjahr. Die deutschen Stahlwerke verfehlten mit knapp 45 Mio t ebenfalls das letztjährige Niveau. Nachdem sie noch in den ersten Monaten des Jahres an der Kapazitätsgrenze produziert hatten, wurde schließlich im Mai 2005 und dann verstärkt in den Sommermonaten die Produktion zurückgefahren.

Die Situation auf den internationalen Stahlmärkten war aber über weite Strecken des Jahres auch durch eine primär lagerzyklisch bedingte Nachfrageschwäche bei zunächst anhaltend hohem Angebot gekennzeichnet. Der starke Nachfragesog des vorangegangenen Jahres aus China und Nordamerika und die damit einhergehenden Preissteigerungen hatten in vielen Regionen einen erheblichen, spekulativ motivierten Lageraufbau bewirkt. Dieser führte dann in den meisten Märkten von Beginn des Jahres 2005 an zu einem deutlichen Rückgang der Stahlnachfrage. Parallel dazu nahm, insbesondere in den USA und in Westeuropa, der Wettbewerbsdruck durch höhere Importe zu. Dadurch gaben die Stahlpreise auf breiter Front nach.

Schwache Nachfrage bei überhöhten Lagerbeständen der Stahlverarbeiter und -händler, kürzer werdende Lieferzeiten und sukzessiv sinkende Auftragsbestände der Anbieter bestimmten ab Anfang 2005 auch die Entwicklung auf dem westeuropäischen Markt für Qualitätsflachstahl. Das zunächst noch hohe Versandvolumen der westeuropäischen Hersteller führte in Verbindung mit deutlich gestiegenen Drittlandsimporten zu einem erheblichen Angebotsüberschuss in allen Produktsegmenten. Dadurch gerieten die Preise vom 2. Quartal 2005 an unter Druck. Lagerbestandsanpassungen bei den Kunden dauerten bis zum Geschäftsjahresende an. Dadurch hatte dann der Markt wieder weitgehend sein Gleichgewicht gefunden, auch gestützt durch geringere Versandmengen. Zudem gaben vom Frühsommer an die Importe wieder nach, da Stahl aus westeuropäischer Provenienz günstiger und schneller verfügbar war.

Die weltweite Rohstahlerzeugung von rost-, säure- und hitzebeständigen Edelstahlgüten blieb 2005 mit 24,7 Mio t auf Vorjahresniveau. Im Bereich der Kaltflachprodukte erhöhte sich die Nachfrage um lediglich 0,3 % und erreichte 13,3 Mio t. Dabei wurde der Rückgang in Europa und in Nordamerika durch die positive Entwicklung in Asien überkompensiert. Vor allem in China ist nach einem moderateren Wachstum im Vorjahr die Nachfrage kräftig gestiegen. Ein massiver Ausbau der nationalen Kapazitäten verschärfte allerdings im Laufe des Jahres den Angebotsüberhang in diesem Land, was vom 2. Quartal 2005 an einen deutlichen Preisverfall zur Folge hatte. Im nordamerikanischen Markt führte zwar die fortgesetzte Konsolidierung auf der Produzentenseite zu weiteren Kapazitätsschließungen. Dennoch gaben die Basispreise auf Grund höherer Importe bei verhaltener Nachfrage leicht nach. In Westeuropa war der Markt für rostfreie Kaltflacherzeugnisse über den gesamten Berichtszeitraum schwach. Hohe Lagerbestände bei den Kunden und Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Rohstoffpreise drückten auf die Nachfrage. Zusätzlich verschärften anhaltend hohe Drittlandsimporte sowie neue in den Markt drängende Kapazitäten das unausgewogene Verhältnis von Angebot und Nachfrage, so dass die Basispreise ab dem 2. Quartal 2005 verstärkt unter Druck gerieten. Die meisten Produzenten steuerten dagegen durch teils massive Produktionsrücknahmen. Erfreulich war die deutliche Belebung der Nachfrage nach Nickelbasiswerkstoffen, die auch wieder spürbare Preisaufbesserungen zuließ.

Umsatz nach Kundengruppen 2004/2005 in %

Die globale Automobilkonjunktur entwickelte sich per Saldo positiv. 2005 wurden voraussichtlich weltweit mehr als 66 Mio Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge produziert – das bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von etwa 2 % bzw. 1 Mio Fahrzeuge. Dabei war die Entwicklung in den einzelnen Regionen wiederum sehr unterschiedlich.

Während die Produktion in Westeuropa mit voraussichtlich etwa 17,3 Mio Kraftfahrzeugen 2 % unter dem Wert des Vorjahres blieb, hielt in Deutschland der positive Trend des Vorjahres an. Im Vergleich zu 2004 wurden nach ersten vorläufigen Berechnungen mit etwa 5,7 Mio Personen- und Nutzfahrzeugen ca. 2 % mehr Kraftfahrzeuge produziert. Besonders expansiv war der Bereich der Nutzfahrzeuge. In Mittel- und Osteuropa wuchs die Fahrzeugproduktion um mehr als 10 %.

Die Entwicklung im Nafta-Raum blieb knapp unter dem Vorjahresniveau. Während die Produktion von Personenkraftwagen leicht zunahm, wurde der Boom bei Light Trucks wie Minivans und Sport Utility Vehicles erstmals gestoppt. Insbesondere die gestiegenen Benzinpreise drückten die Nachfrage und damit die Produktion. Die Produktion schwerer Nutzfahrzeuge legte wieder deutlich zu. Obwohl die Rabatte immer höher wurden, verloren große amerikanische Hersteller weiter Marktanteile an asiatische Konkurrenten. In Südamerika ist der Automobilmarkt erneut gewachsen. Die Fahrzeugproduktion stieg dort um 5 % auf 2,5 Mio Einheiten.

Die stärksten Wachstumsimpulse kamen erneut aus Asien. Während die Produktion in Japan stagnierte, zogen die Stückzahlen in China um 10 % auf nunmehr 5,7 Mio Fahrzeuge an. Insgesamt liefen in Asien etwa 24 Mio Personen- und Nutzfahrzeuge vom Band, 4 % mehr als im Vorjahr.

Das anhaltende Wachstum der Weltwirtschaft gab auch im Maschinenbau der Nachfrage weiterhin Impulse. Auf Grund einer starken Binnennachfrage war die Entwicklung sowohl in den USA als auch in China überdurchschnittlich. Geringere Zuwächse wiesen die Maschinenbauer in Japan und Deutschland auf. Der deutsche Maschinenbau konnte, während die Bestellungen aus dem Inland nachgaben, mehr Aufträge aus dem Ausland buchen. Der Rohstoffboom hat dabei die Nachfrage aus Staaten wie Russland oder Australien und aus Südamerika beflügelt.

Zumeist leicht positiv hat sich die Bauwirtschaft entwickelt. Besonders günstig war die Baukonjunktur in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa. Auch in den USA und den meisten westeuropäischen Ländern gab es Zuwächse. In schwieriger Verfassung befand sich dagegen erneut die deutsche Bauwirtschaft. Seit Jahresmitte hat sich allerdings die Auftragslage leicht verbessert.

Umsatz von ThyssenKrupp kräftig erhöht

ThyssenKrupp in Zahlen
Alle Angaben beziehen sich auf fortgeführte Aktivitäten.
* vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Auftragseingang

Mio €

 

38.823

 

42.508

Umsatz

Mio €

 

37.303

 

42.064

EBITDA

Mio €

 

3.036

 

3.452

Ergebnis*

Mio €

 

1.477

 

1.836

Mitarbeiter (30.09.)

 

 

174.056

 

183.729

Umsatz nach Segmenten in Mio € Download

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Steel

 

 

13.151

 

14.752

Automotive

 

 

7.247

 

7.627

Technologies

 

 

4.083

 

5.687

Elevator

 

 

3.569

 

3.773

Services

 

 

11.306

 

12.504

Corporate

 

 

121

 

119

Umsatz der Segmente

 

 

39.477

 

44.462

Umsatz zwischen den Segmenten

 

 

-2.174

 

-2.398

Umsatz fortgeführter Aktivitäten

 

 

37.303

 

42.064

 

 

 

 

 

 

Elevator hat alle Aktivitäten fortgeführt.

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Steel

 

 

1.119

 

406

Automotive

 

 

399

 

218

Technologies

 

 

619

 

635

Services

 

 

600

 

200

Corporate

 

 

241

 

56

Umsatz der Segmente

 

 

2.978

 

1.515

Umsatz zwischen den Segmenten

 

 

-225

 

-66

Umsatz nicht fortgeführter Aktivitäten

 

 

2.753

 

1.449

 

 

 

 

 

 

ThyssenKrupp setzte seine gute Geschäftsentwicklung auch im Berichtsjahr 2004/2005 fort. Dank des konjunkturellen Rückenwindes, vor allem aber auf Grund unserer eigenen Anstrengungen zur Performancesteigerung konnten wir wesentliche Kenngrößen, wie in den oben stehenden Tabellen angegeben, weiter verbessern.

Den Prozess der Portfoliobereinigung haben wir erfolgreich vorangetrieben. Dabei wurden einige wesentliche Aktivitäten veräußert: das Edelstahlwerk Witten-Krefeld, Alu Castings, das europäische Nutzfahrzeug-Federn-Geschäft, der Bereich Turbinenkomponenten, der Werkzeugmaschinenbau MetalCutting sowie die Wohnimmobilien. Weitere Informationen zu den nicht fortgeführten Aktivitäten finden sich im Anhang. Um Vergleichbarkeit innerhalb der Perioden zu wahren, bezieht sich die nachfolgende Darstellung von Auftragseingang, Umsatz, Ergebnis und Mitarbeitern – wenn nicht anders angegeben – nur auf die fortgeführten Aktivitäten.

Umsatz nach Absatzgebieten 2003/2004 in %

Die Nachfrage nach unseren Produkten und Dienstleistungen ist 2004/2005 kräftig gestiegen. Der Auftragseingang aus fortgeführten Aktivitäten erreichte 42,5 Mrd €, 9 % mehr als im Vorjahr. Allerdings wurde die Geschäftsentwicklung durch die Wechselkurse weiterhin belastet. Bereinigt um die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar wäre der Auftragseingang des Konzerns insgesamt um 10 % gestiegen. Die nicht fortgeführten Aktivitäten erzielten Neubestellungen in Höhe von 1.488 Mio €.

Der Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten stieg um 13 % auf 42,1 Mrd €. Dazu haben alle Segmente beigetragen. Wechselkursbereinigt wäre der Umsatz 14 % höher ausgefallen. Der Umsatz der nicht fortgeführten Aktivitäten erreichte 1.449 Mio €.

Regionale Absatzschwerpunkte, das verdeutlicht die obige Grafik, waren die Länder der EU, vor allem Deutschland, sowie der Nafta-Raum. Zwei Drittel des Umsatzes – 67 % bzw. 28,2 Mrd € – erzielten wir mit Kunden außerhalb des deutschen Marktes.

Steel: Hervorragend behauptet

Umsatz in Mio €
Alle Angaben beziehen sich auf fortgeführte Aktivitäten.

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Carbon Steel

 

 

8.387

 

9.291

Stainless Steel

 

 

4.990

 

5.568

Special Materials

 

 

321

 

387

Summe

 

 

13.698

 

15.246

Konsolidierung

 

 

-547

 

-494

Steel

 

 

13.151

 

14.752

 

 

 

 

 

 

Das Segment Steel hat sich in einem deutlich schwierigeren Marktumfeld hervorragend behauptet. Weite Strecken des Geschäftsjahres 2004/2005 waren von einer lagerzyklisch schwächeren Nachfrage geprägt. Der wertmäßige Auftragseingang nahm dennoch um 5 % auf 14,4 Mrd € zu. Erheblich geringeren Bestellmengen standen im Geschäftsjahresdurchschnitt höhere Durchschnittserlöse gegenüber. Die Preissteigerungen für Stahlprodukte waren notwendig geworden, weil die Kosten für die Rohstoffbezüge erneut extrem gestiegen sind. Der Umsatz stieg um 12 % auf 14,8 Mrd €. Auch dies war bei niedrigeren Absatzmengen eine Folge der im Vorjahresvergleich gestiegenen Erlöse.

Die Rohstahlproduktion blieb mit 16,5 Mio t annähernd so hoch wie im Vorjahr. Die Beschäftigungssituation war zunächst durch eine Vollauslastung der Kernaggregate geprägt. Zur Mitte des Geschäftsjahres musste ThyssenKrupp Stahl wegen der gesunkenen Nachfrage und überhöhter eigener Fertigbestände die Produktion um rund 800.000 t kürzen. Davon betroffen waren insbesondere die Kaltwalzwerke und Oberflächenveredelungsanlagen. Stainless Steel reagierte im 4. Quartal 2004/2005 auf die schwächere Marktverfassung in Europa mit einer Kürzung der Produktion um 120.000 t. Insgesamt ging dadurch im Vergleich zum Vorjahr im Segment Steel die Walzstahlproduktion für Kunden um 5 % zurück.

Die Business Unit Carbon Steel erreichte ein Umsatzplus um 11 % auf 9,3 Mrd €. Bei einer rückläufigen Mengenentwicklung ist dies auf signifikant höhere Stahlerlöse zurückzuführen. Bei ThyssenKrupp Stahl nahm der Umsatz ausschließlich preisbedingt um 11 % zu. Dabei ließen sich bis Jahresmitte auch Erlösverbesserungen erzielen. Ab dem 4. Geschäftsjahresquartal kam es durch die Marktschwäche zu Preiskorrekturen im Quartalsgeschäft. Dennoch übertraf der Durchschnittserlös im gesamten Geschäftsjahr das entsprechende Vorjahresniveau um 23 %. Dazu trugen vor allem die Preisanhebungen bei, die wir im Kontraktgeschäft erzielen konnten. Der mengenmäßige Stahlabsatz von ThyssenKrupp Stahl lag um 8 % unter dem Vorjahresniveau. Dieser Rückgang betraf nahezu alle Regionalmärkte. Auch die übrigen Gesellschaften konnten fast ausnahmslos an die sehr positive Entwicklung des Vorjahres anknüpfen. Der Umsatz mit Weißblech und Mittelband ist erlösbedingt erheblich ausgeweitet worden. Bei Tailored Blanks waren die Abrufe der Automobilindustrie geringer als im Vorjahr, der Umsatz blieb konstant. Positiv entwickelten sich sowohl die europäischen Stahl-Service-Center als auch das nordamerikanische Processing Center ThyssenKrupp Steel North America.

Die Business Unit Stainless Steel erhöhte den Umsatz auf 5,6 Mrd €. Die Gründe für diesen Anstieg um 12 % waren zum einen die in der ersten Geschäftsjahreshälfte gestiegenen Basispreise und zum anderen die aus den Rohstoffverteuerungen resultierenden Erhöhungen der Legierungs- und Schrottzuschläge. Die Mehrkosten, vor allem für Nickel, Chrom und Schrott, konnten so zeitversetzt zu einem großen Teil an den Markt weitergegeben werden. Der Versand lag auf Grund der schwächeren Nachfrage um 11 % unter dem Wert des Vorjahres. Insbesondere Kaltband litt unter den Produktionsrücknahmen zur Anpassung des Angebots an die Nachfrage und unter dem Streik bei ThyssenKrupp Acciai Speciali Terni zu Beginn des Jahres. Hier gingen die Absatzmengen um 10 % zurück. Im Bereich der Nickelbasislegierungen wurde die positive Entwicklung des Vorjahres fortgesetzt. Der kräftige Umsatzanstieg bei ThyssenKrupp VDM war sowohl erlös- als auch mengenbedingt.

Die Business Unit Special Materials hat sich im Berichtsjahr von den Edelstahl-Langprodukten getrennt, so dass lediglich die Aktivitäten im Bereich des kornorientierten Elektrobands verblieben sind. ThyssenKrupp Electrical Steel verzeichnete einen Umsatzanstieg um 28 % auf 387 Mio €. Der Markt war während des gesamten Berichtsjahres von hoher Dynamik geprägt, so dass wir die Erlöse signifikant verbessern konnten.

Automotive: Position gefestigt

Umsatz in Mio €
Alle Angaben beziehen sich auf fortgeführte Aktivitäten.

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Body & Chassis (North America)

 

 

2.223

 

2.307

Body & Chassis (Europe/Asia Pacific/Latin America)

 

 

2.981

 

2.995

Powertrain (Global)

 

 

2.073

 

2.356

Summe

 

 

7.277

 

7.658

Konsolidierung

 

 

-30

 

-31

Automotive

 

 

7.247

 

7.627

 

 

       

Das Segment Automotive konnte in einem weltweit insgesamt positiven Marktumfeld mit steigenden Produktionszahlen seine Position als internationaler Partner und Full-Service Supplier der Automobilindustrie weiter ausbauen. Dies spiegelt sich in einem deutlichen Anstieg des Geschäftsvolumens wider: Der Auftragseingang konnte um 9 % auf 7,9 Mrd € gesteigert werden, der Umsatz um 5 % auf 7,6 Mrd €. Zu verdanken ist dieser Umsatzzuwachs im Wesentlichen einem deutlich höheren Systemgeschäft, Mehrmengen und preisbedingten Zuwächsen in den Gießereien Nordamerikas. Positiv bemerkbar machten sich außerdem die erneute Zunahme des Anteils von Dieselmotoren bei Personenkraftwagen, die weiterhin sehr hohe internationale Nachfrage nach Nutzfahrzeug-Kurbelwellen sowie diverse An- und Hochläufe neuer Fahrzeugmodelle und Werke. Belastet hat dagegen neben dem Wechselkurseffekt vor allem der Absatzrückgang in den Presswerken Nordamerikas.

Die Business Unit Body & Chassis (North America) konnte im Berichtszeitraum den Umsatz um 4 % ausweiten. Verantwortlich dafür waren mengen- und preisbedingte Zuwächse in den nordamerikanischen Gießereien von ThyssenKrupp Waupaca. Auch ThyssenKrupp Budd Systems verzeichnete mit dem Produktionsstart eines Hinterachsmoduls für ein US-amerikanisches Sport Utility Vehicle ein deutlich höheres Systemgeschäft. Die Aufträge japanischer Transplants bei ThyssenKrupp Fabco und ThyssenKrupp Budd Plastics steigerten den Umsatz zusätzlich. Im Presswerk Hopkinsville wurde das Geschäft deutlich ausgeweitet, während andere Presswerke von Nachfrageeinbrüchen bei verschiedenen Fahrzeugmodellen betroffen waren. Minderabrufe gab es auch bei verschiedenen Rahmenaufträgen im Werk Kitchener.

Die Business Unit Body & Chassis (Europe/Asia Pacific/Latin America) erreichte einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Hierbei wirkten sich Neuaufträge und Mehrabrufe deutscher Automobilhersteller ebenso erfreulich aus wie die Fertigung neuer Produkte. Auch Preiseffekte aus der Weitergabe von Materialpreiserhöhungen machten sich positiv bemerkbar. Dem standen der Produktionsauslauf und eine geringere Nachfrage bei verschiedenen Fahrzeugmodellen gegenüber. Davon waren insbesondere die Gesellschaften in Großbritannien betroffen: Die Insolvenz von MG Rover hatte für erhebliche Volumenrückgänge gesorgt.

Der Umsatz der Business Unit Powertrain (Global) expandierte 2004/2005 um 14 %, wozu vor allem der Anlauf des neuen Produktionsstandorts für Lenkungen in Terre Haute, USA, sowie Lenkungsaufträge in Frankreich beitrugen. Auch der Hochlauf der Produktion von Nockenwellen für französische und deutsche Automobilhersteller hat die Umsatzentwicklung belebt. Die Nachfrage nach Kurbelwellen für den Einsatz in Nutzfahrzeugen blieb im Geschäftsjahr 2004/2005 weltweit auf hohem Niveau. Im Zuge des steigenden Dieselanteils bei neuen Modellen war auch die Nachfrage nach Pkw-Kurbelwellen sehr erfreulich. Und nicht zuletzt wirkte sich die Weitergabe von Stahlpreiserhöhungen positiv auf die Umsatzentwicklung aus. In Brasilien konnte das Geschäft durch die Exportoffensive der Automobilhersteller weiter ausgebaut sowie der Absatz im Inland gesteigert werden. Änderungen im Konsolidierungskreis hatten per Saldo einen positiven Umsatzeffekt. ThyssenKrupp Presta SteerTec wurde im Berichtsjahr erstmalig für zwölf Monate einbezogen.

Technologies auf Wachstumskurs

Umsatz in Mio €
Alle Angaben beziehen sich auf fortgeführte Aktivitäten.

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Plant Technology

 

 

1.673

 

2.246

Marine Systems

 

 

773

 

1.663

Mechanical Engineering

 

 

1.541

 

1.773

Transrapid

 

 

82

 

21

Summe

 

 

4.069

 

5.703

Konsolidierung

 

 

14

 

-16

Technologies

 

 

4.083

 

5.687

 

 

       

Das Segment Technologies bewegte sich in einem insgesamt erfreulichen Marktumfeld. Im Spezial- und Großanlagenbau erhöhte sich die weltweite Nachfrage. Im Schiffbau gab es positive Impulse. Auch die Maschinenbaukonjunktur hat sich weiter verbessert. Belastend hingegen wirkten die hohen Rohstoffkosten und der schwache US-Dollar. Dennoch konnte Technologies das Geschäft deutlich ausbauen und den Auftragseingang um 16 % auf 5,5 Mrd € erhöhen. Der Umsatz verbesserte sich um 39 % auf 5,7 Mrd €. Der Auftragsbestand erreichte am Ende des Berichtjahres 9,3 Mrd €, 58 % mehr als ein Jahr zuvor.

Die Business Unit Plant Technology gewann im Berichtsjahr zahlreiche Großaufträge, und zwar vor allem im Zementanlagenbau sowie bei fördertechnischen Anlagen. Dabei profitierte die Business Unit besonders von der hohen Auslandsnachfrage, nicht zuletzt von Kunden aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Im Chemieanlagenbau kam es zu Auftragsverschiebungen. Insgesamt bewegte sich der Auftragseingang auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Die ausgezeichnete Projektlage bei zement- und fördertechnischen Anlagen führte zu einem kräftigen Umsatzanstieg. Auch das Geschäft mit Düngemittel und Chemieanlagen hat sich sehr gut entwickelt.

Marine Systems konnte den Auftragseingang fast verdoppeln, und zwar zum einen durch die erstmalige Einbeziehung von HDW und zum anderen durch die Einbuchung mehrerer Schiffbauaufträge. Marine Systems profitierte im Handelsschiffbau weiter von dem anhaltend hohen Bedarf an hochwertigen Containerschiffen mittlerer Baugröße. Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch der Bau von Megayachten mit innovativer Technik und einer Ausstattung für höchste Ansprüche. Der Auftragsbestand der Werften lag zum Ende des Berichtsjahres bei 5,3 Mrd €. Ihr Umsatz hat sich konsolidierungsbedingt und auf Grund von Abrechnungen für die deutsche und die südafrikanische Marine mehr als verdoppelt.

Mechanical Engineering konnte den Auftragseingang gegenüber dem Vorjahreswert deutlich verbessern. Insbesondere die Zulieferungen von Komponenten und Systemen für die Baumaschinenindustrie und den allgemeinen Maschinenbau erlaubten beachtliche Auftragszuwächse. Speziell das Geschäft mit Großwälzlagern für Windkraftanlagen entwickelte sich weiterhin auf hohem Niveau. Dank des hohen Auftragseingangs konnte der Umsatz spürbar ausgeweitet werden.

Transrapid erhielt im August 2005 von der deutschen Bundesregierung den Auftrag zur Weiterentwicklung und Anpassung des Transrapid-Fahrzeuges an die Erfordernisse der Flughafenanbindung München. Der Umsatz lag unter dem Wert des Vorjahres, in dem der Shanghai-Auftrag abgerechnet worden war.

Elevator: In schwierigem Marktumfeld behauptet

Umsatz in Mio €
Elevator hat alle Aktivitäten fortgeführt.

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Central/Eastern/Northern Europe

 

 

1.163

 

1.209

Americas

 

 

1.377

 

1.485

Southern Europe/Africa/Middle East

 

 

471

 

498

Asia/Pacific

 

 

399

 

419

Escalators/Passenger Boarding Bridges

 

 

230

 

247

Accessibility

 

 

120

 

134

Summe

 

 

3.760

 

3.992

Konsolidierung

 

 

-191

 

-219

Elevator

 

 

3.569

 

3.773

 

 

       

Das Segment Elevator hat sich in einem schwierigen Marktumfeld behauptet. Vor allem das Neuinstallationsgeschäft hatte einen deutlich gestiegenen Preis- und Margendruck zu verkraften, der sich durch den weltweiten Anstieg der Vormaterialpreise noch weiter verschärfte. Auch im Service- und Modernisierungsgeschäft war ein zunehmender Preiswettbewerb erkennbar. Hinzu kam eine weiterhin ungünstige Entwicklung der Wechselkursparitäten. Dennoch konnte der Auftragseingang um 10 % auf 4,2 Mrd €, der Umsatz um 6 % auf 3,8 Mrd € gesteigert werden. Grundlage dieser Entwicklung waren neben der starken internationalen Präsenz zunehmende Erfolge im Cross Selling unserer umfassenden Produkt- und Servicekompetenz.

Die Business Unit Central/Eastern/Northern Europe hat das hohe Vorjahresniveau sowohl bei Auftragseingang als auch bei Umsatz leicht übertroffen. In allen Märkten konnte das Geschäftsvolumen trotz eines erheblich stärkeren Preisdrucks, insbesondere im Bereich der Neuanlagen, beibehalten oder weiter ausgebaut werden. Ein Highlight war die erfolgreiche Markteinführung des Produkts "Spirit", eines triebwerksraumlosen Aufzugs für das Volumensegment der niedrigen und mittelhohen Wohnhäuser. Auch die Serviceaktivitäten haben sich erfreulich entwickelt.

Trotz negativer Wechselkurseffekte erzielte die Business Unit Americas im Geschäftsjahr 2004/2005 deutlich höhere Auftragseingänge und Umsätze als im Jahr zuvor. Neben einer weiterhin positiven Entwicklung im Servicebereich war insbesondere im Neuanlagengeschäft eine anhaltende Belebung zu verspüren. Dies führte sowohl in den USA als auch in Lateinamerika zu erfreulichen Zuwächsen.

Auch die Business Unit Southern Europe/Africa/Middle East erlebte mit ihren Aktivitäten auf dem spanischen und portugiesischen Markt wie auch im Mittleren Osten einen sehr erfreulichen Geschäftsverlauf. Der Auftragseingang wurde beträchtlich ausgeweitet. Das war in erster Linie dem zweiten Großauftrag für den Flughafen Dubai zu verdanken. Aber auch weitere Infrastrukturprojekte, wie die Metro Barcelona, trugen zu dieser Entwicklung bei. Positiven Einfluss auf die Geschäftsentwicklung hatten die Neukonsolidierungen der spanischen Ascensores Silves Hidrolex und der italienischen Marco Bonfedi Ascensori Scale Mobile.

Bei der Business Unit Asia/Pacific nahmen sowohl der Auftragseingang als auch der Umsatz zu. Vor allem der chinesische Markt ist weiterhin durch ein kräftiges Wachstum gekennzeichnet, so dass neben der anhaltend wachsenden Nachfrage bei Neuinstallationen auch das Servicegeschäft weiter expandierte. Im übrigen südostasiatischen Raum konnte das Geschäft ebenfalls ausgebaut werden. Lediglich in Südkorea war die Entwicklung auf Grund der schwachen Baukonjunktur leicht rückläufig.

In der Business Unit Escalators/Passenger Boarding Bridges lag der Auftragseingang unter dem sehr hohen Vorjahreswert. Für die Flughäfen Barcelona und Kairo konnten Großaufträge über Fahrtreppen und Fahrsteige sowie Fluggastbrücken gebucht werden. Durch Ausschöpfung des Cross-Selling-Potenzials erhöhte sich auch der Umsatz.

Die Business Unit Accessibility konnte ihre Aktivitäten ausbauen. Auftragseingang und Umsatz stiegen. Neben den positiven Effekten aus den Akquisitionen kleinerer Aktivitäten auf dem US-amerikanischen Markt trugen auch die europäischen Gesellschaften sehr erfreulich zum Erfolg der Business Unit bei.

Services: Performanceprogramme wirken

Umsatz in Mio €
Alle Angaben beziehen sich auf fortgeführte Aktivitäten.

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Materials Services Europe

 

 

5.256

 

5.773

Materials Services North America

 

 

1.499

 

1.779

Industrial Services

 

 

1.318

 

1.392

Special Products

 

 

3.261

 

3.598

Summe

 

 

11.334

 

12.542

Konsolidierung

 

 

-28

 

-38

Services

 

 

11.306

 

12.504

 

 

       

Der Umsatz des Segments Services belief sich im Berichtszeitraum auf 12,5 Mrd €, das bedeutete gegenüber dem Vorjahreswert ein Plus von 11 %. Grund dafür waren neben den weiterhin hohen Preisen bei den meisten Werk- und Rohstoffen vor allem die eigenen Anstrengungen zur Geschäftsausweitung. Alle Business Units trugen zu dieser erfreulichen Entwicklung bei.

Die Business Unit Materials Services Europe hat trotz leicht rückläufiger Verkaufsmengen den Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf Grund höherer Preise und des optimierten Produktprogramms wesentlich erhöht. Das galt besonders für Flachstahl, höherwertige Güten sowie Edelstahl. Bei NE-Metallen konnte die Position behauptet werden und bei Kunststoffen bewegte sich das Geschäft über den Vergleichswerten des Vorjahres. Positiv entwickelte sich auch der Umsatz im gesamten europäischen Ausland. Der Geschäftsausbau in Osteuropa wurde weiter vorangetrieben – sowohl in traditionell starken Märkten wie Polen, Ungarn und Tschechien als auch mit neuen Aktivitäten in Russland, der Ukraine und in Bulgarien. Hervorzuheben ist erneut Frankreich als größter Auslandsmarkt. Dort wurde der Umsatz deutlich gesteigert. Auch in den übrigen westeuropäischen Märkten konnte das hohe Umsatzniveau des Vorjahres noch einmal übertroffen werden.

Trotz negativer Kurseinflüsse bewegte sich auch die Business Unit Materials Services North America deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Die positive Preisentwicklung in der ersten Hälfte des Jahres trug dazu ebenso bei wie das stärkere Absatzvolumen und die breit angelegte Vertriebsinitiative. Das diversifizierte Produkt- und Dienstleistungsprogramm der Business Unit konnte konjunkturelle Schwankungen in einzelnen Marktsegmenten und Kundengruppen erfolgreich abfedern. Während es im Bereich Qualitätsstahl in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres zu einem starken Preis- und Margenverfall kam, bewegten sich die Preise der anderen Produkte – insbesondere Aluminium, Kupfer und Werkzeugstahl – weiter auf hohem Niveau. Bei den Dienstleistungen gewann die Business Unit mehrere neue Kunden für das Supply Chain Management.

Die Business Unit Industrial Services konnte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr steigern. Die Auslandsmärkte sowohl in den USA als auch in Skandinavien, im Mittleren Osten und in Asien haben sich positiv entwickelt. Im Inland verharrte die Nachfrage auf Grund der zurückhaltenden Instandhaltungstätigkeit vieler industrieller Auftraggeber auf niedrigem Niveau. Dies wurde jedoch durch den seit Jahren anhaltenden Trend zum Outsourcing kompensiert. Es waren vor allem Aufträge aus den Branchen Chemie/Petrochemie, Automotive und Stahl, die zum Umsatzplus beigetragen haben. Der Bereich Gleistechnik festigte seine führende Marktposition. Wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung hatte die Deutsche Bahn, die in die Sanierung und den Ausbau des Streckennetzes investierte.

Der Umsatz der Business Unit Special Products lag erneut über dem bereits sehr hohen Vorjahresniveau. Der Walzstahl-Umsatz stieg auf Grund der dynamischen Preisentwicklung deutlich an. Dank der hohen Auftragsbestände bewegte sich der internationale Handel mit Rohren auf dem guten Niveau des Vorjahres. Der Bereich Bautechnik baute seine Marktposition weltweit aus. Der Handel mit chinesischem Hochofen- und Gießereikoks sowie mit Kohle war lebhaft. Auch der Handel mit Industriemineralien sowie mit Technischen Gasen verlief positiv. Bei den Legierungen wurde damit begonnen, langfristige und exklusive Lieferbasen durch Minderheitsbeteiligungen abzusichern.

Corporate

Der Bereich Corporate umfasst die Konzernverwaltung einschließlich der konzerninternen Dienstleistungen sowie inaktiver Gesellschaften, die sich nicht einzelnen Segmenten zuordnen lassen. Hinzu kommen die nicht betriebsnotwendigen Immobilien, die zentral im Bereich Corporate geführt und verwertet werden. Der Umsatz von Corporate lag bei 119 Mio € nach 121 Mio € im Vorjahr.

Mit konsequentem Portfolio-Management wiederum erfolgreich

Mit zahlreichen Erwerben und Veräußerungen von Unternehmen und Unternehmensteilen hat ThyssenKrupp im Berichtsjahr sein Portfolio weiter optimiert und damit das aktive Portfolio-Management der vergangenen Jahre konsequent fortgeführt.

  • Im Segment Steel wurden mit der Veräußerung von Edelstahl Witten-Krefeld an die Schmolz + Bickenbach-Gruppe nun auch die restlichen verbliebenen Langprodukt-Aktivitäten abgegeben und damit der vollständige Ausstieg aus diesem Geschäftsfeld vollzogen. Der Fokus liegt künftig ganz auf den Flachstahlaktivitäten in den beiden Bereichen Qualitätsstahl und Edelstahl. Die Business Unit Carbon Steel hat mit der japanischen JFE Steel Corporation in Tokio ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um beide Unternehmen frühzeitig in die Entwicklung neuer Automobile durch die weltweit operierenden japanischen Automobilhersteller einzubinden. In der Business Unit Stainless Steel wurden durch die vollständigen Übernahmen von Eurinox und dem Geschäft von Metalli Rivestiti Terni in Italien die europäischen Vertriebsaktivitäten verstärkt.
  • Das Segment Automotive hat sich an einem von Sumitomo in China neu gegründeten Unternehmen zur Herstellung geschmiedeter Pkw-Kurbelwellen beteiligt und so seine Präsenz in Asien nachhaltig gestärkt. Gleichzeitig wurde damit die Spitzenposition im internationalen Kurbelwellengeschäft weiter ausgebaut. Mit dem Verkauf des europäischen Nutzfahrzeug-Federn-Geschäfts an die Styria Gruppe haben wir einen Best Owner für dieses Geschäftsfeld gefunden. Die Straffung des Federnbereichs und die Zusammenfassung mit den Aktivitäten von Bilstein ermöglichten es uns jetzt, die Feder-/Dämpfer-Kompetenz des Segments zu bündeln, um die Markt- und Technologieposition im Bereich Pkw-Suspensions zu stärken und auszubauen. Im Rahmen der aktiven Portfolio-Optimierung und Konzentration auf ausgewählte Kerngeschäfte haben wir außerdem die Aluminiumguss-Aktivitäten von ThyssenKrupp Fahrzeugguss sowie eine Gießerei in Großbritannien veräußert.
  • Das Segment Technologies hat im Geschäftsjahr 2004/2005 seine Portfolio-Optimierung abgeschlossen. Künftig konzentriert sich das Segment auf die ertragsstarken Business Units mit Wachstumspotenzial: Plant Technology, Marine Systems und Mechanical Engineering. Bei den Werften standen der Erwerb der HDW-Gruppe und die Gründung des Werftenverbundes ThyssenKrupp Marine Systems im Vordergrund. Für die Business Unit MetalCutting wurde ein Best Owner gefunden. Erwerber ist das US-amerikanische Unternehmen Maxcor mit Sitz in New York. ThyssenKrupp Stahlbau wurde im April an die Certina Holding veräußert. Ebenso wurde mit dem traditionsreichen Lübecker Unternehmen Possehl ein Best Owner für die Elastomertechnik gefunden. Die Turbinenkomponenten-Sparte wurde an die Leistritz-Gruppe veräußert, die auf speziellen Gebieten des Maschinen-, Geräte- und Anlagenbaus tätig ist.
  • Durch die Übernahme einer Reihe von Aufzugsunternehmen in Europa und Nordamerika hat das Segment Elevator konsequent seine internationale Markposition weiter gestärkt. Mit der Akquisition von Ascensores Silves Hidrolex konnten wir eines der letzten großen mittelständischen Aufzugsunternehmen in Spanien erwerben und hierdurch unsere Marktführerschaft weiter ausbauen. In Indien gelang es uns über den Erwerb eines lokalen Anbieters, den Zugang zu wichtigen Kunden im Großraum Mumbai auszubauen. Zusammen mit den bereits bestehenden Aktivitäten sichert dies eine bedeutende Marktstellung im Wachstumsmarkt Indien sowohl bei Neuanlagen als auch im Modernisierungs- und Wartungsgeschäft. Im Bereich Accessibility konnten wir mit dem Erwerb des zweitgrößten Marktteilnehmers Ceteco den Marktzugang in Italien erreichen.
  • Im Segment Services hat Peiniger RöRo mit der Übernahme der Geschäftsaktivitäten von Lesser wichtige industrielle Kunden für den Bereich Gerüstbau erschlossen und seine Marktposition weiter gestärkt. Verschiedene Käufe haben darüber hinaus die weltweiten Stahlhandels- und Service-Center-Aktivitäten gestärkt. Auch der Rohstoffhandel wurde international weiter ausgebaut. Nachdem das Segment im Wesentlichen bereits 2003/2004 erfolgreich umgebaut worden war, haben wir im Berichtsjahr nur noch kleinere Randaktivitäten abgegeben.
  • Mit dem Verkauf der Wohnimmobilien haben wir die größte Transaktion seit der Fusion im Jahr 1999 erfolgreich abgeschlossen. Die Veräußerung der rund 48.000 Wohnungen in der Rhein-Ruhr-Region hat wesentlich zur Reduktion der Netto-Finanzverbindlichkeiten des Konzerns beigetragen und darüber hinaus weiteren finanziellen Spielraum für zukünftiges strategisches Wachstum geschaffen.

ThyssenKrupp hat im Geschäftsjahr 2004/2005 insgesamt Akquisitionen mit einem Umsatzvolumen von 1,5 Mrd € getätigt; die Desinvestitionen erreichten ein Volumen von 2,3 Mrd €. Damit sind seit der Fusion von Thyssen und Krupp bereits Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von 7,0 Mrd € veräußert und solche mit einem Umsatz von 7,1 Mrd € erworben worden. Auch in Zukunft sind im Rahmen des Portfolio-Managements selektive strategische Akquisitionen sowie Desinvestitionen von nicht strategischen Beteiligungen geplant.

Mitarbeiterzahl gestiegen

Mitarbeiter nach Segmenten Download

 

 

 

30.09.2004

 

30.09.2005

Steel

 

 

44.013

 

43.777

Automotive

 

 

42.139

 

42.541

Technologies

 

 

21.980

 

27.449

Elevator

 

 

31.699

 

34.151

Services

 

 

33.211

 

34.835

Corporate

 

 

1.014

 

976

Mitarbeiter fortgeführter Aktivitäten

 

 

174.056

 

183.729

 

 

       
Elevator hat alle Aktivitäten fortgeführt.

 

 

 

30.09.2004

 

30.09.2005

Steel

 

 

4.069

 

58

Automotive

 

 

3.330

 

996

Technologies

 

 

3.433

 

3.406

Services

 

 

1.855

 

556

Corporate

 

 

293

 

0

Mitarbeiter nicht fortgeführter Aktivitäten

 

 

12.980

 

5.016

 

 

       

Die Zahl der Mitarbeiter hat sich im Geschäftsjahr 2004/2005 erhöht. ThyssenKrupp beschäftigte am 30. September 2005 weltweit 183.729 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 9.673 mehr als am Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres. Der Anstieg um knapp 6 % ist vor allem auf die Erstkonsolidierung der HDW-Gesellschaften in Deutschland, Griechenland und Schweden im Segment Technologies zurückzuführen.

Im Segment Elevator stieg die Mitarbeiterzahl auf Grund der Geschäftsausweitung. Im Bereich der nicht fortgeführten Aktivitäten waren zum Geschäftsjahresende 5.016 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In Deutschland nahm die Zahl der Mitarbeiter um 1.518 auf 86.104 zu, außerhalb Deutschlands um 8.155 auf 97.625. Ende September 2005 waren 47 % der Mitarbeiter in Deutschland tätig, 14 % in den USA, 6 % in Frankreich und 5 % in Brasilien.

Der Personalaufwand aus fortgeführten Aktivitäten erhöhte sich im Berichtsjahr um 4 % auf 9,0 Mrd €.

Mitarbeiter nach Regionen in % (zum 30.09.2005)

Mitarbeiter nach Regionen in % (zum 30.09.2005)

Rohstoffpreise legten zu

Durch den hohen Bedarf in China haben sich 2004/2005 die internationalen Rohstoffpreise weiter erhöht. Dies galt auch für Stahlerzeugnisse, die wir zugekauft haben. Bei den übrigen Produkten und Dienstleistungen haben wir Erfolge durch die Bündelung von Einkaufsmengen und ein international angelegtes Beschaffungsmanagement erzielt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug der Materialaufwand insgesamt 26,1 Mrd € und hat damit um 17 % zugelegt. Neben den gestiegenen Rohstoffpreisen ist für diesen Zuwachs auch das höhere Geschäftsvolumen des Konzerns im Berichtsjahr verantwortlich. Versorgungsengpässe gab es keine. Wir konnten alle für ThyssenKrupp benötigten Güter und Dienstleistungen in ausreichender Menge und gewünschter Qualität einkaufen.

Auf den internationalen Rohstoffmärkten haben sich im letzten Jahr die Preise teilweise drastisch erhöht. Für Nickel mussten wir teilweise mehr als 17.500 US-Dollar je Tonne zahlen. Auch beim Chrom wurden Mitte 2005 Spitzenpreise verlangt. Bei Eisenerzen führte die hohe chinesische Nachfrage zu Preissteigerungen von mehr als 70 % auf dem Weltmarkt. Mit 120 % lagen die Preiserhöhungen bei Kohle auf US-Dollar-Basis gerechnet sogar noch höher. Für Koks dagegen haben sich die Preise, dank der zunehmenden Kokereikapazitäten, etwas entspannt. Gegen Ende des Berichtsjahres stellte sich sogar wieder das Preisniveau vor Beginn der Hausse des Jahres 2003 ein. Für die Legierungsmetalle Molybdän und Vanadium gilt dies nicht; hier gab es in der ersten Hälfte 2005 Höchstpreise, die nur schrittweise zurückgehen.

Die Schrottpreise haben 2004/2005 erheblich geschwankt. Sie bewegten sich zwischen 127 € und mehr als 270 € je Tonne. Tendenziell ist der für die Stahlindustrie wichtige Sekundärrohstoff aber teurer geworden als in den Vorjahren. Dies ist vor allem auf den strukturell geringer werdenden Schrottanfall sowie steigende Exporte durch die weltweite Rohstoffhausse zurückzuführen.

Bedingt durch die teuren Rohstoffe haben sich die Einstandspreise für Stahllang- und -flachprodukte erhöht. Für Flachprodukte mussten Preissteigerungen von mehr als 20 %, für Langprodukte sogar von über 25 % hingenommen werden. Auch die Preise von Komponenten mit hohem Stahlanteil gingen nach oben; dies galt beispielsweise für Stanz-, Biege- und Drehteile. Dagegen sind Zukaufteile im Bereich Maschinenbau oder Hydraulik, die nicht in den Sog der Metallpreise geraten sind, im Preis stabil geblieben oder sogar leicht zurückgegangen.

Für direkte und indirekte Dienstleistungen konnten wir die Einkaufskosten senken. Optimierungen brachte unser im Konzern gestartetes Projekt des Inhouse-Sourcing.

Das konzerninterne Wertsteigerungsprogramm ThyssenKrupp best mit dem Einkauf als neuem Schwerpunkt hat sich ebenfalls bezahlt gemacht und kostengünstige Lösungen gebracht. Auch das im Berichtsjahr begonnene Projekt des Global-Sourcing hat sich bewährt. Wir konnten günstige Lieferanten in Asien und Osteuropa finden und beim Zukauf von Elektronikteilen und Gussteilen erheblich sparen.

Unterstützt wird der globale Einkauf durch die ThyssenKrupp Beschaffungsplattform im Internet. Darin ist inzwischen das Programmmodul Strategic Sourcing integriert, das weltweit Ausschreibungen und Auktionen ermöglicht. Im ersten Einsatzjahr haben wir bereits ein Bedarfsvolumen von mehr als 500 Mio € über das Internet ausgeschrieben. Online-Ausschreibungen werden zurzeit von Konzernunternehmen in Europa und den USA genutzt. Unter https://sourcing.thyssenkrupp.info ist unsere e-Procurement-Plattform erreichbar.

Ein anderes unserer Programmmodule – Catalog Ordering – hat sich ebenfalls international durchgesetzt. Mehr als zwei Millionen Artikel von über 230 Lieferanten lassen sich jetzt von allen ThyssenKrupp Gesellschaften über diese Plattform online beziehen. Durch die Bündelung der Konzernnachfrage konnten wir bessere Preise und Konditionen vereinbaren.

Unsere konzernweiten Abschlüsse mit globalen Anbietern haben auch in der Logistik die Frachtkosten sinken lassen, wobei allerdings steigende Ölpreise und die Einführung der Lkw-Maut in Deutschland einen Teil dieser Preissenkungen wieder aufzehrten. Beachtliche Einsparungen brachte ebenfalls das in Deutschland zentralisierte Fuhrparkmanagement mit dem elektronischen Carpool-System. Dieses System und die damit verbundene Lieferantenintegration haben den Bestell- und Verwaltungsprozess für Dienst- und Servicefahrzeuge weitgehend automatisiert.

Die Preise für Strom sind gegenüber dem Vorjahr weiter stark gestiegen. Begründet wurde dieser Preisanstieg von den Versorgern mit höheren Kohle-, Öl- und Gaspreisen. Eine Entlastung bei den weit über dem europäischen Durchschnitt liegenden Entgelten für die Nutzung der Stromnetze hat es dagegen in Deutschland nicht gegeben. Nach wie vor belasten jedoch die Mehrkosten aus der Förderung der erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und der Stromsteuer die Strompreise in Deutschland. Diese haben bereits wieder ein Niveau wie vor der Marktöffnung 1999 erreicht. Speziell die Belastung durch die Förderung der erneuerbaren Energien hat im Berichtsjahr weiter zugenommen. Leider entlasten die Sonderregelungen für energieintensive Unternehmen nur wenige große Stromverbraucher im Konzern. Die hohen Preise gefährden im zunehmenden Maße die energieintensiven deutschen Standorte.

Ein ähnliches Bild bietet der Gasmarkt. Die durch das teurere Öl ohnehin schon nach oben getriebenen Gaspreise werden zusätzlich durch den fehlenden Wettbewerb gestützt.

Minderung von CO2-Emissionen als Schwerpunkt

Luft, Wasser und Boden möglichst rein zu halten, mit Energie und Rohstoffen sparsam umzugehen und die Wiederverwertung ausgedienter Produkte zu fördern, gehört zu unserer Verantwortung für Umwelt und nachhaltiges Wirtschaften. Im Berichtsjahr haben wir für den Betrieb von Umweltschutzeinrichtungen weltweit 402 Mio € aufgewendet. Zusätzlich wurden 45 Mio € in Anlagen investiert, die dem Umweltschutz dienen. Der Hauptanteil an den Betriebskosten liegt mit 41 % wie in den Vorjahren beim Gewässerschutz. Die Luftreinhaltung stand für 35 % der Aufwendungen. Auf die Verwertung und Beseitigung von Abfällen sowie auf den Lärm- und den Landschaftsschutz entfielen 24 %.

Im Rahmen des Emissionshandels, der Anfang 2005 gestartet war, haben betroffene Konzernunternehmen Monitoringsysteme aufgebaut, um ihre CO2-Emissionen zu kontrollieren und zu steuern. Über die Optimierung der eigenen Anlagen hinaus engagieren wir uns auch in übergreifenden Projekten zur Treibhausgas-Minimierung im In- und Ausland. Ein Beispiel ist das Projekt ULCOS (Ultra Low CO2 Steelmaking). Darin erforscht unser Stahlbereich zusammen mit anderen internationalen Stahlherstellern neue Möglichkeiten, um die Treibhausgasemissionen bei der Stahlerzeugung weiter zu verringern. Durch neue Konzepte sollen die CO2-Emissionen bei der Stahlerzeugung auf Eisenerz-Basis um mehr als 30 % zurückgehen.

Für eine bessere lokale Umwelt haben wir jetzt in unserer Stahlerzeugung ein mehrjähriges Maßnahmenpaket erfolgreich abgeschlossen, das Staubniederschläge vermindern soll. Als letztes wurde eine Neuentwicklung großtechnisch umgesetzt: Die so genannten "Wrasenabgase" eines Sinterbandes werden nun nach einem neuartigen Konzept gereinigt und der Raumentstaubung zugeleitet. Auch die Feinstaubemissionen wollen wir weiter minimieren; ein neuer Aktionsplan sieht 23 kurzfristig zu realisierende Maßnahmen vor, und weitere 18 Staubminderungsprojekte sollen bis zum Herbst 2007 folgen.

Für die Automobilindustrie und damit auch ThyssenKrupp als Zulieferer sind möglichst emissionsarme und kraftstoffsparende Fahrzeuge ein wichtiges Ziel. Unsere Technologie- und Systemkompetenz leistet dazu einen wichtigen Beitrag. So machen Strukturteile aus unseren hochfesten Stählen in Verbindung mit anderen Werkstoffen die Fahrzeuge leichter und senken somit den Kraftstoffverbrauch. Dies gilt auch für unsere innovativen Fertigungsverfahren, die eine leichtere Bauweise von Komponenten zulassen. Auch Entwicklungen wie die variable Ventilsteuerung Presta DeltaValveControl von ThyssenKrupp Presta senken den Kraftstoffverbrauch weiter und führen zu geringeren Abgasemissionen.

Das Ziel der Energieeinsparung ist ebenfalls für unsere innovativen Aufzüge gültig. In die elektronische Zielauswahlsteuerung, die vor allem in Hochhäusern, großen Büro- und Verwaltungsgebäuden die Auswahl des Aufzugs optimiert und Leerfahrten sowie Wartezeiten verringert, kann nun auch der Faktor Energieverbrauch als eine Steuergröße eingegeben werden. So können Fahrten eingespart werden, und der spezifische Energieverbrauch für die Beförderung lässt sich um fast 15 % senken. Diese energieoptimierte Kabinenzuteilung wurde bereits zum Patent angemeldet. Nähere Informationen zum Zielauswahlsystem.

Unser neu entwickeltes EnviNOx®-Verfahren beseitigt umweltschädliche Stickoxide aus dem Abgas von Chemieanlagen. Da solche Emissionsreduktionen im EU-Emissionshandel genutzt werden können und somit einen Marktwert besitzen, ist das Verfahren besonders wirtschaftlich. Für die Entwicklung erhielt das Konzernunternehmen Uhde den Innovationspreis der Europäischen Umweltpresse.

Deutliche Steigerung der Innovationskraft

Für ThyssenKrupp als technologieorientiertes Unternehmen sind Innovationen eine entscheidende Voraussetzung für Markterfolg und Zukunftsfähigkeit. Neue Ideen für Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zu entwickeln und gleichzeitig die Qualität unserer Erzeugnisse sicherzustellen, haben wir uns 2004/2005 insgesamt 733 Mio € kosten lassen, ein Plus von 13 %. Davon entfallen 186 Mio € auf freie Forschungs- und Entwicklungsprojekte und 266 Mio € auf kundenbezogene Entwicklungen. Gegenüber dem Vorjahr haben wir damit die gesamten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um mehr als 22 % gesteigert. Die technische Qualitätssicherung blieb mit 281 Mio € auf Vorjahreshöhe.

Mehr als 3.300 Mitarbeiter arbeiten in 87 internationalen Entwicklungszentren und weiteren Bereichen des Konzerns an Innovationsprojekten. Es handelt sich um Wissenschaftler und Ingenieure, die sich auf Werkstoff- und Produktionstechnik, Verfahrens- und Elektrotechnik spezialisiert haben. Als neuer Schwerpunkt wird Mechatronik immer wichtiger. Unsere Forscher und Entwickler halten engen Kontakt zu Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen in Europa, Asien und den USA. Dies gilt vor allem für die Zusammenarbeit und den intensiven Gedankenaustausch mit den Partneruniversitäten des Konzerns in Aachen, Berlin, Bochum, Dortmund, Dresden, Hamburg-Harburg und mit der Tongji-Universität in Shanghai. Enge Arbeitskontakte bestehen auch mit den Technischen Universitäten in Clausthal-Zellerfeld und Freiberg.

Gemeinsam mit externen Partnern aus Wissenschaft und Forschung haben wir im Berichtsjahr insgesamt über 2.000 Entwicklungsprojekte durchgeführt, wobei an jedem fünften Vorhaben bereits Universitäten und Hochschulinstitute außerhalb Deutschlands beteiligt waren. Mehr als 60 % dieser Kooperationen betrafen konkrete Vorhaben mit Schwerpunkten auf den Fachgebieten Metallurgie, Werkstoff- und Oberflächentechnik sowie Analyse-, Berechnungs-, Mess- und Regeltechnik.

Die wichtigen Innovationserfolge des Berichtsjahres unter Forschung und Entwicklung ausführlich vorgestellt.

Investitionen über Vorjahr

Im Geschäftsjahr 2004/2005 investierte ThyssenKrupp 1,9 Mrd €, 7 % mehr als im Vorjahr. Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände erreichten 1.522 Mio €, die übrigen 336 Mio € entfielen auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen. Die Investitionen unterschritten die Abschreibungen in Höhe von 2,2 Mrd € um 0,3 Mrd €.

Die Investitionen des Segments Steel erreichten 753 Mio € bei Abschreibungen von 807 Mio €. 521 Mio € entfielen auf Carbon Steel und 203 Mio € auf Stainless Steel. In der Business Unit Carbon Steel wurde in die Optimierung der Gießhallen- und Möllerentstaubung des Hochofens 1 in Duisburg investiert. Weitere Mittel flossen in die neuen Winderhitzer für den Hochofen 9. Um den hohen Qualitätsanforderungen der Kunden aus der Automobilindustrie verstärkt Rechnung zu tragen, ging im Dezember 2004 an der Warmbreitbandstraße in Duisburg-Beeckerwerth ein neuer Hubbalkenofen in Betrieb. Diverse Modernisierungsmaßnahmen betrafen die Warm- und Kaltwalzwerke an allen Standorten. Die Investitionen in die Weißblechfertigung von Rasselstein, die im Wesentlichen den Bau eines Durchlaufglühofens und weitere Veredelungsanlagen umfasst, machten planmäßige Fortschritte. Die Produktion wurde im Sommer 2005 aufgenommen. Hoesch Hohenlimburg hat durch die Inbetriebnahme eines zweiten Brammenofens die Kapazität der Mittelbandstraße deutlich erhöht. In Changchun, China, nahm ThyssenKrupp Tailored Blanks im August 2005 eine neue Laserschweißanlage in Betrieb und konnte damit die internationale Präsenz weiter ausbauen. Bei ThyssenKrupp Electrical Steel stand die Erweiterung der Glühkapazitäten im Werk Gelsenkirchen im Vordergrund.

Die Investitionen von Stainless Steel dienten vor allem der maßvollen Anpassung der Kapazitäten an die regionalen Marktgegebenheiten, der Erweiterung des weltweiten Vertriebsnetzes sowie der Verbesserung von Qualität, Service, Produktivität und Umweltschutz. Mit dem Ausbau der Anarbeitungskapazität bei EBOR Edelstahl, einer Tochtergesellschaft von ThyssenKrupp Nirosta, der Inbetriebnahme eines modernen Fertigwarenlagers in Dillenburg sowie der Verbesserung der Service-Center-Struktur wird die Angebotspalette produktspezifischer Dienstleistungen der europäischen Rostfrei-Gesellschaften deutlich verbessert. Die italienische ThyssenKrupp Acciai Speciali Terni wird die Rostfrei-Aktivitäten stärken und hat dazu ein neues 20-Rollen-Sendzimir-Kaltwalzgerüst in Auftrag gegeben, mit dem insbesondere der Anteil hochanspruchsvoller Kaltbandprodukte gesteigert werden soll. Dem gleichen Ziel dient die derzeit im Bau befindliche Blankglühlinie in Verbindung mit dem Ausbau der Adjustagekapazitäten bei ThyssenKrupp Mexinox. Shanghai Krupp Stainless schloss mit der Inbetriebnahme zweier neuer Kaltwalzgerüste sowie einer Glüh- und Beizlinie für Kaltband eine weitere Ausbauphase ab. Die maximale Kaltbandkapazität beträgt nun je nach Produktmix 250.000 t – 290.000 t pro Jahr. Der nächste Bauabschnitt mit einer Warmband-Glüh- und Beizlinie lief planmäßig an. Ein wichtiger Schritt zur Verstärkung des Vertriebsnetzes ist der zum Ende des Geschäftsjahres 2004/2005 abgeschlossene Bau eines Rostfrei-Distributionscenters in Guangzhou; es hat direktem Zugang zu den verbrauchsstarken Regionen in Südchina und dient als Brückenkopf in die anderen Länder Südostasiens.

Investitionen nach Segmenten in Mio € Download

 

 

 

2003/2004

 

2004/2005

Steel

 

 

729

 

753

Automotive

 

 

439

 

462

Technologies

 

 

159

 

411

Elevator

 

 

214

 

119

Services

 

 

147

 

190

Corporate

 

 

178

 

71

Konsolidierung

 

 

-132

 

-148

Konzern

 

 

1.734

 

1.858

Immaterielle Vermögensgegenstände

 

 

106

 

74

Sachanlagen

 

 

1.325

 

1.448

Finanzanlagen

 

 

303

 

336

Automotive investierte 462 Mio €, die Abschreibungen betrugen 407 Mio €. Im Mittelpunkt standen erneut Investitionen auf Grund von Kundenaufträgen und damit verbundenen Kapazitätserhöhungen. In der Business Unit Body & Chassis (North America) lag der Investitionsschwerpunkt der Gießerei ThyssenKrupp Waupaca bei Maßnahmen zur Kapazitätserweiterung, Qualitätsverbesserung und zum Umweltschutz. Die Presswerke von ThyssenKrupp Budd haben vor allem in neue Fertigungsvorrichtungen investiert. So entstanden im Werk Hopkinsville neue Schweißlinien zur Herstellung von Hilfsrahmen und in Shelbyville neue Montageanlagen. Wichtigstes Projekt bei ThyssenKrupp Fabco waren Investitionen in die Hot-Stamping-Technologie.

In der Business Unit Body & Chassis (Europe/Asia Pacific/Latin America) standen ebenfalls Maßnahmen zur Modernisierung und zum Ausbau der Kapazitäten im Vordergrund. Am Standort Brackwede haben wir in neue Produktionslinien investiert und vorhandene Aggregate automatisiert. Am Standort Ludwigsfelde sind auf Grund neuer Kundenaufträge weitere Schweiß- und Montageeinrichtungen installiert worden. Auch in Großbritannien und Frankreich mussten auftragsbedingt die Fertigungsanlagen erweitert werden. Darüber hinaus wurde bei ThyssenKrupp Sofedit in Frankreich die Hot-Stamping-Kapazität am Standort Le Theil ausgebaut. Für einen japanischen Kunden hat ThyssenKrupp Automotive Systems in Brasilien eine neue Montagelinie für Chassisprodukte errichtet.

Die Business Unit Powertrain (Global) gewann zahlreiche neue Aufträge und investierte entsprechend in neue Fertigungseinrichtungen. ThyssenKrupp Gerlach begann mit dem Aufbau einer neuen Bearbeitungslinie für Kurbelwellen. Im Wachstumsmarkt China ging das Unternehmen mit dem Partner Sumitomo ein Joint Venture zur Herstellung von geschmiedeten Pkw-Kurbelwellen ein. ThyssenKrupp Präzisionsschmiede erweiterte die Bearbeitungskapazitäten für Kegelräder und zur Gesenkherstellung. Hohe Kundenaufträge machten bei ThyssenKrupp Presta die Erweiterung des Standortes Ilsenburg notwendig. Die positive Marktentwicklung in Brasilien führte bei ThyssenKrupp Metalúrgica Campo Limpo zu einem Ausbau der Fertigungs- und Bearbeitungskapazitäten. ThyssenKrupp Fundicoes musste zur Herstellung gegossener Kurbelwellen die Schmelzkapazität erhöhen.

Technologies investierte im Berichtsjahr 411 Mio € bei einem Abschreibungsvolumen von 301 Mio €. Der Schwerpunkt lag erneut auf der Rationalisierung von Herstellungsprozessen und der Erneuerung von Maschinen und Anlagen. So wurden bei ThyssenKrupp Marine Systems die Qualität und Durchlaufzeit in der Paneelfertigung entscheidend verbessert und das Ausrüstungszentrum für modularisierte Maschinenraumkomponenten fertig gestellt. Daneben stand besonders die Umsatz- und Produktausweitung im Vordergrund. Mechanical Engineering setzte den Kapazitätsausbau für Großwälzlagerfertigung fort und investierte vorwiegend in Europa und Asien in neue Produktionsanlagen. Die Business Unit erweiterte das Produktportfolio um Kettenantriebe für Kleinbagger, um die starke Nachfrage in diesem Bereich decken zu können. Zudem wurde die weltweit führende Position bei großen Antriebsrädern von Erdbewegungsmaschinen durch die Umstellung von gegossenen auf geschmiedete Produkte sichergestellt und ausgeweitet.

Das Segment Elevator investierte 119 Mio € bei Abschreibungen von 51 Mio €. Der Großteil entfiel neben Sachinvestitionen zur Erhaltung der Betriebsbereitschaft auf Finanzinvestitionen und den Erwerb von Wartungspaketen. Das Segment verstärkte sich im Rahmen der verfolgten Wachstumsstrategie insbesondere in Europa mit mehreren kleinen und mittelgroßen Akquisitionen. Diese Zukäufe ergänzen die bereits bestehenden Aktivitäten sehr gut, verstärken die Marktpräsenz und stützen das Servicegeschäft.

Im Segment Services betrugen die Investitionen 190 Mio € bei Abschreibungen von 118 Mio €. Dabei standen insbesondere Sachinvestitionen zur Erhaltung der Betriebsbereitschaft sowie zum Ausbau und zur Modernisierung des Lagergeschäfts im Vordergrund – insbesondere in Deutschland, Polen, Ungarn und den USA. Bei den Finanzinvestitionen gab es folgende wesentliche Projekte: die Beteiligung an Cline Mining Corporation in Kanada, den Erwerb von Automata Industrial in Brasilien, einem Service-Unternehmen im Bereich Aerospace, sowie – im Rahmen der Osteuropa-Strategie – die Neugründung von zwei Gesellschaften in der Ukraine und in Bulgarien.