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Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht

Es lagen keine berichtspflichtigen Ereignisse vor.

Für 2010 ist nur mit einem leichten Wachstum des Welt-Bruttoinlandsprodukts von rund 3 % zu rechnen. Ein nachhaltiger Aufschwung der Weltwirtschaft ist damit noch nicht in Sicht. Nach dem Abklingen der zahlreichen staatlichen Stützungsmaßnahmen bestehen weiterhin konjunkturelle Rückschlagrisiken. Auch auf den Finanzmärkten gibt es wegen des noch bestehenden hohen Abschreibungsbedarfs der Banken latente Korrekturrisiken.

Die US-Wirtschaft wird 2010 nur moderat wachsen. Der private Verbrauch kann zunächst nicht wieder die Rolle als dominanter Wachstumstreiber übernehmen. Auch für die exportabhängige japanische Wirtschaft ist in den nächsten Monaten nicht mit einer durchgreifenden Besserung zu rechnen.

In den großen Schwellenländern dürfte das Wachstum 2010 zumeist kräftig ausfallen. Gestützt durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen wird China das Bruttoinlandsprodukt erneut beträchtlich ausweiten können. Etwas stärker als im Vorjahr wächst die indische Wirtschaft.

Im Euroraum ist für 2010 noch kein selbsttragender Aufschwung in Sicht. Die deutsche Wirtschaft wird nur leicht wachsen. Im Jahresverlauf 2010 ist eine zwischenzeitliche konjunkturelle Verlangsamung wahrscheinlich. Ausgelaufene staatliche Stützungsmaßnahmen wie die Umweltprämie, steigende Arbeitslosigkeit und eine wieder anziehende Inflation werden die private Konsumneigung negativ beeinflussen. Die Exporte werden auf Grund der allmählichen globalen Stabilisierung moderat zunehmen. Daher ist 2010 nur ein leichtes Wachstum von rund 1,5 % zu erwarten.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen aus:

  • Auf dem Weltstahlmarkt bleiben die Perspektiven gedämpft. In Europa, dem Nafta-Raum und Japan wird in diesem Jahr die Nachfrage im Wesentlichen aus lagerzyklischen Gründen höher ausfallen als 2009. Dabei werden die in den Vorjahren erreichten Produktions- und Nachfrageniveaus noch nicht wieder erreicht. Nicht zuletzt im Hinblick auf weitere Kapazitätserweiterungen weltweit verstärkt sich vor allem in Europa erneut das Risiko steigender Importe aus Drittländern. Die 2009 in China entstandenen Lagerüberhänge könnten das dortige Nachfragewachstum spürbar dämpfen. In den übrigen Schwellenländern dürfte der Stahlverbrauch wieder leicht wachsen. Nach der Herbstprognose des Weltstahlverbandes wird die globale Walzstahlmarktversorgung 2010 um 9 % zunehmen; dies entspricht einer Rohstahlproduktion von rund 1,3 Mrd t. Aus heutiger Sicht werden höhere Preise für den Bezug von Rohstoffen die Kosten der Stahlproduzenten steigen lassen. Dies wird auch Stahlpreiserhöhungen nach sich ziehen.
  • Für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahlflachprodukte wird in diesem Jahr mit einer Zunahme der weltweiten Nachfrage um rund 10 % gerechnet, womit das globale Nachfrageniveau wieder leicht über dem des Jahres 2008 liegen wird. Ein positiver Trend lässt sich ebenfalls auf dem europäischen Markt beobachten, insgesamt wird das Niveau der vergangenen Jahre jedoch noch nicht erreicht. Im Nafta-Raum dürfte sich nach dem schwachen Jahr 2009 der Absatz wieder erhöhen. China und die übrigen asiatischen Länder werden ebenfalls von einer zunehmenden Nachfrage profitieren, wenngleich insbesondere China nicht das Wachstumstempo der vergangenen Jahre beibehalten wird.
  • Der internationale Automobilmarkt wird sich nach dem starken Rückgang im Vorjahr 2010 nur leicht erholen. Für das laufende Kalenderjahr rechnen wir mit einem Produktionsanstieg um 6 % auf knapp 63 Mio Personen- und Nutzfahrzeuge. Deutliche Zuwachsraten werden für die USA und Japan erwartet, ohne allerdings damit die tiefen Einbrüche aus dem Jahr 2009 kompensieren zu können. In China, dem inzwischen weltweit größten Fahrzeugmarkt, gibt die bisher sehr hohe Wachstumsdynamik mit der Rücknahme staatlicher Förderprogramme erheblich nach. Bei den westeuropäischen Herstellern dürfte die Produktion nur leicht zunehmen. In Deutschland wird nach dem Auslaufen der Umweltprämie insbesondere zu Jahresbeginn die Nachfrage nach Neufahrzeugen schwach ausfallen.
  • Die Lage im Weltschiffbau bleibt auch 2010 sehr angespannt. Die bestehenden Überkapazitäten drücken die Frachtraten; weitere Stornierungen von Neubauaufträgen sind wahrscheinlich. Die Produktion der deutschen Werften dürfte nach dem bisherigen dramatischen Einbruch der Bestellungen deutlich unter das Niveau von 2009 fallen.
  • Die nur zähe Erholung der Weltwirtschaft und die damit verbundene Investitionsschwäche werden auch 2010 die internationale Maschinenbauindustrie belasten. Nach dem starken Rückgang im vergangenen Jahr dürfte die Maschinenbauproduktion in den Industrieländern nur moderat zunehmen. In den USA und Deutschland werden Zuwächse von 3 % bzw. 2 % erwartet. Der chinesische Maschinenbau expandiert dagegen kräftiger.
  • Die Baukonjunktur wird sich auch 2010 in den meisten Industrieländern nicht erholen. In den USA und in vielen westeuropäischen Ländern dürfte die Bauproduktion weiter abnehmen. Auch für die deutsche Bauwirtschaft ist trotz staatlicher Konjunkturprogramme keine substanzielle Besserung in Sicht. Moderate Zuwächse sind für die meisten mittel- und osteuropäischen Staaten zu erwarten, während die Baukonjunktur in China und Indien weiter kräftig anziehen wird.

Ausblick

Unsere Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr sind gegenüber dem im Geschäftsbericht 2008/2009 veröffentlichten Ausblick unverändert: Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2009/2010 sehen wir die sich aktuell abzeichnende wirtschaftliche Erholung als noch fragil an.

Wir gehen für das Geschäftsjahr 2009/2010 von einer Stabilisierung des Umsatzes aus. Für die Ergebnisentwicklung erwarten wir eine signifikante Verbesserung hin zu einem wieder positiven Ergebnis, zu dem die eingeleiteten Kostensenkungsprogramme erheblich beitragen werden. Das Bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (um Sondereinflüsse korrigiertes EBIT) wird voraussichtlich im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. Das Bereinigte Ergebnis vor Steuern (um Sondereinflüsse korrigiertes EBT) erwarten wir in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Dabei wird das Bereinigte EBT durch Anlaufverluste in der Business Area Steel Americas im mittleren dreistelligen Millionen-Euro- Bereich erheblich belastet werden.

Die Erwartungen für die einzelnen Business Areas sind wie folgt:

  • Steel Europe – Verbesserung der Mengen und der Kapazitätsauslastung bei unter Vorjahresniveau liegenden Durchschnittserlösen
  • Steel Americas – Negativer EBT-Beitrag im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich auf Grund der Anlaufverluste für die Stahl- und Weiterverarbeitungswerke in Brasilien und den USA
  • Stainless Global – Stabilisierung der Mengen bei verbesserten Basispreisen
  • Materials Services – Stabilisierung der Mengen und Erlöse
  • Elevator Technology – Weiterhin hohe Ergebnisbeiträge dank des guten Auftragsbestands sowie des stabilen Modernisierungs- und Wartungsgeschäfts
  • Plant Technology – Gut vorhersehbare Erlös- und Ergebnisentwicklung im Projektgeschäft auf Grund des Auftragsbestands, der eine gute Ergebnisqualität ausweist
  • Components Technology – Unverändert schwieriges Umfeld in der Baumaschinenzulieferung; Verbesserung bei der Automobilzulieferung bei weiterhin positivem Ergebnisbeitrag des Bereichs Großwälzlager für den Windenergiesektor
  • Marine Systems – Verbesserte Ergebnisqualität durch die eingeleitete Konsolidierung der Werftenstandorte

Für 2010/2011 erwarten wir eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes sowie weitere positive Effekte aus unseren Kostensenkungsprogrammen. Dies wird sich auf Umsatz und Ergebnis entsprechend auswirken.

ThyssenKrupp PLuS erfolgreich fortgeführt

Wir führen das konzernweite Maßnahmenprogramm ThyssenKrupp PLuS fort, um die erreichten Erfolge zu stabilisieren und möglichst auszuweiten. Ziele des Programms sind es, positive Ergebnis- und Liquiditätseffekte zu realisieren, die Kosten und den Finanzierungsbedarf zu senken und die Performance künftig nachhaltig zu verbessern. Neben den bereits umgesetzten Maßnahmen zur Absicherung des Ergebnisses, Optimierung des Netto-Umlaufvermögens und Begrenzung der Investitionsauszahlungen verfolgen wir zusätzlich neue Wege und Möglichkeiten, die Ergebnis- und Liquiditätssituation des Konzerns weiter zu verbessern.