Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren

Unsere Leistungsfähigkeit zeigt sich nicht nur in wirtschaftlichen Kennziffern, sondern auch in der Nachhaltigkeit unseres Handelns. Wir entwickeln effiziente Lösungen, die Ressourcen, Umwelt und Klima schonen. Voraussetzung dafür sind leistungsfähige Mitarbeiter – daher investieren wir in gute Aus- und Weiterbildung sowie hohe Arbeits-sicherheit.

Nachhaltigkeit

Für ThyssenKrupp ist Nachhaltigkeit eine zentrale unternehmerische Aufgabe und ein wesentlicher Innovationsmotor. Um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu stärken, verbessern wir stetig seine ökonomische, ökologische und soziale Leistung. Mehr zu unserer auf Nachhaltigkeit und Wertorientierung basierenden Strategie erfahren Sie im Kapitel „Profil und Strategie“. Nachhaltiges und verantwortliches Wirtschaften ist fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur und seit langem gelebte Praxis. Unser Nachhaltigkeitsmanagement nimmt eine wichtige Querschnittsfunktion im Konzern wahr, um Geschäftschancen zu nutzen und Risiken zu minimieren. Im Berichtsjahr hat die ThyssenKrupp AG ihr Bekenntnis zu einer nachhaltigen Entwicklung mit dem Beitritt zum Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC) unterstrichen. Wir werden noch konsequenter an der Umsetzung der zehn Prinzipien des UNGC arbeiten und transparent darüber berichten.

Im Folgenden informieren wir über wesentliche Nachhaltigkeitsaktivitäten in den Bereichen Innovationen, Mitarbeiter, Umwelt- und Klimaschutz sowie gesellschaftliches Engagement:

  • Das neue Headquarter in Essen wurde mit dem Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ausgezeichnet.
  • Im Berichtsjahr hat unser Unternehmen innovative Lösungen beispielsweise für Elektrofahrzeuge und den Fahrsteig iwalk vorgestellt (mehr unter „Innovationen“).
  • Wir haben die Arbeitssicherheit weiter verbessert: In den letzten fünf Geschäftsjahren ging die Anzahl der Unfälle im Konzern um über 17 % zurück (mehr unter „Mitarbeiter“).
  • Mit bereinigt rund 1,7 t CO2 je Tonne Rohstahl liegt der Emissionswert unserer Stahlproduktion deutlich unter dem globalen Durchschnitt. Wir intensivieren weiter das konzernweite Umwelt- und Klimamanagement – z. B. durch eine neue Konzernrichtlinie (mehr unter „Umwelt und Klima“).
  • ThyssenKrupp hat auch 2011 drei regionale Wettbewerbe von „Jugend forscht“ unterstützt (mehr unter „Gesellschaftliches Engagement“).

Innovationen

Innovationen und neue Technologien sind ein wesentlicher Baustein der strategischen Weiterentwicklung des Konzerns und somit auch ein Schwerpunkt des Unternehmensprogramms impact; wir berichten darüber ausführlich im Kapitel „Profil und Strategie“. Dazu entwickeln wir neue Materialien, Produkte und Verfahren, identifizieren und erschließen zukunftsträchtige Innovationsfelder und verbessern unsere Technologieposition. Auch unser Innovationsmanagement wird ausgebaut.

In den Feldern „Material“, „Mechanical“ und „Plant“ beweisen unsere 3.000 Forscher und Entwickler ihre Stärken. Ihre hohe Engineering-Kompetenz macht es möglich, für die globalen Herausforderungen – wie etwa den steigenden Konsum oder nachhaltige Infrastruktur – wirtschaftliche und ressourcenschonende Lösungen zu entwickeln. Folgende Beispiele stehen stellvertretend für die vielfältigen Innovationsaktivitäten unserer Konzernunternehmen:

Elektromobilität: Entwicklungskooperation StreetScooter

ThyssenKrupp baut seine Kompetenz im Bereich Elektromobilität aus. Wir setzen auf Entwicklungskooperationen mit Forschungsinstituten und industriellen Partnern, um gemeinsam Karosserie- und Fahrwerklösungen für künftige Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Als Mitglied eines Konsortiums aus Industriepartnern und Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen arbeiten wir an der Entwicklung eines kostengünstigen Elektrofahrzeugs für den urbanen Verkehr, des StreetScooters. ThyssenKrupp hat die Bodengruppe entwickelt und als Prototyp gefertigt; dort sollen die Batterien des Elektrofahrzeugs sicher untergebracht sein. Wir verwenden deshalb für die crashrelevanten Bauteile sowohl hochfeste Leichtbaustähle als auch andere Werkstoffe mit hoher Festigkeit und gleichzeitig hohem Dehnungsvermögen. So kann im Crashfall wirkungsvoll Aufprallenergie abgebaut werden. Ein Prototyp des StreetScooters wurde auf der Internationalen Automobilausstellung 2011 der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Umweltfreundlicher Werkstoff für den Fahrzeugbau

Wir haben einen neuen Werkstoff mit einer Zugfestigkeit von 1.000 Megapascal entwickelt; es handelt sich um unseren bislang festesten Stahl, der sich kalt gut umformen lässt. Er ist besonders für dünnwandige, gewichtsreduzierte Bauteile geeignet. Bei sicherheitsrelevanten Strukturbauteilen für Automobilkarosserien kann mit ihm die Blechdicke um bis zu 20 % zurückgehen. Dies macht die Fahrzeuge leichter, spart Energie und verringert so CO2-Emissionen.

Neue Beschichtungen für wirtschaftliche Produktion

Zusammen mit einem Schmierstoffhersteller haben unsere Oberflächenexperten LubriTreat® entwickelt. Dieses neue Beschichtungsverfahren verbessert das Umformverhalten verzinkter Stähle entscheidend. Die neuartige Beschichtung ist zudem frei von Schwermetallen und ermöglicht nickelfreie, umweltverträgliche Verarbeitungsprozesse. LubriTreat® sorgt für weniger Reibung im Umformprozess, weniger Werkzeugverschleiß und weniger Ausschuss bei der Blechumformung. Beste Lackhaftung und ein optimales Oberflächenerscheinungsbild sind gewährleistet. Das für beide Unternehmen patentierte Produkt eignet sich für alle feuer- und elektrolytisch verzinkten Feinbleche.

iwalk – neuer Fahrsteig setzt Maßstäbe

Wesentlich weniger Platz als herkömmliche Fahrsteige benötigt unser neu entwickelter iwalk. Der nutzbare Fahrsteigbereich wird somit bei gleichen Außenabmessungen breiter und bietet dem Fahrgast mehr Raum und Komfort. Die erheblich reduzierte Einbautiefe bedeutet auch deutlich geringere Bauarbeiten. Der iwalk kann sogar direkt auf dem vorhandenen Boden installiert werden – ohne zusätzliche Baumaßnahmen. Dank des neuartigen modularen Konzepts lassen sich innerhalb kürzester Zeit je nach Bedarf einzelne Fahrsteigsegmente ergänzen oder entfernen – ein kompletter Standortwechsel ist ebenfalls möglich. Der iwalk eignet sich besonders für Metrostationen, Bahnhöfe, Flughäfen und Messegelände – nicht nur für Neuinstallationen, sondern auch zur Modernisierung bestehender Anlagen. Zudem kann der iwalk mit einem neuen Energieeinsparsystem ausgestattet werden: Je nach Anzahl der Fahrgäste optimiert das System den Stromverbrauch, ohne die Betriebsgeschwindigkeit zu verringern. Als herausragende Innovation wurde der neue Fahrsteig im ThyssenKrupp Innovationswettbewerb 2011 mit dem ersten Preis prämiert.

Zylinderkopfhaube mit integrierten Nockenwellen

Den zweiten Preis im diesjährigen Innovationswettbewerb erhielt das Entwicklungsteam eines neuartigen Zylinderkopfmoduls mit integrierten Nockenwellen. Unseren Ingenieuren und Technikern ist es gelungen, das bewährte Presta-Fügeverfahren für gebaute Nockenwellen erstmalig für eine komplette Zylinderkopfhaube inklusive der integrierten Nockenwellen einzusetzen. Der Kunde erhält somit von uns nicht nur einzelne Nockenwellen, sondern ein einbaufertiges Modul. Modulkonzepte mit integrierten Nockenwellen sind neu am Markt und in Serie bisher nicht verfügbar. Den ersten Serienauftrag haben wir bereits erhalten. Neben eingesparten Kosten bei der Zylinderkopfbearbeitung ist auch der Aufwand bei der Motormontage geringer. Durch den Zusammenbau der einzelnen fertig bearbeiteten Nockenwellenbauteile direkt in der Zylinderkopfhaube können die Lagerdeckel entfallen. Dies verbessert die Hydrodynamik, Wälzlager lassen sich einfach und ohne Deformation integrieren.

Biobasierte Kunststoffe aus Bernsteinsäure

Nachhaltiger Ressourceneinsatz erfordert neue Wege bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Seit 2006 entwickeln wir daher biotechnologische Verfahren zur Herstellung von Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Im Fokus der chemischen Industrie steht unter anderem die Bernsteinsäure als Rohstoff für biobasierte Kunststoffe. Dafür haben wir nun gemeinsam mit einem US-amerikanischen Unternehmen ein Produktionsverfahren entwickelt. Nach erfolgreichen Versuchen in einer Pilotanlage in Mexiko entsteht jetzt in Louisiana/USA die erste industrielle biotechnologische Bernsteinsäureanlage der Welt. Die Inbetriebnahme erfolgt Ende 2012.

Getriebelose Bandanlagen mit immer höherer Leistung

Die Anforderungen an Bandanlagen für den Tagebau nehmen stetig zu, so dass konventionelle Getriebe an ihre Grenzen stoßen. Immer tiefere Abbaulagen und steigendes Fördervolumen verlangen längere, steilere und leistungsfähigere Gurtförderanlagen. Für einen Kunden haben wir deshalb eine getriebelose Antriebsstation für eine 6,5 km lange Bandanlage entwickelt. ThyssenKrupp ist weltweit einziger Anbieter von Bandanlagen mit Direktantrieben solch hoher Leistungen. Diese Anlagen arbeiten sehr zuverlässig, lassen sich kostengünstig warten und sind sehr energieeffizient. In künftigen Entwicklungsprojekten werden wir die Antriebsstationen standardisieren, als Module gestalten und ihre Bauform weiter optimieren.

Mehr als 500 Mio € für Forschung und Entwicklung

Für unsere Innovationen in Produkte, Verfahren und Dienstleistungen haben wir 2010/2011 524 Mio € aufgewendet. Davon wurden 188 Mio € als Forschungs- und Entwicklungskosten sofort als Aufwand erfasst, 39 Mio € betrafen Abschreibungen auf in den Vorjahren aktivierte Entwicklungskosten und 297 Mio € entfielen auf kundenauftragsbezogene Entwicklungen. Gegenüber dem Vorjahr sind die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen damit um 19 % gestiegen; vor allem die kundenauftragsbezogenen Entwicklungen in den Feldern „Mechanical“ und „Plant“ haben zugenommen.

Die Berichterstattung der Vorjahre bezog sich auf die freien Forschungs- und Entwicklungskosten, bestehend aus den nicht aktivierten Forschungs- und Entwicklungskosten und den aktivierten Entwicklungskosten. Ab sofort berichten wir ausschließlich über die Aufwendungen, die in der Berichtsperiode auch wirksam wurden, also die nicht aktivierten Forschungs- und Entwicklungskosten einschließlich der Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten sowie kundenauftragsbezogene Entwicklungskosten. Die Vergleichszahl des Vorjahres für kundenauftragsbezogene Entwicklungskosten ist rückwirkend angepasst. Die Aufwendungen für technische Qualitätssicherung werden nicht mehr aufgeführt.

Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in Mio €                  

       

 

2009/2010

 

2010/2011

 

Veränderung
in %

Nicht aktivierte Forschungs- und Entwicklungskosten

 

191

 

188

 

– 2

Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten

 

33

 

39

 

18

Kundenauftragsbezogene Entwicklungskosten*

 

218

 

297

 

36

Insgesamt

 

442

 

524

 

19

* Teil der Umsatzkosten ohne Verrechnung von Zulagen/Zuschüssen

Mitarbeiter

Wir haben hervorragende Mitarbeiter und tun viel dafür, dass dies so bleibt: intensive Ausbildung von Jugendlichen, Weiterbildung in allen Konzernbereichen, hohe Arbeitsschutzstandards, gezielte Förderung von Führungsnachwuchs, mehr Vielfalt und Internationalität auch in den Führungsetagen.

Unsere Mitarbeiterzahl ist im Berichtsjahr gewachsen. ThyssenKrupp beschäftigte zum 30. September 2011 weltweit 180.050 Mitarbeiter, 2.704 oder 1,5 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs betraf das Ausland, wo sich die Belegschaft um 4,4 % auf 110.928 erhöhte. In Deutschland dagegen ging sie um 2,7 % auf 69.122 zurück. Speziell der Ausbau der neuen Stahl- und Weiterverarbeitungswerke in Brasilien und den USA hat viele neue Arbeitsplätze geschaffen.

Mitarbeiter nach Business Areas (30.09.)

         

 

2007

 

2008

 

2009

 

2010

 

2011

 

Veränderung
in %

Steel Europe

 

37.749

 

38.692

 

36.416

 

34.711

 

28.843

 

– 16,9

Steel Americas

 

397

 

1.158

 

1.659

 

3.319

 

4.060

 

22,3

Materials Services

 

44.251

 

47.703

 

44.316

 

33.856

 

36.568

 

8,0

Elevator Technology

 

39.501

 

42.992

 

42.698

 

44.024

 

46.243

 

5,0

Plant Technology

 

13.102

 

13.433

 

13.043

 

12.972

 

13.478

 

3,9

Components Technology

 

32.805

 

32.312

 

27.973

 

29.144

 

31.270

 

7,3

Marine Systems

 

8.778

 

8.288

 

7.770

 

5.488

 

5.295

 

– 3,5

Corporate

 

2.585

 

2.584

 

1.865

 

2.597

 

2.803

 

7,9

Mitarbeiter fortgeführter Aktivitäten

 

179.168

 

187.162

 

175.740

 

166.111

 

168.560

 

1,5

Stainless Global

 

12.182

 

12.212

 

11.755

 

11.235

 

11.490

 

2,3

Mitarbeiter Konzern

 

191.350

 

199.374

 

187.495

 

177.346

 

180.050

 

1,5


Mitarbeiter nach Regionen (30.09.)

    

 

2007

 

2008

 

2009

 

2010

 

2011

 

Veränderung
in %

Deutschland

 

84.999

 

85.097

 

81.229

 

71.072

 

69.122

 

– 2,7

Übrige EU

 

41.522

 

42.503

 

38.252

 

35.491

 

31.762

 

– 10,5

Amerika

 

44.228

 

47.561

 

42.897

 

42.417

 

47.086

 

11,0

Asien/Pazifik

 

14.890

 

17.881

 

18.481

 

21.544

 

24.742

 

14,8

Übrige Länder

 

5.711

 

6.332

 

6.636

 

6.822

 

7.338

 

7,6

Weltweit

 

191.350

 

199.374

 

187.495

 

177.346

 

180.050

 

1,5


Der Personalaufwand belief sich 2010/2011 auf 9,0 Mrd € und lag damit 2,8 % höher als ein Jahr zuvor.

Ausbildung

In Deutschland bildet ThyssenKrupp 4.239 Auszubildende in über 55 Berufen aus. Der Schwerpunkt liegt dabei im industriellen bzw. technischen Bereich. 2011 haben 1.312 junge Menschen eine Ausbildung bei ThyssenKrupp begonnen. 170 hauptberufliche Ausbilder und zahlreiche Ausbildungsverantwortliche gestalten die Ausbildung hochwertig und praxisnah, so dass im Berichtsjahr 92 % der Auszubildenden ihre Abschlussprüfung erfolgreich ablegen konnten.

Neben der klassischen Berufsausbildung sind die dualen Studiengänge inzwischen eine feste Größe bei ThyssenKrupp. Aktuell stehen unseren Auszubildenden über 70 Möglichkeiten eines dualen Studiums zur Verfügung. Zusätzlich veranstalten wir seit inzwischen 20 Jahren das Unternehmensplanspiel TOPSIM. Dabei übernehmen mehrere Teams von Auszubildenden die Führung eines virtuellen Unternehmens. Auf diese Weise erlernen bzw. stärken sie spielerisch unternehmerisches Denken und Handeln sowie soziale Kompetenz.

Arbeitssicherheit wird großgeschrieben

Unsere konzernweite Initiative „Null Unfälle“ hat zum Ziel, die Arbeit in unseren Produktionsstätten, Betrieben und Büros noch sicherer zu machen – und sie trägt Früchte. So sank die Unfallhäufigkeit im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr um 17 % auf 8,5 Unfälle pro 1 Million geleistete Arbeitsstunden. In den letzten vier Jahren gingen die Unfälle sogar um 42 % zurück.

2010/2011 haben wir Führungskräfte erstmals auch in China geschult; ein ähnliches wird nun für Brasilien vorbereitet. Ein neues Arbeitsschutzmanagement-Handbuch liefert den Konzernunternehmen wertvolle Hinweise, wie sie ihre Mitarbeiter noch besser vor Unfällen schützen und den Arbeits- und Gesundheitsschutz systematisch weiterentwickeln können.

Künftig wollen wir die globalen Aktivitäten im betrieblichen Gesundheitsmanagement enger miteinander vernetzen. Koordiniert vom Corporate Headquarter, erarbeiten deshalb mehrere Kompetenzcenter international einheitliche Strukturen und Prozesse zur Gesundheitsvorsorge. Ein Beispiel ist die Aktion zur kostenlosen Darmkrebsfrüherkennung, die 2011 erstmals zeitgleich an allen deutschen Standorten stattfand. Etwa 14.000 Mitarbeiter haben sich daran beteiligt.

Erfolgreiches Werben um akademischen Nachwuchs

Die Präsenz an Universitäten und Fachhochschulen wird immer wichtiger, um qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Wir präsentieren uns dort als attraktiver Arbeitgeber und knüpfen frühzeitig Kontakte zu den Studierenden. Zu sieben Schwerpunktuniversitäten unterhalten wir seit Jahren enge Beziehungen; es sind die Universitäten in Aachen, Berlin, Bochum, Dortmund, Dresden, Freiberg sowie Hamburg-Harburg. Hinzu kommen Hochschulen in China und Russland. Wir engagieren uns darüber hinaus an weiteren Instituten und Fachhochschulen, wie dem Karlsruher Institut für Technologie, der FH Südwestfalen und der FH Dortmund, beispielsweise durch Förderkreise und Unternehmensplanspiele.

Unsere Einstiegsprogramme werden den spezifischen Ansprüchen der unterschiedlichen Zielgruppen gerecht. In das Praktikantenbindungsprogramm „Next Generation“ werden die besten unserer Praktikanten aufgenommen. Durch ausgewählte Veranstaltungen können sie ThyssenKrupp besser kennenlernen und werden anschließend systematisch bei ihrem Berufseinstieg im Konzern unterstützt. Für Akademiker mit Forschungsinteresse bietet das Doktorandenprogramm „Your Innovation“ die Möglichkeit, an den neuesten Technologien im Konzern mitzuarbeiten. Neben den technischen Trainee-Programmen startete im Berichtsjahr auch in den kaufmännischen Bereichen ein Traineeprogramm: „Create (y)our future“.

Das Internet ist heute das zentrale Informations- und Bewerbungsmedium. Daher ist unser Karriereportal von großer Bedeutung, um Interessenten und gute Bewerber anzusprechen. ThyssenKrupp erhielt 2011 die Auszeichnung für die beste Karrierewebsite Deutschlands im Ranking der schwedischen Unternehmensberatung Potentialpark. Unser Portal verbindet aktuelle Fakten mit einer attraktiven Gestaltung und vielen Multimedia-Elementen; eine optimierte Navigation erleichtert hierbei den jungen Menschen die Übersicht über unseren Konzern. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist auch die systematische Überleitung in den Bewerbungsprozess.

Weiterentwicklung der Führungskräfte

Eine vorrangige Führungsaufgabe ist für uns die Entwicklung unserer Mitarbeiter und Führungskräfte. Wiederholt haben wir an dieser Stelle über den PerspActive-Prozess berichtet, in dem wir unsere Führungskräfte systematisch bewerten und individuelle Entwicklungsgespräche führen. Dieser inzwischen fest etablierte Prozess trägt Früchte: Im letzten Jahr konnten wir über 90 % der freien Positionen der Ebene unterhalb der Business-Area-Vorstände intern besetzen.

Im Berichtsjahr haben wir außerdem begonnen, konzernweite Programme für Führungskräfte mit Potenzial für die drei oberen Ebenen unterhalb der Business-Area-Vorstände einzuführen. Mit diesen modularen Entwicklungsprogrammen wollen wir die Transparenz über die Führungspotenziale im Konzern erhöhen, um diese besser zu fördern. Zum anderen bauen die Führungskräfte dabei persönliche Netzwerke auf, die Business Areas, Regionen und Funktionsbereiche übergreifen.

Das vor gut einem Jahr gestartete Talent Brokerage hat sich bewährt. Es vermittelt konzernweit Führungskräfte der dritten Managementebene unterhalb der Business Area-Vorstände sowie Talente mit Potenzial für solche Aufgaben. Potenzialträger im In- und Ausland werden auch mit Hilfe der konzernweit einheitlichen Development Center identifiziert.

Academy steigert Teilnehmerzahlen

Die ThyssenKrupp Academy – 2006 gegründet – ist inzwischen ein etablierter Ort der Wissensvermittlung, des Lernens und der internen Vernetzung für die Top-Führungskräfte des Konzerns. Das Angebot umfasste 2010/2011 über 100 Programmtermine; die Zahl der Teilnehmer verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr. Sowohl die Reichweite als auch der Durchdringungsgrad unserer Programme haben sich bei den 2.000 Top‑Führungskräften beachtlich gesteigert. Neben der Entwicklung von Führungskompetenzen lagen in diesem Jahr die Schwerpunkte auf strategischem Wandel und unternehmerischer Transformation. Gut frequentiert waren auch die neuen Programme, in denen sich unsere Führungskräfte für den beruflichen Aufstieg rüsten können.

Vielfalt als personalpolitisches Ziel

Seit Herbst 2011 läuft das Projekt diversity@thyssenkrupp, das überall im Konzern Vielfalt in ihrer ganzen Breite fördern soll – mit Schwerpunkten bei den Diversity-Dimensionen Gender, Internationalität und Kompetenz-/Erfahrungshintergrund. Mit dem Projekt wollen wir die Vielfalt innerhalb der Belegschaft insgesamt und besonders auf den oberen Führungsebenen im gesamten Konzern sukzessive und nachhaltig erhöhen. Als übergreifender strategischer Rahmen integriert das Programm die bisher schon existierenden Initiativen sowie personalpolitischen Instrumente und fördert ein gemeinsames Verständnis von Diversity. Bis zum Ende des Jahres 2020 soll der Frauenanteil bei den Leitenden Außertariflichen Angestellten in Deutschland von heute 7,6 % auf 15 % steigen. Mit dieser Zielquote orientieren wir uns am Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft.

Als stark technisch ausgerichtetes Unternehmen ist ThyssenKrupp sehr an weiblichen Ingenieuren als Fach- und Führungsnachwuchs interessiert. Wir wollen insbesondere Studierende aus den sogenannten MINT-Fächern gewinnen. Aus diesem Grund engagieren wir uns bei Femtec (Femtec Hochschulkarrierezentrum für Frauen Berlin GmbH) und ermöglichen den angehenden Ingenieurinnen direkten persönlichen Kontakt und Einblick in unseren Technologiekonzern.

Um Familie und Beruf besser vereinbar zu machen, bauen wir zurzeit auf dem neuen Campus-Gelände in Essen eine Kindertagesstätte. Dort werden ab August 2012 rund 100 Kinder im Alter von vier Monaten bis zu sechs Jahren ganztägig betreut und deren bei ThyssenKrupp beschäftigte Eltern entlastet. Unsere Tagesstätte „Miniapolis“ will die Kinder fördern und ihre spielerische Forscher- und Entdeckerlust schwerpunktmäßig im Bereich Naturwissenschaften und Technik wecken.

Umwelt und Klima

Der Vorstand hat verantwortungsvollen Umwelt- und Klimaschutz als ein wichtiges Unternehmensziel festgelegt. Um dieses Ziel gemeinsam umzusetzen, haben wir das konzernweite Umwelt- und Klimamanagement weiter ausgebaut. Zudem wird das Corporate Headquarter künftig den Umwelt- und Klimaschutz international koordinieren.

Das Umwelt- und Klimamanagement definiert weltweit einheitliche Anforderungen an unsere Konzernunternehmen, verbessert die interne Berichterstattung und fördert den konzernweiten Austausch. Die Umwelt- und Klimaschützer des Konzerns treffen sich hierzu regelmäßig. Darüber hinaus werden auf regionaler Ebene aktuelle Entwicklungen, betriebliche Best Practice oder Umwelt- und Klimagesetze diskutiert.

Die betrieblichen Umweltmanagementsysteme der Konzernunternehmen sind auf deren spezielle Bedürfnisse ausgerichtet. Konzernunternehmen, deren Produktion sich wesentlich auf Umwelt und Klima auswirkt, verfügen in der Regel bereits über ein Umweltmanagementsystem nach der internationalen Norm ISO 14001 oder einem vergleichbaren Standard. Ihre kontinuierlichen Verbesserungen in den Bereichen Abfall und Recycling, Luft, Lärm, Energie und Klima, Boden, Wasser und Natur sichern einen verantwortungsvollen Umweltschutz an unseren Standorten. Im Berichtsjahr lag der Schwerpunkt auf Maßnahmen, die die Ressourcen- und Energieeffizienz steigern.

Höhere Ausgaben für Umwelt- und Klimaschutz

Die Investitionen für neue Umweltschutzanlagen lagen im Berichtsjahr bei 352 Mio €, die Betriebskosten bei 539 Mio €. Im Vorjahr waren es 238 Mio € bzw. 532 Mio €. Die Investitionen haben sich vor allem durch die neuen Werke von Steel Americas erhöht. Wir setzen in Brasilien und den USA die beste verfügbare Technik ein und halten somit unsere entsprechend hohen Umweltschutzstandards ein.

Laufende Umweltschutzaufwendungen in Mio €

 

 

2006/2007

 

2007/2008

 

2008/2009

 

2009/2010

 

2010/2011

 

Veränderung
in %

Luftreinhaltung

 

183

 

182

 

162

 

191

 

188

 

– 2

Gewässerschutz

 

204

 

201

 

195

 

226

 

224

 

– 1

Lärm- und Naturschutz

 

24

 

16

 

13

 

19

 

18

 

– 5

Recycling und Verwertung
von Reststoffen

 

109

 

112

 

84

 

96

 

109

 

14

Insgesamt

 

520

 

511

 

454

 

532

 

539

 

1


Hohe Energieeffizienz

Klimaschutz und Energieeffizienz sind feste Bestandteile unserer Konzernstrategie. Unsere Ingenieurkompetenz ermöglicht es unseren Kunden, mit innovativen Produkten Energie zu sparen sowie Ressourcen zu schonen.

In der Stahlherstellung verwenden wir die modernsten verfügbaren Technologien und haben die CO2‑Emissionen erheblich vermindert. Unsere Stahlwerke in Duisburg verfügen über ein komplexes Energiemanagement: Dieser sogenannte „Energieverbund" reduziert die Emissionen beachtlich und nutzt beispielsweise die in der Produktion entstehenden Kuppelgase, aber auch Abwärme und Dampf. In unseren Hochöfen in Duisburg liegt die Effizienz des Reduktionsmitteleinsatzes dadurch bereits nahe am chemisch-technischen Optimum. Mit bereinigt rund 1,7 t CO2 je Tonne Rohstahl unterschreitet ThyssenKrupp deutlich den Durchschnitt in der internationalen Stahlindustrie. Mit einem Energiesparprogramm für die deutschen Stahlstandorte haben wir zudem seit 2009 weitere Einsparpotenziale von jährlich fast 350.000 t CO2 und rund 59 Mio € identifiziert, die sukzessive realisiert werden. In Brasilien arbeiten wir an der Herstellung eines vergleichbaren Energieverbundes.

Gesellschaftliches Engagement

ThyssenKrupp setzt sich für die Menschen an unseren Standorten nachhaltig ein. Wir gestalten das Umfeld positiv mit und fördern die Bildung und Technikbegeisterung insbesondere der jungen Generation – auch dies ist für uns selbstverständlich und bedeutet einen Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft. Schon aus der Tradition heraus sind wir ein aktives Mitglied der Gesellschaft. Wir engagieren uns weltweit in Initiativen, durch Spenden, Sponsoring und andere Formen der Unterstützung.

Langfristige und vertrauensvolle Partnerschaften prägen unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Hierzu zählen seit Jahren zahlreiche große Projekte wie die Initiative "Zukunft Technik entdecken", die Kooperation mit "Jugend forscht" oder die Mitgliedschaft im Initiativkreis Ruhr. So haben wir auch 2010/2011 wieder die regionalen Wettbewerbe von „Jugend forscht“ in Dortmund und Duisburg ausgerichtet und den Regionalwettbewerb im Saarland als Partner unterstützt. Zudem organisieren wir bei außergewöhnlichen Naturkatastrophen und anderen Notfällen – wie im Berichtsjahr für Ostafrika – Spendenaktionen, an denen sich Mitarbeiter sowie Unternehmen beteiligen und damit ihre Hilfe bündeln.

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