Konjunkturelles Umfeld

Das konjunkturelle Umfeld hat sich im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2003 weltweit aufgehellt. Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass die konjunkturelle Talsohle erreicht ist und wieder mit einem höheren Wirtschaftswachstum zu rechnen ist.

Neben den asiatischen Schwellenländern verzeichneten insbesondere die USA einen beschleunigten Konjunkturaufschwung. Getragen von umfangreichen Steuerentlastungen expandierte vor allem der private Konsum, aber auch die gewerblichen Investitionen zeigten zuletzt wieder Zuwächse.

Deutlich verhaltener war die wirtschaftliche Entwicklung in Westeuropa. Nach einer längeren Stagnationsphase war erst in der zweiten Jahreshälfte 2003 eine allmähliche wirtschaftliche Belebung erkennbar. Trotz der Euro-Aufwertung zogen die Exporte an, während die Binnennachfrage schwach blieb.

Ähnlich ist die konjunkturelle Lage in Deutschland. Bei einem zurückhaltenden privaten Konsum und schrumpfenden Investitionen haben wieder höhere Exporte die Wirtschaft leicht belebt.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen ergaben sich folgende Entwicklungen:

  • Der internationale Stahlmarkt zeigte sich in den letzten Monaten des Jahres 2003 in robuster Verfassung. Im Gesamtjahr 2003 war der Stahlverbrauch in unserem Kernmarkt Westeuropa nochmals geringfügig niedriger als im Jahr zuvor, er erreichte jedoch nach vorläufigen Berechnungen im 4. Quartal bereits wieder annähernd das Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Die Lieferungen und Auftragseingänge der westeuropäischen Hersteller von Qualitätsflachstahl haben sich nach bislang vorliegenden Daten im letzten Kalenderquartal deutlich belebt. Am stärksten waren dabei - trotz des festen Euros - die Zuwächse im Drittlandsgeschäft. Wegen der dynamischen Stahlnachfrage auf dem Weltmarkt, aber auch bedingt durch zum Teil drastische Kostensteigerungen bei Rohstoffen und Frachten haben die internationalen Stahlpreise - nach einer kurzzeitigen, moderaten Abschwächung zur Jahresmitte - im 4. Quartal 2003 wieder deutlich angezogen. Durch weitere, bereits realisierte Preisanhebungen ist das Niveau der Stahlpreise in Westeuropa zu Beginn des Jahres 2004 wieder annähernd so hoch wie etwa vor Jahresfrist. In Asien und Nordamerika fiel der Preisanstieg signifikant höher aus, im Wesentlichen bedingt durch Angebotsknappheit und die dynamischere Nachfrage in diesen Märkten. Die vergleichsweise moderate Preiserhöhung in Westeuropa erklärt sich auch mit der Euro-Aufwertung.
  • Der Markt für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahl-Flachprodukte zeigte im letzten Quartal des Jahres 2003 eine positive Mengenentwicklung. Der Auftragseingang und die Lieferungen der westeuropäischen Produzenten sind im Vorjahresvergleich gestiegen. Die hohe Nachfrage sowie die Wechselkursentwicklung führten aber auch zu einem weiteren Anstieg der Importe aus Drittländern nach Europa. Allerdings haben die starken Erhöhungen der Einstandspreise für die Legierungen Chrom und Nickel sowie für den nicht legierten Schrott einen extremen Druck auf die Margen ausgeübt. Bedingt durch den Preisschub aus der Rohstoffverteuerung sowie durch die in den Sommermonaten nachfragebedingt zurückgegangenen Preise pendelten sich die Basispreise im 4. Quartal 2003 unterhalb des Niveaus des vergleichbaren Vorjahreszeitraums ein.
  • Die internationale Automobilkonjunktur hat sich im letzten Quartal des Jahres 2003 regional unterschiedlich entwickelt. In Nordamerika ist die Produktion leicht gestiegen; insbesondere das Segment der leichten Nutzfahrzeuge hat seinen Marktanteil weiter ausgebaut. Auch in Brasilien lagen die Produktionszahlen wieder höher. Der europäische Automobilmarkt war weitgehend stabil. Die Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa lagen im 4. Quartal 2003 geringfügig unter den Vorjahreswerten. Der deutsche Fahrzeugbau konnte bei leicht rückläufigen Neuzulassungen im Inland die Produktion wegen höherer Exporte ausweiten.
  • Die Investitionstätigkeit blieb in wichtigen Märkten sehr zurückhaltend. In den USA verharrte die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen auf einem niedrigen Niveau. Der deutsche Maschinenbau hat über weite Strecken des Jahres 2003 stagniert; allerdings zeigen die letzten Monate des vergangenen Jahres leichte Erholungstendenzen bei den Auftragseingängen.
  • Unverändert schwierig blieb die Lage der deutschen Bauwirtschaft. Sowohl die Produktion als auch die Auftragslage gaben nach. Insbesondere der deutsche Wirtschaftsbau musste Einbußen hinnehmen. Günstiger blieb die Lage der Bauwirtschaft in den Ländern Mittel- und Osteuropas.