Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht
Besondere Ereignisse nach dem Stichtag
Es lagen keine berichtspflichtigen Ereignisse vor.
Konjunkturaufschwung setzt sich 2010 fort
Der im 2. Halbjahr 2009 begonnene Aufschwung der Weltwirtschaft wird sich im weiteren Verlauf des Jahres 2010 – wenngleich mit geringerer Dynamik – fortsetzen. Nach dem spürbaren Rückgang im letzten Jahr ist 2010 mit einem Wachstum des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 4 % zu rechnen. Allerdings gehen von der Schuldenkrise, dem weiterhin hohen Abschreibungsbedarf der Banken sowie von der Preisentwicklung bei Rohstoffen hohe Unsicherheiten aus. Verbessert haben sich die Perspektiven für den Welthandel; hier ist 2010 ein Zuwachs von rund 10 % zu erwarten. Durch den Wegfall zahlreicher Konjunkturprogramme und den Zwang zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte wird das Welt-Wirtschaftswachstum 2011 voraussichtlich etwas schwächer ausfallen.
Der Euroraum entwickelt sich 2010 mit einem BIP-Wachstum von rund 1 % nur unterdurchschnittlich. Wachstumstreiber sind insbesondere steigende Exporte, die von der kräftigen globalen Nachfrage und dem schwächeren Euro profitieren. Allerdings wird die Verschuldungskrise einiger Euroländer das Ausgabeverhalten der privaten und öffentlichen Haushalte belasten und damit deren Wachstumsdynamik deutlich beeinträchtigen. Für Deutschland wird ein etwas höheres Wirtschaftswachstum von rund 2 % erwartet. Gründe hierfür sind die anziehenden Exporte und eine lebhafte Industriekonjunktur, flankiert von einem überraschend stabilen Arbeitsmarkt.
Die Wirtschaft der USA wird sich 2010 mit einem BIP-Zuwachs von etwa 3 % moderat erholen. Vom privaten Verbrauch gehen auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit, geringer Einkommenszuwächse, gesunkener Häuserpreise und schwieriger Kreditbeschaffung nur moderate Wachstumsimpulse aus.
In China und Indien ist 2010 mit einem BIP-Wachstum von rund 10 % bzw. 8 % die hohe Konjunkturdynamik vorerst ungebrochen; allerdings besteht in China das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft, insbesondere des Immobiliensektors. Dank gestiegener Rohstoffpreise werden auch Brasilien und Russland ein höheres Wirtschaftswachstum erreichen.
Hohe Unsicherheiten gehen von der weiteren Entwicklung auf den Rohstoffmärkten aus. So ist es den drei großen Eisenerzproduzenten in der 1. Jahreshälfte gelungen, die Verträge mit den Stahlunternehmen von Jahresverträgen auf Quartalsverträge umzustellen. Der Preis für die Erze wird dabei in jedem Quartal neu am volatilen Spotmarkt ausgerichtet. Da die Spotpreise auf Grund der Nachfrage in China deutlich über den Jahrespreisen lagen, kam es durch die Umstellung Anfang April 2010 zu Preissteigerungen von teilweise über 100 %. Die zunehmende Macht der Rohstoffkonzerne, eine steigende Nachfrage und auch spekulative Elemente lassen für die nächsten Quartale erhebliche Preisausschläge erwarten, die sich von der allgemeinen Konjunktur- und Branchenentwicklung abkoppeln können.
In den für ThyssenKrupp wichtigen Absatzmärkten gehen wir von folgenden Entwicklungen aus:
- Auf den Stahlmärkten in Europa, dem Nafta-Raum und Japan wird die Nachfrage 2010 im Wesentlichen aus lagerzyklischen Gründen höher ausfallen als im Vorjahr. Dabei werden die in den Vorjahren erreichten Niveaus bei Weitem noch nicht wieder erreicht, zumal sich in den Sommermonaten die Märkte deutlich beruhigt haben. Von einer nennenswerten Steigerung des realen Verbrauchs ist 2010 insbesondere in Europa nicht auszugehen. Durch den weiteren Kapazitätsaufbau weltweit besteht zudem das Risiko wieder steigender europäischer Importe aus Drittländern, insbesondere China. Hier hat sich in den letzten Wochen das inländische Nachfragewachstum verlangsamt. In den Schwellenländern dürfte der Stahlverbrauch weiter wachsen. Nach der Frühjahrsprognose des Weltstahlverbandes wird die globale Walzstahlmarktversorgung in diesem Jahr um 11 % zunehmen; dies entspricht einer Rohstahlproduktion von annähernd 1,4 Mrd t. Der bisherige signifikante Kostenanstieg für Rohstoffe wird sich in höheren Stahlpreisen niederschlagen müssen.
- Die Nachfrage nach rost-, säure- und hitzebeständigen Edelstahlflachprodukten dürfte sich 2010 trotz der aktuellen Schwäche in allen Regionen erholen. Weltweit wird in diesem Jahr der Anstieg voraussichtlich 18 % betragen. Für den westeuropäischen und nordamerikanischen Markt ist eine Zunahme von 22 % bzw. 28 % zu erwarten, In China wird sich die Wachstumsdynamik voraussichtlich auf 12 % abschwächen, während für den übrigen asiatischen Raum mit einem Plus von 22 % zu rechnen ist.
- Der Aufschwung im globalen Automobilmarkt setzt sich 2010 fort. Weltweit dürfte die Produktion in diesem Jahr um 11 % auf knapp 66 Mio Personen- und leichte Nutzfahrzeuge steigen. Für die USA und Japan werden nach den starken Einbrüchen in den Vorjahren wieder Zuwächse von bis zu 20 % erwartet, ohne allerdings das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Mit einem Plus von 28 % wächst die chinesische Fahrzeugproduktion nochmals etwas stärker als zuvor erwartet. In Westeuropa wird die Produktion mit 5 % weniger stark zunehmen; negativ wirkt sich das Auslaufen der Zulassungsprämien in vielen Ländern aus. Die Automobilhersteller in Deutschland können dank höherer Exporte das Produktionsniveau des Vorjahres wieder übertreffen.
- In der Maschinenbauindustrie der Industrieländer zeichnet sich nach den drastischen Einbrüchen im Vorjahr eine leichte Erholung ab. Auf Grund der niedrigen Kapazitätsauslastung und vorsichtiger Produktionserwartungen bleibt die Investitionsneigung gedämpft. Für Deutschland und die USA wird nur ein moderater Produktionsanstieg von jeweils 3 % erwartet; kräftiger ist die Zunahme in China und in Japan. Die Aussichten für den deutschen Großanlagenbau haben sich mit der anziehenden Konjunktur in vielen Schwellenländern verbessert.
- Die Schwäche der Baukonjunktur wird in den meisten Industrieländern auch 2010 anhalten. In den USA dürfte die Bauproduktion nochmals kräftig zurückgehen, und auch in den westeuropäischen Ländern dürfte sie weiter nachgeben. In Deutschland wird der öffentliche Bau in diesem Jahr dank der Konjunkturpakete zulegen. Dieser Anstieg reicht aber nicht aus, um den Rückgang im Wirtschaftsbau auszugleichen. Kräftig bleibt die Baukonjunktur in China und Indien.
Chancen durch Konjunktur und Rationalisierung
Verbesserte konjunkturelle Aussichten, vor allem aber unser qualitativ hochwertiges Produkt- und Leistungsprogramm und die erfolgreichen Maßnahmen zur Kostensenkung und Wertsteigerung bieten dem Konzern aussichtsreiche Zukunftschancen. Die im Geschäftsbericht 2008/2009 ausführlich dargestellten strategischen und operativen Chancen gelten weiterhin. Unsere Konzerninitiativen ThyssenKrupp PLuS und ThyssenKrupp best werden dazu beitragen, Produktivität, Profitabilität und Markterfolge weiter nachhaltig zu steigern.
Ausblick
Die Nachhaltigkeit der derzeitigen wirtschaftlichen Erholung beurteilen wir vorsichtig optimistisch.
Auf Grund der positiven Geschäftsentwicklung in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres hat sich unser Ausblick auf das Gesamtjahr hinsichtlich der Umsatz- und Ergebnisentwicklung verbessert.
Im Geschäftsjahr 2009/2010 gehen wir von einer leichten Steigerung des Umsatzes aus. Für die Ergebnisentwicklung erwarten wir eine signifikante Verbesserung hin zu einem wieder positiven Ergebnis, zu dem auch die eingeleiteten Kostensenkungsprogramme beitragen. Das Bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (um Sondereinflüsse korrigiertes EBIT) wird voraussichtlich über einer Milliarde Euro liegen. Das Bereinigte Ergebnis vor Steuern (um Sondereinflüsse korrigiertes EBT) erwarten wir im mittleren bis höheren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Dabei wird das Bereinigte EBT durch Anlaufverluste in der Business Area Steel Americas im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erheblich belastet werden.
Die Erwartungen für das 4. Geschäftsjahresquartal der einzelnen Business Areas sind wie folgt:
- Steel Europe – Gute Auslastung, höhere Durchschnittserlöse und deutlich gestiegene Rohstoffkosten
- Steel Americas – Negativer EBT-Beitrag auf Grund der Anlaufverluste für die Stahl- und Weiterverarbeitungswerke in Brasilien und den USA
- Stainless Global – Vorwiegend saisonaltypisch nachgebende Mengenentwicklung, stabiles Endkundengeschäft und nickelpreisbedingte Zurückhaltung im Handel
- Materials Services – Vorwiegend saisonaltypisch nachgebende Mengenentwicklung, höhere Flachstahlpreise und anhaltend gute Nachfrage aus Automobilindustrie und Maschinenbau
- Elevator Technology – Weiterhin hohe Ergebnisbeiträge dank des guten Auftragsbestands sowie des stabilen Wartungsgeschäfts
- Plant Technology – Weiterhin gut vorhersehbare Erlös- und Ergebnisentwicklung im Projektgeschäft auf Grund des Auftragsbestands, der eine gute Ergebnisqualität ausweist
- Components Technology – Belebung der Nachfrage bei Baumaschinen, überwiegend positive Ergebnisentwicklung bei Automobilzulieferern sowie weiterhin positiver Ergebnisbeitrag des Bereichs Großwälzlager für den Windenergiesektor
- Marine Systems – Anhaltende Verluste durch fehlende Auslastung im zivilen Schiffbau bis zum Abschluss der eingeleiteten Konsolidierung der Werftenstandorte
Für 2010/2011 erwarten wir eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes sowie weitere positive Effekte aus unseren Kostensenkungsprogrammen. Dies wird sich auf Umsatz und Ergebnis entsprechend auswirken.
Personelle Veränderungen im Vorstand
Der Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG hat in seiner Sitzung am 12. Mai 2010 auf Vorschlag des Personalausschusses Dr. Heinrich Hiesinger, gegenwärtig Mitglied des Vorstands der Siemens AG, München, mit Wirkung zum Ablauf der Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG am 21. Januar 2011 als Nachfolger von Dr. Ekkehard Schulz zum Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG bestellt. Dr. Hiesinger wird zum 01. Oktober 2010 in den Vorstand der ThyssenKrupp AG eintreten und zugleich den stellvertretenden Vorstandsvorsitz übernehmen. Als Vorsitzender des Vorstands wird Dr. Hiesinger die Ressorts Corporate Strategy & Technology, Corporate Executives, Corporate Communications, Corporate Information Technology und Internal Auditing verantworten.
Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat Dr. Jürgen Claassen, derzeit Generalbevollmächtigter der ThyssenKrupp AG, mit Wirkung zum Ablauf der Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG am 21. Januar 2011 zum Mitglied des Vorstands bestellt. Dr. Claassen wird als Vorstand für Konzernentwicklung und Compliance für die Ressorts Corporate Development, Legal & Compliance, Corporate Programmes und Corporate Sustainability zuständig sein.




