Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht
Besondere Ereignisse nach dem Stichtag
Es lagen keine berichtspflichtigen Ereignisse vor.
2010 noch kein nachhaltiger Konjunkturaufschwung
Zu Beginn des Jahres 2010 hat sich die konjunkturelle Lage nach der schwersten Rezession der letzten Jahrzehnte gebessert, ein nachhaltiger selbsttragender konjunktureller Aufschwung ist aber noch nicht erkennbar. Für 2010 ist mit einem Wachstum des Welt-Bruttoinlandsprodukts von 3,8 % zu rechnen. Nach dem Rückgang um 11,5 % im vergangenen Jahr dürfte der Welthandel in diesem Jahr um 9,5 % zunehmen.
Die wirtschaftlichen Perspektiven für den Euroraum bleiben 2010 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund 1 % verhalten. Der private Verbrauch wird kaum steigen, und von den Unternehmensinvestitionen werden angesichts unterausgelasteter Kapazitäten wenig Impulse ausgehen. Mit dem anziehenden Welthandel wird sich der Export positiv entwickeln. Für Deutschland wird ein Wirtschaftswachstum von 1,5 % erwartet. Die deutsche Wirtschaft wird auf Grund ihrer Exportorientierung stärker als andere Länder von der Erholung der Weltwirtschaft profitieren.
Die Wirtschaft der USA wird 2010 voraussichtlich um 2,9 % wachsen. Die Überschuldung vieler privater Haushalte und die wohl lediglich zähe Erholung auf dem Arbeitsmarkt werden den privaten Verbrauch belasten.
Die großen Schwellenländer dürften 2010 das hohe Expansionstempo verstärkt fortsetzen. China und Indien werden voraussichtlich mit einer Rate von 10,0 % bzw. 8,5 % wachsen. Auch die Aussichten für Brasilien haben sich weiter deutlich verbessert.
Ein erhebliches Risiko für den noch wenig gefestigten konjunkturellen Aufschwung der Weltwirtschaft stellt die Entwicklung auf den Beschaffungsmärkten dar. Für Eisenerz und Kokskohle sind in diesem Jahr erhebliche Preissteigerungen zu erwarten. Bei Eisenerz wurden bisher traditionell die Lieferpreise für die Dauer eines Jahres ausgehandelt. Da die Preise für Eisenerz auf den quantitativ wenig bedeutsamen Spotmärkten zuletzt auf Grund der Nachfrage in China deutlich über den Jahrespreisen lagen, wollen die drei marktbeherrschenden Erzproduzenten Preissteigerungen von teilweise über 100 % durchsetzen und gleichzeitig die Verträge mit der Stahlindustrie von Jahres- auf Quartalsbasis umstellen. Für das 2. Kalenderjahresquartal 2010 sind bereits erste Abschlüsse getätigt. Die enormen Preiserhöhungen belasten die Stahlindustrie und deren Kunden etwa im Automobil- oder Maschinenbau erheblich und können zu beträchtlichen Preisschwankungen führen. Darüber hinaus kann durch die Preiserhöhungen ein erhöhter Finanzierungsbedarf auf allen Produktionsstufen entstehen, der die Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft durch die Banken weiter beeinträchtigt.
In den für ThyssenKrupp wichtigen Absatzmärkten gehen wir von folgenden Entwicklungen aus:
- Auf dem Weltstahlmarkt sind die Erwartungen vorsichtig optimistisch. Nach der Frühjahrsprognose des Weltstahlverbandes wird die globale Walzstahlmarktversorgung 2010 um 11 % zunehmen; dies entspricht einer Rohstahlproduktion von annähernd 1,4 Mrd t. In Europa und dem NAFTA-Raum wird in diesem Jahr die Nachfrage im Wesentlichen aus lagerzyklischen Gründen höher ausfallen als 2009. Dabei werden die Produktions- und Nachfrageniveaus der Vorjahre bei weitem nicht wieder erreicht. Eine nennenswerte Steigerung des realen Verbrauchs ist insbesondere in Europa nicht erkennbar. Nicht zuletzt im Hinblick auf weitere Kapazitätserweiterungen weltweit besteht zudem in unserem europäischen Kernmarkt weiterhin das Risiko wieder steigender Importe aus Drittländern, insbesondere China. Die 2009 in China entstandenen Lagerüberhänge sowie ein restriktiverer wirtschaftspolitischer Kurs der chinesischen Regierung könnten das dortige Nachfragewachstum in diesem Jahr spürbar dämpfen. In den übrigen Schwellenländern dürfte der Stahlverbrauch wieder leicht wachsen. Der sich abzeichnende drastische Anstieg der Preise für Eisenerz und Kokskohle wird im weiteren Verlauf des Jahres zu deutlichen Stahlpreiserhöhungen führen.
- Die Nachfrage für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahlflachprodukte wird sich in diesem Jahr in allen Regionen erholen. Weltweit dürfte 2010 der Anstieg 10 % betragen. Für den westeuropäischen und nordamerikanischen Markt wird eine Zunahme von 10 % bzw. 18 % erwartet. In China wird sich die Wachstumsdynamik voraussichtlich auf 8 % abschwächen, während für den übrigen asiatischen Raum mit einem Plus von 13 % gerechnet wird.
- Der globale Automobilmarkt wird sich 2010 erholen. Für das laufende Kalenderjahr wird mit einem Produktionsanstieg um 10 % auf 65 Mio Personen- und leichte Nutzfahrzeuge gerechnet. Insbesondere Nordamerika und Japan, die 2009 die stärksten Einbrüche erlebten, werden überproportional wachsen. In China wird sich das Wachstumstempo mit der Rücknahme staatlicher Förderprogramme verlangsamen. Die Automobilhersteller in Deutschland profitieren 2010 von der wieder höheren Exportnachfrage; diese kann die durch das Auslaufen der Abwrackprämie hervorgerufene niedrigere Inlandsnachfrage kompensieren.
- In den Industrieländern bleiben die Produktionserwartungen der Maschinenbauindustrie nach den starken Rückgängen im Vorjahr unverändert gedämpft. Die niedrige Kapazitätsauslastung der Industrie belastet die Nachfrage nach neuen Anlagen. Für Deutschland und die USA wird nur ein leichter Produktionsanstieg von jeweils 3 % erwartet; dynamischer bleibt die Entwicklung in China. Der deutsche Großanlagenbau wird von den anziehenden Roh- und Grundstoffpreisen profitieren, die viele der geplanten und infolge der Rezession aufgeschobenen Projekte erneut marktfähig machen.
- Die Schwäche der Baukonjunktur hält in den meisten Industrieländern auch 2010 an. Insbesondere in den USA, aber auch in den westeuropäischen Ländern wird die Bauproduktion weiter zurückgehen. In Deutschland dürfte der öffentliche Bau dank der Konjunkturpakete 2010 nochmals zulegen. Dieser Anstieg wird aber nicht ausreichen, um den Rückgang im Wirtschaftsbau auszugleichen. Kräftig bleibt die Baukonjunktur in China und Indien.
Ausblick
Die Nachhaltigkeit der derzeitigen wirtschaftlichen Erholung beurteilen wir vorsichtig optimistisch. Die Auswirkungen der massiven Preissteigerungen für wesentliche Rohstoffe sind allerdings noch nicht zuverlässig abschätzbar.
Nach wie vor gehen wir für das Geschäftsjahr 2009/2010 von einer Stabilisierung des Umsatzes aus. Für die Ergebnisentwicklung erwarten wir eine signifikante Verbesserung hin zu einem wieder positiven Ergebnis, zu dem die eingeleiteten Kostensenkungsprogramme erheblich beitragen werden. Das Bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (um Sondereinflüsse korrigiertes EBIT) wird voraussichtlich im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. Das Bereinigte Ergebnis vor Steuern (um Sondereinflüsse korrigiertes EBT) erwarten wir in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Dabei wird das Bereinigte EBT durch Anlaufverluste in der Business Area Steel Americas im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erheblich belastet werden.
Die Erwartungen für die einzelnen Business Areas sind wie folgt:
- Steel Europe – Verbesserung der Mengen und der Kapazitätsauslastung bei unter Vorjahresniveau liegenden Durchschnittserlösen
- Steel Americas – Negativer EBT-Beitrag im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich auf Grund der Anlaufverluste für die Stahl- und Weiterverarbeitungswerke in Brasilien und den USA
- Stainless Global – Stabilisierung der Mengen bei verbesserten Basispreisen
- Materials Services – Stabilisierung der Mengen und Erlöse
- Elevator Technology – Weiterhin hohe Ergebnisbeiträge dank des guten Auftragsbestands sowie des stabilen Modernisierungs- und Wartungsgeschäfts
- Plant Technology – Gut vorhersehbare Erlös- und Ergebnisentwicklung im Projektgeschäft auf Grund des Auftragsbestands, der eine gute Ergebnisqualität ausweist
- Components Technology – Unverändert schwieriges Umfeld in der Baumaschinenzulieferung; Verbesserung bei der Automobilzulieferung bei weiterhin positivem Ergebnisbeitrag des Bereichs Großwälzlager für den Windenergiesektor
- Marine Systems – Verbesserte Ergebnisqualität durch die eingeleitete Konsolidierung der Werftenstandorte
Für 2010/2011 erwarten wir eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes sowie weitere positive Effekte aus unseren Kostensenkungsprogrammen. Dies wird sich auf Umsatz und Ergebnis entsprechend auswirken.




