Konjunkturelles Umfeld

Zu Beginn des Jahres 2004 hat sich der weltweite Konjunkturaufschwung außerhalb des Euro-Raums gefestigt. Gleichwohl sind die Konjunkturrisiken auf Grund neuer terroristischer Anschläge und durch die Entwicklung auf den Energie- und Rohstoffmärkten gestiegen.

Besonders deutlich fiel im bisherigen Jahresverlauf die wirtschaftliche Belebung in den USA aus. Neben dem privaten Verbrauch nahmen auch die Investitionsausgaben der Unternehmen und die Exporte kräftig zu. Das anhaltend erfreuliche Wachstum in Japan ist neben hohen Exporten auch auf die gestiegene Binnennachfrage zurückzuführen.

Überwiegend positiv haben sich zu Jahresbeginn auch die Emerging Markets entwickelt. Dank der robusten Exportdynamik verzeichneten die asiatischen Schwellenländer weiterhin ein starkes Expansionstempo. Das Wachstum in China ist ungebrochen. Die Volkswirtschaften Lateinamerikas haben sich weiter erholt und auch die Länder Mittel- und Osteuropas weisen zu Jahresbeginn ein überdurchschnittliches Wachstum auf.

Euroland blieb dagegen weiterhin hinter der Entwicklung der anderen Regionen zurück. Das im Zuge des starken Euro nur verhaltene Wachstum der Exporte und die schwache Binnennachfrage haben die Konjunktur spürbar gedämpft. Auch in Deutschland hat die schwache Entwicklung der privaten Konsumausgaben enttäuscht. Die Ausrüstungsinvestitionen und die Exporte zeigten nur eine geringfügige Erholung.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen ergaben sich folgende Entwicklungen:

  • Der internationale Stahlmarkt war zu Jahresbeginn durch eine hohe Nachfrage und drastisch gestiegene Rohstoffkosten gekennzeichnet. Der beträchtliche Stahl- und Vormaterialbedarf Chinas ließ weltweit die Frachtkosten und die Rohstoffkosten für Erz, Kohle, Koks und Schrott explodieren. Im 1. Quartal 2004 haben sich die Kokspreise und die Frachtraten gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht. Die Weltrohstahlproduktion stieg in den ersten drei Monaten 2004 um 9 %, in China allein um 26 %. In der Europäischen Union (15) und Deutschland fiel die Produktionserhöhung mit 2 bzw. 1 % moderater aus. Die deutsche Stahlindustrie verzeichnete im 1. Quartal 2004 einen um 22 % höheren Auftragseingang. Sowohl auf dem deutschen als auch auf dem westeuropäischen Stahlmarkt war das Angebot knapp. Der verbrauchs- und lagerzyklisch bedingt wieder steigende Bedarf konnte vor dem Hintergrund niedriger Drittlandsimporte und teilweise begrenzter Liefermöglichkeiten der westeuropäischen Hersteller nicht vollständig gedeckt werden. Nach den Stahlpreiserhöhungen zu Jahresbeginn wurden Anfang April 2004 auf Grund der Entwicklung auf den Rohstoffmärkten weitere Preiserhöhungen wirksam; sie konnten allerdings die auf den Beschaffungsmärkten eingetretenen Kostenbelastungen nicht kompensieren.
  • Auf dem Markt für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahl-Flachprodukte hat sich die Nachfrage erfreulich entwickelt. Die westeuropäischen Produzenten verzeichneten höhere Auftragseingänge und Lieferungen. In Europa blieben die Basispreise auf stabilem Niveau, während in den USA im 1. Quartal 2004 eine Erholung zu verzeichnen war. Nach wie vor problematisch erweist sich für die Rostfrei-Produzenten der starke Preisanstieg der Rohstoffe Nickel und Chrom. Aber auch andere Kosten, die nicht über Legierungszuschläge abgedeckt werden können, insbesondere für unlegierte Schrotte, für Hilfs- und Betriebsstoffe sowie für Energie sind in jüngster Zeit massiv gestiegen und üben einen extremen Druck auf die Margen aus. Auf Grund der erheblichen Kostensteigerungen haben die europäischen Rostfrei-Werke Basispreisanhebungen angekündigt.
  • Die Automobilkonjunktur war in den ersten Monaten des Jahres 2004 in den großen Absatzregionen überwiegend stabil. Im Nafta-Raum lag die Automobilproduktion zu Jahresbeginn auf Vorjahresniveau. Rückgänge gab es bei Personenkraftwagen, während der Sektor der leichten Nutzfahrzeuge einschließlich Minivans und Sport Utility Vehicles weiter Zuwächse verzeichnete. Eine deutliche Belebung erlebte der brasilianische Fahrzeugmarkt. In Westeuropa ist der Absatz von Personenkraftwagen bei erheblichen regionalen Unterschieden leicht gestiegen. Die deutsche Fahrzeugproduktion lag im 1. Quartal 2004 knapp über Vorjahr. Steigende Exporte haben die rückläufigen Neuzulassungen kompensiert.
  • Nach einer längeren Phase der Zurückhaltung hat sich die Investitionstätigkeit belebt. Der deutsche Maschinenbau verzeichnet nach den hohen Auftragseingängen zum Ende des vergangenen Jahres eine zunehmende Produktion. Von einem niedrigen Niveau ausgehend verbuchte zuletzt auch der US-Werkzeug­maschinenmarkt hohe Zuwächse.
  • Regional sehr unterschiedlich entwickelte sich zu Jahresbeginn die Bauwirtschaft. Die Lage in Deutschland besserte sich nicht. Anhaltendes Wachstum gab es dagegen in den Ländern Mittel- und Osteuropas. In China hielt der Bauboom an.