Konjunkturelles Umfeld

Die Weltwirtschaft hat in der ersten Jahreshälfte 2004 den Aufschwungprozess trotz der Anspannungen auf den Energie- und Rohstoffmärkten fortgesetzt. Die größten Wachstumsimpulse gingen weiterhin von den Märkten in Nordamerika und Asien aus.

In den USA blieb die Konjunktur unverändert dynamisch. Neben dem privaten Verbrauch, der weiterhin den größten Wachstumsbeitrag liefert, wurden auch die Investitionen kräftig ausgeweitet.

Überraschend hohe Wachstumsraten verzeichnete im bisherigen Jahresverlauf die japanische Wirtschaft. Treibende Kraft ist hier die Ausweitung der Exporte. Das anhaltend hohe Expansionstempo der asiatischen Schwellenländer geht wesentlich auf das stürmische Wachstum in China zurück. Das Risiko einer Überhitzung der chinesischen Konjunktur war zuletzt Anlass für eine restriktivere Wirtschaftspolitik.

Die Wirtschaftslage der lateinamerikanischen Volkswirtschaften hat sich weiter verbessert. Der Konjunkturaufschwung in Brasilien ist insbesondere auf die gestiegenen Exporte zurückzuführen. Die Länder Mittel- und Osteuropas verzeichneten auch im bisherigen Jahresverlauf ein robustes Wachstum.

Nachzügler der Weltkonjunktur blieb der Euroraum. Vor allem eine höhere Auslandsnachfrage sorgte für eine leichte wirtschaftliche Belebung, denn trotz der Euro-Stärke sind die Exporte spürbar gestiegen. In Deutschland blieb die Binnennachfrage sehr schwach, die stärksten Wachstumsimpulse kamen auch hier vom Export.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen war die Marktentwicklung zum Teil sehr heterogen:

  • Der internationale Stahlmarkt war weiterhin stark durch den expandierenden Stahl- und Vormaterialbedarf Chinas beeinflusst, der zu Angebotsengpässen und historisch hohen Preisniveaus bei Rohstoffen, Frachtraten und Stahlerzeugnissen führte. Die Weltrohstahlproduktion nahm im 1. Halbjahr 2004 um 8 % zu, in China um 21 %. In der Europäischen Union wurde 4 % mehr Rohstahl erzeugt. Trotz der höheren Produktion hielt die Angebotsknappheit auf dem westeuropäischen Stahlmarkt an. Die dortigen Anbieter von Qualitätsflachstahl weiteten ihren Versand aus, doch konnten die erheblich gestiegenen Mengenwünsche der Kunden bei hohen Auftragsbeständen und langen Lieferzeiten nicht vollständig bedient werden. Die Importe in den westeuropäischen Stahlmarkt zeigten bei einigen Produkten zuletzt wieder eine leicht steigende Tendenz, blieben aber im bisherigen Jahresdurchschnitt insgesamt noch deutlich unter den Vorjahreswerten. In dieser Marktsituation konnten Preiserhöhungen, die lediglich teilweise die weiterhin hohen Rohstoffkosten ausgleichen, zum 01. April und 01. Juli 2004 durchgesetzt werden. In der deutschen Stahlindustrie hat sich der hohe Auftragseingang zur Jahresmitte hin wieder normalisiert, lag im 1. Halbjahr 2004 aber noch 25% über dem Vorjahreswert. Die Werke arbeiteten weiterhin mit einer hohen Kapazitätsauslastung und verzeichneten außergewöhnlich große Auftragsbestände.
  • Auf dem Markt für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahl-Flachprodukte hat sich in Europa die Nachfrage zu Jahresbeginn deutlich belebt. Die verstärkte Kundennachfrage ermöglichte es, im Markt höhere Basispreise zu erzielen. Die massiv gestiegenen Kosten für unlegierten Schrott konnten ab Mai 2004 über einen Schrottanhänger an die Kunden weitergegeben werden. In den vergangenen Monaten hat sich die hohe Nachfrage normalisiert. Die bevorstehenden Rückgänge beim Legierungszuschlag führten zu einer zunehmend erkennbaren Kaufzurückhaltung und verzögerten das Abrufen fertig gestellter Produkte. Im Gegensatz zu Europa ist in Nordamerika bisher keine Abflachung der Nachfrage eingetreten. Sowohl die Mengen als auch die Preise zeigen eine erfreuliche Entwicklung. Ein wesentlicher Grund dafür ist die eingeleitete Konsolidierung bei den Rostfrei-Kaltflach-Produzenten. Die Marktsituation in Asien und speziell in China ist dagegen deutlich schwieriger geworden. Höhere Kapazitäten und ein Lageraufbau übten einen zusätzlichen Druck auf das dort ohnehin niedrige Preisniveau aus.
  • Die internationale Automobilkonjunktur war im 1. Halbjahr 2004 in den großen Absatzmärkten sehr verhalten. Im Nafta-Raum lag die Fahrzeugproduktion knapp über dem Vorjahresniveau. Produktionszuwächse bei leichten Nutzfahrzeugen wie Minivans und Sport Utility Vehicles haben die geringere Stückzahl bei Personenkraftwagen kompensiert. In den westeuropäischen EU-Ländern hat sich die Nachfrage nach Personenkraftwagen leicht belebt; deutlicher war die Zunahme in den neuen Beitrittsländern Osteuropas. Der deutsche Fahrzeugbau konnte bei rückläufigen Neuzulassungen im Inland die Produktion wegen höherer Exporte ausweiten.
  • Die weltweite Konjunkturbelebung hat sich positiv auf die Investitionsgüterindustrie ausgewirkt. In den USA verzeichnet der Werkzeugmaschinenmarkt seit Jahresbeginn hohe Zuwachsraten. Der deutsche Maschinenbau profitiert neben einer höheren Binnennachfrage insbesondere von hohen Auslandsbestellungen.
  • Die deutsche Baukonjunktur blieb sehr schwach. Sowohl die Bauproduktion als auch die Auftragseingänge lagen im bisherigen Jahresverlauf unter den gedrückten Vorjahreswerten. Zum Teil sehr hohe Zuwächse gab es dagegen in den aufstrebenden Märkten Mittel- und Osteuropas und in Asien.